7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18


Allgemeine Angaben
Militärische Bezeichnung: 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18
Herstellerland: Deutsches Reich
Entwickler/Hersteller: Rheinmetall, Böhmische Waffenfabrik / Habämfa
Entwicklungsjahr: 1927
Produktionszeit: 1932 bis ?
Stückzahl: ~ 12.000
Mannschaft: 6
Technische Daten
Rohrlänge: 0,783 m
Kaliber:

75 mm

Kaliberlänge: L/11,8
Kadenz: 8–12 Schuss/min
Höhenrichtbereich: −10° bis +75 Winkelgrad
Seitenrichtbereich: 11°

Das 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18 oder kurz leIG 18 war ein leichtes Infanteriegeschütz der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges.

Entwicklung und Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das leIG 18 entwickelte Rheinmetall ab 1927 in Düsseldorf. 1932 wurde das Geschütz als 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18 bei der Reichswehr in Dienst gestellt. Hersteller waren die Česká zbrojovka in Strakonice und die Habämfa in Halle u. Ammendorf.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das leIG 18 hatte einen niedrigen Aufbau mit einfacher Kastenlafette und ein relativ kurzes gezogenes Rohr (24 Züge). Das hydropneumatische Rohrrücklauf- und Vorholsystem lag in der Wiege unter dem Rohr. Das Geschütz besaß einen Kippverschluss und wurde ähnlich wie ein Schrotgewehr geladen. Dabei wurde das Rohrende über einen Hebel angehoben.

Um die Stabilität beim Abschuss des Geschützes zu gewährleisten, wurde der Holm mit einem Erdspaten versehen. Dieser grub sich beim Abschuss in die Erde. Zum Schutz der Besatzung war es mit einem Kanonenschild versehen. Dieser Schild bot indes lediglich Schutz gegen Beschuss aus Handwaffen und gegen Splitterwirkung.

Als Richtmittel diente das Rundblickfernrohr Z.E.34. Aufgrund der einstellbaren (Schiess-)Winkelgruppen ist das 7,5 cm leIG 18 in den Bereich der Haubitzen einzuordnen, da sowohl aus der oberen (Steilfeuer) als auch aus der unteren Winkelgruppe (Flachfeuer) geschossen werden konnte. Das Einstellen des seitlichen Richtbereiches, von ca. 11 Winkelgrad zu jeder Seite, erfolgte nicht wie bei anderen Geschützen durch verdrehen der senkrechten Wiegeachse zur Radachse, sondern durch seitliches verschieben der Geschützwiege parallel zur Radachse des Geschützes. Dieses geschah mittels Handrad über eine ins Achsgehäuse integrierte Zahnstange.

Eine bauliche Unterscheidung der Geschütze entstand durch die Art der Transportmöglichkeiten. Das Geschütz für den bespannten Pferdezug hatte Holzräder; das Geschütz für den Kfz-Zug hatte gummibereifte Metallräder.

Munition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Munition handelte es sich um sogenannte "getrennte Munition". Hierbei sind Geschoss und Treibladung im Transportzustand voneinander getrennt und werden erst kurz von dem Laden des Geschützes zusammengeführt(-gesteckt). Das Geschossgewicht betrug 6 kg. Die Treibladung bestand aus fünf ringförmigen Teilladungen welche in einer kurzen Kartusche (Treibladungshülse) untergebracht waren. Wie bei der großkalibrigen Artillerie üblich, konnten die Kanoniere, je nach gewünschter Schussweite oder Winkelgruppe, entweder alle fünf ("5.Ladung" = höchste Schussweite) oder nur eine, zwei, drei usw. (1. bis 4. Ladung") verwenden. Die Anzahl der verwendeten Teilladungen hatte direkten Einfluss auf die Geschossgeschwindigkeit. Diese betrug an der Rohrmündung bei "erster Ladung" 95 m/s und bei "5. Ladung" 221 m/s. Ebenso wie die Anzahl der Verwendeten Teilladungen hatte natürlich auch die eingestellte Rohrerhöhung Einfluss auf die Reichweite. Diese Betrug zwischen 500 und 3500 Meter. Die nicht verwendeten Teilladungen wurden dabei vor dem Aufstecken der Kartusche auf den Geschossboden einfach von Hand aus der Kartusche herausgenommen. Aus diesem Grunde erhielten die Geschützbedienungen eine artilleristische Grundausbildung. Eine gut gedrillte Geschützmannschaft erreichte eine Feuergeschwindigkeit von 8 – 10 Schuss/Minute.[1]

