Sauerkraut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Sauerkraut als Lebensmittel; zur Fernsehserie, dem Kinderbuch und dem von Helme Heine gegründete Kabarett siehe Sauerkraut (Helme Heine).
Sauerkraut im Glas

Sauerkraut [ˈzaʊ.ɐ.kʁaʊt] oder Sauerkohl ist durch Milchsäuregärung konservierter Weißkohl oder Spitzkohl und wird meist gekocht als Beilage gegessen. Es gilt international als eines der bekanntesten deutschen Nationalgerichte.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Sauerkraut ist reich an Milchsäure, Vitamin A, B, C, K und Mineralstoffen und mit den Kohlgemüsen ein wichtiger heimischer Vitamin-C-Lieferant im Winter. Sauerkraut ist kalorienarm (etwa 80 kJ (19 kcal) je 100 g), praktisch fettlos, enthält 3 bis 4 % Kohlenhydrate und 1 bis 2 % Proteine. Das außerdem enthaltene Histamin kann Unverträglichkeiten auslösen.

Wilhelm Busch: Max und Moritz, 1865
Eben geht mit einem Teller
Witwe Bolte in den Keller,
Daß sie von dem Sauerkohle
Eine Portion sich hole,
Wofür sie besonders schwärmt,
Wenn er wieder aufgewärmt.

Geschichte[Bearbeiten]

Gemüse durch Milchsäuregärung zu konservieren ist eine sehr alte, in verschiedenen Weltregionen praktizierte Technik. Im antiken Griechenland und im Römischen Reich war so gesäuerter Weißkohl bekannt, ebenso in China.

Bereits um 1270 wird das Sauerkraut in der Erzählung Meier Helmbrecht erwähnt:

ein krût vil kleine gesniten;
veizt und mager, in bêden siten,
ein guot fleisch lac dâ bî.[1]

Von den griechischen Naturphilosophen ist bekannt, dass sie Sauerkraut empfahlen.[2]

Sauerkraut gehörte bis zur Etablierung neuerer Konservierungsmethoden zu den im Winter in Deutschland, den Niederlanden und Polen hauptsächlich verarbeiteten Zutaten. Es gelangte auch in die jüdische Küche. Besonders in osteuropäischen Staaten wird sehr viel Sauerkraut gegessen. Durch seinen hohen Vitamingehalt (besonders Vitamin C) beugte es im Winter Mangelerscheinungen vor. Deshalb wurde es auch ganzjährig als Proviant in der Seefahrt eingesetzt, nachdem im 18. Jahrhundert entdeckt worden war, dass der Verzehr von rohem Sauerkraut Skorbut verhindert.

Vor allem während der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde im englischen Sprachraum häufig die stereotypisierende Bezeichnung Krauts für Deutsche (bzw. Kraut für Deutscher) verwendet, welche wohl auf den traditionell hohen Konsum von Sauerkraut während der Wintermonate in Zentraleuropa, speziell in Deutschland, zurückzuführen ist.

Herstellung[Bearbeiten]

Krauthobel und Storzmesser
Sauerkrauttopf

Frischer Weißkohl kommt, (ohne den Storzen der zuvor mit dem Strunk- oder Storzmesser entfernt wird) in feine Streifen mit einem Krauthobel geschnitten, in einen Topf. Mit einem Krautstampfer zersprengt man die Pflanzenzellen: Der Zellsaft kann austreten und schließlich den Kohl ganz bedecken. Beigefügtes Salz entzieht während des Gärungsprozesses dem Weißkohl die Flüssigkeit und konserviert den Saft bis zur Gärung (Fermentierung). Bei Weinsauerkraut bzw. Weinkraut wird zusätzlich etwas Weißwein dazugegeben. Die Salzlake bedeckt während der ganzen Gärung, die circa vier bis sechs Wochen dauert, den Weißkohl. Wichtig ist, dass keine Luft zwischen dem frischen Kohl bleibt, da sonst statt der gewünschten sauren Gärung ein Fäulnisprozess beginnen könnte. Deswegen muss Sauerkraut kräftig gestampft und mit Gewichten gepresst werden.

