Weinfelden
| Weinfelden | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Staat: | Schweiz |
| Kanton: | Thurgau (TG) |
| Bezirk: | Weinfelden |
| BFS-Nr.: | 4946 |
| Postleitzahl: | 8570 |
| UN/LOCODE: | CH WFL |
| Koordinaten: | 725015 / 26976347.5666669.100001432Koordinaten: 47° 34′ 0″ N, 9° 6′ 0″ O; CH1903: 725015 / 269763 |
| Höhe: | 432 m ü. M. |
| Fläche: | 15.5 km² |
| Einwohner: | 10'490 (31. Dezember 2011)[1] |
| Einwohnerdichte: | 677 Einw. pro km² |
| Website: | www.weinfelden.ch |
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Blick Richtung Ottenberg |
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| Karte | |
Weinfelden ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Kanton Thurgau im Osten der Schweiz.
Weinfelden liegt nahe bei Frauenfeld. Mehrere kantonale Einrichtungen haben hier wegen der zentraleren geographischen Lage ihren Sitz, so die Thurgauer Kantonalbank und das Thurgauer Verwaltungsgericht. Der Grosse Rat, das Parlament des Kantons Thurgau tagt im Winterhalbjahr in Weinfelden.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Bereits im Jahre 124 n. Chr. bestand nachweislich eine fünf Meter breite römische Brücke über die Thur[2] an der Stelle Weinfeldens, welche darauf schliessen lässt, dass bereits zu dieser Zeit ein Handelsplatz vorhanden war. Der Name Weinfelden taucht jedoch erst im Jahr 838 n. Chr. in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen auf. Der damalige Name lautete Quivelda (= Winis Feld).
Weinfelden – zu jener Zeit der mit Abstand grösste Ort des Kantons Thurgau – erreichte im Jahre 1798 historische Bedeutung: Im Februar jenes Jahres führte Paul Reinhart zusammen mit seinem Komitee den Thurgau aus jahrhundertelanger eidgenössischer Untertanenschaft (seit 1460) in eine kurze erste Freiheit. 1803 wurde der Kanton Thurgau dann durch die Mediationsakte von Kaiser Napoléon offiziell unabhängig - und Frauenfeld Hauptstadt.
1830 erlangte Weinfelden zum zweiten Mal politische Bedeutung. Am 22. Oktober 1830 sprach der wortgewandte Thomas Bornhauser zu einer nach Tausenden zählenden Menge in Weinfelden. Er forderte – und erlangte 1831 auch – auf dem Rathausplatz (von der gleichen Treppe des Gasthauses zum Trauben wie Paul Reinhart 32 Jahre vor ihm) eine der ersten liberalen Verfassungen Europas.
Noch heute werden in Weinfelden mit Paul Reinhart und Thomas Bornhauser die beiden hier bedeutendsten Politiker des 19. Jahrhunderts in einem Atemzug genannt. Von beiden hängen im Rathaus gleich ausgestattete Portraits, von beiden stehen im dort gleich ausgestaltete Büsten; es gibt eine Paul-Reinhart- und eine Thomas-Bornhauser-Strasse, ein Paul-Reinhart- und ein Thomas-Bornhauser-Schulhaus, die Paul-Reinhart-Gedenktafel am Haus zum Komitee und den Thomas-Bornhauser-Brunnen auf dem Rathausplatz.
Verkehr [Bearbeiten]
Der Bahnhof Weinfelden ist der grösste Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt des Kantons Thurgau. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts glich das Thurtal einer unpassierbaren Wildnis. Erst als die Eisenbahnlinie Oerlikon – Romanshorn durch die Schweizerische Nordostbahn gebaut wurde, konnten auch auf der West-Ost-Achse Güter durch den Kanton transportiert werden. 1876 wurde die Bischofszellerbahn (Linie nach St. Gallen) eröffnet, 1911 nahm die Mittelthurgaubahn den Betrieb auf der Linie Kreuzlingen – Weinfelden – Wil auf. Heute verkehren Intercityzüge Richtung Zürich-Flughafen, Zürich, Biel oder Brig und S-Bahnzüge der Zürcher S-Bahn und der St. Galler S-Bahn. Somit kreuzen sich fünf Eisenbahnlinien und fünf Postautolinien in Weinfelden. Der Bahnhof wurde im Jahr 2002 komplett erneuert.
