Berghain

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Das Berghain (2014)

Das Berghain ist ein Techno-Club im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Sein Name leitet sich aus dem Bezirksnamen Friedrichshain-Kreuzberg ab. Das Berghain gilt als einer der bekanntesten Technoclubs der Welt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

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Ostgut (links), Panorama Bar und lab.oratory

Das Berghain entstand aus dem 1998 eröffneten Berliner Technoclub Ostgut, der ein erster fester Ort schwuler Fetisch- und Sexpartys, den sogenannten Snax-Veranstaltungen, war. Er befand sich in einer Lagerhalle eines ehemaligen Güterbahnhofs (Alter Ostbahnhof/Küstriner Bahnhof) und galt als eines der Zentren der Berliner Technokultur. Am 6. Januar 2003 fand dort die letzte große Klubnacht statt.[2] Aufgrund der Bauarbeiten zur Errichtung der neuen Mehrzweckarena O2 World wurde er 2004, etwa ein Jahr nach der Schließung, abgerissen.

Das Berghain im Jahr 2006

Anschließend gründeten die Betreiber des Ostgut im Dezember 2004 das Berghain in einer deutlich größeren Location. Im Jahr 2009 wurde das Berghain vom Fachmagazin DJ Magazine zum „besten Club der Welt“ gekürt, was ein beträchtliches Medienecho hervorrief[3]. In den nächsten Jahren fiel der Club im Ranking dieser Zeitschrift bis auf zuletzt Platz 13 im Jahr 2015 herab[4], wobei jedoch das Verfahren zwischenzeitlich von einer Redaktionsempfehlung zu einer Leserwahl geändert wurde[5]. Im Jahr 2010 wurde das Berghain umgebaut und renoviert, um den Raum im Gebäude besser zu nutzen und neu einzurichten.[6] 2014 feierte der Club sein zehnjähriges Bestehen mit einer Ausstellung und verschiedenen Partys[7].

Veranstaltungsort[Bearbeiten]

Das Berghain aus der Nähe

Der Club befindet sich in einem ehemaligen Heizkraftwerk in der Nähe des heutigen Ostbahnhofs auf dem Gelände des alten Ostbahnhofs mit der Adresse Am Wriezener Bahnhof. Das Gebäude wurde zwischen 1953 und 1954 im Stil des Sozialistischen Neoklassizismus gebaut. Es steht als Bestandteil des Gebäudeensembles Karl-Marx-Allee unter Denkmalschutz.[8] Wegen der geplanten neuen Nutzung als Technoclub wurde das Haus weitgehend entkernt und bis 2004 umgebaut.

Das viergeschossige Gebäude besteht aus den folgenden Teilen:

Erdgeschoss mit Garderobe, einem Darkroom und einer kleinen Bar. Die Einrichtung enthält mit Leder und Polstern versehene Betoncouchen sowie eine riesige Wandgrafik des polnischen Künstlers Piotr Nathan namens Rituale des Verschwindens (2004). Die Grafik besteht aus 175 Aluminiumplatten auf einer Fläche von 27 Meter × 5 Meter. Sie zeigt die vier Elemente, die auf stark vergrößerten historischen Stichen basieren.

Über eine Stahltreppe gelangen die Besucher in den eigentlichen Clubraum des Berghain. Der Raum und die Tanzfläche sind für rund 500 Leute ausgelegt. Die Tanzfläche wird umgeben von vier Dance-Stack-Lautsprechern der Firma Funktion One,[9] dem DJ-Pult und fünf auch als Sitzfläche geeigneten Podesten. Der Dancefloor ist 18 Meter hoch. In dieser Etage befinden sich hinter einer großen Glaswand eine weitere Bar mit einem langen Bartresen und diversen Sitzmöglichkeiten sowie ein zweiter Darkroom. Schließlich gibt es noch eine separate Bar (die sogenannte „Klobar“), hinter der sich Unisex-Toiletten befinden.

Die obere Etage beherbergt die Panorama-Bar. Diese wird durch die große Fensterfront dominiert, die mit Rollläden abgedunkelt werden kann. Auffällig sind hier großformatige Fotografien von Wolfgang Tillmans.[10] Der gesamte Club bietet Platz für ca. 1.500 Gäste.

Separat von Berghain und Panorama-Bar existiert am Gebäude auch der Veranstaltungsort Kantine am Berghain, in dem meist Konzerte oder andere Veranstaltungen durchgeführt werden, für die im Voraus Eintrittskarten erworben werden können. Somit gilt für diesen Teil des Gebäudes die ansonsten berüchtigte „strenge Türpolitik“ nicht. Diese Veranstaltungen finden manchmal auch parallel zu den Clubnächten im eigentlichen Berghain statt.

