Fritz Haarmann

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Fritz Haarmann (1924)

Friedrich „Fritz“ Heinrich Karl Haarmann (* 25. Oktober 1879 in Hannover; † 15. April 1925 ebenda) war ein Serienmörder, der wegen Mordes an 24 Jungen und jungen Männern im Alter von 10 bis 22 Jahren vom Schwurgericht Hannover am 19. Dezember 1924 zum Tode verurteilt wurde.

Er wird auch Der Vampir, Der Schlächter und Der Werwolf von Hannover genannt und als Der Totmacher nach einem gleichnamigen Film tituliert, obwohl dies der Spitzname des Serienmörders Rudolf Pleil war.

Leben[Bearbeiten]

Wohnhaus von Friedrich Haarmann
Haarmanns Mansardenwohnung in der Roten Reihe (Dezember 1924)

Die Vorfahren von Fritz Haarmann stammten aus Apricke. Sein Vater hieß Friedrich Harmann (mit einem a), der einen autoritären Erziehungsstil praktiziert haben soll; die Mutter dagegen soll ihren Sohn verwöhnt haben. Als Kind soll Haarmann von seinem älteren Bruder über längere Zeit sexuell missbraucht worden sein.

Nach dem Schulbesuch absolvierte der junge Haarmann eine Schlosserlehre und besuchte von 1895 an eine Unteroffiziersschule des Heeres. Dabei traten bei ihm Halluzinationen auf, die auf einen Sturz oder Sonnenstich schließen ließen. Als dieselben Symptome nochmals auftraten, beantragte er seine Entlassung. Arbeitslos und ohne Antrieb zur Arbeit in der väterlichen Zigarrenfabrik, wurde er von einer Nachbarin verführt und beging an Nachbarskindern sexuellen Missbrauch. Dies führte zu einem Strafverfahren gegen ihn, das eingestellt wurde. Er wurde in eine Heilanstalt im ehemaligen Klosterbezirk Sülte in Hildesheim eingewiesen, wo man ihm unheilbaren Schwachsinn attestierte. Die Unterbringung war für ihn eine traumatische Erfahrung, sodass er mehrfach flüchtete. Er setzte sich in die Schweiz ab und kehrte 1899 zurück. Danach ging er erneut keiner Beschäftigung nach. Ein Verlöbnis scheiterte.

1900 wurde er zum Militär eingezogen und in Colmar stationiert. Dort erlitt er Ohnmachtsanfälle und kam für vier Monate ins Lazarett, wo bei ihm hebephrene Schizophrenie festgestellt wurde. Haarmann wurde in Rente geschickt. Nach Hannover zurückgekehrt, verklagte er seinen Vater auf Unterhalt; es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen beiden. Der Vater lieh ihm einen Geldbetrag, mit dem Haarmann ein Fischgeschäft eröffnete, das bald bankrott ging. Ein zweites Verlöbnis ging ebenfalls in die Brüche.

1905 zog sich Haarmann eine Geschlechtskrankheit zu und unterhielt homosexuelle Kontakte. Diese knüpfte er hauptsächlich am Hannoveraner Hauptbahnhof zu jungen Ausreißern und entlaufenen Heimkindern. Während dieser Zeit begann Haarmanns Laufbahn als Kleinkrimineller. Er beging Unterschlagungen, Diebstähle, Einbrüche und Hehlereien, die zu 17 Verurteilungen führten. Gleichzeitig war er als Polizeispitzel tätig. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er im Gefängnis. Haarmann lebte zuletzt in einem Dachzimmer in der Straße Rote Reihe 2 im heutigen Stadtteil Calenberger Neustadt. Das damals eng bebaute Altstadtviertel war als Rotlichtviertel bekannt. 1919 machte Haarmann die Bekanntschaft von Hans Grans, einem über 20 Jahre jüngeren Kleinkriminellen. Sie führten über mehrere Jahre eine sexuelle Beziehung.[1] In der Nachkriegszeit mit ihrem knappen Warenangebot lebte Haarmann vom Handel mit Altkleidern und Fleischkonserven.