Vom Schwerverkehr ist Weinfelden mit einer Umfahrungsstrasse (Dunant-, Dufour- und Deucherstrasse) entlastet. Es sind deshalb Planungen für eine Thurtal/Aachtal-Schnellstrasse in Gang mit einem Tunnel durch den Ottenberg. Die Vorlage wurde jedoch zusammen mit der Südumfahrung Kreuzlingen 2005 vom Thurgauer Stimmvolk abgelehnt.[3] Im September 2012 wird über eine sehr ähnliche Vorlage des Kantons erneut abgestimmt: Unter dem Namen BTS (Abkürzung für "Bodensee-Thurtal-Strasse", Schnellstrasse Tempo 100/80 von Weinfelden über Sulgen, Amriswil nach Arbon) und OLS ("Oberlandstrasse", Hauptstrasse Tempo 80/50 von Kreuzlingen über Langrickenbach nach Amriswil mit Anschluss an die BTS) gelangen zwei ähnliche Erweiterungen des Strassennetzes (Netzbeschlüsse) wie 2005 zur Abstimmung.[4] In den neuen Vorschlag nicht eingeflossen sind Vorschläge der Umweltverbände für lokale Verkehrsentlastungen anstelle von neuen Parallelstrassen mit hohem Landverbrauch (die neuen Strassen hätten eine Länge von rund 50 km). Wie bereits 2005 wird ein für Thurgauer Verhältnisse harter Abstimmungskampf zwischen Befürwortern und Gegnern geführt (Webseiten von Contra und Pro).
Bevölkerung [Bearbeiten]
Am 31. Dezember 2011 lebten 10'440 Menschen in Weinfelden.[5], sodass die Gemeinde statistisch als Stadt gilt.
Kirchen [Bearbeiten]
Weinfelden hat eine evangelische und eine katholische Kirchgemeinde.
In der lokalen Sektion der Evangelischen Allianz verbunden sind die Evangelisch-reformierte Kirche, die Evangelisch-methodistische Kirche, die Chrischona-Gemeinde und die 1961 gegründete[6], der Schweizerischen Pfingstmission angehörende Freie Christengemeinde.[7]
Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
- Die evangelisch-reformierte Dorfkirche wurde 1902–1904 als neuromanischer Zentralbau erbaut und hat innen eine beeindruckende Jugendstil-Ausstattung. Die fast gleichzeitig gebaute katholische Kirche ist stilistisch ganz anders: neubarock mit klassizistischen Elementen
- Schloss Weinfelden, oberhalb der Stadt
- Fussgängerbrücke "Ganggelisteg" über die Thur: Hängebrücke von 1882
- Stellmacherhaus, Thomas-Bornhauser-Str. 12: erbaut 1932, bedeutendstes Zeugnis des Neuen Bauens (Bauhaus-Stil) im Kanton Thurgau
- Kehrrichtverbrennungsanlage, östlich der Stadt: erbaut 1997, gilt als "Kathedrale des Mülls"
Bildung [Bearbeiten]
Die Bildungsstätten umfassen für die obligatorische Schulzeit Kindergärten, Primar- und Oberstufenschule. Daneben ist Weinfelden Schulort des grössten Berufsbildungszentrums des Kantons, des BBZ' Weinfelden. Mittel- und Hochschulen sind in komfortabler Pendlerdistanz erreichbar.
