Kirchen in Rom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Kirchen in Rom, dem Zentrum der römisch-katholischen Kirche und Sitz des Papstes, haben teilweise wegen ihres Alters, teilweise wegen ihres kirchengeschichtlichen Ranges, eine besondere Bedeutung. Bekannt sind die sieben Pilgerkirchen, darunter die vier Papstbasiliken[1] sowie drei weitere Kirchen, die bei einer Pilgerreise nach Rom von jedem Pilger besucht wurden. Darüber hinaus existieren noch zahlreiche historisch oder architektonisch bedeutende Kirchengebäude aus allen nachchristlichen Epochen, von denen viele als Titularkirchen der Kardinäle oder Mittelpunkte der Ordensgemeinschaften eine Rolle spielen.

Die vier Papstbasiliken[Bearbeiten]

Die sechs ranghöchsten römisch-katholischen Gotteshäuser werden als Basilicae Maiores bezeichnet. Vier von diesen Kirchen stehen in Rom, die anderen beiden in Assisi. Die römischen Basilicae Maiores tragen den Titel Papstbasilika, früher Patriarchalbasilika. Die größte davon ist der Petersdom, die ranghöchste ist aber die Lateranbasilika, der ursprüngliche Sitz des Papstes, auch „Mutter der Kirchen“ genannt. Die anderen drei römischen Patriarchalbasiliken sind den Lateinischen Patriarchaten von Konstantinopel, Alexandria und Antiochia zugeordnet. Die Titel dieser Patriarchen wurden jedoch im 20. Jahrhundert abgeschafft und ihre Kirchen werden heute als Papstbasiliken bezeichnet.

Lateranbasilika
  • Die Lateranbasilika (San Giovanni in Laterano) eigentlich Kathedrale St. Johann im Lateran, wurde im 4. Jahrhundert von Konstantin I. als römische Hauptkirche errichtet und von Francesco Borromini barockisiert. Neben ihr befand sich bis 1309 die Papstresidenz, deren Reste in der Kapelle Sancta Sanctorum und der Heiligen Treppe (siehe Reliquien in Rom) fortbestehen. Bis zum 19. Jahrhundert wurden alle Päpste im Lateran gekrönt. Neben der Basilika steht der heutige Lateranpalast von 1586.
Petersdom
  • Der Petersdom (San Pietro in Vaticano) eigentlich Petersbasilika, ursprünglich auf eine von Kaiser Konstantin errichtete Basilika zurückgehend, stammt in seiner heutigen Form aus der Renaissance und dem Barock. Der Hauptaltar steht über der Stelle, an der sich der Legende nach das Grab des Apostels Petrus befand. Zu den Baumeistern der heutigen Kirche zählen Bramante, Michelangelo und Carlo Maderno. Der Petersdom war als Patriarchalbasilika dem Lateinischen Patriarchen von Konstantinopel zugeordnet.
  • Santa Maria Maggiore wurde von Papst Liberius an der Stelle errichtet, an der es in der Nacht des 4. August 352 geschneit haben soll. Dieses Wunder sei dem Papst zuvor von der Madonna angekündigt worden mit dem Wunsch, die Kirche am Ort des Wunders zu errichten. Am 5. August wird auch heute noch Mariä Schnee gefeiert. Dabei lässt man im Hauptgottesdienst weiße Blüten von der Decke „schneien“, die von den Pilgern aufgesammelt und den Kranken gebracht werden. Berühmt sind die Mosaiken aus der Erbauungszeit der heutigen Basilika unter Papst Sixtus III. um 440. Außerdem beherbergt die Kirche das berühmte Gnadenbild Salus Populi Romani sowie mehrere Grabmäler bedeutender Päpste. Beim Hauptaltar liegt unter einer einfachen Bodenplatte das Grab Berninis.

Die sieben Pilgerkirchen[Bearbeiten]

San Lorenzo fuori le Mura

Für römische Pilger obligatorisch war lange Zeit der Besuch der sieben Pilgerkirchen, die zu Fuß in etwa einem vollen Tag erreicht werden konnten. Im 16. Jahrhundert wurde die Tradition vom heiligen Philipp Neri wiederbelebt. Zu den Pilgerkirchen gehören die vier Papstbasiliken.

Die anderen drei Pilgerkirchen Roms sind

Frühchristliche und mittelalterliche Kirchen[Bearbeiten]

Pantheon

Die ersten christlichen Kirchen entstanden nach dem Toleranzedikt von Mailand im Jahr 313. Zu den ältesten Kirchen aus dieser frühen Zeit gehören die vier Papstbasiliken (siehe oben).

  • Das Pantheon wurde zwar im 2. Jahrhundert unter Kaiser Hadrian als heidnischer Tempel anstelle eines Vorgängerbaus errichtet, ist jedoch deshalb so gut erhalten, weil es seit 609 als Kirche Santa Maria ad Martyres diente. Der Titel verweist darauf, dass große Mengen von Märtyrerreliquien in die Kirche gebracht worden waren. Aus diesem Patrozinium leitet sich das Allerheiligenfest ab.
  • In der Basilika San Pietro in Vincoli, nicht weit vom Kolosseum, befindet sich Michelangelos Statue des Moses. Unter dem Altar werden die Ketten (vincoli) aufbewahrt, mit denen Petrus gefesselt gewesen sein soll. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem Jahr 455, steht aber auf Überresten aus dem 2. Jahrhundert.
  • Santa Pudenziana, wahrscheinlich im 4. Jahrhundert errichtet, ist zusammen mit ihrer Schwesterkirche Santa Prassede eine der ältesten Kirchen Roms. Sie beherbergt ein wertvolles Mosaik in der Apsis, ein Hauptwerk der spätantiken Mosaikkunst. Unterhalb der Kirche befinden sich die Überreste eines römischen Wohnhauses.
  • Santa Sabina ist eine 432 fertiggestellte Basilika auf dem Aventin, südwestlich des Colosseums.
  • Santa Maria in Cosmedin befindet sich zwischen dem Circus Maximus und dem Tiberufer. Die romanische Basilika stammt aus dem 6. Jahrhundert und wurde in bestehende antike Gebäude eingebaut, deren Reste im Innenraum noch zu sehen sind. Der Glockenturm wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Der Innenraum der Kirche enthält prächtige Kosmatenarbeiten und Mosaikfußböden sowie einen gotischen Baldachin über dem Altar. Bekannt ist die Kirche auch wegen des Bocca della Verità (Mund der Wahrheit), der am Eingang in die Mauer eingelassen ist; es handelt sich um einen antiken Abflussdeckel mit dem Gesicht eines Flussgottes. Das als Mund gebildete Loch zum Heben des Deckels diente einst als „Lügendetektor“, der Lügnern die Hand abbiss.
  • Santa Prassede, unweit von Santa Maria Maggiore, wurde 822 gebaut und enthält prachtvolle Mosaiken aus dem 9. Jahrhundert. Besonders eindrucksvoll ist die Cappella di San Zenone (Zenokapelle) im rechten Seitenschiff, die auch Paradiesgärtlein genannt wird. Die Kirche beherbergt den Stumpf der Säule, an der Jesus gegeißelt worden sein soll, und die Gebeine von 2000 Märtyrern, die aus den Katakomben hierher gebracht wurden.
  • San Clemente in der Nähe des Kolosseums wurde im 12. Jahrhundert über einer Basilika aus dem Jahr 385 errichtet, die 1084 zerstört wurde. Die Chorschranken sind noch aus der alten Kirche, das mittelalterliche Apsismosaik ist dem des Vorgängerbaues nachempfunden. Von der Oberkirche, die auch mit beeindruckenden Kosmatenarbeiten und Fresken geschmückt ist, kann man in die Ausgrabungen der frühchristlichen Kirche hinabsteigen, unter der sich wiederum Reste eines römischen Hauses aus dem 2. Jahrhundert befinden sowie ein Gebäude mit einem Mithrasheiligtum.

Gotische Kirchen[Bearbeiten]

Santa Maria sopra Minerva

Ursprünglich wirklich im gotischen Stil erbaut waren Santa Trinità dei Monti als französische und Santa Maria dell'Anima als deutsche Nationalkirche.

Renaissance-Kirchen[Bearbeiten]

  • Die Kirche Santa Maria degli Angeli wurde von Michelangelo in die Ruinen der Diokletiansthermen an der Piazza della Repubblica integriert. Die Kirche wurde später barock ausgebaut. Das Querschiff fiel dabei länger aus als das Langschiff. Die Sonnenuhr sowie der Meridian zur Bestimmung des gregorianischen Kalenders in der Kirche sind beachtenswert.

Barock-Kirchen[Bearbeiten]

Il Gesù
  • Die Kirche Il Gesù gilt als Prototyp einer Barockkirche. Sie steht dort, wo 1556 der Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, starb. Das Grab des Heiligen befindet sich im linken Seitenarm. Der Altarschmuck aus Gold, Marmor und Alabaster enthält das größte bekannte Stück Lapislazuli, eine von Engeln getragene Weltkugel. Das Deckengemälde im Mittelschiff zeigt in perspektivischer Malerei die Glorie des „Namens Jesu“ und wurden stilbildend in ganz Europa. Im rechten Seitenarm findet sich der mumifizierte Arm des heiligen Franz Xaver, der Gründungsmitglied des Jesuitenordens war und als erster Missionar bis ins ferne Asien kam.
  • Sant’Ignazio di Loyola in Campo Marzio wurde 1626 als zweite große Jesuitenkirche begonnen und 1685 vollendet. Verblüffend sind die perspektivischen Deckenfresken des Jesuiten Andrea Pozzo, die man von einem am Boden markierten Punkt aus betrachten muss (von jedem anderen Punkt aus sind die Bilder verzerrt). Die optische Täuschung der in Wirklichkeit völlig flachen gemalten Scheinkuppel verblüfft auch heute noch die Besucher. Die Piazza di Sant'Ignazio vor der Kirche ist ein Rokokoensemble aus dem 18. Jahrhundert von Filippo Raguzzini.
  • Sant’Andrea al Quirinale, nur einige Meter weiter, ist ein Werk Berninis aus den Jahren 1658 bis 1671. Die kleine Kirche ist ein Juwel des Barock. Ein überwältigender Raumeindruck entsteht aufgrund der querelliptischer Kubatur.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Sacro Cuore del Suffragio

Moderne Kirchen[Bearbeiten]

Noch immer werden in Rom neue Kirchen errichtet; allein unter Papst Johannes Paul II. wurden rund fünfzig neue Kirchen gesegnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Walther Buchowiecki: Die vier Patriarchalbasiliken und die Kirchen innerhalb der Mauern Roms. In: Handbuch der Kirchen Roms: der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Band 1, Hollinek, Wien 1967, DNB 550491015.
  •  Mariano Armellini: Le Chiese di Roma. Rom 1891.
  • Ursula Fischer Pace: Kunstdenkmäler in Rom. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirchen in Rom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.vatican.va
  2. Diocesi di Roma: S. Lorenzo fuori le Mura (italienisch)