Ursprünglich benutzte man Holzfässer (wie auch bei Salzfleisch oder Salzbohnen) später Steinguttöpfe zur Zubereitung. Um einen Luftabschluss und ein gleichzeitiges Entweichen von Gasen zu ermöglichen, besitzt der Sauerkrauttopf eine umlaufende mit Wasser gefüllte Rinne. Der aufgesetzte Deckel taucht rundum in das Wasser und verhindert einen Luftzutritt. Bei Überdruck entweichen die Gasblasen nach außen.

Das eingelegt Gut darf nie auch nur ansatzweise austrocknen da es sonst sofort schimmelt und einen grausigen Geschmack annimmt der das gesamte Kraut befällt. Es muss daher ständig (möglichst täglich) kontrolliert und bei Bedarf mit Salzlake (kein Wasser!) nachgefüllt werden.

Seit dem späten 19. Jahrhundert stellt man Sauerkraut industriell her, zunächst in Holzfässern, heute in luftdicht verschließbaren Gärsilos. Die älteste deutsche Sauerkrautfabrik ist die Firma Leuchtenberg aus Neuss. Dort wird seit 1861 traditionell Sauerkraut hergestellt. Heutigem industriell hergestellten Sauerkraut wird oft weiteres Vitamin C als Antioxidans zugegeben. Die Lagerfähigkeit wird dadurch erhöht.

Die in der Luft vorhandenen und am Weißkohl haftenden Milchsäurebakterien bringen den Gärungsprozess in Gang. Bei den heute üblichen hygienischen Produktions- und Lagerbedingungen kann eine separate Zugabe der Bakterien anstehen, um Fehlgärungen zu vermeiden. Die verwendete Art Leuconostoc mesenteroides setzt auch das Molkereiwesen ein.

Der Ablauf der Gärung wird in drei Phasen eingeteilt:

  1. Phase (die ersten drei Tage)
    Es entwickeln sich Hefen und Essigsäurebakterien (diese sind bereits im Substrat vorhanden), die den restlichen Sauerstoff verbrauchen und Ethanol, Säuren und Ester herstellen.
  2. Phase (weitere drei Tage)
    Es werden heterofermentative Milchsäurebakterien (z. B. Leuconostoc-Arten wie Leuconostoc mesenteroides) hinzugegeben. Sie bilden Milchsäure, Essigsäure, Mannit und Kohlenstoffdioxid. Der pH-Wert sinkt. Das im Substrat vorhandene Ethanol verestert mit Säuren und wird zu einer wichtigen Geschmackskomponente im Sauerkraut. Je niedriger der pH-Wert ist, umso stärker werden unerwünschte Fremdorganismen wie Clostridien in ihrem Wachstum gehemmt. Die Milchsäurebakterien produzieren Milchsäure, bis deren Konzentration auf 2 % gestiegen ist. Danach werden auch die MS-Bakterien in ihrem Wachstum gehemmt.
  3. Phase (ab einem Säuregehalt von 1–2 %, 3–6 Wochen)
    Es werden homofermentative Milchsäurebakterien hinzugegeben, die noch säuretoleranter sind, z. B. Lactobacillus-Arten wie Lactobacillus brevis. Die Gärdauer beträgt bei Raumtemperatur 3–4 Wochen, bei Kellertemperatur 5–6 Wochen.

Zubereitung[Bearbeiten]

In rohem Sauerkraut sind noch die meisten Vitamine und Mineralstoffe des Weißkohls enthalten. Es ist lose bei Fleischereien, in Reformhäusern und auf Märkten erhältlich. Ansonsten kommt Sauerkraut als Dauerkonserve in Dosen, Gläsern oder in verschweißten Kunststoffbeuteln in den Handel.

Sauerkraut wird mit etwas Wasser oder Brühe und Fett etwa eine halbe Stunde lang gedünstet. Übliche Gewürze sind – neben Salz und PfefferLorbeer, Wacholder, Kümmel, Nelken, Majoran auch Estragon, Fenchelsamen, Bohnenkraut oder Zucker. Je nach Region werden noch Zutaten wie Zwiebeln, Äpfel oder Weintrauben zugegeben. In Hessen ist das beispielsweise Apfelsaft und in Thüringen Bier.

