Volvo 164

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Volvo
Volvo 164 (1968–1975)

Volvo 164 (1968–1975)

164
Produktionszeitraum: 1968–1975
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine
Motoren: Ottomotoren:
3,0 Liter
(96–118 kW)[1]
Länge: 4705–4870[1] mm
Breite: 1735[1] mm
Höhe: 1435[1] mm
Radstand: 2700–2720[1] mm
Leergewicht: 1315–1350[1] kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: Volvo 260

Der Volvo 164 war ein PKW-Modell des schwedischen Autoherstellers Volvo, das von Sommer 1968 bis Frühjahr 1975 hergestellt wurde.

Mit ihm ergänzte Volvo sein Programm um eine luxuriöse Limousine der oberen Mittelklasse, nachdem das Unternehmen seit 1958 keine Sechszylinder-Pkw mehr angeboten hatte. Im Vergleich zum Volvo P144 erhielt der Volvo 164 einen verlängerten Radstand und eine außergewöhnlich gestaltete Frontpartie, mit der das Fahrzeug repräsentativer wirkte. Der zusätzliche Platz kam allerdings nicht der Fahrgastzelle zugute, sondern ausschließlich dem Motorraum. Hier kam ein Reihensechszylinder mit 3,0 Liter Hubraum zum Einsatz, den es in zwei Versionen gab.

Zuerst bot Volvo den 164 als Vergasermotor B30A mit 96 kW (130 PS) an. Zum Modelljahr 1972 erschien dann der 164E mit Einspritz-Motor B30E. Zusätzlich zu diesen zwei Hauptvarianten des Motors gab es noch eine sehr seltene Dreivergaservariante, die von der Volvo Penta-Marineversion des Motors abgeleitet ist. Der Einspritzmotor verfügte über die D-Jetronic von Bosch und leistete 118 kW (160 PS). Mit diesem leistungsfähigen Motor erreichte der Wagen Beschleunigungswerte von 8,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h. Für den wichtigen US-Markt gab es darüber hinaus eine niedrig verdichtete Ausführung mit umfangreicherer Abgasentgiftung und 107 kW (145 PS). Dieser Einspritzmotor trug die Bezeichnung B30 F.

Volvo 164 E

Der 164 wurde mit umfangreicher Serienausstattung geliefert, die in etwa der Grand Luxe genannten oberen Ausstattungslinie des Tochtermodells Volvo 144 entsprach. Eine Ausnahme bildet das erste Modelljahr 1969. Darüber hinaus gab es zahlreiche Zusatzausstattungen. So besaßen viele Fahrzeuge Ledersitze, Schiebedach, Servolenkung, Automatikgetriebe und Klimaanlage.

Ab Modelljahr 1974 wurde auf einigen Märkten (z.B. Deutschland, Großbritannien) zusätzlich die besonders umfangreich ausgestattete Variante "164 TE" angeboten. Diese Fahrzeuge waren serienmäßig u.a. mit Klimaanlage, Ledersitzen, Scheinwerferreinigungsanlage, Stereo-Kassettenradio, Leseleuchten und Kopfstützen im Fond ausgerüstet. Weiterhin war es auch beim Volvo 164 möglich, ihn mittels GT-Zubehör (später Volvo R-Sport) sportlich aufzurüsten.

Zunächst plante Volvo auch zwei- bzw. fünftürige Ableger 162 und 165 von diesem Modell, es blieb allerdings bei wenigen Einzelstücken, Prototypen, Umbauten und Repliken. Diese Ambitionen nach einem "großen", sechszylindrigem Coupé und einem großen Kombi, speziell für den US-Markt, wurden somit serienmäßig erst mit der Nachfolgemodellreihe Volvo 260 realisiert.

Beim Design (z. B. Grill, Frontmaske) orientiere sich der Volvo 164 an älteren Modellen wie dem nicht realisierten Luxuswagen P358 und dem Volvo P1900, die ein ähnliches "Haifischmaul" als Grill hatten. Der Chefdesigner Jan Wilsgaard hatte über viele Jahre den Wunsch gehegt, eine solche repräsentative Front in einem Auto zu verbauen. Um den Wagen auch von hinten besser vom Volvo 142/144 unterscheiden zu können, wurden am Fahrzeugheck ein "164"-Schriftzug und zwei waagerechte Zierleisten ergänzt.

1975 schrieb Volvo mit dem 164 Technikgeschichte: Er war das erste Serienfahrzeug, das zur Abgasreinigung mit einem (ungeregelten) Katalysator im Abgasstrang ausgerüstet wurde.

Von August 1968 bis April 1975 entstanden 153.179 Einheiten des 164. Sein Nachfolgerwurde der Volvo 260.

