U-Bahnhof Nollendorfplatz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
U-Bahnhof Nollendorfplatz
Das Bahnhofsgebäude, 1903
Eingang auf der Südseite, 2010
Blick zum Tunnel Richtung Wittenbergplatz
Erinnerungstafel am U-Bahnhof an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus

Der U-Bahnhof Nollendorfplatz ist der U-Bahnhof, an dem mit den vier U-Bahnlinien U1 bis U4 die meisten Linien der Berliner U-Bahn halten. Der Bahnhof am Nollendorfplatz im Berliner Ortsteil Schöneberg des Bezirks Tempelhof-Schöneberg besteht aus einem Hochbahnhof mit einer großen Kuppelkonstruktion, an dem die Züge der U2 halten, sowie einem zweigeschossigen unterirdischen Bahnhof (U1, U3, U4). Die beiden unterirdischen Bahnsteige liegen übereinander und sind durch Treppen verbunden. Am oberen Bahnsteig halten die Züge der U1 Richtung Warschauer Straße, die Züge der U3 kommen an und setzen aus, und die Züge der U4 kehren Richtung Innsbrucker Platz, am unteren Bahnsteig halten die Züge der U1 Richtung Uhlandstraße und die Züge der U3 starten hier in Richtung Krumme Lanke.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Hochbahnhof Nollendorfplatz wurde bereits 1902 als Bahnhof an der ersten Berliner Hochbahnstrecke, der Stammstrecke, eröffnet. Entworfen hatten ihn die Architekten Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein. Er ist der letzte Hochbahnhof dieser Strecke in westlicher Richtung. Ab der Kleiststraße – in Höhe Courbièrestraße – verschwindet die U-Bahn als Untergrundbahn unter der Erde.

Zwischen 1908 und 1910 erbaute die damals selbstständige Stadt Schöneberg ihre Schöneberger U-Bahn (heute: Linie U4). Deshalb wurde ein provisorischer Bahnhof mit dem Namen Schöneberger Bahnhof in Unterpflasterlage am Nollendorfplatz neu gebaut, der einen direkten Übergang zum gleichnamigen Bahnhof erhielt. Beim Bau dieses provisorischen Bahnhofs wurden in der Motzstraße die Knochen frühzeitlicher Tiere gefunden.

Schon beim Bau des Schöneberger Bahnhofs war der Bau einer parallel geführten Entlastungsstrecke nördlich der Stammstrecke vorgesehen. Daher wurde bereits 1915 mit dem Umbau des Bahnhofs Nollendorfplatz zu einem Gemeinschaftsbahnhof begonnen. Gegen 1917 waren die unterirdischen Anlagen des Bahnhofs im Rohbau fertiggestellt, wurden aber noch nicht genutzt.

Erst 1926 erfolgte dann die Eröffnung der unter der Kurfürstenstraße verlaufenden neuen U-Bahn. Gemeinsam mit den zwei neuen unterirdischen Ebenen wurde eine von Alfred Grenander gestaltete neue Bahnhofsvorhalle eröffnet. Gleichzeitig wurde der Schöneberger Bahnhof geschlossen und dient nur noch als Teil des U-Bahn-Tunnels.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Hochbahnhof schwer beschädigt und ohne die Kuppel stark vereinfacht wieder aufgebaut. Nach dem Mauerbau wurde vor dem U-Bahnhof Potsdamer Platz die Strecke in den Ostsektor Richtung Pankow (Vinetastraße) unterbrochen. 1972 wurde der Hochbahnhof Nollendorfplatz gemeinsam mit der Strecke entlang der Bülowstraße zum Gleisdreieck stillgelegt, da das geringe Fahrgastaufkommen einen rentablen Betrieb nicht mehr möglich machte.

Stattdessen zog auf den Hochbahnsteigen der Trödelmarkt „Berliner Flohmarkt“ ein, bei dem stillgelegte U-Bahnwagen als Verkaufsfläche genutzt wurden. Da im benachbarten und ebenfalls stillgelegten Bahnhof Bülowstraße ein türkischer Basar entstand, wurde auf der Hochbahnstrecke zwischen den beiden Bahnhöfen eine Straßenbahnlinie eingerichtet, auf der lediglich ein Straßenbahnwagen pendelte. Es war die vorerst letzte Straßenbahnstrecke in West-Berlin.