Ermittlungen[Bearbeiten]

Die Totenkammer, in welcher Haarmann seine umgebrachten Opfer bis zum nächsten Tag aufbewahrte (Dezember 1924)
Fritz Haarmann (zweiter von links) wird von Kriminalbeamten in Handschellen gehalten und gefilmt (November 1924)
Der Gas-Ofen in der Wohnung Haarmanns, in der er teilweise Leichenstücke verbrannte (Dezember 1924)

Zwischen Mai und Juni 1924 fanden Kinder fünf menschliche Schädel in der Leine zwischen dem Leineschloss in Hannover und Garbsen. Nach gerichtsmedizinischen Untersuchungen stammten sie von jungen Männern und wurden vermutlich mit einem Messer vom Körper abgetrennt. Beim Fund des vierten Schädels am 13. Juni 1924 kamen die Ermittlungen in Richtung eines Serienmörders ins Rollen. Die Mordkommission der hannoverschen Kriminalpolizei schloss ein Raubmotiv aus und vermutete einen homosexuellen Täter. Der Polizei waren in der Stadt etwa 30 Männer bekannt, die dafür infrage kamen, darunter Haarmann. Ein Kriminalbeamter erinnerte sich, dass Haarmann bereits 1918 im Verdacht gestanden hatte, zwei junge Männer getötet zu haben. Die Ermittlungen verliefen damals ergebnislos. Dadurch geriet Haarmann im Juni 1924 erneut ins Fadenkreuz der Ermittler. Vom 17. Juni 1924 an wurde Haarmann rund um die Uhr polizeilich observiert. Die Überwachung blieb jedoch ohne konkretes Ergebnis.

Am 22. Juni wurde Haarmann im Hauptbahnhof wegen Bedrohung eines Jugendlichen verhaftet. Zwischen beiden bestanden Beziehungen. Als die Polizei am 23. Juni seine Wohnung aufsuchte, fand sie Blutspuren und etliche, teilweise blutbefleckte Kleidungsstücke junger Männer. Daraufhin wurde Haarmann weiterhin in Haft gehalten. Er behauptete, das Blut stamme von eigenem Nasenbluten. Die Mordkommission führte bei dem zunächst nicht geständigen Haarmann tagelang Vernehmungen durch. Am 29. Juni gestand er nach körperlichen Misshandlungen einige Tötungen, widerrief sie aber am folgenden Tag. Der Richter erließ trotzdem für eine weitere Woche Haftbefehl. Bei Vernehmungen am 1. Juli räumte er sieben Tötungen ein und bestätigte sie am 2. Juli vor dem Untersuchungsrichter.

Zu den ermittelnden Beamten gehörte unter anderem der Kriminalkommissar Heinrich Rätz, der Haarmann wochenlang vernahm. Rätz ließ „nach Teilgeständnissen des Mörders sogar noch nachts nach Leichenteilen suchen“.[2] Am 5. Juli 1924 senkte das Verkehrsamt in Hannover mit einem Wehr den Wasserstand der Leine. Im Flussbett wurden etwa 300 menschliche Knochenstücke geborgen, die mindestens 22 Personen zugeordnet werden konnten. Haarmann konnte sich nur an die Namen weniger Opfer erinnern. Um ihre Identität zu klären, stellte die Polizei Kleidungsstücke öffentlich aus, die bei Haarmann gefunden wurden oder die er verkauft hatte.

Aus dem gesamten Reichsgebiet kamen Angehörige vermisster Jugendlicher nach Hannover, um eventuelle Kleidungsstücke ihrer Kinder zu identifizieren. Auf diese Weise konnten einige Opfer identifiziert werden. Es stellte sich heraus, dass Hans Grans die komplette Garderobe eines Vermissten trug.

Haarmanns Beziehung zur Polizei[Bearbeiten]

Bei den Ermittlungen im Juni 1924 wurde der Mordkommission bekannt, dass Haarmann für das Diebstahlskommissariat schon länger als Spitzel tätig war. Er wirkte als Agent Provocateur bei der Überführung von Hehlern mit. Außerdem hatte Haarmann mit einem ehemaligen Kriminalbeamten die Detektei Lasso gegründet. Ein selbst ausgestellter Detektei-Ausweis verschaffte Haarmann amtlichen Charakter und Zutritt in den Wartesaal des Hauptbahnhofs; er war als Kriminal-Haarmann bekannt.

Unerlaubte Vernehmungsmethoden[Bearbeiten]

Bei den polizeilichen Vernehmungen wurden gegenüber Haarmann nicht erlaubte Methoden angewendet, die nach heutigem Verständnis einer Aussageerpressung gleichkamen. Um ein Geständnis zu erlangen, wurde Haarmann in einer präparierten Haftzelle angekettet. Unter der Decke waren von der Polizei in jeder Ecke der Zelle Bretter angebracht, auf die Schädel platziert wurden. Ihre Augenhöhlen waren mit rotem Papier ausgekleidet. Die Schädel wurden dann von hinten beleuchtet. Außerhalb der Reichweite der Kette wurde ein Sack mit Gebeinen der Leichen aufgestellt. Die Polizisten sagten Haarmann, dass die Seelen der Verstorbenen ihn jetzt holen würden, wenn er nicht geständig werde. Diese Tatsache wurde jedoch erst 1961 bekannt, als der mit den Ermittlungen beauftragte Kriminalbeamte seine Erinnerungen aufgeschrieben hatte. Außerdem berichtete der damalige Ermittlungsbeamte, dass Haarmann in einem Polizeiverhör von anderen, fallunkundigen Kriminalbeamten geschlagen worden sei.[3]

Prozess[Bearbeiten]

Urteilsverkündung im Gerichtssaal
Theodor Hartmann (rechts), Zimmernachbar und Zeuge im Prozess gegen Haarmann

Der Gerichtsprozess dauerte vom 4. bis 19. Dezember 1924, verhandelt wurde dicht hintereinander an 14 Tagen. Haarmann wurde wegen Mordes an 27 Menschen in den Jahren 1918 bis 1924 angeklagt. Davon gab er neun Taten zu, weitere zwölf Tötungen hielt er für möglich. Sechs Taten bestritt er, von denen ihm aber fünf nachgewiesen werden konnten. Die Zahl der vermissten Jungen belief sich auf 27, alle im Alter zwischen zehn und 22 Jahren. Der psychiatrische Gutachter Ernst Schultze erklärte Haarmann nach sechswöchiger Untersuchungszeit in Göttingen für voll zurechnungsfähig und lehnte eine Schuldunfähigkeit ab. Nach eigenen Angaben hatte Haarmann seine Opfer (die er „Puppenjungs“ nannte, eine damals gängige Bezeichnung für männliche Prostituierte) durch einen Biss in den Hals getötet und sie anschließend zerstückelt.

Der Prozess, den Vertreter der internationalen Presse beobachteten, erregte sehr starkes Aufsehen in der Öffentlichkeit. Zum einen aufgrund der Rolle der Polizei, die Fritz Haarmann als Spitzel engagiert hatte und jeglichen Verdacht, der gegen ihn geäußert wurde, unter den Tisch fallen ließ. So wurden Vermisstenanzeigen erst mit starken Verzögerungen bearbeitet. 1918 wurde Haarmann nach seinem ersten Mord beinahe gefasst. Die Polizei durchsuchte Haarmanns Wohnung in der Celler Straße nach einem vermissten Jungen. Da keine Person zu finden war, wurde die Durchsuchung abgebrochen. Haarmann erzählte später in einem Verhör, dass sich der Kopf des gesuchten Jungen in einem Koffer in der Wohnung befunden hatte. Die Angehörigen der Opfer traten im Prozess teilweise sehr emotional auf und warfen der Polizei Versagen und Mitschuld am Tod von weiteren Opfern vor. Der Journalist Theodor Lessing machte in seiner kritischen Berichterstattung die dubiose Rolle der hannoverschen Polizei öffentlich und wurde daraufhin vom Prozess ausgeschlossen. Für Aufregung in der Öffentlichkeit sorgten auch Details der Tötungen, die bei den Verhandlungen bekannt wurden. Haarmann hatte die Leichen zerstückelt und in die Leine geworfen.

