Aviaco

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Aviaco
Aviaco MD-88 EC-FIG ORY 1999-09-11
IATA-Code: AO
ICAO-Code: AYC
Rufzeichen: AVIACO
Gründung: 1948
Betrieb eingestellt: 1998
Sitz: Bilbao, Spanien
Drehkreuz:

Madrid

Unternehmensform: S.A.
Flottenstärke: 33
Ziele: national und international
Aviaco hat den Betrieb 1998 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes.

Aviaco (Sociedad de Transportes Aviación y Comercio S.A.) war eine spanische Fluggesellschaft. Hauptgesellschafter waren Geschäftsleute aus Bilbao.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde am 18. Februar 1948 gegründet. Zunächst verfügte Aviaco über sechs Bristol Typ 170, je drei als Fracht- und als Passagierversion; letztere waren mit 55 Passagiersitzen ausgerüstet.[2] Der Frachtflugbetrieb wurde 1948 mit den Linien Bilbao-Barcelona und Bilbao-Madrid aufgenommen, gefolgt vom Passagierdienst mit der Strecke Bilbao-Palma de Mallorca-Marseilles.

Bereits in den 1960er Jahren übernahm Iberia mit 65 % die Mehrheit an Aviaco, und in der Folge konzentrierten sich die Aktivitäten von Aviaco auf weniger rentable Inlandsstrecken.

Im Jahr 1998 erwarb Iberia auch die restlichen Unternehmensanteile und übernahm die Gesellschaft damit gänzlich.[3][4] Gleichzeitig traf Iberia die Entscheidung, ihre Tochtergesellschaften Aviaco und Viva Air in das Mutterunternehmen zu integrieren. Nachdem die Pilotengewerkschaften einer Fusion zugestimmt hatten, wurden die Flugzeuge der Aviaco ab dem 1. September 1999 in Farben der Iberia umlackiert.

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Convair CV-440 Metropolitan der Aviaco, 1971

Im Laufe ihres Bestehens betrieb Aviaco folgende Flugzeugtypen:[5]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1949 bis zur Betriebseinstellung 1998 ereigneten sich bei Aviaco 18 Unfälle mit Totalverlust des Flugzeugs. Bei 10 davon kam es zu 244 Todesfällen.[8] Beispiele:

  • Am 29. September 1956 stürzte eine SNCASE Languedoc (EC-AKV) auf einem Flug von Malaga nahe dem Flughafen Teneriffa Nord beim Anflug in ein Haus. Die 38 Flugzeuginsassen überlebten, jedoch wurde eine Person am Boden getötet.[11]
  • Am 26. Oktober 1957 landeten die Piloten einer aus Madrid-Barajas kommenden De Havilland Heron 2D (EC-AOA) auf dem Flughafen San Sebastián. Durch eine Leckage im Bremssystem war es nicht möglich, die Maschine vor dem Landebahnende zu stoppen. Sie überrollte in den Morast im Mündungsgebiet des Flusses Bidasoa. Alle 22 Insassen, 17 Passagiere und die 5 Besatzungsmitglieder, überlebten diesen Unfall. Das Flugzeug wurde zerstört.[14]
  • Am 11. November 1957, nur rund zwei Wochen später, flogen die Piloten einer aus Barcelona kommenden De Havilland Heron 2D (EC-ANZ) im Anflug auf den Flughafen Palma de Mallorca-Son San Juan 15 km vom Flughafen entfernt in einen gut 400 Meter hohen Berg. Alle 4 Insassen, zwei Passagiere und die Piloten, wurden infolge dieses Navigationsfehlers getötet.[15]
  • Am 14. April 1958 waren die Piloten einer De Havilland Heron 2D (EC-ANJ) im Anflug auf den Flughafen Barcelona-El Prat zu einem heftigen Ausweichmanöver gezwungen, um eine Kollision mit einer anderen Heron zu verhindern. Dabei geriet die Maschine außer Kontrolle und stürzte ins Meer. Alle 16 Insassen wurden infolge dieses Fluglotsen-Fehlers getötet.[16]
  • Am 4. Dezember 1958 stürzte eine SNCASE Languedoc der Aviaco (EC-ANR) auf einem Flug von Vigo nach Madrid in den Guadarrama-Bergen ab. Alle 5 Besatzungsmitglieder und 16 Passagiere kamen ums Leben. Als Ursache wird starke Vereisung vermutet, die zum Kontrollverlust führte.[17]
  • In der Nacht auf den 5. März 1973 stürzte eine Caravelle 10R der Aviaco (Kennzeichen EC-BID) während des Landeanflugs auf den Flughafen Madeira ins Meer. Die drei Piloten (die einzigen Insassen) kamen dabei ums Leben.[18]
  • Am 7. Dezember 1983 kollidierten auf dem Flughafen Madrid-Barajas eine startende Boeing 727-200 der Iberia (Kennzeichen EC-CFJ) und eine rollende Douglas DC-9-32 der Aviaco (Kennzeichen EC-CGS). Bei dem Unfall kamen 93 Menschen ums Leben, 51 von 93 in der Boeing 727 sowie alle 42 an Bord der Aviaco-Maschine. Als Konsequenz dieses Unfalls wurden alle spanischen Verkehrsflughäfen, insbesondere Barcelona und Madrid, so umgestaltet, dass ein Kreuzen einer aktiven Start- oder Landebahn nicht mehr notwendig ist.[19][20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aviaco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sociedad de Transportes Aviación y Comercio S.A.
  2. Derek A. King: The Bristol 170. Air-Britain (Historians), Staplefield, 2011, ISBN 978 0 85130 405 2, S. 118.
  3. Flight International, 9. März 1999 (in Englisch), abgerufen am 10. Dezember 2017
  4. Flight International, 24. März 1999 (in Englisch), abgerufen am 10. Dezember 2017
  5. Ulrich Klee und Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international. Zürich-Airport 1966 bis 1998
  6. King 2011, S. 119.
  7. a b MD-83/MD-88-Flotte Aviaco
  8. Unfallstatistik für Aviaco, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 4. November 2015
  9. Unfallbericht Bristol 170 EC-AEG, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.
  10. King 2011, S. 216.
  11. Unfallbericht Languedoc EC-AKV, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.
  12. Unfallbericht Bristol 170 EC-ADI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. November 2017.
  13. King 2011, S. 202.
  14. Unfallbericht Heron 2D EC-AOA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Dezember 2017.
  15. Unfallbericht Heron 2D EC-ANZ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Dezember 2017.
  16. Unfallbericht Heron 2D EC-ANJ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Dezember 2017.
  17. Unfallbericht Languedoc EC-ANR, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. November 2017.
  18. Unfallbericht Caravelle 10R EC-BID, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 22. März 2017.
  19. Unfallbericht B-727-200 EC-CFJ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. November 2017.
  20. Unfallbericht DC-9-32 EC-CGS, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. November 2017.