Autokino

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Ein Autokino ist ein Freiluftkino, dessen Leinwand vom Auto auf den vorgesehenen Stellplätzen aus zu sehen ist. Das erste Autokino wurde 1933 in den USA eröffnet, weite Verbreitung und Kultstatus erreichte es in den 1950er und 1960er Jahren. Es nur noch vergleichsweise wenige stationäre Autokinos, die allerdings ihre feste Anhängerschaft haben.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Autokino in Brüssel nutzt eine aufblasbare Leinwand

Die Leinwand von Autokinos ist mit Bildwandflächen bis zu 600 m² groß, je nach Anzahl der Autostellplätze sind sie etwa 15 m hoch und bis zu 40 m breit. Aus Gründen der Sichtverhältnisse sind sie deutlich größer als die von konventionellen Kinos mit vier bis acht Meter groß sind. Autokinos bieten meist einem weit größeren Publikum Platz und die Anzahl der Stellplätze reicht von einigen 100 bis zu über 1000. Das größte Autokino der Welt war in Newington in Connecticut, das bis zu seiner Schließung 1997 Platz für etwa 4000 Autos bot.

Damit eine gute Sicht auf die Leinwand gewährleistet ist, werden die Stellplätze in Autokinos entweder mit Rampen ausgestattet oder der Boden ist leicht wellenförmig, so dass die Vorderräder der Autos leicht erhöht stehen. Die Beschallung erfolgte meist nicht über zentrale Lautsprecher. Anfangs wurde der Ton durch kleinere Lautsprecher an jedem Stellplatz gewährleistet, die ins Fenster eingehängt werden konnten. Später erhielten die Zuschauer üblicherweise Kopfhörer, die den Ton über Funk empfingen. In modernen anlagen wird der Ton über eine UKW-Frequenz übertragen und kann per Autoradio angehört werden. Die Autobatterie reicht dafür um einen durchschnittlichen Kinofilm zu hören. Neuerdings ist das längere Radiohören bei abgestelltem Motor nicht möglich, da es nach wenigen Minuten abgestellt wird. [1]

Ein naturbedingter Nachteil des Autokinos ist einerseits, dass Vorführungen tagsüber kaum möglich sind (besonders zur Sommerzeit). Obwohl einige Betreiber dies durch riesige, über die Stellplätze gespannte Planen auszugleichen versuchten. Zum anderen ist in Regionen mit niedrigen Temperaturen im Winter der Betrieb nur saisonal aufrechtzuerhalten. In Europa sind Autokinos von April bis Oktober geöffnet. Einige wenige Autokinos bieten mobile Heizungen für die kalten Monate an. Für die Betreiber ist es wegen der hohen Energiekosten und naturgemäß geringerer Zuschauerzahlen kostspielig.

Geschichte des Autokinos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waren die ersten Kinos in den 1900er Jahren noch Jahrmarktsattraktion, so fanden Lichtspielhäuser seit den 1910er Jahren einen festen Platz im Zentrum der Großstädte. Gleichzeitig gewann das Automobil in den USA an Verbreitung. Seit 1908 auf dem Markt wurden vom ersten in Massenproduktion hergestellten Auto, dem Ford Modell T, bis 1927 bereits 15 Millionen Wagen verkauft.

Luftgekühltes Autokino in der Klassikstadt Frankfurt. Temporäre Veranstaltung für Oldtimer, Leinwandgröße zehn mal fünf Meter

Vor dem Hintergrund dieser aufblühenden Technologien eröffnete Richard Hollingshead Jr., der Besitzer einer von seinem Vater gegründeten Firma für Autopflegemittel, am 6. Juni 1933 das weltweit erste Autokino vor den Toren seiner Heimatstadt Camden, New Jersey. Gezeigt wurde der Film Wife Aware, eine Produktion, die in der Geschichte des Films keine größere Rolle spielte. Als Projektionsfläche verwendete Hollingshead keine Leinwand, sondern eine große, geweißte Steinmauer. Die Beschallung erfolgte über drei große Lautsprecher, so dass der Ton noch mehrere Kilometer entfernt zu hören war. Das Camden Drive-In Theatre bot 335 Fahrzeugen Platz, wurde allerdings schon nach drei Jahren wieder geschlossen. Die Zeitschrift Die Woche berichtete von den Lehren, die man aus den Lärmproblemen dieses ersten „Freiluft-Kinos“ zog: „Weil die Lautstärke aber für die Nachbarschaft störend wirkte, wurden zu Los Angeles in letzthin eingerichteten Kinos gleicher Bestimmung 400 kleine Lautsprecher verwendet. Sie hängen jeweils vor dem Kühler der Wagen, und ihre Stimme läßt sich zwar von deren Insassen gut hören, weiter jedoch nicht.“[2]

Die Idee wurde aufgenommen. Jedoch in den von Wirtschaftskrisen und dem Zweiten Weltkrieg geprägten unsicheren Zeiten wurden nur wenige Autokinos eröffnet. 1942 gab es etwa 100 Autokinos in den USA. Mit der wachsenden Mobilität erreichten die Ozoners, wie sie in den USA oft genannt wurden, dann in den 1950er und frühen 1960er Jahren den Höhepunkt ihrer Popularität. In dieser Zeit gab es allein in den USA rund 4000 Autokinos, und viele konventionelle Kinos in den Innenstädten mussten aufgrund der Konkurrenz in den Vorstädten schließen.