Da Haarmann mit Fleischkonserven handelte, wurde spekuliert, dass er die Leichen zu Wurst verarbeitet hätte. Haarmann hat sich zu dieser Frage nie konkret geäußert. Bekannt ist aber, dass seine Nachbarin ein Restaurant besaß und von ihm Fleisch kaufte.

Das Urteil wurde, wie alle Todesurteile, durch den Justizminister auf eine Begnadigung zu lebenslanger Haft geprüft. Wie der Celler Generalstaatsanwalt sich äußerte, erfolgte in dem Fall wegen der hohen Zahl der Opfer und ihres jugendlichen Alters keine Milderung.

Mittäterprozess von Hans Grans[Bearbeiten]

Haarmann belastete in den ersten Verhören Hans Grans (1901–1975) als Mittäter schwer. Beide unterhielten eine anhaltende homosexuelle Liebesbeziehung, und Grans zog im Oktober 1919 in Haarmanns Wohnung ein. Grans, der Haarmann Jungen zugeführt haben soll, wurde gemeinsam mit Haarmann am 19. Dezember 1924 wegen Anstiftung zum Mord zum Tode verurteilt. Ein entlastender Brief Haarmanns sorgte für eine Wiederaufnahme des Verfahrens. In dem Prozess im Januar 1926 wurde Grans wegen Beihilfe zum Mord zu zwölf Jahren Zuchthaus ohne Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Das Gericht war davon überzeugt, dass Grans von den Morden durch Haarmann wusste. Grans kam in das Zuchthaus Celle und wurde 1937 in das KZ Sachsenhausen verlegt. Dort war er bis zur Befreiung des KZ im April 1945 inhaftiert, obwohl er seine zwölfjährige Haftstrafe bereits 1938 abgesessen hatte.[3] 1946 kehrte er nach Hannover zurück. Er heiratete und lebte mit seiner Frau in Wathlingen. 1955 zog das Ehepaar nach Hannover-Ricklingen, wo er bis 1975 lebte.

Hinrichtung[Bearbeiten]

Nachdem Haarmann am 19. Dezember 1924 zum Tod verurteilt worden war, nahm am frühen Morgen des 15. April 1925 der Magdeburger Scharfrichter Carl Gröpler die Hinrichtung vor. Sie erfolgte von der Öffentlichkeit unbemerkt im Hof des Gerichtsgefängnisses in Hannover durch Enthaupten mit dem Fallbeil.

Die Henkersmahlzeit schmeckte Haarmann so gut, dass er sich ein weiteres Mal bedienen ließ. Sein Kopf wurde durch den Ministerialrat im Preußischen Justizministerium Hartung dem Kraepelinschen Hirnforschungsinstitut in München zur Verfügung gestellt.[4] Im Nachhinein wurde am Gehirn festgestellt, dass Haarmann früher eine Gehirnhautentzündung durchgemacht haben musste, was zu Hirn- und Wesensveränderungen führen kann. Wahrscheinlich war er entgegen dem psychiatrischen Gutachten wegen einer seelischen Störung schuldunfähig. Der Kopf befindet sich heute in Göttingen. Vier Hirnschnitte daraus befanden sich in München, sind aber dort verschwunden. Gegenwärtig wird diskutiert, ob Haarmanns Kopf Teil einer öffentlichen Ausstellung der Rechtsmedizin Göttingen werden soll, oder ob man ihn einäschern und bestatten sollte.[5]

Opfer[Bearbeiten]

Grabstätte der Opfer

Die sterblichen Überreste der Opfer des Serienmörders wurden im Februar 1925 in einem Ehrengrab auf dem Stadtfriedhof in Hannover-Stöcken bestattet (Abteilung 49 D, Nr. 189/192). Nach einem mehrjährigen Kampf der Eltern der getöteten Jungen mit der hannoverschen Stadtverwaltung um den Wortlaut der Grabinschrift wurde im April 1928 ein Grabmal aufgestellt. Ein großer Granitstein in der Form eines Flügelaltars trägt in der Mitte zwischen dem Relief einer Flammenschale und einer geknickten Rose die Inschrift „DEM GEDÄCHTNIS / UNSERER LIEBEN / VON SEPTBR 1918 / BIS JULI 1924 VER- / STORBENEN SÖHNE“. Das Wort „ermordet“ wurde von der Friedhofsverwaltung nicht zugelassen.

