10-cm-Nebelwerfer 35

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
10-cm-Nebelwerfer 35


Allgemeine Angaben
Militärische Bezeichnung: 10-cm-Nebelwerfer 35
Herstellerland: Deutsches Reich
Entwickler/Hersteller: Rheinmetall
Entwicklungsjahr: 1934–1935
Produktionszeit: 1935 bis 1941
Waffenkategorie: Granatwerfer
Mannschaft: 7 Mann
Technische Daten
Rohrlänge: 1,344 m
Kaliber:

10,5 cm

Kaliberlänge: L/13
Kadenz: 10 bis 15 Schuss/min
Höhenrichtbereich: 45° – 90° Winkelgrad
Seitenrichtbereich: 28°

Der 10-cm-Nebelwerfer 35 (10-cm-Nb.W.35) war ein schwerer Granatwerfer, der von der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurde. Er war die Hauptwaffe der Nebeltruppe zu Kriegsbeginn und wurde in sogenannten Nebel-Abteilungen eingesetzt.

Ähnlich wie der amerikanische "4,2-inch Chemical Mortar M2" war er dazu vorgesehen, chemische Munition wie Nebel- und Gasgranaten zu verschießen. Im Gegensatz zum amerikanischen Modell gab es aber für den Nb.W.35 von Anfang an auch ein konventionelles Sprenggeschoss. Der Nb.W.35 war ein herkömmlicher Entwurf und im Grunde ein modifizierter 8-cm-Granatwerfer 34.

Bedienung und Transport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nb.W.35 wurde zum Transport in drei Teilladungen zerlegt, davon wog das Rohr 31,7 kg, die Bodenplatte 36,3 kg und das Zweibein 32,2 kg. Die Geschützbedienung bestand aus dem Geschützführer, drei Richt- und Ladeschützen sowie drei Munitionsträgern.

Zum Transport im Gelände nach dem Absitzen von den Kraftfahrzeugen standen

  • das "Nebelfahrzeug 1" (Nbf.1), der "Werferkarren für 10-cm-Nebelwerfer", und
  • das "Nebelfahrzeug 1/1" (Nbf.1/1), der "Munitionskarren für 10-cm-Nebelwerfer",

zur Verfügung. Beide Handkarren waren zusammenklappbar und wurden zum Marsch auf den Kraftfahrzeugen verlastet.[1]

Diese beiden Karren wurden später durch das "Nebelfahrzeug 2" (Nbf.2), den "Handkarren für 10-cm-Nebelwerfer", abgelöst, der einfacher aufgebaut war und nicht mehr zusammengeklappt werden konnte.[2]

Zum Marsch wurden Nebelwerfer, Munition, Handkarren und Bedienung auf dem Sd.Kfz. 11/1, dem „Nebelkraftwagen mit Fahrgestell des leichten Zugkraftwagens 3 Tonnen“ (le.Zgkw.3t.) verlastet.[3]

Einsatzgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie auch der etwa zum selben Zeitpunkt entwickelte amerikanische "Chemical Mortar" wurden die N.W.35 in Abteilungen (vgl. Bataillonen) zu je drei Batterien zusammengefasst. Sie waren "Heerestruppe" und wurden den Divisionen bei Bedarf zugeteilt. Alle Nebel-Abteilungen waren grundsätzlich motorisiert.

Im Oktober 1935 wurden die "Nebel-Lehr-und-Versuchs-Abteilung" und "Nebel-Abteilungen" 1 und 2 aufgestellt. Diese standen 1939 für den Polenfeldzug zur Verfügung. Zu Beginn des Frankreichfeldzuges war diese Zahl durch Aufstellung der Abteilungen 3 bis 5 auf sechs, einschließlich der (umbenannten) "Nebel-Lehr-Abteilung", angewachsen. Im März 1940 wurden zusätzlich die Abteilungen 6 bis 9 aufgestellt, sodass im Jahr 1941 für das Unternehmen Barbarossa insgesamt 10 Abteilungen zur Verfügung standen. Für den Einsatz in Norwegen war im Mai 1940 die "8. Batterie des Artillerieregimentes 222" (8./Art.Rgt.222) mit acht 10-cm-Nb.W.35 ausgerüstet worden. Später wurde die Batterie in "Nebelwerfer-Batterie 222" (Nb.W.Bttr.222) umbenannt. Im Januar 1942 wurde zusätzlich noch die "Gebirgs-Werfer-Abteilung 10" mit dem Nb.W.35 aufgestellt.[4]

Ab Ende 1941 wurde der "10-cm-Nebelwerfer 35" ersetzt durch:

Die "Nebel-Abteilungen" wurden in "Nebelwerfer-Abteilungen" umgegliedert und in Regimentern zusammengefasst.

Die Nb.W.35 wurden danach von anderen Truppenteilen als herkömmliche Granatwerfer weiterverwendet.[5]

Munition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Werfer verschoss

  • die 7,26 kg schwere Sprenggranate (10-cm-Wgr.35 Spr), die 1,7 kg TNT trug,[6]
  • die 7,26 kg schwere Rauchgranate (10-cm-Wgr.35 Nb), die 1,7 kg FS trug,[6]
  • die Kampfstoffgranate (10-cm-Wgr.35 Kh) [Kammerhülse], die mit Gelbkreuz gefüllt war,[7]
  • die (wenig produzierte) Kampfstoffgranate (10-cm-Wgr.35 Z.B.) [Zwischenboden], die mit 0,9 kg Kampfstoff gefüllt war,[7] und
  • die 7,35 kg schwere, 432 mm lange Wurfgranate 37 (Wgr.37 Spr), die 1,28 kg Sprengstoff trug.[8]

Mit einer Grundladung von 15 g und vier Treibladungen von je 21 g[6] verschossen, erreichten sie eine Mündungsgeschwindigkeit von 193 m/s und eine Schussweite von 3025 m. Die Streuung lag bei 65 m.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barker, A.J.: Die deutschen Infanteriewaffen des Zweiten Weltkrieges. Motorbuch Verlag Stuttgart, 2. Auflage 1975, ISBN 3-87943-328-3.
  • Terry Gander, Peter Chamberlain: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939–1945. Motorbuchverlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02481-6.
  • Hahn, Fritz: Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1939-1945, Band 1. 3. Auflage. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-7637-5915-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kfz. der Wehrmacht, Nbf.1/1 und Nbf.1/1
  2. Kfz. der Wehrmacht, Nbf.2
  3. Sd. Kfz. 11/1 Nebelkraftwagen (Memento vom 30. Juni 2013 im Internet Archive) Kfz. der Wehrmacht, Sd.Kfz.11/1 Nebelkraftwagen
  4. Army Nebelwerfer Units (Memento vom 6. Februar 2009 im Internet Archive)
  5. Terry Gander, Peter Chamberlain: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939–1945. Motorbuchverlag, Stuttgart 2008
  6. a b c Barker, S. 74
  7. a b Hahn, S. 81
  8. Hahn, S. 70
  9. Hahn, S. 70.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]