Ursula Krechel

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Ursula Krechel im Oberlandesgericht Frankfurt am Main, September 2013

Ursula Krechel (* 4. Dezember 1947 in Trier) ist eine deutsche Schriftstellerin und Autorin. Krechel bewegt sich in allen literarischen Genres. Die Lyrik, anfangs noch von Frauenbewegung und neuer Subjektivität beeinflusst, bildet den Schwerpunkt ihres Werks. Darüber hinaus hat sie Prosa, Theaterstücke und Hörspiele veröffentlicht. Als Autorin schreibt sie wissenschaftliche Essays, rezensiert Bücher und interpretiert Gedichte.

Leben[Bearbeiten]

Krechel wurde als Tochter des Psychologen Jakob Krechel und seiner 1971 verstorbenen Ehefrau Thea (geb. Dany) geboren. Nach der Volksschule in Trier-Heiligenkreuz von 1954 bis 1958 besuchte sie das Neusprachliche Gymnasium für Mädchen (heute Humboldt-Gymnasium) in Trier, das sie 1966 mit der Reifeprüfung abschloss. Ab dem Wintersemester 1966/67 studierte sie Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Köln. Bereits während ihres Studiums, das sie 1972 mit der Promotion und einer Dissertation über Herbert Ihering abschloss,[1] verfasste sie Beiträge für den Westdeutschen Rundfunk und den Kölner Stadt-Anzeiger. Von 1969 bis 1972 war sie Dramaturgin an den Städtischen Bühnen Dortmund und leitete Theaterprojekte mit jugendlichen Strafgefangenen.

Ab 1972 lebte sie als freie Schriftstellerin im Frankfurter Westend, wo sie u. a. eine Freundschaft mit Helga M. Novak und Klaus Roehler verband. 1974 machte sie mit ihrem ersten Bühnenstück „Erika“ auf sich aufmerksam. Die im Milieu des rheinischen Kleinbürgertums spielende Handlung schildert den - schließlich abgebrochenen - Ausbruchsversuch der jungen Protagonistin aus einer von ihr als bedrückend empfundenen Welt, einer einengenden Ehe und der beruflicher Aussichtslosigkeit.[2] 1976 erschien bei Luchterhand ihre Untersuchung Selbsterfahrung und Selbstbestimmung. Bericht aus der neuen Frauenbewegung, in dem sie die politische und gesellschaftliche Position der Frauenbewegung seit 1968 definierte. Das Buch erreichte bis 1983 zahlreiche Neuauflagen.

Ihr 2012 erschienener Roman Landgericht erhielt den Deutschen Buchpreis. Das Werk stellt den jüdischen Richter Dr. Richard Kornitzer in den Mittelpunkt,[3] der 1947 aus dem Exil in Havanna nach Deutschland zu seiner versprengten Familie zurückkehrt „und zerbricht, als er in der Enge Nachkriegsdeutschlands den Kampf um die Wiederherstellung seiner Würde verliert“.[4] Reales Vorbild für diese Romanfigur ist der Richter Robert Bernd Michaelis. [5]

Ursula Krechel ist mit Herbert Wiesner, dem ehemaligen Leiter des Berliner Literaturhauses, verheiratet und lebt in Berlin. Sie ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und seit 2012 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.[6]

Werke[Bearbeiten]

Einzeltitel[Bearbeiten]

  • Information und Wertung: Untersuchungen zum theater- und filmkritischen Werk von Herbert Ihering. Köln 1972 (Dissertation).
  • Erika. Frankfurt am Main 1973.
  • Selbsterfahrung und Fremdbestimmung. Darmstadt u. a. 1975.
  • Nach Mainz! Darmstadt u. a. 1977.
  • Umsturz. Darmstadt 1977.
  • Verwundbar wie in den besten Zeiten. Darmstadt u. a. 1979.
  • Zweite Natur. Darmstadt u. a. 1981.
  • Rohschnitt. Darmstadt u. a. 1983.
  • Aus der Sonne. Frankfurt a. M. 1985.
  • Vom Feuer lernen. Darmstadt u. a. 1985.
  • Kakaoblau. Salzburg u. a. 1989.
  • Tribunal im askanischen Hof. Berlin 1989 (zusammen mit Karin Reschke und Gisela von Wysocki)
  • Die Freunde des Wetterleuchtens. Frankfurt am Main 1990.
  • Sitzen Bleiben Gehen. Frankfurt am Main 1990.
  • Mit dem Körper des Vaters spielen. Frankfurt am Main 1992.
  • Technik des Erwachens. Frankfurt am Main 1992.
  • Äußerst innen. Frankfurt am Main 1993 (zusammen mit Irmgard Flemming)
  • Sizilianer des Gefühls. Frankfurt am Main 1993.
  • Landläufiges Wunder. Frankfurt am Main 1995.
  • Ungezürnt. Frankfurt am Main 1997.
  • Verbeugungen vor der Luft. Salzburg u. a. 1999.
  • Bei Eichendorff. Edenkoben 2000.
  • Der Übergriff. Salzburg u. a. 2001.
  • In Zukunft schreiben. Salzburg u. a. 2003.
  • Liebes Stück. Frankfurt am Main 2003.
  • Mein Hallo dein Ohr. Witzwort 2003.
  • Stimmen aus dem harten Kern. Gedicht. Salzburg/ Wien 2005.
  • Mittelwärts. Gedicht. zu Klampen Verlag, Springe 2006, ISBN 3-933156-86-6.
  • Shanghai fern von wo. Roman. Salzburg, Wien 2008[7]
  • Jäh erhellte Dunkelheit. Gedichte. Verlag Jung und Jung, Salzburg/ Wien 2010, ISBN 978-3-902497-67-3.
  • Landgericht Roman, Verlag Jung und Jung, Salzburg/ Wien 2012, ISBN 978-3-99027-024-0.

Übersetzung[Bearbeiten]

Herausgabe[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • ‪‪Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Killy Literaturlexikon, Band 7, ‪Walter de Gruyter, 2010, ISBN 978-3-11022049-0, S. 35

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ursula Krechel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise, Quellen[Bearbeiten]

  1. Ursula Krechel. auf der Webseite des Verlags der Autoren. abgerufen am 10. Oktober 2012.
  2. Theater heute, Heft 8, 1974, S. 37–46 (Ursula Krechel: Wenn Frauen an einem Stück über Frauen arbeiten, mit vollständigem Abdruck des Stücks)
  3. Ursula Krechel erhält den Deutschen Buchpreis. In: Spiegel Online. 8. Oktober 2012.
  4. Ursula Krechel erhält den Deutschen Buchpreis 2012 für ihren Roman „Landgericht“. auf: deutscher-buchpreis.de
  5. Diese Geschichte vererbt sich an die Kinder
  6. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Ursula Krechel ist neues Mitglied. auf: boersenblatt.net, 28. November 2012.
  7. 10 Fragen an Ursula Krechel. Goethe.de/China, Juni 2009.
  8. Ursula Krechel erhält den Wiesbadener Lyrik-Preis „Orphil“, abgerufen am 25. April 2012.