Verarbeitung in der Kunst[Bearbeiten]

Der Kriminalfall Haarmann diente als Vorlage für mehrere Bücher, Verfilmungen und ein Theaterstück.

  • Der Philosoph Theodor Lessing hatte den Prozess beobachtet und den Fall im Buch Haarmann – Die Geschichte eines Werwolfs veröffentlicht. Hierbei ist Lessing auf die besondere Rolle der Polizei im Fall Haarmann eingegangen; sein Buch gilt als seriöses zeitgenössisches Werk.
  • Während der Ermittlungen wurde ein psychologisches Gutachten angefertigt, das als Die Haarmann-Protokolle veröffentlicht wurde.
  • Die Befragung Haarmanns durch den Psychiatrieprofessor Ernst Schultze wurde 1995 von Romuald Karmakar mit Götz George (Haarmann) und Jürgen Hentsch (Schultze) in den Hauptrollen unter dem Titel Der Totmacher verfilmt und als Buch veröffentlicht. Die Dialoge für die Darsteller lehnen sich eng an die originalen Verhörprotokolle aus dem Jahr 1924 an.
  • Die Befragung Haarmanns durch den Psychiatrieprofessor Ernst Schultze wurde durch die No-Budget-Theaterproduktion zu einem Zwei-Personen-Stück verarbeitet. Die beiden Schauspieler Claus-Peter Rathjen und Viola Neumann – als Haarmann – nehmen die Originaltexte aus dem Archiv des Niedersächsischen Landeskriminalkrankenhauses Göttingen auf.
  • Der Bildhauer Alfred Hrdlicka schuf 1965 Radierungen als Haarmann-Zyklus. In dieser Zeit entstand ein Bronze-Stein als Haarmann-Fries, der sich im Sprengel-Museum Hannover befindet.
  • Der deutsche Spielfilm Die Zärtlichkeit der Wölfe, gedreht 1973 unter der Regie von Ulli Lommel (Produktion: Rainer Werner Fassbinder), zeigt Kurt Raab als Serienmörder Haarmann. Er erzählt die Geschichte des Jungenmörders Fritz Haarmann. Die Geschichte wird jedoch von den 1920er Jahren in die Nachkriegszeit und von Hannover in das Ruhrgebiet verlegt. Der Film ist mehr offen denn realistisch dargestellt, wenn auch viele Parallelen zu den Taten Haarmanns erkennbar sind.
  • Der deutsche Film M basiert zum Teil auf dem Fall Haarmann. Er wird zusammen mit Carl Großmann auch explizit genannt.
  • 2002 erschien das Theaterstück Haarmann von Marius von Mayenburg im Verlag der Autoren zusammen in einem Band mit Das kalte Kind, das ähnlich düstere Ansichten verkörpert. Auf dem Buchrücken wird das Buch mit dem Satz vorgestellt "Und mir hat man versichert, meine Angst vor Menschen sei ohne Grund".
  • Die Fernsehdokumentation Puppenjungs – Der Fall Haarmann von 2009 unter der Regie von Nils Loof befasst sich mit dem gesamten Fall und seinen Auswirkungen bis heute.
  • 2010 kam eine Graphic Novel mit dem Titel Haarmann von Peer Meter im Carlsen Verlag heraus. Dieses Buch widmet sich der Geschichte des Serienmörders durch düster-beklemmenden Zeichnungen, die Isabel Kreitz zeichnete.[6]
  • 2011 erschien das Hörspiel: Murder Documents 01 – Haarmann bei Hoerspielprojekt.de heraus. Es befasst sich mit dem gesamten Fall und ist teilweise sehr düster und schonungslos in Szene gesetzt. So versucht es Einblicke in Haarmanns geistig verwirrten Zustand zu geben und macht auch vor der Zerstückelung der Opfer durch Haarmann nicht Halt.[7]
  • Das Musiklabel Beton Kopf Media (BKM), gegründet von Rudolf Ratzinger, dem Mastermind des Elektro-Musikprojektes :Wumpscut:, verwendet ein Foto Haarmanns als Erkennungsbild. Das Lied „Our fatal Longing“ von Wumpscut spielt auf Haarmann an.[8]
  • 2012 brachte die Neue Deutsche Härte-Band Ost+Front das "Denkelied" heraus, welches sich mit diesem Thema beschäftigt.
  • 2013 hat die aus Hannover stammende Symphonic-Metal-Band Symbiotic Systems auf ihrem bei Danse Macabre erschienen Debütalbum '„Unheard-of Tales“ das Lied „Tales of Haarmann“ veröffentlicht, das sich mit dem Treiben Haarmanns auseinandersetzt.
  • 2014 brachte die Band Subway to Sally auf ihrem Studioalbum „Mitgift“ das Lied „Warte, Warte“ heraus, das sich ebenfalls mit Haarmann befasst.