DJs und Musik[Bearbeiten]

Die Aufnahme solcher Fotos ist heute verboten - Das Berghain von innen

Gespielt wird in den regulären Clubnächten hauptsächlich Techno und Minimal Techno. In der Panorama Bar legen zudem bekannte House- und Electro-DJs auf. Zu den sogenannten Residents zählen Marcel Dettmann, André Galluzzi, Tama Sumo oder Ben Klock. Klock, der auch auf dem an das Berghain angeschlossenen Label Ostgut Ton veröffentlicht, bezeichnet seinen Stil als Underground, der mit der auch als EDM bezeichneten kommerziellen Variante der elektronischen Tanzmusik praktisch nichts mehr zu tun habe[11], was wohl auch für das Selbstverständnis des Berghains insgesamt stehen dürfte.

Mitunter finden im Berghain auch kulturelle Veranstaltungen jenseits der Clubkultur statt, so etwa Shut Up And Dance in Kooperation mit dem Staatsballett Berlin, dem monatlich stattfindenden Elektroakustischen Salon oder die Fotoausstellung 13 Monde, in der unter anderem Sven Marquardt, einer der Türsteher des Clubs, Fotos ausgestellt hat.

Auch finden in den letzten Jahren vermehrt Konzerte auf der Berghain-Ebene statt (z. B. Fever Ray, Zola Jesus, Swans, Fixmer/McCarthy, Laibach).

Öffnungszeiten und Besonderheiten[Bearbeiten]

Türsteher Sven Marquardt auf der Leipziger Buchmesse 2015

Der Club öffnet regulär jede Woche am Freitag gegen Mitternacht und schließt Samstag gegen Mittag, wobei in dieser Nacht meist nur die Panorama Bar von DJs bespielt wird. Die darauffolgende sogenannte Klubnacht, in der sowohl Panorama Bar als auch der als (eigentliches) Berghain bezeichnete Hauptfloor bespielt werden, beginnt in der Samstagnacht und geht in der Regel ohne Unterbrechung bis zum Montagvormittag. In den Sommermonaten wird sonntags ab 12 Uhr zusätzlich der Garten mit Bar und DJ-Musik geöffnet. In der Nacht von Samstag auf Sonntag bilden sich vor dem Club oft lange Besucherschlangen. Die Wartezeit kann in den Sommermonaten und bei populären DJs mehrere Stunden betragen.

Das Berghain ist vor allem für seine langen, ausschweifenden und sexuell freizügigen Partys bekannt. Berüchtigt ist die strenge Gästeauswahl durch die Türsteher, wobei einem beträchtlichen Teil der Gäste - ungeachtet der langen Wartezeit und aus manchmal für Außenstehende nicht nachvollziehbaren Gründen - der Eintritt verweigert wird. In der Medienberichterstattung ist daher oft von der „härtesten Tür Berlins“ die Rede[12][13]. Internationale Bekanntheit hat in diesem Zusammenhang der Türsteher Sven Marquardt erlangt, der als einer der wenigen fest dem Berghain zugehörigen Mitarbeiter mitunter mit Interviews in der Öffentlichkeit auftritt.

Es gibt im Club keine für das Publikum erkennbaren VIP-Bereiche, Fotos oder Videoaufnahmen im Inneren des Gebäudes sind streng verboten, um den Gästen ein Höchstmaß an Freiheit und persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten zu gewährleisten. „Der Club will kein Bild von sich in der Außenwelt wieder finden. Seine Welt existiert in einem ewigen Frühmorgen. Hier steht das ungefilterte, nicht aufgezeichnete Erlebnis im Mittelpunkt.“[14] Im gesamten Berghain gibt es daher auch keine Spiegel und nur wenige spiegelnde Flächen. Vereinzelt wurden in der Vergangenheit Drehgenehmigungen für Fernsehteams erteilt. Seit spätestens 2014 werden bei der Einlasskontrolle die Kameralinsen von Smartphones der Gäste mit Aufklebern zugeklebt.[15]

Immer wieder ist der Club Gegenstand von teils internationaler Berichterstattung. Der Rolling Stone sprach in einem 2014 erschienenen Artikel von einer „verschlossenen, Sex-geladenen Welt im coolsten Techno-Club“[16]. Auch die New York Times[17], Der Spiegel[18][19], Die Zeit[20][21], Frankfurter Allgemeine Zeitung[22], Süddeutsche Zeitung[23], Die Welt[24][25] und unzählige andere Publikationen widmen dem Club immer wieder ausführliche Berichterstattung. Für Aufsehen sorgte zuletzt Claire Danes, die in einem Interview mit Ellen DeGeneres das Berghain als „besten Ort auf der Welt“ bezeichnete[26]. Berghain-Resident Ben Klock sagte darauf bezogen in einem Interview mit VICE: „Es gibt immer die Sorge, dass [solche Geschichten] passieren, und ich glaube, dass die Leute an der Tür jetzt einen noch schwierigeren Job haben, als jemals zuvor. Es werden noch mehr Menschen, die mit dem Sound eigentlich nichts zu tun haben, auf der Suche nach dem, was sie für Techno halten oder was sie denken, was im Berghain gespielt wird, vorbeikommen.“[27]

Unternehmen[Bearbeiten]