Viele schätzen insbesondere aufgewärmtes Sauerkraut: An Vortagen zubereitet schmeckt es deutlich verändert, vor allem ist es weicher.

Gerichte mit Sauerkraut[Bearbeiten]

Das tschechische Nationalgericht Vepřo-knedlo-zelo
  • Bei den hessischen Rippchen mit Kraut wird gepökeltes Schweinekotelett im Sauerkraut mitgekocht.
  • Sauerkraut ist wichtiger Bestandteil der bayerischen Küche, meist mit Kümmel gewürzt und oft leicht mit Mehlschwitze gebunden.
  • Sauerkraut gehört zur schwäbischen Küche. Die Filder südlich von Stuttgart sind eines der bekanntesten Anbaugebiete für Spitzkraut (Filderkraut). In Leinfelden-Echterdingen feiert man alljährlich das Filderkrautfest. Ebenfalls typisch für die schwäbische Küche sind Schupfnudeln (schwäb. „Buabaspitzla“) und oft auch Speck zum Sauerkraut.
  • In der berlin-brandenburgischen Küche gibt es viel Sauerkraut.
  • In Franken erhält mehrmals gekochtes Sauerkraut Fleischeinlagen. Sie geben einen kräftigen Geschmack.
  • Klunz ist ein mitteldeutsches Gericht mit Sauerkraut und Schmalz.
  • Das Sauerkraut in Sachsen ähnelt dem fränkischen, wird jedoch häufig mit Kümmel gewürzt.
  • Die elsässische Form der Schlachtplatte ist Choucroute garnie, garniertes Sauerkraut.
  • Im Szegediner Gulasch aus der ungarischen Küche vermischt sich ein Gulasch mit viel Sauerkraut und etwas Sauerrahm.
  • Wesentlicher Bestandteil des polnischen Nationalgerichtes Bigos ist Sauerkraut.
  • In der Schweiz zur Berner Platte und Schweizer Platte.
  • Im ganzen süddeutschen Sprachraum zur Schlachtplatte mit Kesselfleisch und gekochten Blut- und Leberwürsten.
  • In Österreich zum Bauernschmaus, mit gebratenem und gepökeltem Fleisch (bzw. Schweinsbraten und Selchfleich), Frankfurter Würstchen und dazu Knödel.
  • In Österreich zum Schweinsbraten mit Erdäpfelknödel.[3]
  • In Tschechien das Nationalgericht „Vepřo-knedlo-zelo“ (Braten mit Knödeln und Kraut).
  • Im württembergisch-fränkischen Heilbronn wird oft ein Sauerkrautauflauf zubereitet. Hierbei wird das Sauerkraut abwechselnd mit grober Leberwurst und Kartoffelpüree in eine Auflaufform geschichtet und dann im Backofen gebacken, bis sich die oberste Schicht Kartoffelpüree leicht braun färbt. Dazu reicht man Brot und Schupfnudeln.
  • Auf dem Balkan (besonders Rumänien, Bulgarien und Serbien) ist Sarma beliebt: Ganze gesäuerte Kohlköpfe werden „entblättert“, diese Blätter werden mit einer gewürzten Farce aus Reis gefüllt, anschließend in Sauerkraut im Ofen gegart oder in einer geschwitzten Flüssigkeit gekocht.
  • In den USA ist das Reuben-Sandwich weit verbreitet. Es besteht aus Roggenbrot mit Corned Beef, Sauerkraut, Schweizer Käse und Salatdressing und wird vor dem Verzehr mit allen Zutaten geröstet.

Weitere Verwendung[Bearbeiten]

Ähnliche Speisen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Sauerkraut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Sauerkraut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/13Jh/Helmbrecht/hel_meir.html
  2. Sauerkraut. Eintrag Nr. 188 im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums.
  3. Schweinsbraten. Eintrag Nr. 180 im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums.
  4. Erhard Gorys, Das neue Küchenlexikon, dtv, München 1994–2002, ISBN 3-423-36245-6.