Beliebt war das Autokino wegen seiner günstigen Eintrittspreise zum einen bei Familien, die auch zu schätzen wussten, dass die Betreiber auf dem Gelände Imbissstände und Spielplätze errichteten, was Autokinos zu einem beliebten Ausflugsziel an Wochenenden machte. Auch junge Liebespärchen, die bevorzugt die letzte Wagenreihe – die love lane – anfuhren, genossen die Privatsphäre des eigenen Autos. Autorennen und Schmuseorgien in Autokinos waren bei den Jugendlichen in dieser Zeit ein rebellischer Ausdruck gegen die Moralität und Prüderie der US-amerikanischen Erwachsenenwelt. Vielerorts ist immer noch ein Kuss in der Öffentlichkeit verpönt. Besonders beliebt bei Jugendlichen waren Horrorfilme, die zahllose Momente boten, in denen die Freundin bei ihrem Begleiter Schutz suchen konnte.

mobiles Autokino in Hückelhoven (NRW) - Leinwandgröße 16 × 8 m

In Europa setzte sich das Autokino in dieser Anzahl nicht durch, vom US-amerikanischen Autokult war kaum etwas zu spüren. Zudem erhielten die Betreiber meist nur die Rechte zur Zweitverwertung von Filmen, so dass neue Produktionen erst sechs bis acht Wochen nach dem eigentlichen Kinostart gezeigt werden konnten. Am 2. September 1957 eröffnete in Castelfusano bei Rom das erste Autokino Europas. Das erste deutsche Autokino öffnete 1960 in Gravenbruch nahe Frankfurt am Main.[3]

Mit der Verbreitung des Fernsehens und später der Heimvideos wurden die Besucherzahlen in Kinos ab den 1970er Jahren allgemein ständig geringer. Steigende Grundstückspreise an den Rändern der Großstädte sowie Umweltauflagen erschwerten den rentablen Betrieb. Einige Betreiber versuchten dies durch die Aufführung von Pornofilmen wirtschaftlich abzufangen, so gerieten Autokinos schnell in eine Schmuddelecke und der Abstieg wurde beschleunigt. Heute gibt es nur noch vergleichsweise wenige Autokinos, die eine bleibende Anhängerschaft von 1950er-Nostalgikern und Autofreaks haben.

Während stationäre Autokinos in Deutschland immer seltener werden, ist in den vergangenen Jahren ein Trend zu mobilen Autokinos zu beobachten. Oftmals kommen dabei aufblasbare Leinwände zum Einsatz. Die Veranstaltungen sind zeitlich begrenzt und besitzen den Charakter von Events. Die Filmauswahl reicht von aktuellen Blockbustern bis zu Kultfilmen.

Nebennutzungen von Autokinos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der großen verfügbaren Fläche und der Parkplatz-Infrastruktur wird das Areal vieler Autokinos neben dem abendlichen Kinobetrieb auch für andere Veranstaltungen, wie Flohmärkte und Gebrauchtwagenmärkte, genutzt. So findet der größte freie Gebrauchtwagenmarkt Europas schon seit über 30 Jahren samstagmorgens (bis 1990 auch sonntags) im Autokino Essen-Bergeborbeck statt.

Liste der Autokinos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland

Insgesamt gab es in Deutschland bis zu 40 Autokinos (1971),[3] von denen etliche im Lauf der Jahre schließen mussten; darunter auch eines der bekanntesten und populärsten, das Autokino beim Freizeitpark Minidomm in der Nähe von Düsseldorf. Andererseits wurden nach 1990 im Osten Deutschlands – wo es bis dahin nur ein einziges Autokino (in Zempow) gab – einige Kinos neu eröffnet. Folgende Autokinos sind in Deutschland heute in Betrieb:

Schweiz

  • Cinema Drive-In, Basel-Landschaft
  • Autokino Muri, Aargau

Österreich

Das einzige Autokino Österreichs wurde in den 1960er Jahren eröffnet und verfügte über drei Leinwände. Es lag in Groß-Enzersdorf bei Wien. Im Jahr 2015 musste die Betreibergesellschaft Insolvenz anmelden, seither ist es geschlossen.[4] [5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Jung: Das Autokino (The Drive-In). In: Enzyklopädie des Phantastischen Films, Teil III: Themen und Aspekte. Nr. 103, 2013, ISBN 978-3-89048-400-6.
  • Elizabeth McKeon, Linda Everett: Cinema Under the Stars: America's Love Affair With the Drive-In Movie Theater. 1998, ISBN 1-58182-002-X.
  • Don Sanders, Susan Sanders: The American Drive-In Movie Theater. 2002, ISBN 0-7603-1707-0.
  • Kerry Segrave: Drive-In Theaters: A History from Their Inception in 1933. 1992, ISBN 0-7864-2630-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Autokino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Autokino – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UKW Tonübertragung. Auf: blog.evented.de
  2. Die Woche, Heft 21 vom 20. Mai 1936, S. 26
  3. a b Katja Iken: Fummeln, bis der Filmvorführer kommt. Auf: einestages.spiegel.de am 30. März 2010
  4. http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/letzte-klappe-fuer-das-letzte-autokino/116.382.453
  5. http://diepresse.com/home/kultur/film/4670734/Autokino-Wien_Konkursverfahren-eroffnet-