Nach dem Fall der Mauer 1989 musste der Flohmarkt 1993 der wiedereröffneten Strecke U2 nach Pankow weichen. Ab 1999 wurde ausschließlich mit Spendengeldern die Kuppelkonstruktion des Hochbahnhofs in vereinfachter Form wiedererrichtet. Architekt war Ralf Schüler.

Die unterirdischen Gleisanlagen wurden 1971 umfassend umgebaut. Die Direktverbindung zwischen den Gleisen in Richtung Innsbrucker Platz (U4) und Warschauer Brücke (U1) wurde unterbrochen, stattdessen nördlich des Bahnhofs eine Abstellanlage eingerichtet. Zugleich wurde eine seit 1940 bestehende Bunkeranlage auf dem unteren Bahnsteig abgebaut und das freigelegte Gleisbett erstmals für die abgehenden Züge der U4 genutzt.

Mit einer Gedenktafel, die an der Südseite der Fassade des Bahnhofs 1989 angebracht wurde, wurde erstmals öffentlich in einer deutschen Stadt der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Im Jahr 2001 baute die BVG eine verglaste Leitstelle zur Fahrgastinformation in die ebenerdige Halle des Hochbahnhofs ein; die Leitstelle setzt sich mit einem ebenfalls verglasten Anbau unter der Rampe der Hochbahn in Richtung Wittenbergplatz fort.

Sowohl der Hoch- als auch der Untergrundbahnhof stehen unter Denkmalschutz. Hierzu gehört auch der am westlichen Ende unter dem U-Bahnbogen der Hochbahn gelegene Nickelmann-Brunnen.[1]

Anbindung[Bearbeiten]

Neben den vier hier haltenden U-Bahn-Linien bietet der U-Bahnhof eine Umsteigemöglichkeit zu diversen Omnibuslinien der Berliner Verkehrsbetriebe.

Linie Verlauf
Berlin U1.svg Uhlandstraße – Kurfürstendamm – Wittenbergplatz – Nollendorfplatz – Kurfürstenstraße – Gleisdreieck – Möckernbrücke – Hallesches Tor – Prinzenstraße – Kottbusser Tor – Görlitzer Bahnhof – Schlesisches Tor – Warschauer Straße
Berlin U2.svg Pankow – Vinetastraße – Schönhauser Allee – Eberswalder Straße – Senefelderplatz – Rosa-Luxemburg-Platz – Alexanderplatz – Klosterstraße – Märkisches Museum – Spittelmarkt – Hausvogteiplatz – Stadtmitte – Mohrenstraße – Potsdamer Platz – Mendelssohn-Bartholdy-Park – Gleisdreieck – Bülowstraße – Nollendorfplatz – Wittenbergplatz – Zoologischer Garten – Ernst-Reuter-Platz – Deutsche Oper – Bismarckstraße – Sophie-Charlotte-Platz – Kaiserdamm – Theodor-Heuss-Platz – Neu-Westend – Olympia-Stadion – Ruhleben
Berlin U3.svg Nollendorfplatz – Wittenbergplatz – Augsburger Straße – Spichernstraße – Hohenzollernplatz – Fehrbelliner Platz – Heidelberger Platz – Rüdesheimer Platz – Breitenbachplatz – Podbielskiallee – Dahlem-Dorf – Thielplatz – Oskar-Helene-Heim – Onkel Toms Hütte – Krumme Lanke
Berlin U4.svg Nollendorfplatz – Viktoria-Luise-Platz – Bayerischer Platz – Rathaus Schöneberg – Innsbrucker Platz

Literatur[Bearbeiten]

  • Axel Mauruszat: Umbau am Nollendorfplatz / Planung und Bau des Gemeinschaftsbahnhofs der U-Bahn. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 39. Jahrgang, Nr. 2 (März/April 2012), S. 34–39.
  • Susanne Twarda: Der Nollendorfplatz in Berlin. Motzbuch, Berlin 2001, ISBN 3-935790-02-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: U-Bahnhof Nollendorfplatz (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDrucksache 17/12491. Abgeordnetenhaus Berlin, 3. September 2013, abgerufen am 25. September 2013 (PDF; 85 kB).

52.49962111111113.353903055556Koordinaten: 52° 29′ 59″ N, 13° 21′ 14″ O