Weinfelden

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Weinfelden
Wappen von Weinfelden
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Weinfeldenw
BFS-Nr.: 4946i1f3f4
Postleitzahl: 8570
UN/LOCODE: CH WFL
Koordinaten: 725015 / 26976347.5666669.100001432Koordinaten: 47° 34′ 0″ N, 9° 6′ 0″ O; CH1903: 725015 / 269763
Höhe: 432 m ü. M.
Fläche: 15.5 km²
Einwohner: i10'699 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 690 Einw. pro km²
Website: www.weinfelden.ch
Blick Richtung Ottenberg

Blick Richtung Ottenberg

Karte
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Weinfelden ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Kanton Thurgau im Osten der Schweiz.

Weinfelden liegt nahe bei Frauenfeld. Mehrere kantonale Einrichtungen haben hier wegen der zentraleren geographischen Lage ihren Sitz, so die Thurgauer Kantonalbank und das Thurgauer Verwaltungsgericht. Der Grosse Rat, das Parlament des Kantons Thurgau tagt im Winterhalbjahr in Weinfelden.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 2011 lebten 10'440 Menschen in Weinfelden.[2], sodass die Gemeinde statistisch als Stadt gilt.

Kirchen[Bearbeiten]

Weinfelden hat eine evangelische und eine katholische Kirchgemeinde.

In der lokalen Sektion der Evangelischen Allianz verbunden sind die Evangelisch-reformierte Kirche, die Evangelisch-methodistische Kirche, die Chrischona-Gemeinde und die 1961 gegründete[3], der Schweizerischen Pfingstmission angehörende Freie Christengemeinde.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof

Der Bahnhof Weinfelden ist der grösste Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt des Kantons Thurgau. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts glich das Thurtal einer unpassierbaren Wildnis. Erst als die Eisenbahnlinie Oerlikon – Romanshorn durch die Schweizerische Nordostbahn gebaut wurde, konnten auch auf der West-Ost-Achse Güter durch den Kanton transportiert werden. 1876 wurde die Bischofszellerbahn (Linie nach St. Gallen) eröffnet, 1911 nahm die Mittelthurgaubahn den Betrieb auf der Linie Kreuzlingen – Weinfelden – Wil auf. Heute verkehren Intercityzüge Richtung Zürich-Flughafen, Zürich, Biel oder Brig und S-Bahnzüge der Zürcher S-Bahn und der St. Galler S-Bahn. Somit kreuzen sich fünf Eisenbahnlinien und fünf Postautolinien in Weinfelden. Der Bahnhof wurde im Jahr 2002 komplett erneuert.

Vom Schwerverkehr ist Weinfelden mit einer Umfahrungsstrasse (Dunant-, Dufour- und Deucherstrasse) entlastet. Es sind deshalb Planungen für eine Thurtal/Aachtal-Schnellstrasse in Gang mit einem Tunnel durch den Ottenberg. Die Vorlage wurde jedoch zusammen mit der Südumfahrung Kreuzlingen 2005 vom Thurgauer Stimmvolk abgelehnt.[5] Im September 2012 wurde über eine ähnliche Vorlage des Kantons erneut abgestimmt: Unter dem Namen BTS (Abkürzung für «Bodensee-Thurtal-Strasse», Schnellstrasse Tempo 100/80 von Weinfelden über Sulgen, Amriswil nach Arbon) und OLS («Oberlandstrasse», Hauptstrasse Tempo 80/50 von Kreuzlingen über Langrickenbach nach Amriswil mit Anschluss an die BTS) gelangten zwei ähnliche Erweiterungen des Strassennetzes (Netzbeschlüsse) wie 2005 zur Abstimmung und wurden mit 54,6 % der Stimmen befürwortet.[6][7] Die Projektierung der Linienführung erfolgt derzeit.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Thomas Bornhauser Brunnen

Bereits im Jahre 124 n. Chr. bestand nachweislich eine fünf Meter breite römische Brücke über die Thur[9] an der Stelle Weinfeldens, welche darauf schliessen lässt, dass bereits zu dieser Zeit ein Handelsplatz vorhanden war. Der Name Weinfelden taucht jedoch erst im Jahr 838 n. Chr. in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen auf. Der damalige Name lautete Quivelda (= Winis Feld).

In der frühen Neuzeit war der Ort im Besitz wechselnder Adels- und Patriziergeschlechter. In der Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Herren von Mundpratt im Besitz des Ortes. 1551 erwarb Hans Dietrich von Gemmingen aus der Linie Gemmingen-Steinegg, der mit einer Mundpratt-Tochter verheiratet war, die Herrschaft Weinfelden. 1555 verkaufte er Weinfelden an die Fugger.[10] 1572 war der Ort im Besitz von Arbogast von Schellenberg.[11] 1575 erwarben Eberhard von Gemmingen und seine Brüder aus der Linie Gemmingen-Bürg die Herrschaft Weinfelden. Die Freiherren von Gemmingen errichteten ein Armenhaus und richteten eine Schulstelle ein. Die Erben verkauften die Herrschaft 1614 an die Stadt Zürich.[12]

Weinfelden – zu jener Zeit der mit Abstand grösste Ort des Kantons Thurgau – erreichte im Jahre 1798 historische Bedeutung: Im Februar jenes Jahres führte Paul Reinhart zusammen mit seinem Komitee den Thurgau aus jahrhundertelanger eidgenössischer Untertanenschaft (seit 1460) in eine kurze erste Freiheit. 1803 wurde der Kanton Thurgau dann durch die Mediationsakte von Kaiser Napoléon offiziell unabhängig - und Frauenfeld Hauptstadt.