Modelljahre[Bearbeiten]

1969: Produktionsaufnahme des Modells ab Spätsommer 1968. Die Serienausstattung umfasst keine Kopfstützen, Dreipunkt-Statikgurte nur auf den vorderen Sitzen und keine Zeituhr in der Mittelkonsole, allerdings schon eine zweistufig beheizbare Heckscheibe. Technisch verwandt mit der 140er Serie sind die Getriebe M400 (Viergang manuell), M410 (Viergang manuell mit Overdrive) und BW35 (Dreigang, automatisch). Die Schaltgetriebe sind verstärkte Weiterentwicklungen der Volvo-M40/M41-Getriebe. Eine Servolenkung ist in diesem ersten Modelljahr noch nicht erhältlich. Äußerlich auffällig sind die Kühlluftgitterattrappen in den Nebelscheinwerfergehäusen, welche nur auf einigen Märkten auch mit Nebelscheinwerfern (z.B. Frankreich) bestückt waren. Weiterhin fallen Chromzierleisten und große, türmontierte Außenspiegel auf beiden Seiten auf.

1970: Nebelscheinwerfer, Automatikgurte auf den Vordersitzen, Radialreifen, grün getöntes Fensterglas, Ledersitze (Kopfstützen hinten möglich, aber Zusatzausstattung), Ablagefach mit Zeituhr auf der Mittelkonsole und Felgenzierringe sind serienmäßig. Als Zusatzausstattung sind unter anderem eine Servolenkung und Metalliclackierung lieferbar. Auf technischer Seite sind nun alle ausgelieferten Modelle 164 mit einer größeren Drehstromlichtmaschine von 55 A ausgestattet.

1971: Der Radstand wird bei unveränderter Außenlänge an der Hinterachse um 2 cm gestreckt (zeitgleich mit Volvo 144). Servolenkung ist nun Serienausstattung. Verbreiterung der Stahlfelgen auf 5,5 Zoll. Erweiterung der Farbpalette.

1972: Einführung der oben genannten Einspritzmotoren B 30E/F. Modifizierte Instrumententafel vor dem Mitteltunnel, Warnleuchte für Choke beim Vergasermodell, Automatik-Wählhebel nun auf Mitteltunnel statt als Lenkrad-Wählhebel, Erweiterung der Farbpalette.

1973: Diverse äußere optische Retuschen und technische Feinheiten werden umgesetzt (Chrom, Scheinwerfer/ Rücklichter, Automatikgurte, Zündschloss etc.). Einstellung des Vergasermotor-Modells im Verlauf des Modelljahrs. Das Einspritzmodell ist werksseitig für den Einbau einer Klimaanlage bereit. Seitenaufprallschutz in den Türen. Völlig neues Armaturenbrett und neues Kombiinstrument mit Rundinstrumenten. Veränderung der Farbpalette.

1974: Weitere technische Veränderungen, die vom Volumenmodell 144 übernommen werden (unter anderem größerer Spülwasserbehälter mit stärkerer Pumpe für die Scheinwerferreinigungsanlage, geänderte Sitzverstellung, Sitzheizungsmöglichkeit für den Fahrersitz, Warnleuchte für ausgefallene Scheinwerfer/ Blinker/ Rücklichter), einteilige Türen statt der zuvor geschraubten Alu-Fensterrahmen. Einführung der mächtigen Stoßstangen aufgrund von neuen US-Crashvorschriften, dadurch neue Gesamtlänge 4,87 m. Zunehmende Umstellung von Zollmaßen auf metrische Maße. Einführung der "Top Executive" (TE)-Ausstattung mit oben genannten Merkmalen.

1975: Letztes Modelljahr, da bereits die Produktion des Nachfolgemodells Volvo 264 läuft. Nur noch Linkslenker, einige Anpassungen an das Nachfolgemodell (Scheibenwischer, Felgen, integrierte Kopfstützen). Der Handbremshebel sitzt auf den Kardantunnel und nicht mehr außen am Fahrersitz. Die Exportausführung für Kalifornien wird mit ungeregeltem Abgaskatalysator ausgestattet, nachdem dort strengere Abgasnormen eingeführt wurden, denen Volvo auf dem gesamten US-Markt schon vorher mit anderer Motorentechnik begegnet war ("F"-Motoren).


Quellen[Bearbeiten]

  • Automobil Revue, Katalognummern 1969, 1973 (technische Daten und Preise)
  • Mike Covell: Standard Catalog of Imported Cars 1946–2002. Krause Publication, Iola (USA) 2002, ISBN 0-87341-605-8, S. 845 f.
  • AB Volvo: Werkstatthandbuch Volvo 164 1969, S. 0:1 ff.
  • Volvo Deutschland GmbH: Werkstatthandbuch B20, B30. S. 2–1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Dieter Günther & Matthias Pfannmüller: Volvo Typenkunde - Personenwagen ab 1927. 2. Auflage. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011. ISBN 978-3-7688-3367-7. S. 49

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Volvo 164 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien