Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen

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Altenbeken–Kreiensen
Streckennummer (DB): 1760 (Altenbeken–Langeland)
2974 (Langeland–Holzminden)
1940 (Holzminden–Kreiensen)
Kursbuchstrecke (DB): 403
Streckenlänge: 93,5 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit: > 80 km/h
Zweigleisigkeit: Altenbeken–Ottbergen
Stadtoldendorf–Vorwohle
Betriebsstellen und Strecken[1][2][3][4]
Strecke – geradeaus
Strecke von Paderborn
   
0,0 Altenbeken
Gleisdreieck – geradeaus, nach rechts, von rechts
Strecke von/nach Warburg
   
Altenbeken (Tunnel) (Abzw)
Tunnel
Rehbergtunnel (1632 m)
   
Tunnel Station (Abzw)
Bahnhof ohne Personenverkehr
3,5 Langeland
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Strecke nach Hannover
   
5,9 Reelsen
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Reelsener Tunnel (246 m)
Haltepunkt, Haltestelle
9,9 Bad Driburg (Westf)
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
15,2 Herste (Awanst)
Bahnhof, Station
21,9 Brakel (Kr Höxter)
   
26,1 Hembsen
Bahnhof, Station
31,6 Ottbergen
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
31,7 Sollingbahn nach Northeim
   
34,3 Amelunxen West
Haltepunkt, Haltestelle
36,3 Godelheim
Haltepunkt, Haltestelle
40,9 Höxter Rathaus
   
ehem. Höxtersche Kleinbahn
Bahnhof ohne Personenverkehr
41,9 Höxter
   
43,0 Höxter-Corvey
Brücke über Wasserlauf (groß)
Weser Eisenbahnbrücke Höxter
Haltepunkt, Haltestelle
45,1 Lüchtringen
   
Landesgrenze Nordrhein-Westfalen / Niedersachsen
   
ehem. Strecke von Scherfede
Bahnhof, Station
48,9
150,5
Holzminden
   
139,2 Deensen-Arholzen
Bahnhof, Station
135,6 Stadtoldendorf
   
ehem. Strecke von Emmerthal
Bahnhof ohne Personenverkehr
128,6 Vorwohle
   
121,1 Wenzen
   
115,3 Naensen
Tunnel
Naenser Tunnel (884 m)
Brücke (groß)
Viadukt Greene
   
Greene
Tunnel
Ippenser Tunnel (205 m)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Leine
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
Hannöversche Südbahn von Göttingen
Bahnhof, Station
105,8 Kreiensen
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Hannöversche Südbahn nach Hannover
Strecke – geradeaus
Braunschweigische Südbahn nach Braunschweig

Die Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen ist Teil der ehemaligen Fernverbindung vom Ruhrgebiet über Altenbeken, Ottbergen, Holzminden, Kreiensen und Seesen in Richtung Berlin. Die einst durchgängig zweigleisige Eisenbahnhauptstrecke wird heute östlich von Ottbergen eingleisig betrieben. Sie führt durch das Eggegebirge, verläuft weiter entlang des Wesertals südlich von Höxter, quert es und führt dann am Nordrand des Solling entlang.

Der Abschnitt in Nordrhein-Westfalen bis einschließlich Holzminden wird auch als Eggebahn bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzmindener Seite (Nordseite) des Bahnhofs Altenbeken
Der Bahnhof Brakel
Viadukt bei Greene

Die Strecke von Altenbeken nach Höxter wurde am 1. Oktober 1864 von der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft, die Verbindung zur Braunschweigischen Südbahn (Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn) Holzminden–Kreiensen–Braunschweig am 10. Oktober 1865 eröffnet. Um auf Braunschweiger Gebiet zu bleiben, wurde die Stadt Einbeck mit zwei Tunneln und einer langen Steigung umfahren. Ursprünglich war die Strecke als Fernverbindung vom Ruhrgebiet nach Braunschweig und Berlin gedacht. Der Bereich östlich von Ottbergen (Höxter) blieb aber zweitrangig, da er steigungsreich ist und nach 1866 eine Umfahrung des Königreichs Hannover nicht mehr nötig war. Der Abschnitt von Altenbeken bis Ottbergen wurde mit Fortsetzung über die Sollingbahn und die Südharzstrecke zu einer wichtigen West-Ost-Verbindung nach Göttingen, Halle (Saale) und Leipzig. Die Strecke verlor durch die Teilung Deutschlands nach 1945 im Laufe der Jahrzehnte an Bedeutung, da sich die Verkehrsströme mehr in Nord-Süd Richtung verlagerten. Bedeutendstes Bauwerk der Eggebahn ist der 1631 m lange Rehbergtunnel[5] bei Altenbeken.

Noch in den 1980er Jahren gab es durchgehende D-Züge mit Kurswagen, die in Altenbeken getrennt wurden und bei denen ein Wagen Richtung Höxter fuhr. In den 1990er Jahren wurden über die Strecke nach Ottbergen auch durchgehende Züge nach Nordhausen in Thüringen geführt. Der teilweise durchgehende Betrieb Paderborn–Holzminden–Kreiensen endete mit der Betriebsübergabe an die NordWestBahn im Dezember 2003. Bis dahin galt für die gesamte Strecke bis Kreiensen die Kursbuchnummer 355. Nach der erneuten Ausschreibung des Nahverkehrsbetriebes zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 hat die NordWestBahn auch den Betrieb des Abschnittes Holzminden–Kreiensen übernommen. Seitdem verkehren die Züge überwiegend durchgängig. Auch im Kursbuch sind die beiden Streckenabschnitte wieder geimensam unter der Nummer 404 aufgeführt.[6]

Die Strecke ist heute von Altenbeken bis Ottbergen sowie zwischen Stadtoldendorf und Vorwohle zweigleisig. Sie wird seit Oktober 2008 ferngesteuert von einem elektronischen Stellwerk in Göttingen.

Bedienungsangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RB Ottbergen–Kreiensen: BR 614 Mitte der 1990er Jahre im Bahnhof Ottbergen

Zwischen Dezember 2003 und Dezember 2013 war der Nahverkehr auf der Strecke in Holzminden in zwei Abschnitte geteilt. Zwischen Paderborn und Holzminden in die RB 84 „Egge-Bahn“, die von der NordWestBahn im Stundentakt betrieben wurde. Die Linie wurde in Paderborn über die RB 74Senne-Bahn“ nach Bielefeld durchgebunden. Östlich von Holzminden verkehrte DB Regio bis Dezember 2005 mit Triebwagen der Baureihe 628, später dann mit LINT-Triebwagen im Zweistundentakt mit einzelnen Verstärkerzügen. Die meisten Verbindungen fuhren bis Dezember 2005 weiter über die Bahnstrecke Braunschweig–Kreiensen nach Braunschweig. Mit einer Neuordnung des Linienkonzeptes in der Harz-Weser-Region wurde die Durchbindung ab Seesen nach Bad Harzburg umverlegt.

Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013 wurden beide Linien im Rahmen des OWL-Dieselnetzes zu der Linie RB 84 Paderborn–Ottbergen–Kreiensen vereint und von der NordWestBahn übernommen. Die Linie verkehrt im Abschnitt Paderborn–Holzminden weiter im Stundentakt. Der Streckenabschnitt östlich von Holzminden wird nur im Zweistundentakt mit einzelnen Verstärkern betrieben. Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der NordWestBahn, die Talent-Triebwagen für Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h einsetzt; die Strecke erlaubt östlich von Altenbeken überwiegend 100 km/h. Die Reisegeschwindigkeit beträgt 66 km/h.

Im Dezember 2015 wurde in Ottbergen ein Flügelzugkonzept mit den Linien RB 84 Kreiensen–Holzminden–Paderborn und RB 85 Ottbergen–Göttingen eingeführt. Die Fahrgäste können dann sowohl von Göttingen als auch von Kreiensen umsteigefrei nach Paderborn fahren. Zur Umsetzung der Maßnahme musste erst der Bahnhof Ottbergen umgebaut und eine Beifahranlage sowie entsprechende Gleisverbindungen errichtet werden. Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen wurde im Rahmen der „Modernisierungsoffensive 2“ (MOF 2) im September 2014 begonnen.[7]

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nahverkehrsplan des Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ist die Errichtung von Stationen in Höxter-Corvey und Paderborn-Rosentor vorgesehen. Der NWL beabsichtigt die Fahrzeit auf der Strecke zu verkürzen, um die Linie besser in den Knotenpunkt Altenbeken einzubinden. So funktioniert derzeit die Anschlussbeziehung in Altenbeken zwischen RB 84 und RB 89 nur aus Richtung Warburg. Umgekehrt wird die Mindestumsteigezeit in Richtung Warburg um wenige Minuten unterschritten, sodass diese Verbindung keine Berücksichtigung in der Fahrplanauskunft findet.[8]

