Streetart

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Schablonen-Graffito von Banksy in Bristol.
Soziopolitische Mural von SKORE183 - "Bu¥ €uro Bond$" am Münchener Altstadtring
Arbeit des italienischen Künstlers BLU - "Gaza Strip" in Prag
Schablonenarbeit von AGIT in Düsseldorf

Als Streetart (auch: Straßenkunst) werden verschiedene, nichtkommerzielle Formen von Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet, die nach der Absicht der Verursacher dauerhaft dort verbleiben sollen. Unter Street Art versteht man selbstautorisiert angebrachte Zeichen aller Art im urbanen Raum, die mit einem weiteren Personenkreis kommunizieren wollen. Die engere oder weitere Auffassung des Begriffes Street Art ist an deren kommerzielle Verwertbarkeit geknüpft. In Gegensatz zu Graffiti überwiegt oft der Bildteil, nicht das kunstvolle Schreiben/Malen des eigenen Namens.[1]

Inhaltsverzeichnis

Künstlerische Spezifik [Bearbeiten]

Die Künstler bedienen sich verschiedenster Medien (Marker, Pinsel und Malerrollen, Sprühdosen, Aufkleber, Poster etc.), um ihre Werke zu präsentieren. Häufig werden Wände bemalt und beklebt, doch auch Stromkästen, Laternen, Verkehrsschilder, Telefonzellen, Mülleimer, Ampeln und andere Stadtmöbel, sowie Bürgersteige und Straßen an sich und sogar Bäume – im Prinzip alle erdenklichen Untergründe – werden gestaltet. Dabei beschränkt sich die Streetart im Regelfall auf die Gestaltung von vorhandenen Flächen. Da sich die Techniken der Streetart mit denen des Graffito oftmals überschneiden, ist es heutzutage schwierig zwischen den beiden Begriffen zu unterscheiden.

Obwohl auch Auftragsarbeiten durch private Grundstückseigentümer oder auch Gemeinden wie etwa Blek le Rat, Tribute to Tom Waits in Wiesbaden (1983) entstehen, sind die Werke meist illegal angebracht. Deshalb ziehen es die meisten Künstler vor, anonym zu bleiben – oft kennen sich Mitglieder der Szene nur mit ihren Pseudonymen.

Die Motivation liegt für viele im Spaß an der Sache und der Möglichkeit, das eigene Umfeld auf anarchistische und/oder kreative Weise visuell mitzugestalten (vergleiche Reclaim the Streets), sowie einen künstlerischen Gegenpol zur omnipräsenten Werbung oder Gentrifizierung zu schaffen; für viele spielt wohl auch der egozentrische Hang, seinen (Künstler-)Namen möglichst oft zu verbreiten eine Rolle (siehe Joseph Kyselak). Streetart wendet sich inhaltlich oft gegen Konsumismus, Kapitalismus und Öffentliche Ordnung. Die meisten Künstler verzichten jedoch auf eine konkrete Botschaft – „the medium is the message“ (nach Marshall McLuhan).

Der Franzose Gérard Zlotykamien gilt als der erste Künstler, der im öffentlichen Raum arbeitete und somit als Urvater der Streetart. Weitere bedeutende Künstler dieses Genres sind unter anderem Keith Haring, Harald Naegeli, Blek le Rat, Banksy, John Fekner und Klaus Paier.

Bildbeispiele verschiedener Techniken [Bearbeiten]

Kommerzialisierung [Bearbeiten]

Als Streetart getarnte Werbung mit kritischem Graffiti-Kommentar

In jüngster Zeit werden Ausdrucksmittel der Street Art auch von Unternehmen sowohl in ihrer Stilistik als auch in ihrer Gesamtheit als Werbemittel aufgegriffen um ihren Produkten ein jugendkulturelles Image zu geben.[2] Am weitesten verbreitet ist dabei das Anbringen von Werbeaufklebern, welches ursprünglich aus der Stickerkunst-Szene hervorgegangen ist. Viele Shops aus der alternativen Szene verteilen gratis Sticker an ihre Kunden, um zufriedene Kunden zum "Werbung machen" zu bewegen. Besonders der Sportartikelhersteller Nike ist für wildplakatierte Werbeaufkleber und großflächige Wandmalereien bekannt, die zunächst nicht als kommerzielle Werbung wahrgenommen werden. Auch der Pocket Web-Anbieter Ogo war zeitweise stark mit seinem Guerilla-Marketing in Form von Graffiti, Stickern und Paste-Ups im öffentlichen Stadtbild präsent.[3] Seitens der Firma Sony wurde gar eine Streetart-Galerie zur Vermarktung der PSP in Berlin-Mitte eingerichtet, was besonders von der umliegenden Kunstszene als Ärgernis betrachtet wurde.[4]

In der Streetart-Szene wird diese Form der Werbung häufig als Vereinnahmung einer jugendkulturellen Identität kritisiert und stößt vor allem auf Widerstand da der Ursprung von Streetart unter anderem als Kampf gegen Kapitalismus und Konsumgesellschaft sowie die Hinwegsetzung über die Privatisierung urbaner Räume verstanden wird.[3]