Sport [Bearbeiten]
Für die Möglichkeit Sport zu treiben sorgen nebst Hallen- und Freibad mehrere Sporthallen mit Aussenplätzen, eine Tennishalle und Tennis-Aussenplätze, sowie eine Eis- und eine Curlinghalle (Sportzentrum Güttingersreuti). Seit 2006 steht in Weinfelden die erste Norm Inline-Skating Rundbahn Europas.
Brauchtum [Bearbeiten]
Das Weinfelder Brauchtum wird unter anderem mit der Bochselnacht gepflegt. Alljährlich ziehen am Donnerstag der letzten ganzen Woche vor Weihnachten die Schüler der Primarschule und der Oberstufe mit selber geschnitzten Runkelrüben in einem Umzug durch Weinfelden. Diese Rüben werden ausgehöhlt und von innen mit einer Kerze beleuchtet. Die 3. Oberstufenklassen studieren jeweils ein Abschlusstheater ein, das sie an der Bochselnacht aufführen. Dies zur Freude aller Schulkinder, die zur Hauptprobe eingeladen werden. Ein weiterer Brauch der Weinfelder Gesellschaft ist die jährliche Zusammenkunft, um die neusten Weinsorten des Dorfes zu testen. Das so genannte Weinfest befindet sich im Thurgauerhof im Weinfelder Dorfzentrum.
Veranstaltungen [Bearbeiten]
In Weinfelden gibt es jährlich drei grosse Anlässe. Der erste ist das Weinfelder Weinfest (Wyfescht), dieses wird jeweils im Spätsommer durchgeführt. Der zweite Grossanlass ist im Herbst die Weinfelder Gewerbeausstellung WEGA, die jeweils um die 100'000 Personen anlockt. Die dritte ist die schon erwähnte Bochselnacht. Im Frühjahr gibt es die Gastronomiemesse "Schlaraffia".
Freizeiteinrichtungen [Bearbeiten]
Seit 1998 gibt es das Kino Liberty Cinema mit drei Leinwänden und insgesamt 450 Sitzplätzen. Neben dem Kino befindet sich ein Ausgangskomplex, im Westen der Gemeinde ein für seine vielen Hiphop-Veranstaltungen bekannter Club.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
- Thomas Bornhauser (1799–1856), Pfarrer und Publizist
- Hugo Dudli (1930–2004), Komponist und Dirigent
- Johann Otto von Gemmingen (1545–1598), Fürstbischof zu Augsburg
- Heinrich Häberlin (1868–1947), Politiker (FDP), Nationalrat, Bundesrat
- Paul Reinhart (1748–1824), Apotheker, Präsident der ersten freien Thurgauer Regierung
- Heinz Rutishauser (1918–1970), Mathematiker, Pionier der modernen numerischen Mathematik und der Informatik
- Peter Stamm (* 1963), Schriftsteller
- Reto Scherrer (* 1975), Radio- und TV Moderator
Siehe auch [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Website der Gemeinde Weinfelden
- Bachtobel im Historischen Lexikon der Schweiz
- Thurberg im Historischen Lexikon der Schweiz
- Weerswilen im Historischen Lexikon der Schweiz
- Weinfelden im Historischen Lexikon der Schweiz
- WEGA Die Thurgauer Messe
- Schlaraffia Wein- und Gourmetmesse
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter
- ↑ Zahlen und Fakten auf der offiziellen Webseite abgerufen am 14. Oktober 2012
- ↑ www.tg.ch Abstimmungen 2005 abgerufen am 30. August 2012
- ↑ www.tg.ch Abstimmungen 2012 abgerufen am 30. August 2012
- ↑ http://www.weinfelden.ch/xml_1/internet/de/application/d13/f15.cfm (abgerufen am: 1. März 2012)
- ↑ http://www.giessenpark.ch/portrait/geschichte/ (abgerufen am: 1. März 2012).
- ↑ http://www.each.ch/ea-weinfelden.html (abgerufen am: 1. März 2012).
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