Botho Strauß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Botho Strauß (* 2. Dezember 1944 in Naumburg) ist ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker. Er gehört zu den erfolgreichsten und meistgespielten zeitgenössischen Dramatikern auf deutschen Bühnen.

Leben[Bearbeiten]

Botho Strauß studierte nach Schulbesuch in Remscheid und in Bad Ems [1] einige Semester Germanistik, Theatergeschichte und Soziologie in Köln und München, brach das Studium jedoch ohne Abschluss ab. Zwischen 1967 und 1970 war er Journalist bei der Zeitschrift Theater heute. Anschließend war er bis 1975 Dramaturg an der Schaubühne am Halleschen Ufer. Danach etablierte er sich als freier Schriftsteller.

Seine Erstlingswerke wurden von der Kritik positiv aufgenommen. So schrieb Marcel Reich-Ranicki am 10. August 1977 in der FAZ: „Denn was er schon kann, zeugt von Talent. Was ihm noch fehlt, lässt sich erlernen. Dieser Mann ist eine große Hoffnung unserer Literatur. Vielleicht wird von ihm der Roman seiner Generation kommen.“

Eine kontroverse Diskussion hat in der Literaturwissenschaft sein Roman Der junge Mann (1984) ausgelöst. Im Jahre 1985 hat er sein erstes längeres Gedicht (75 S.) publiziert: Diese Erinnerung an einen, der nur einen Tag zu Gast war. Es berührt, in vielfältigen Strophenformen und Versmaßen gefasst, alle Formen des gesellschaftlichen Miteinanders der Menschen. Es ist der Versuch eines lyrischen Ichs, seine Position neu zu definieren.

Neben Theaterstücken hat Strauß Kurzgeschichten und Bücher mit Essays und Aphorismen verfasst. Darin setzt er sich auch mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Fragen auseinander: mit Fragen der Technik und der Evolution. So in Beginnlosigkeit (1992). Seit Ende der 1980er Jahre geriet er aufgrund seiner demokratie- und zivilisationskritischen Essays – allen voran Anschwellender Bocksgesang,[2] veröffentlicht 1993 im Spiegel – unter Kritik. Sätze wie, „dass ein Volk sein Sittengesetz gegen andere behaupten will und dafür bereit ist, Blutopfer zu bringen, das verstehen wir nicht mehr und halten es in unserer liberal-libertären Selbstbezogenheit für falsch und verwerflich“, wurden u. a. von Ignatz Bubis scharf kritisiert. Später relativierte Bubis seine Kritik.[3][4] Der Essay wurde von Heimo Schwilk und Ulrich Schacht als Impuls und Basis genommen, um zusammen mit 25 weiteren Autoren [5] ihren programmatischen Sammelband Die selbstbewusste Nation zu erstellen.[6]

Lob und Kritik sind auch 2004 – anlässlich seines 60. Geburtstags – in der deutschen und internationalen Presse erschienen. Im Februar 2006 veröffentlicht Strauß: Der Konflikt (in Der Spiegel). 2005/2006 wurde in Paris und Berlin sein neuestes Stück Die Schändung uraufgeführt. 2006 erscheinen seine 41 Kalendergeschichten (Mikado) im Hanser Verlag. Fünf Kalendergeschichten werden mit acht Kreidezeichnungen von Neo Rauch im Verlag Kleinheinrich (Münster) in einer limitierten Auflage (180 Exemplare) unter dem Titel Der Mittler zusätzlich veröffentlicht. 2007 erschien seine erste Novelle: Die Unbeholfenen.

In seinem Essay: Der Maler löst den Bann (Der Spiegel, 30/2008) setzt er sich mit den „übermalten Fotos“ von Gerhard Richter auseinander. Durch die Kooperation mit Neo Rauch und die Bearbeitung von „übermalten Fotos“ von Gerhard Richter hat Strauß sein schriftstellerisches Werk auch auf die aktuelle Malerei bezogen. Eine Fortsetzung folgt 2009 in einer Kooperation mit Thomas Demand: Zu Fotografien der deutschen Geschichte seit 1945, die der bildende Künstler in der Neuen Nationalgalerie Berlin ausstellt, liefert Botho Strauß unveröffentlichte Texte als Bildlegenden.[7]

Anfang April 2009 wird am Bayrischen Staatsschauspiel Strauß' neues Stück Leichtes Spiel. Neun Personen einer Frau von Dieter Dorn uraufgeführt. Dazu schreibt Gerhard Stadelmaier in die FAZ: „Das große Weiberwelttheater. Uraufführungen von B.S. sind die Feste des Theaters. Der Leichtnehmer Dorn ist der kongeniale Regie-Partner des Dramatikers Strauß, der das Schwerste leicht nimmt, weil er es nicht löst, sondern in der Schwebe hält …“[8]

Seine Werke werden in zahlreichen Sprachen publiziert.

Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Botho Strauß lebt heute in Berlin und in der Uckermark.

Werke[Bearbeiten]

Essays[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • text + kritik, Zeitschrift für Literatur. Heft 81: Botho Strauß. 1984, ISBN 3-88377-162-7.
  • Jürgen Schröder: Who's Afraid Of…? Botho Strauß und die deutsche Nachkriegsliteratur. In: Robert Weninger, Brigitte Rossbacher (Hrsg.): Wendezeiten – Zeitenwenden. Positionsbestimmungen zur deutschsprachigen Literatur 1945–1995. Stauffenburg Verlag, Tübingen 1997, S. 215–231.
  • Pia-Maria Funke: Über das Höhere in der Literatur. Ein Versuch zur Ästhetik von Botho Strauß. 1996, ISBN 3-8260-1159-7.
  • Stefan Willer: Botho Strauß zur Einführung. Junius, Hamburg 2000, ISBN 3-88506-317-4.
  • Sebastian Schauberger: Permanenz der Urbilder. Mythische und biblische Anspielungen bei Botho Strauß. Dissertation. Universität Bielefeld, 2000 (Online-Datei, 670 kB).
  • Michael Wiesberg: Botho Strauß. Dichter der Gegen-Aufklärung. Perspektiven 3. Edition Antaios, Dresden 2002, ISBN 3-935063-03-2.
  • Dirk Michael Becker: Botho Strauß: Dissipation. Die Auflösung von Wort und Objekt. Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-232-5.
  • Marcin Nowak: Das 'Leben in Scheidung'. Conditio humana im Werk von Botho Strauß. Dresden/ Wroclaw 2006, ISBN 3-934038-56-5 und 83-7432-107-5.
  • Geum Hwan Choo: Intertextualität in Botho Strauß’ Dramen anhand ausgewählter Stücke und Inszenierungen. München 2006.
  • Christoph Kappes: Schreibgebärden – zur Poetik und Sprache bei Thomas Bernhard, Peter Handke und Botho Strauß. Würzburg 2006.
  • Eva C. Huller: Griechisches Theater in Deutschland: Mythos und Tragödie bei Heiner Müller und Botho Strauß. Weimar/ Köln 2007.
  • Franziska Regner: „Horchendes Verlauten“. Globale Resonanzräume in den Prosatexten von Botho Strauß. Dissertation, Universität Mannheim, 2008 (Volltext)
  • Natascha Siouzouli: Wie Absenz zur Präsenz entsteht. Botho Strauß inszeniert von Luc Bondy. Transcript, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-891-9.
  • Ralf Havertz: Der Anstoß. Botho Strauß’ Essay „Anschwellender Bocksgesang“ und die Neue Rechte. Eine kritische Diskursanalyse. 2 Bände. Traktor, Berlin 2008, ISBN 978-3-9811991-2-3 und ISBN 978-3-9811991-4-7.
  • Helga Arend: Mythischer Realismus – Botho Strauß’ Werk von 1963 bis 1994. Trier 2009, ISBN 978-3-86821-192-4.
  • Hans Peter Balmer: Botho Strauß: Der Untenstehende auf Zehenspitzen. In: Große Werke der Literatur, Hans Vilmar Geppert (Hrsg.), Bd. 9, A. Francke, Tübingen 2006, S. 165–187.
  • Philippe Wellnitz: Botho Strauß en dialogue avec le théâtre. Autoréférentialité théâtrale dans Trilogie du revoir, Grand et petit, Kalldewey,farce. Orizons, Paris, 2010, ISBN 978-2-296-08764-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2.  Anschwellender Bocksgesang. In: Der Spiegel. Nr. 6, 1993, S. 202–207 (8. Februar 1993, online).
  3. Wegbereiter wie Nolte. Ignatz Bubis erläutert seine Intellektuellen-Schelte, Spiegel vom 18. April 1994.
  4. Technische Universität Dresden: Anschwellender Bocksgesang (Version vom 5. August 2007 im Internet Archive) 1993
  5. Martin Doerry: Lehrmeister des Hasses. In: Der Spiegel, 17. Oktober 1994
  6. http://www.focus.de/kultur/buecher/sachbuch-die-neuen-rechten_aid_148913.html
  7. Nationalgalerie.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGerhard Stadelmaier: Das große Weiberwelttheater. Botho Strauß in München. FAZ, 6. April 2009, abgerufen am 21. Februar 2012. Siehe auch: Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChristopher Schmidt: Die neunfache Frau. Süddeutsche Zeitung, 3. April 2009, abgerufen am 21. Februar 2012.