1830 erlangte Weinfelden zum zweiten Mal politische Bedeutung. Am 22. Oktober 1830 sprach der wortgewandte Thomas Bornhauser zu einer nach Tausenden zählenden Menge in Weinfelden. Er forderte – und erlangte 1831 auch – auf dem Rathausplatz (von der gleichen Treppe des Gasthauses zum Trauben wie Paul Reinhart 32 Jahre vor ihm) eine der ersten liberalen Verfassungen Europas.

Noch heute werden in Weinfelden mit Paul Reinhart und Thomas Bornhauser die beiden hier bedeutendsten Politiker des 19. Jahrhunderts in einem Atemzug genannt. Von beiden hängen im Rathaus gleich ausgestattete Portraits, von beiden stehen im dort gleich ausgestaltete Büsten; es gibt eine Paul-Reinhart- und eine Thomas-Bornhauser-Strasse, ein Paul-Reinhart- und ein Thomas-Bornhauser-Schulhaus, die Paul-Reinhart-Gedenktafel am Haus zum Komitee und den Thomas-Bornhauser-Brunnen auf dem Rathausplatz.

Kunst, Kultur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Die Bildungsstätten umfassen für die obligatorische Schulzeit Kindergärten, Primar- und Oberstufenschule. Daneben ist Weinfelden Schulort des grössten Berufsbildungszentrums des Kantons, des BBZ' Weinfelden. Mittel- und Hochschulen sind in Pendlerdistanz erreichbar.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss Weinfelden (Privatbesitz: August von Finck)
  • Die evangelisch-reformierte Dorfkirche wurde 1902–1904 als neuromanischer Zentralbau erbaut und hat eine Jugendstil-Ausstattung. Die fast gleichzeitig gebaute katholische Kirche neobarock mit klassizistischen Elementen.
  • Schloss Weinfelden, oberhalb der Stadt.
  • Fussgängerbrücke Ganggelisteg über die Thur: Hängebrücke von 1882.
  • Stellmacherhaus, Thomas-Bornhauser-Str. 12: erbaut 1932, bedeutendstes Zeugnis des Neuen Bauens (Bauhaus-Stil) im Kanton Thurgau.

Brauchtum[Bearbeiten]

Das Weinfelder Brauchtum wird unter anderem mit der Bochselnacht gepflegt. Alljährlich ziehen am Donnerstag der letzten ganzen Woche vor Weihnachten die Schüler der Primarschule und der Oberstufe mit selber geschnitzten Runkelrüben in einem Umzug durch Weinfelden. Diese Rüben werden ausgehöhlt und von innen mit einer Kerze beleuchtet. Die 3. Oberstufenklassen studieren jeweils ein Abschlusstheater ein, das sie an der Bochselnacht aufführen, zur Hauptprobe werden alle Schulkinder eingeladen.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

In Weinfelden gibt es jährlich drei grosse Anlässe. Der erste ist das Weinfelder Weinfest (Wyfescht), dieses wird jeweils im Spätsommer durchgeführt. Der zweite Grossanlass ist im Herbst die Weinfelder Gewerbeausstellung WEGA, die jeweils um die 100'000 Personen anlockt.[13] Im Frühjahr gibt es die Gastronomiemesse Schlaraffia.[14]

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

Seit 1998 gibt es das Kino Liberty Cinema mit drei Leinwänden und insgesamt 450 Sitzplätzen. Neben dem Kino befindet sich ein Ausgangskomplex, im Westen der Gemeinde ein für seine vielen Hiphop-Veranstaltungen bekannter Club.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten die vor Ort lebten oder wirkten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weinfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://www.weinfelden.ch/xml_1/internet/de/application/d13/f15.cfm (abgerufen am: 1. März 2012)
  3. http://www.giessenpark.ch/portrait/geschichte/ (abgerufen am: 1. März 2012).
  4. http://www.each.ch/ea-weinfelden.html (abgerufen am: 1. März 2012).
  5. www.tg.ch Abstimmungen 2005 abgerufen am 30. August 2012
  6. www.tg.ch Abstimmungen 2012 abgerufen am 30. August 2012
  7. Abstimmungsergebnis (PDF; 23 kB) der Kantonalen Volksabstimmung vom 23. September 2012
  8. Pressemitteilungen zum Projekt Bodensee-Thurtalstrasse (BTS) auf der kantonalen Webseite
  9. Zahlen und Fakten auf der offiziellen Webseite abgerufen am 14. Oktober 2012
  10. Carl W. F. L. Stocker: Familien-Chronik der Freiherren von Gemmingen, Heidelberg 1895, S. 339/340.
  11. Johann Adam Pupikofer: Geschichte des Thurgaus 1499-1829 – mit Urkunden und Nachweisungen, Band 2, 1830, S. 131.
  12. Carl W. F. L. Stocker: Familien-Chronik der Freiherren von Gemmingen, Heidelberg 1895, S. 178/179.
  13. WEGA Die Thurgauer Messe
  14. Schlaraffia Wein- und Gourmetmesse