Haarmann-Lied[Bearbeiten]

Berühmt ist das Haarmann-Lied, dessen Strophen zur Melodie des damals populären Operettenliedes Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt auch das Glück zu dir von Walter Kollo gesungen wurde und in verschiedenen Versionen existiert, etwa in folgender Weise:


(1. und 3. Strophe)

„Warte, warte nur ein Weilchen,
bald kommt Haarmann auch zu dir,
mit dem kleinen Hackebeilchen,
macht er Schabefleisch aus dir.
Aus den Augen macht er Sülze,
aus dem Hintern macht er Speck,
aus den Därmen macht er Würste
und den Rest, den schmeißt er weg.“

(2. Strophe)

In Hannover an der Leine,
Rote Reihe Nummer 8,
wohnt der Massenmörder Haarmann,
der schon manchen umgebracht.
Haarmann hat auch ein’ Gehilfen,
Grans hieß dieser junge Mann.
Dieser lockte mit Behagen
alle kleinen Jungen an.

(Zurück zur ersten Strophe; danach Schluss.)

Haarmann wohnte allerdings zuletzt im Dachgeschoss in der Roten Reihe 2, nicht 8, wie im Lied behauptet.

1961 stand der Jazzmusiker Hawe Schneider mit seiner Dixieland-Version des Liedes für vier Wochen in den Top Ten der Musikmarkt-Hitparade, dem Vorläufer der heutigen Media-Control-Charts.[9] Das Lied wurde außerdem von verschiedenen Bands und Musikprojekten vertont oder zitiert.

Andere Haarmann-Rezitationen[Bearbeiten]

  • 1992: Der Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka schuf 1992 einen Haarmann-Fries. Der Ankauf des Werks durch das Land Niedersachsen und die Stadt Hannover zum Preis von 100.000 D-Mark führte zu Protesten unter dem Motto Steuergelder für Massenmörder-Denkmal, die eine bundesweite Medienkampagne verursachten.
  • 2000: Zur Expo 2000 war eine Haarmann-Meile geplant, auf der sich Künstler mit dem Thema auseinandersetzen sollten. Insbesondere war eine Haarmann-Kantine mit dem Angebot von Blutwurst und Sülze vorgesehen. Wegen Protesten kam es nicht zu dem Vorhaben.
  • 2004: Die Stadtwerke Hannover druckten in ihrem Kundenmagazin die Haarmann-Schleife als Würfelspiel ab.
  • 2007: Die Hannover Marketing und Tourismus GmbH gab einen Adventskalender heraus. Auf einem Türchen befand sich eine Abbildung von Fritz Haarmann mit Beil. Dies stieß auf Widerspruch.
  • 2012: Eine seit mehreren Jahren im Fanblock von Hannover 96 gezeigte Fahne erregt die Gemüter, der DFB schaltet sich ein.[10]

Sonstiges[Bearbeiten]

Ausschnitt aus der Statistik der Verurteilungen nach § 175.
1914–1918: Verringerung durch den Ersten Weltkrieg
1924: sprunghafter Anstieg

Die breite Berichterstattung und die Beschäftigung der Bevölkerung mit dem Thema zeichnete sich auch in den Fallzahlen und Verurteilungen nach § 175 StGB ab. Sie stiegen nach 1924, dem Jahr des Haarmann-Prozesses, sprunghaft an und pendelten sich nach einer kurzen Spitze von 1927 an auf einem höheren Niveau als vor 1914 (Beginn des Ersten Weltkriegs) ein.

