Schloss Neugebäude
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Schloss Neugebäude wurde genau an der Stelle erbaut, wo 1529 Sultan Süleymans Zeltburg stand. Der Bauplatz wurde bewusst gewählt zur Vergrößerung von Kaiser Maximilian II. Ruhm, der mit dieser repräsentativen Anlage seinen Machtanspruch kundtat. Heute stehen nur noch Teile des Gebäudes im Wiener Gemeindebezirk Simmering, die Gartenanlage wird zur Zeit ausgegraben und rekonstruiert.
Der Kaiser hatte bereits ein Jagdschloss in Kaiserebersdorf. Er ließ es ausbauen, wollte dann aber doch ein "Lustschloss", von dem aus er seine Jagdreviere in den Donauauen überblicken und seiner Gartenleidenschaft nachkommen konnte. Das Projekt der Schlossanlage wurde zum Lieblingsprojekt von Kaiser Maximilian II. Er fügte auch die erste Menagerie Europas hinzu. Dieser Tiergarten wurde später von Maria Theresia nach Schönbrunn verlegt. Im Gegensatz zum "alten" Schloss Kaiserebersdorf ist auch der Name "Neugebäude" zu verstehen, der urkundlich erstmals im Oktober 1573 als das "neue Gepews" auftaucht.
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[Bearbeiten] Schloss
Am 1. November 1566 schrieb Kaiser Maximilian II. in sein Tagebuch ... man sich umb Personen bewerb, die bauverständig seien ... Es war sein großer Wunsch, ein Lustschloss in Simmering bei Wien, das Fasangartengebäude, das Neugebäude zu errichten. Jacopo della Strada, Baumeister des Kaisers legte den Entwurf für Schloss Neugebäude vor. 1569 wurde mit dem Bau des Schlosses begonnen. Im neuen Steinbruch am Leithaberg fanden erste Steinmetzarbeiten statt, die Meister Bartolomeo Pethan und Antonius Pozzo arbeiteten an den monumentalen Säulen für die westliche Galerie. 1572 ist Hans Bürger als Baumeister dokumentiert. Die Hofkammer forderte am 17. April 1576 von der Herrschaft Trautmannsdorf, eine Brücke über die Leitha auszubessern, damit die Fuhrleute mit ihren, für das Neugebäude bestimmten Steinfuhren nicht behindert würden. Am 13. Juni 1576 erging an die Gemeinden Sommerein, Sarasdorf und Wilfleinsdorf die Verordnung mit ihren Fuhrwerken große Steinblöcke aus dem Steinbruch des Leithagebirges zum neuen Fashangartengebäu zu transportieren. Sollten deren Wägen zu schwach sein, so würde Verordnung geschehen, dass die Herrschaften die Wägen und die Gemeinden Pferde und Ochsen stellten. Es musste eine weitere Verordnung am 5. Oktober 1576 erfolgen, sie sollten die steinernen Säulen, die man für den kaiserlichen Bau gehauen habe, alsbald gegen gebührliche Bezahlung anliefern, damit Ihrer Majestät Arbeiter nicht feiern müssten. Am 12. Oktober kam die eindringliche Forderung, es sey doch der ganze handl nit mer denn das sy sieben oder acht steinerne seylen (Säulenpaare) herauf zum gepew furen und dagegen in gullt sollen einnehmen.
Der Kammer war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, dass der Kaiser am selben Tag in Regensburg gestorben war. Die Anlage war zwar keineswegs vollendet, aber die Arbeiten waren weiter fortgeschritten, als man angenommen hatte. Kaiser Rudolf II. ließ aus Pietät dem Vater gegenüber den Bau weiterführen, tatsächlich bestand nur geringes Interesse. 1579 wurden die Säulen der östlichen Galerie aus dem kaiserlichen Steinbruch geliefert.
Ladislaus von Zierotin, ein mährischer Adeliger, beschrieb im Juli 1590 das schöne Gebäude, den langen Innenhof, der mit hohen Säulen aus weißem Marmor geschmückt ist, Brunnenschalen aus englischem Alabaster, Türme mit Kupfer gedeckt und mit Malereien und Statuen geziert, .... Um 1600 setzten bereits Verfallserscheinungen ein, von den Galerien fiel der Putz ab.
Am 22. Mai 1665 wurden alte Kupfer für die Wiener Hofburg abtransportiert, ...zum neuen Burgbau das Kupfer vom einfallenden Turm auf dem Neygebauen engefolget. 1683 überstand das Schloss die Türken ohne Zerstörung. Der Kuruzzeneinfall am 11. Juni 1704 unter Fürst Franz II. Rákóczy verursachte große Schäden. Auf ihrem Rückweg wurde das Neugebäude in Brand gesteckt. Es beherbergte damals die kaiserliche Menagerie, die meisten der seltenen Tiere wurden getötet.
Teile der Anlage finden sich heute in Schönbrunn; Maria Theresia ließ wertvolle Elemente vor allem für den Bau der Gloriette dorthin transferieren.
Das "Neugebäude" - aus kunsthistorischer Sicht als Anlage des Manierismus, also der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock, zu bezeichnen - besteht im Wesentlichen aus sechs Bereichen:
Dem zentralen Hauptgebäude mit Nordterrassen, Haupthof und dem U-förmigen Ehrenhofgebäude.
Den Bauteilen um den so genannten Löwenhof, bestehend aus Ballspielhaus, Zwingergang, Stall- und Nebengebäude samt den begleitenden Mauerzügen.