Logo des Berghain

Das 2004 eröffnete Berghain wird mittlerweile von der 2009 gegründeten Berghain OstGut GmbH betrieben (ursprünglicher Name: KulturKubus GmbH). 2012 fand eine Umbenennung und Verschmelzung zu der heutigen Rechtsform statt. Geschäftsführer sind Michael Teufele und Norbert Thormann, die den Club zuvor in einer anderen Rechtsform geführt haben. Neben dem Club betreibt das Unternehmen ein Musik-Label. Zum 31. Dezember 2014 verzeichnete die GmbH ein Anlagevermögen von rund 1,9 Millionen Euro sowie ein Umlaufvermögen von 2,3 Millionen Euro. Das Eigenkapital betrug zu diesem Stichtag 2,5 Millionen Euro bei einem Jahresüberschuss von 881.206,86 Euro, der etwa genau so hoch wie 2013 ausfiel. Von der Gründung der GmbH im Jahr 2009 bis einschließlich 2012 hatte das Unternehmen jedes Jahr einen Verlust ausgewiesen.[28]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2011: ALLE - Worker's Pearls mit Exponaten von Mitarbeitern
  • 2014: 10 zum zehnjährigen Bestehen des Clubs.[29]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Der Club Berghain wurde vom DJ Mag im Jahre 2009 auf Platz 1 der „Top 100 clubs in the world“ gewählt. In den Folgejahren sank die Platzierung bei dieser Leserwahl bis auf Platz 13 im Jahr 2012.[30]

Literatur[Bearbeiten]

Das Berghain spielt unter anderem eine wichtige Rolle in dem 2008 durch den anonymen Autor Airen erschienenen Tagebuch Strobo sowie in dem sich teilweise darauf beziehenden und 2010 erschienen Roman Axolotl Roadkill der Autorin Helene Hegemann.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berghain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MIZ – Deutsches Musikinformationszentrum
  2. Morgens halb zehn im Heizkraftwerk. In: Berliner Zeitung, 11. November 2006
  3. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/britisches-magazin--dj-mag--hat-berghain-ausgezeichnet-bester-club-der-welt,10810590,10649984.html
  4. http://djmag.com/top100clubs
  5. http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/636344/
  6. Das Berghain baut an. In: tip
  7. http://www.berliner-zeitung.de/kultur/10-jahre-berghain-so-feiert-deutschlands-bekanntester-techno-club-geburtstag,10809150,28008558.html
  8. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  9. Mondo Magazine Juli/August 2007 über die Musik- und Licht-Anlage im Berghain.
  10. 10 Jahre Dial. In: Spex – Magazin für Popkultur
  11. http://thump.vice.com/de/article/ben-klock-ich-bin-kein-techno-purist-422?utm_source=thumpfb
  12. http://www.bild.de/regional/berlin/berghain/sie-scheiterten-an-der-haertesten-tuer-berlins-41070864.bild.html
  13. http://www.tagesspiegel.de/berlin/berghain-gegen-uebersee-club-die-haertesten-tueren-von-berlin-und-hamburg/11490420.html
  14. Die neuen Tempel des Techno, Interview mit Tobias Rapp, in: tagesspiegel.de, 2. März 2009.
  15. http://www.bz-berlin.de/berlin/blog-macht-sich-ueber-foto-verbot-im-berghain-lustig
  16. http://www.rollingstone.com/music/news/berghain-the-secretive-sex-fueled-world-of-technos-coolest-club-20140206
  17. http://tmagazine.blogs.nytimes.com/2014/08/07/berghain-panorama-bar-berlin-legendary-nightclub-10th-anniversary-art-show/?_r=0
  18. http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-65977019.html
  19. Daniel Haaksman: Berliner Rave-Kultur – Verschwende deine Jugend. Spiegel Online, Juli 2007
  20. http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/35/berghain-morgens-halb-10-deutschland
  21. http://www.zeit.de/2005/03/Berlinbars_neu/komplettansicht
  22. Julia Spinola: Fast wie Bayreuth. Festspielhaus in ostdeutscher Brache. In: FAZ, 25. Juli 2009
  23. Im Reich des Wahnsinns. In: SZ-Magazin, Heft 15/2009
  24. http://www.welt.de/reise/staedtereisen/article13337165/Das-Berghain-macht-ein-bisschen-Angst.html
  25. Die Wahrheit über den besten Club der Welt. In: Die Welt, 15. April 2009
  26. https://www.youtube.com/watch?v=cy9GregPIA4
  27. http://thump.vice.com/de/article/ben-klock-ich-bin-kein-techno-purist-422?utm_source=thumpfb
  28. Auskunft Unternehmensregister vom 11. September 2015
  29. Körper im dunklen Raum, in FAZ vom 14. August 2014, Seite 12
  30. Berghain nur noch Platz 13 bei Top 100 Clubs. In: Die Welt, 29. März 2012.

52.51111111111113.443055555556Koordinaten: 52° 30′ 40″ N, 13° 26′ 35″ O