Im Rahmen des Investitionsplans "Niedersachsen ist am Zug 3" sollen die Verkehrsstationen Holzminden und Stadtoldendorf umgebaut werden. Holzminden soll im Zuge des Umbaus Aufzüge bekommen, womit der Bahnhof dann komplett barrierefrei wäre. Die Arbeiten werden allerdings nicht vor 2019 beginnen. Des Weiteren wird längerfristig die Errichtung bzw. Reaktivierung eines Haltepunktes in Lenne erwogen.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) beabsichtigt das Nahverkehrsangebot auf dem niedersächsischen Streckenabschnitt auf einen Stundentakt zu verdichten und gleichzeitig in Kreiensen optimale Anschlüsse Richtung Hannover, Göttingen und Bad Harzburg herzustellen. Die Umsetzung scheitert derzeit an der eingleisigen Infrastruktur und den unpassend liegenden Ausweichstellen. [9] Die Einführung eines Stundentaktes wird sich noch mindestens bis 2025 hinziehen, da neben den Infrastrukturmaßnahmen Fahrzeuge mit höherer Antriebsleistung notwendig sind, die erst nach Auslaufen des Verkehrsvertrages mit der NordWestBahn angeschafft werden können. Infrastruktuell ist eine zusätzliche Ausweichstelle zwischen Arholzen und Bevern, sowie eine Streckenmodernisierung zwischen Höxter und Altenbeken notwendig. Nur so können die Anschlüsse in Paderborn, Altenbeken und Kreiensen optimal gestaltet werden.[10]

Tarif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr gilt

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der örtliche Güterverkehr ist derzeit (2012) weitgehend eingestellt. Das Freiladegleis in Stadtoldendorf wurde auf Betreiben der Niedersächsischen Landesforsten 2012 wieder in Betrieb genommen, um Holz verladen zu können, dieses wird aber nur sporadisch genutzt.[11] Weiterhin befindet sich westlich von Stadtoldendorf ein Entladegleis für Rea-Gips für die ortsansässigen Gipswerke. Die Bedienung findet derzeit durch die DB Cargo dreimal wöchentlich statt. Bespannt werden die Züge mit Dieselloks der Baureihe 261. Aufgrund des hohen Gewichts der Züge und der langen Steigung bei Greene wird meistens eine Schiebelokomotive der Baureihe 212 der Ilmebahn mitgeführt. Außerdem fährt etwa alle 2 Wochen ein Ölzug nach Brakel, um ein dort ansässiges Tanklager zu beliefern. Dieser wird momentan von der EVB/MWB bedient.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Högemann: Eisenbahn Altenbeken – Nordhausen. Verlag Kenning, Nordhorn 1994, ISBN 3-927587-35-4.
  • Ulrich Rockelmann (Hrsg.): Das große Archiv der Eisenbahnstrecken in Deutschland. Strecke 403 (2974) Altenbeken – Ottbergen; 403 (354,2974) Ottbergen – Holzminden – Kreiensen. Loseblattsammlung. GeraNova Verlag, München 2004, ISSN 1614-9181.
  • Ernst Würzburger: 125 Jahre Eisenbahn Höxter-Altenbeken, in: Jahrbuch des Kreises Höxter 1990
  • Bernard Huguenin, Karl Fischer: Altenbeken – Klassiker der Eisenbahn. Band 1, 160 Jahre Chronik. Huxaria, Modellbahn BW Ottbergen, 2013, ISBN 978-3-934802-43-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NRWbahnarchiv von André Joost:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland 2007/2008. 6. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2007, ISBN 978-3-89494-136-9.
  2. Informationen und Bilder zu den Tunneln der Strecke 1760 auf eisenbahn-tunnelportale.de von Lothar Brill
  3. Informationen und Bilder zu den Tunneln der Strecke 2974 auf eisenbahn-tunnelportale.de von Lothar Brill
  4. Informationen und Bilder zu den Tunneln der Strecke 1940 auf eisenbahn-tunnelportale.de von Lothar Brill
  5. Altenbekener – Eisenbahnfreunde 95 e. V.
  6. http://kursbuch.bahn.de/hafas/kbview.exe/dn/KB403_H_Taeglich_nur_15062014_13122014_G02062014.pdf?filename=KB403_H_Taeglich_nur_15062014_13122014_G02062014.pdf&orig=sT Deutsche Bahn, Kursbuch 2014 KBS 404
  7. Pressemitteilung der Deutschen Bahn zum Umbau des Bahnhofs Ottbergen (Memento vom 10. Juli 2015 im Internet Archive)
  8. http://www.nwl-info.de/service/nwl-nahverkehrsplan.pdf NWL Nahverkehrsplan, S. 171–173
  9. http://www.lnvg.de/fileadmin/user_upload/Formulare/SPNV/Konzept_SPNV_lang.pdf LNVG, SPNV-Konzept 2013+, S. 146–147
  10. http://www.hoexter-news.de/politik/112-matthias-goeken-und-uwe-sch%C3%BCnemann-bei-der-lnvg-konsensl%C3%B6sung-f%C3%BCr-einstundentakt-nach-hannover-gefunden-ausbau-der-bahnstrecke-nicht-vor-2025 Höxter-News, Konsenslösung für Einstundentakt nach Hannover gefunden - Ausbau der Bahnstrecke nicht vor 2025, 26.06.2017
  11. Manuel Becker: Bahn frei für Holztransporte. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 7. Mai 2012, S. 8, abgerufen am 2. Februar 2014.