Schienenverkehr in Aserbaidschan

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Der Schienenverkehr in Aserbaidschan wird von der staatlichen Eisenbahngesellschaft Azərbaycan Dövlət Dəmir Yolları (ADDY) durchgeführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof von Baku.

Die erste Eisenbahnstrecke im damals zum Russischen Reich gehörenden Aserbaidschan wurde 1880 im Vorortbereich von Baku eröffnet, sie führte über Sabunçu nach Suraxany. Die Spurweite entsprach mit 1524 mm der russischen Breitspur. 1883 wurde die erste Fernverkehrsstrecke eröffnet, sie führte von Baku nach Tiflis in Georgien. 1900 wurde eine Verbindung von Baku über Baladschari nach Derbent und Petrowsk (Machatschkala) in Dagestan eröffnet. Mit Anschluss an das Eisenbahnnetz im armenischen Teil Russlands in Uluchanlu (heute Massis) und ohne direkte Verbindung zum aserbaidschanischen Eisenbahnnetz wurde 1908 in die Strecke nach Culfa über Şərur in Betrieb genommen. Damit war der Ausbau des aserbaidschanischen Eisenbahnnetzes vorerst abgeschlossen.

Aufgrund der Verfügbarkeit von Elektrizität aus Wasserkraft wurde ungewöhnlich früh mit der Elektrifizierung der Bahnstrecken begonnen. Die 1926 mit 1200 Volt Gleichstrom elektrifizierte Strecke Baku–Sabunçu war die erste elektrisch betriebene Eisenbahnstrecke der Sowjetunion. Spätere Elektrifizierungen erfolgten mit 3000 Volt Gleichstrom.

Die 1924 eröffnete Strecke Ələt–Əli Bayramlı (heute Şirvan) wurde 1936 nach Mincivan und 1941 über armenisches Gebiet (Meghri) nach Culfa verlängert. 1941 wurde die Strecke nach Astara mit anschließendem Grenzübergang in den Iran eröffnet. 1944 wurde Stepanakert (Xankəndi) angeschlossen.

Bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 wurde der Eisenbahnverkehr in Aserbaidschan von der Transkaukasischen Eisenbahn unter Aufsicht des sowjetischen Verkehrsministeriums durchgeführt. Diese besaß drei Abteilungen in Baku, Gəncə und Naxçıvan. Mit der Unabhängigkeit Aserbaidschans 1991 wurde die staatliche Eisenbahngesellschaft Azərbaycan Dövlət Dəmir Yolu gebildet, die 2009 in Azərbaycan Dəmir Yolları umgewandelt wurde.

Übersichtskarte über das aserbaidschanische Eisenbahnnetz
Hauptverwaltung der Aserbaidschanischen Eisenbahn in Baku

Bahnbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Streckennetz der Azərbaycan Dəmir Yolları hat eine Gesamtlänge von 2918 km, davon 800 km zweigleisig und 1278 km elektrifiziert[1]. Im Güterverkehr dominiert der Öltransport von Baku zu den georgischen Häfen Batumi und Poti am Schwarzen Meer. Aufgrund des Konflikts mit Armenien um Bergkarabach ist der Eisenbahnbetrieb in den armenisch besetzten Gebieten (Republik Bergkarabach) sowie der grenzüberschreitende Verkehr nach Armenien eingestellt. Damit besteht auch kein durchgehender Eisenbahnverkehr in die Exklave Nachitschewan. Der Eisenbahnverkehr ist dort ein Inselbetrieb, der von der Naxçivan Dəmir Yolları, einer Tochtergesellschaft der Azərbaycan Dəmir Yolları durchgeführt wird. Internationaler Reiseverkehr besteht zu den Russischen Eisenbahnen und den Georgischen Eisenbahnen.

Eine Eisenbahninfrastruktur in den Iran besteht nur von Nachitschewan aus (Grenzübergang: Culfa/Dscholfa), wird aber derzeit nicht befahren. Es ist geplant, sie wieder in Betrieb zu nehmen.[2] Eine Strecke, die bei Astara (Aserbaidschan) die Grenze in den Iran überschreiten soll, befindet sich im Bau.

Hauptartikel: Bahnstrecke Qazvin–Astara

Im Januar 2007 wurde der Bau der Bahnlinie Kars–Achalkalaki–Tiflis–Baku beschlossen, die Aserbaidschan an das europäische Eisenbahnnetz unter Umgehung Russlands und Armeniens anschließen wird. Nach Fertigstellung erhält Aserbaidschan über Georgien eine Eisenbahn-Verbindung in die Türkei, ohne dass Armenien berührt wird. Auch eine direkte Eisenbahn-Verbindung von Naxçıvan über Iğdır nach Kars in die Türkei wurde zwischen dieser und Aserbaidschan 2014 vertraglich vereinbart.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • E. Ja. Kraskowski (Hrsg.): Istoria Schelesnodoroschnogo Transporta Rossii. Tom 1: 1836–1917. AO "Iwan Fedorow", S.-Peterburg 1994, ISBN 5-85952-005-0.
  • N. E. Aksonenko (Hrsg.): Istoria Schelesnodoroschnogo Transporta Rossii i Sowetskogo Sojusa. Tom 2: 1917–19457. AO "Iwan Fedorow", S.-Peterburg 1997, ISBN 5-85952-005-0.
  • Martin Häfliger: Eisenbahn in Aserbaidschan. In: Fern-Express. III/2008, ISSN 0933-7598, S. 36–40.
  • Martin Häfliger: Eisenbahnen im Kaukasus. In: LOK Report. 2/2008, S. 4–9 und 3/2008 S. 4–9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schienenverkehr in Aserbaidschan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CIA - The World Factbook Azerbaijan
  2. a b hjs: Strecke Culfa–Jolfa. In: IBSE-Telegramm 307 (6/2016), S. 10.