Allerdings wird der Diskurs um die Kommerzialisierung von Streetart auch kritisch kommentiert. So ist laut dem Sozialwissenschaftler Hans-Christian Psaar die Beziehung zwischen Markt und Street Art komplexer, als es im Ausverkauf von Street Art an große Konzerne vermittelt wird.[5] Der Soziologe Jens Thomas macht vor allem auf den Umstand aufmerksam, dass ein „konsum- und gesellschaftskritisches Selbstverständnis“ von Street Art-Akteuren durch Medien und Konzerne vermittelt wird. Antikapitalistische Attitüden könnten selbst „kapitalistisch konnotiert“ sein, da „Abgrenzung“ als Gut produziert werde.[6]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Ulrich Behm: Sachbeschädigung und Verunstaltung, Duncker und Humblot, Berlin 1984, ISBN 3-428-05644-2.
  • Ulrich Blanché: Something to s(pr)ay: Der Street Artivist Banksy: Eine kunstwissenschaftliche Untersuchung, Tectum Verlag, 2010, ISBN 978-3-8288-2283-2
  • Christian Heinicke, Daniela Krause: Street Art. Die Stadt als Spielplatz, Tilsner, Bugrim 2006. ISBN 3-86546-040-2
  • Marcel Hennes, Alexandra Pätzold und Gerhard Pätzold (Hrsg.): Streetart Marburg, Jonas Verlag für Kunst und Literatur GmbH, Marburg 2009, ISBN 978-3-89445-406-7.
  • Christian Hundertmark: The Art of Rebellion I/II, Aschaffenburg: Publikat-Verl., 2003. ISBN 3-9807478-3-2 bzw. ISBN 3-9809909-4-X.
  • Kai Jakob: Street Art in Berlin - Version 4.0, Jaron Verlag (Deutschland) 2010, ISBN 978-3-89773-653-5.
  • Katrin Klitzke / Christian Schmidt (Hrsg.): Street Art. Legenden zur Straße, Verlag Archiv der Jugendkulturen e.V. 2009, ISBN 978-3-940213-44-0
  • Uwe Lewitzky: Kunst für alle? - Kunst im öffentlichen Raum zwischen Partizipation, Intervention und Neuer Urbanität, Transcript Verlag - Bielefeld 2005, ISBN 978-3-89942-285-6
  • Christoph Mangler: Berlin City Language, Prestel, 2006, ISBN 3-7913-3610-X. (engl.)
  • Julia Reinecke: Street-Art - Eine Subkultur zwischen Kunst und Kommerz, Transcript Verlag - Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-759-2
  • Jan P. Schildwächter/Britt Eggers: Street Art Hamburg, Junius: Hamburg 2007, ISBN 978-3-88506-582-1.
  •  Nora Schmidt: Das Trottoir als Galerie. Ein Beitrag zur soziologischen Theorie der Street Art. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4433-8.
  • Horst Schmidt-Brümmer: Venice, California. Gegen Kultur durch Fantasie. Ernst Wasmuth, Tübingen 1972, ISBN 3-8030-0121-8.
  • Robert Sommer: Street Art. Links, New York, London 1975, ISBN 0-8256-3044-4.
  • Johannes Stahl: "Street Art", Königswinter 2009, ISBN 978-3-8480-0075-3
  • Bernhard van Treeck und Sibylle Metze-Prou: Pochoir - die Kunst des Schablonengraffiti, Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2000, ISBN 3-89602-327-6.
  • Bernhard van Treeck: Street Art Berlin, Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1999, ISBN 3-89602-191-5.
  • Bernhard van Treeck: Street Art Köln, Edition Aragon (Deutschland) 1996, ISBN 3-89535-434-1.
  • Claudia Walde: Sticker City: Paper Graffiti Art (Street Graphics/Street Art), Thames & Hudson, ISBN 978-0-500-28668-5.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Streetart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
– in Deutschland: § 303 und § 304 StGB
– in Österreich: §§ 125, 126 StGB: [1]
– in der Schweiz: Artikel 144 StGB: [2]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Ulrich Blanché: Konsumkunst - Kultur und Kommerz bei Banksy und Damien Hirst. Bielefeld 2012. S. 79f.
  2. Streetart und Kommerz Spiegel vom 16. April 2009
  3. a b Street Art und Graffitit - Alles ist vermarktbar Zitty
  4. Sony's Streetart Desaster
  5. Hans-Christian Psaar - "Street Art zwischen Rekuperation und subversivem Potential veröffentlicht in einer Broschüre im Rahmen des Leipziger Kulturdisplace Projektes 2007
  6. Jens Thomas: Subversiv und selbstverklebt, in: Katrin Klitzke / Christian Schmidt (Hrsg.): Street Art. Legenden zur Straße, Verlag Archiv der Jugendkulturen e.V. 2009, ISBN 978-3-940213-44-0