Rudolf Thome

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Rudolf Thome (Mitte) mit Josef Schnelle und Esther Zimmering beim Filmgespräch zu Ins Blaue, Festival des deutschen Films 2013

Rudolf Thome (* 14. November 1939 in Wallau (Lahn), Hessen) ist ein deutscher Regisseur. Die Filmzeitschrift Cahiers du cinéma bezeichnete ihn 1980 als den wichtigsten unbekannten deutschen Regisseur.[1]

Leben[Bearbeiten]

Thome ist der Sohn eines Buchhändlers. Er studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Erste Kurzfilme entstanden in München ab 1965, der erste Spielfilm 1968. Thome war seit 1962 auch als Filmkritiker tätig, vor allem für die Süddeutsche Zeitung, Filmkritik und später auch für den Berliner Tagesspiegel. 1965 gründete er gemeinsam mit Klaus Lemke und Max Zihlmann die Filmproduktionsfirma Alexandra-Film.[2] Im selben Jahr wurde er auch Geschäftsführer des Clubs Münchner Filmkritiker.[3] 1965 bildeten Rudolf Thome, Klaus Lemke, Max Zihlmann, Peter Nestler sowie Jean-Marie Straub und Daniele Huillet eine informelle Münchner Gruppe als Unterzeichner eines „Zweiten Oberhausener Manifests“, das jedoch nicht publiziert worden war und daher in erster Linie dazu diente, ihr Selbstverständnis zu formulieren. Der Anlass dazu war unter anderem die Ausgrenzung ihrer Filme durch die „Oberhausener“ und deren „Nepotismus“.[4]

Mit seinem Spielfilm Rote Sonne (1970) traf er das Lebensgefühl der 68er-Generation. Da sein langjähriger Drehbuchautor Max Zihlmann 1973 nicht mit Thome von Schwabing nach West-Berlin umziehen wollte, entwickelte Thome aus dieser Notlage heraus das Stilmittel der dialogischen Improvisation, der er seitdem treu geblieben ist. Vorübergehend arbeitete er in den 1970er-Jahren als Kreditsachbearbeiter für eine Bausparkasse[3] und für das Programm-Kino Arsenal. 1977 gründete er seine heutige Produktionsfirma moanafilm, die häufig mit der ARD-Produktionsfirma Degeto zusammenarbeitete.[5] Seit 1999 schreibt Thome seine Drehbücher im Internet, d.h. er stellt seine Notizen ins Internet, für die er sich jedes Mal eine Frist von 28 Tagen setzt.[6] In seinem Spielfilm Venus im Netz oder Venus.de (2000) machte er diese öffentliche Arbeitsweise zu einem Film-Plot. Von „System ohne Schatten“ (1982) an machte er auch als einer der ersten deutschen Regisseure den Computer zu einem Filmsujet.[7]

Thome ist einer der wenigen deutschen Regisseure seiner Generation, die regelmäßig Kinofilme drehen, wenn auch sehr am Rande des Filmbetriebs. Zu seinen Lieblingsdarstellern gehören Hanns Zischler, Adriana Altaras, Sabine Bach und Hannelore Elsner. Thome gilt seit 1980 als ein unaufdringlicher Portraitist von Liebesbeziehungen und Beziehungsproblemen des Bildungsbürgertums, die hauptsächlich an Schauplätzen in und um Berlin spielen. Frauen nehmen in seinen Filmen souveräne und selbstbewusste Rollen ein.[8] „Seine Frauen sind durch ihren Realitätssinn und ihr pragmatisches Handeln den Männern immer überlegen“, so Regisseur Goggo Gensch, der Thome u.a. daher als einen „Regisseur der Frauen“ bezeichnet.[7]

Rudolf Thome war dreimal verheiratet, hat drei Söhne und eine Tochter, die ebenfalls als Regisseurin[9] arbeitet. Dazu ergänzte er, dass es „in meinem Leben wohl sieben wichtige Frauen“ gab. Er lebt abwechselnd in Berlin-Kreuzberg und auf einem alten Bauernhof im südbrandenburgischen Niendorf (Ihlow).[5]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Freunde der Deutschen Kinemathek (Hrsg.): Kinemathek, ISSN 0173-3710, 20. Jg., Nr. 66, Berlin 1983: Rudolf Thome. Darin u.a.: Überleben in den Niederlagen von Rudolf Thome, Gedanken zum Filmemachen in der Bundesrepublik Deutschland.
  • Ulrich Kriest (Hrsg.): Formen der Liebe. Die Filme von Rudolf Thome. Schüren Verlag, Marburg 2010, 360 S., ISBN 978-3-89472-681-2.

Dokumentarfilm[Bearbeiten]

  • ... das, was ich vielleicht am besten kann ... Das Kino des Rudolf Thome. Dokumentarfilm, BR Deutschland, 1983, 43:30 Min., Buch und Regie: Stefan Dutt und Peter Hornung, Produktion: Saarländischer Rundfunk, Online-Video von moanafilm (Teil 2 bis Teil 5).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf Thome – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Thome zum 70. Geburtstag: Vier Fernsehpremieren und acht Klassiker des Autorenfilmers im November 2009 im Ersten In: Das Erste, Pressemitteilung vom 9. Oktober 2009.
  2. Rudolf Thome bei filmportal.de
  3. a b Biografie Rudolf Thome auf moanafilm
  4. Retrospektive: Münchner Gruppe, Internationales Kurzfilm Festival Hamburg 2008 (IKFF)
  5. a b Ariane Heimbach: „Ich bin niemand, der Lust an der Macht hat.“ In: die tageszeitung vom 13. Januar 2011, Interview.
  6. Moana Drehbücher auf moanafilm
  7. a b Goggo Gensch: Radikal einfach – radikal gut. Über die Filme des immer noch viel zu unbekannten Rudolf Thome. In: der Freitag, 5. August 2014.
  8. a b Silvia Hallensleben: Die Sonnengöttin. In: epd Film, 1994, Nr. 1, Rezension.
  9. Moana - Tagebücher auf Thomes Blog