Dokumente und Fotos aus den Polizeiakten im Haarmann-Fall finden sich heute im Polizeimuseum Niedersachsen in Nienburg/Weser.

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Blazek: Haarmann und Grans. Der Fall, die Beteiligten und die Presseberichterstattung. ibidem, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-89821-967-9.
  • Matthias Blazek: „Prozess gegen den Serienmörder Friedrich Haarmann vor dem Schwurgericht – Verhandlung vom 4. bis 19. Dezember 1924 / Hinrichtung 1925“. Sachsenspiegel 7, Cellesche Zeitung vom 18. Februar 2012.
  • Christoph Brodhun: Der Werwolf von Hannover: Friedrich Haarmann. Juristische Studienarbeit. Selbstverlag, Göttingen 2014.
  • Kerstin Brückweh: Mordlust. Serienmorde, Gewalt und Emotionen im 20. Jahrhundert. Campus Verlag, Frankfurt am Main und New York 2006, ISBN 978-3-593-38202-9.
  • Hans Hyan: Massenmörder Haarmann, Kriminalistische Studie, Berlin 1924.
  • Thomas Kailer: „… der höllischen Ausgeburt den Kopf vor die Füße legen …“ Zur Psychologie der strafenden Gesellschaft. Der Fall Haarmann. In: Von der Polizei der Obrigkeit zum Dienstleister für öffentliche Sicherheit. Festschrift zum 100. Gebäudejubiläum des Polizeipräsidiums Hannover 1903–2003. Hrsg. von Hans-Joachim Heuer u. a., Hilden 2003, S. 69–88.
  • Kathrin Kompisch: Der Fall Fritz Haarmann (1924). In: Hannoversche Geschichtsblätter, N.F., Bd. 55–56 (2001–2002), S. 97–116.
  • Theodor Lessing: Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs und andere Gerichtsreportagen. Hrsg. und eingeleitet von Rainer Marwedel, Luchterhand, Frankfurt am Main 1989 (zuerst: Berlin 1925), ISBN 3-630-61865-0.
  • Christine Pozsár; Michael Farin (Hrsg.): Die Haarmann-Protokolle. Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-60163-X.
  • Friedhelm Werremeier: Haarmann. Der Schlächter von Hannover. Die grauenvollen Verbrechen des berüchtigten Serienmörders. Heyne, München 1995, ISBN 3-453-08907-3 (zuerst: Köln 1992 als: Haarmann. Nachruf auf einen Werwolf., ISBN 3-8025-2232-X).
  • Peer Meter & Isabel Kreitz: Haarmann, Carlsen Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-551-79107-8 (Darstellung des Falls in Comic-Form).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fritz Haarmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Janatzek: Der Fall Haarmann aus (kriminal-)soziologischer Sicht. Studienarbeit. Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Bochum 2003, ISBN 978-3-640-08597-2.
  2. Frank Winternheimer: Andenken bleibt / Grabstein des Haarmann-Ermittlers gerettet, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 6. Februar 2013; online, zuletzt abgerufen am 12. Februar 2013.
  3. a b Tobias Premper: "Fritz, du bist doch der Beste!". Auf: taz.de am 10. März 2007.
  4. Fritz Hartung: Jurist unter vier Reichen, Köln, Berlin, Bonn, München 1971, S. 73.
  5. Göttinger Tageblatt vom 1. Juni 2012: Museum oder Bestattung für Haarmanns Kopf?.
  6. www.comicradioshow.com.
  7. Download des Hörspiels Murder Documents 01 – Haarmann.
  8. Beton Kopf Media bei Facebook.
  9. Universität Würzburg: Chartsübersicht 1961.
  10. Haarmann-Fahne Thema beim DFB.