Den oberen Garten, dessen Mauerzüge und Türme den Fasangarten und das so genannte Blumenparterre umschließen.
Den unteren Garten mit den heute nicht mehr bestehenden Mauern und dem vorgelagerten Weiher.
Das historische Meiereigebäude, heute außerhalb des Gesamtareals an der Neugebäudestraße gelegen.
Der umgebende Freiraum, das heißt die einstige Aulandschaft, die heute zwar weitestgehend verschwunden ist, aber doch einen integrierenden Bestandteil im Sinne der Authentizität des Gesamtkunstwerkes "Neugebäude" darstellt.
Eine Altwiener Sage erzählt, dass auf dem Gelände des Schlosses ein immenser Schatz aus der Zeit der zweiten Türkenbelagerung vergraben sein soll.
[Bearbeiten] Garten
Der Garten war in vier Parzellen eingeteilt, die von vier Galerien mit Ecktürmen umgeben waren. Entstanden ist die Anlage zur Zeit der Türkenbelagerung Wiens und weist Elemente der islamischen Kunst auf. Quellen zufolge war die Gartenanlage eine Märchenlandschaft mit einem Labyrinth im Zentrum. Es gab zahlreiche Brunnen und Teiche, Grotten und Pergolen.
[Bearbeiten] Militärische Nutzung
Seit 1744 wurde im Schloss Neugebäude Pulver gelagert, welches man zuvor auf den Basteien der Stadt aufbewahrt hatte. Ab 1779 nutzte man auch die Türme der äußeren Mauer als Depot.
1780 baute man das Schloss im Erdgeschoss um und richtete hier eine Pulver- und Salpetererzeugung ein.
Während der Revolution 1848 musste das ehemalige Schloss besonders geschützt werden, denn hier lagerten die gesamten Munitionsvorräte der Armee im Raum Wien. Der Garten war Stellplatz für Munitionswagen und Geschütze.
Ab 1869 wurde wegen des in der Nähe geplanten Zentralfriedhofs immer wieder ein Ende der Pulvererzeugung und Munitionslagerung diskutiert. Trotzdem wurde Schloss Neugebäude bis 1918 militärisch genutzt.
1922 kam die Anlage in den Besitz der Gemeinde Wien, nach Plänen von Clemens Holzmeister erfolgte der Bau eines Krematoriums. Im Denkmalschutzjahr 1975 wurde der Wunsch laut, das Neugebäude zu revitalisieren. Der Gemeinderat von Wien beschloss, den einstigen Prachtbau wieder instand zu setzen. 2 Symposien zur Frage einer eventuellen Nutzung und adäquaten Denkmalpflege fanden statt. 1989 erfolgte eine Enquete über die Nutzungsmöglichkeiten von Schloss Neugebäude.
[Bearbeiten] Heute
Das Neugebäude scheint sich allen bisherigen Versuchen der Wiederbelebung entzogen zu haben. Im vollkommen abgeräumten und entstellten Schlossbau sind noch viele Tür- und Fenstergewände aus bestem Kaiserstein in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand. An einem Rundfenster ist das Steinmetzzeichen A zu sehen. In einem Wirtschaftshof ist ein Nutzbrunnen mit schöner Einfassung aus Kaiserstein erhalten. Der Stall für 50 Pferde ist im Inneren unverändert geblieben, weist auch noch den originalen Fußboden, einen ornamental verlegten Ziegelboden, auf. Weiters tragen immer noch 12 toskanische, sehr schön ausgearbeitete Säulen aus Kaiserstein, mit hohen Sockeln das 3m hohe Kreuzgratgewölbe.
Von Zeit zu Zeit werden Führungen durch das Schloss Neugebäude angeboten. Es besteht ein großes Interesse daran und auch der Wunsch, diese Anlage wieder zu beleben. Seit 2002 findet das Openair-Kino Schloss Neugebäude statt.
[Bearbeiten] Literatur
- Herbert Knöbl: Das Neugebäude und sein baulicher Zusammenhang mit Schloss Schönbrunn. Boehlau Verlag, Wien (1988). ISBN 3205051068
- Hofkammerarchiv: NÖ-Herrschaftsakten 1576, Erstnennung Steinbruch am Leithaberg, Steinfuhren zum neuen Fasangartengebäude
- Hilda Lietzmann: Das Neugebäude in Wien, Sultan Süleymans Zelt - Maximilian II. Lustschloss. Deutscher Kunstverlag 1987.
- Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, 2 Bde., 2002-2004.
- Restauratorenblätter, Bd. 3 Thema: Steinkonservierung und Steinrestaurierung, S 86, Wien 1979.
- Eva-Maria Höhle: Neugebäude, Geschichte seines Verfalls und die heutige Situation aus denkmalpflegerischer Sicht, in Fürstenhöfe der Renaissance, Katalog zur Ausstellung im Kunsthistorischen Museum und der Neuen Burg, 1990.
- Rita Monaldi, Francesco Sorti: Veritas, Verlag Kindler/Rowohlt, Reinbek 2007, ISBN 978-3-46340-521-6. [Historischer Roman, der auf anschauliche Weise die baulichen und gärtnerischen Anlagen beschreibt und die Beweggründe Maximilians II. zur Errichtung beleuchtet.]
[Bearbeiten] Weblinks
- Schloss Neugebäude auf burgen-austria.com
- Geschichte des Schlosses
- www.schlossneugebaeude.at
- Militärische Nutzung
Koordinaten: 48° 9′ 30″ N, 16° 26′ 26″ O