Die wirksame Splitterverteilung der durch Drall stabilisierten Sprenggranate lag bei 20 Meter zu beiden Seiten, die wirksame Splitterreichweite ca. 60 Meter vom Aufschlagpunkt. Bei direkten Treffern konnten Feldbefestigungen und Deckungen mit bis zu einem Meter Erdabdeckung durchschlagen werden. Es existierten zwei unterschiedliche Varianten der Sprenggranate, einmal die Ing 18 und die Ing 38 (Ing = Infanteriegranate). Diese unterschieden sich in der Wirkladung. Sie enthielten entweder TNT/Aluminium (90/10) oder Amatol (40/60).

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg war, dass die Infanterie stark von eigener Artillerieausstattung profitierte. Dies führte zu der Entwicklung leichter Feldgeschütze, die diese Rolle ausführen konnten. So wurde die Divisionsartillerie entlastet. Das leIG 18 fand Verwendung bei den Infanteriegeschützkompanien der Infanterie- und Schützenregimentern, später auch in den schweren Kompanien der Infanterie- und später Panzergrenadierbataillone. Obgleich die Reichweite des Geschützes mit 3.375 m relativ gering war, erzielte es gute Resultate im Feld und erwies sich als zuverlässig. Trotz des kurzen Rohres konnte es unter Verwendung von Sprenggranaten auch gegen leicht gepanzerte Ziele wie Panzerspähwagen auf bis zu 300 m Entfernung erfolgreich eingesetzt werden. Für den Einsatz zur Panzerabwehr wurden in der zweiten Kriegshälfte Hohlladungsgranten ausgegeben, mit denen bis zu 85 mm Panzerstahl durchschlagen werden konnten. Dies war zumindest ausreichend, um auch gegen mittlere Panzer akzeptable Erfolgschancen zu erhalten.

Innerhalb der Panzergrenadiereinheiten wurde der leichte Schützenpanzerwagen 251/4 als Zugmittel für ein leichtes Infanteriegeschütz verwendet. Dieses transportierte darüber hinaus Munition und Zubehör sowie die Besatzung des Geschützes. Insgesamt waren bei Kriegsbeginn noch 2993 von etwa 12000 gebauten Geschützen vorhanden.

Eingesetzt wurde dieser Geschütztyp noch im April/Mai 1945 von einer Einheit der 2. Marine-Infanterie-Division (Wehrmacht) bei den schweren Abwehrkämpfen im Raum Verden an der Aller. Das Geschütz dieses versprengten Truppenteils wurde dort beim Rückzug von der eigenen Bedienungsmannschaft durch Sprengen unbrauchbar gemacht, damit es nicht vom Gegner erbeutet und genutzt werden konnte.[2]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurden zwei in Teillasten zerlegbare Varianten für den Einsatz bei der Gebirgstruppe und den Fallschirmjägern geplant.

Das für die Gebirgsjäger gebaute 7,5-cm-leichtes Gebirgsinfanteriegeschütz 18 war in zehn (im Mannschaftstransport) oder sechs (Packtiertransport) Teillasten zerlegbar und konnte auch mit einer Schlittenlafette gefahren werden.

Von dem für die Fallschirmjäger geplanten 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18F wurden nur acht Stück gebaut und erprobt. Durch das Weglassen des Schutzschildes konnte eine Gewichtsreduzierung um 75 kg erreicht und das Geschütz in vier Abwurfbehältern mit dem Fallschirm abgeworfen werden. Insgesamt erwies es sich als unpraktisch und man gab die Herstellung zugunsten des LG 40 auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ian Hogg: Artillerie des 20. Jahrhunderts. Gondromverlag, Bindlach 2001, ISBN 3-8112-1878-6.
  • Terry Gander, Peter Chamberlain: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939–1945. Spezialausgabe, 2. Auflage. Motorbuchverlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-02481-0, (Motorbuch-Verlag spezial).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quelle: Jakob Onkelbach, Bericht eines ehemaligen Kanoniers einer Geschützbedienung
  2. Quelle: Jakob Onkelbach, Augenzeugenbericht eines ehemaligen Angehörigen der Geschützbedienung der Division, Jahrgang 1927, der an den Kämpfen teilgenommen hat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien