Umkehrfunktion

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Die Umkehrfunktion

Die Umkehrfunktion oder inverse Funktion einer bijektiven Funktion ist die Funktion, die jedem Element der Zielmenge sein eindeutig bestimmtes Urbildelement zuweist. (Bei bijektiven Funktionen hat die Urbildmenge jedes Elements genau ein Element.) Eine Funktion, deren Umkehrfunktion existiert, wird auch als invertierbar bezeichnet.

Definition[Bearbeiten]

Wenn f : A \rightarrow B eine bijektive Funktion ist, dann bezeichnet f^{-1} : B \rightarrow A die Umkehrfunktion. Dabei ist die hochgestellte -1 nicht mit einer negativen Potenz bezüglich der Multiplikation zu verwechseln; es handelt sich vielmehr um die Umkehrung bezüglich der Hintereinanderausführung (Verkettung) von Funktionen.

Der Funktionswert f^{-1}(y) ist definiert als das (eindeutig bestimmte) x \in A, das die Gleichung f(x) = y erfüllt.

Eine alternative Schreibweise ist \bar f (f quer)[1], was allerdings leicht mit der komplexen Konjugation verwechselt wird.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Sei A := \{ a, b, c, \ldots , y, z \} die Menge der 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets und sei  B := \{ 1, 2, 3, \ldots , 25, 26 \}. Die Funktion f : A \rightarrow B, die jedem Buchstaben die entsprechende Nummer im Alphabet zuordnet, ist bijektiv und f^{-1} : B \rightarrow A ist gegeben durch  f^{-1}(n)  = „der n-te Buchstabe im Alphabet“.
  • Sei f \colon \mathbb{R} \rightarrow \mathbb{R} die Funktion mit f(x) = 3x + 2. Diese ist bijektiv und die Umkehrfunktion ist gegeben durch
f^{-1} \colon \R \to \R, \quad f^{-1} (x) = (x - 2)/3 .
  • Sei  \mathbb{R}_0^+  = [ 0, \infty ) die Menge der nichtnegativen reellen Zahlen und f \colon \mathbb{R}_0^+ \rightarrow \mathbb{R}_0^+ mit f(x) = x^2 eine eingeschränkte Quadratfunktion. Dann ist f bijektiv und die Umkehrfunktion  f^{-1} \colon \mathbb{R}_{0}^{+} \rightarrow \mathbb{R}_{0}^{+} ist gegeben durch f^{-1}(x) = \sqrt{x}.
  • Für f\colon [0, 1] \to [0, 1] mit f(x) = \sqrt{1-x^2} gilt f^{-1} = f.

Eigenschaften[Bearbeiten]

  • Die Umkehrfunktion der Umkehrfunktion ist die ursprüngliche Funktion, d. h.
    ( f^{-1} )^{-1} = f.
  • Ist f : A \rightarrow B eine Bijektion, dann gilt für die Umkehrfunktion:
      f( f^{-1} (x)) = x für alle x \in B,
      f^{-1}(f(x)) = x für alle x \in A.
    Mit Hilfe der Verkettung von Funktionen lässt sich dies auch so schreiben:
      f \circ f^{-1} = \operatorname{id}_B
      f^{-1} \circ f = \operatorname{id}_A.
  • Sind f : A \rightarrow B und g : B \rightarrow A zwei Funktionen mit den Eigenschaften
      f(g(x)) = x für alle x \in B,
      g(f(x)) = x für alle x \in A,
    dann sind beide Funktionen bijektiv und g ist die Umkehrfunktion von f.
  • Sind die Funktionen f : A \rightarrow B und g : B \rightarrow C bijektiv, dann gilt dies auch für die Verkettung g \circ f :  A \rightarrow C. Die Umkehrfunktion von g \circ f ist dann f^{-1} \circ g^{-1}.
  • Eine Funktion f : A \rightarrow A kann ihre eigene Umkehrfunktion sein. Es gilt dann f \circ f = \operatorname{id}_A und man nennt f eine Involution.
  • Ist f : A \rightarrow B eine Bijektion, wobei A und B Teilmengen von \mathbb{R} sind, dann entsteht der Graph der Umkehrfunktion, indem man den Graph von f an der Diagonalen y = x spiegelt.

Berechnung[Bearbeiten]

Ist f : A \to B eine Funktion und gelingt es, die Gleichung y = f(x) durch Äquivalenzumformung in die Form x = g(y) zu bringen, also äquivalent nach x aufzulösen (wobei x \in A, y \in B und g: B \to A gilt), dann ist f als bijektiv nachgewiesen und die Umkehrfunktion von f (nämlich g) bestimmt.

Beispiele:

  • Sei f: \mathbb{R} \to \mathbb{R} mit f(x) = 2x - 1. Die folgenden Gleichungen sind äquivalent:
    y = 2x - 1
    2x = y + 1
    x = \tfrac{y+1}{2}
Die Umkehrfunktion von f lautet daher f^{-1}(y)=\tfrac{y+1}{2}. Da es üblich ist, das Argument mit x zu bezeichnen, schreibt man auch: f^{-1}(x)=\tfrac{x+1}{2}.
  • Sei f: (0, \infty)  \to \mathbb{R} mit f(x) = \tfrac{x^2-1}{2x}. Die folgenden Gleichungen sind äquivalent (man beachte, dass x > 0 gilt):
    y = \tfrac{x^2-1}{2x}
    2xy = x^2 - 1\
    x^2 - 2xy - 1 = 0\
    x = y + \sqrt{y^2+1}
(Die zweite Lösung der quadratischen Gleichung entfällt, da x als positiv vorausgesetzt ist.) Die Umkehrfunktion lautet also: f^{-1}(y) = y + \sqrt{y^2+1}

Verallgemeinerungen[Bearbeiten]

Für allgemeinere Anwendungen ist der oben eingeführte Begriff der Umkehrfunktion als Inverses einer Bijektion zu eng. Entsprechend existieren Verallgemeinerungen für solche Gegebenheiten, von denen zwei nachfolgend vorgestellt werden.

Links- und Rechtsinverse[Bearbeiten]

Für eine Funktion f: X \rightarrow Y heißt eine Funktion g: Y \rightarrow X Linksinverse (oder Retraktion), wenn

g \circ f = \mathrm{id}_X . \,\!

Das heißt, die Funktion g erfüllt

\text{Wenn }f(x) = y\text{, dann }g(y) = x . \,\!

g muss also gleich der Umkehrfunktion von f im Wertebereich von f sein, kann aber beliebige Werte für Elemente aus Y annehmen, die nicht Resultat von f sind. Eine Funktion f hat Linksinverse genau dann, wenn sie injektiv (linkseindeutig) ist.

Eine Rechtsinverse (Koretraktion) von f (oder, bei Faserbündeln, ein Schnitt von f) ist eine Funktion h: Y \rightarrow X, so dass

f \circ h = \mathrm{id}_Y . \,\!

Das heißt, die Funktion h erfüllt

\text{Wenn }h(y) = x\text{, dann }f(x) = y . \,\!

h(y) kann also jedes Element von X sein, das von f auf y abgebildet wird. Eine Funktion f hat Rechtsinverse genau dann, wenn sie surjektiv (rechtstotal) ist. (Die Konstruktion solch einer Inversen erfordert im Allgemeinen das Auswahlaxiom.)

Eine Funktion kann mehrere Links- oder Rechtsinverse haben; es gibt jedoch nur eine eindeutige Funktion, die zugleich Links- als auch Rechtsinverse ist.

Beispiele[Bearbeiten]

Linksinverse treten oft als Inverse von Einbettungen auf.

Zum Beispiel sei f eine Funktion, die jedem Farbnamen ('rot', 'grün', 'blau' usw.) seine Farbe zuweist. Dann wäre ein Retrakt eine Funktion g, die für jede Farbe einen Farbnamen ergibt.

Als numerisches Beispiel sei f die Einbettung von \mathbb{Z} in \mathbb{Q}. g kann dann z. B. die größte ganze Zahl liefern, die kleiner oder gleich dem Argument ist.

Rechtsinverse treten oft als Funktionen auf, die Repräsentanten einer Menge bestimmen.

Sei beispielsweise f\colon \text{Art} \rightarrow \text{Gattung} eine Funktion, die jeder Art ihre Gattung zuweist. Das Rechtsinverse h ist eine Funktion, die für jede Gattung eine typische Art benennt. Politische Vertretung liefert viele Beispiele. Hier könnte f etwa die Staatsangehörigkeit eines Menschen sein, h das Staatsoberhaupt eines Staates.

Als mathematisches Beispiel für ein Rechtsinverses wäre f eine Auswertungsfunktion, die Termen einen Wert zuweist (diese ausrechnet). So haben etwa die Terme '2/4', '3/6', '1-1/2' usw. alle denselben Wert 0,5. h wäre dann eine Funktion, die für jeden Wert einen typische Term liefert, hier vielleicht '1/2'.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Sieber und Leopold Huber: Mathematische Begriffe und Formeln für Sekundarstufe I und II der Gymnasien, Ernst Klett Verlag