Blenio

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Blenio
Wappen von Blenio
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bleniow
Kreis: Olivone
BFS-Nr.: 5049i1f3f4
Postleitzahl: 6717 Torre
6718 Olivone
6719 Aquila
6720 Campo (Blenio)
6720 Ghirone
Koordinaten: 715310 / 154292Koordinaten: 46° 31′ 48″ N, 8° 56′ 30″ O; CH1903: 715310 / 154292
Höhe: 902 m ü. M.
Fläche: 263,9 km²
Einwohner: 1826 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Website: www.comuneblenio.ch
Karte
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Über dieses Bild
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Val di Blenio
Kirche San Martino
Ex Gemeinde Aquila

Blenio ist der Name einer im Herbst 2006 entstandenen politischen Gemeinde im schweizerischen Kanton Tessin (Bezirk Blenio, Kreis Olivone). Sie besteht aus dem Gebiet der ehemaligen Gemeinden Aquila, Campo (Blenio), Ghirone, Olivone und Torre.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst das gesamte obere Bleniotal. Ins am Greinapass als Val Camadra beginnende, vom Brenno in nord-südlicher Richtung durchflossene Haupttal münden bei Campo das Val di Campo und im Talkessel von Olivone das Valle Santa Maria, welches den Zugang zum Lukmanierpass vermittelt.

Nachbargemeinden sind Acquarossa, Serravalle, Faido und Quinto im Kanton Tessin sowie Medel (Lucmagn), Lumnezia, Vals und Rheinwald im Kanton Graubünden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bleniotal wurden Gegenstände aus der Jungsteinzeit und 1852 mehr als 5000 römische Münzen mit den Bildnissen von Aurelian bis Konstantin dem Grossen gefunden. Das Tal dürfte von den Kelten und Rätern bewohnt gewesen sein. Durch Testament von 948 vermachte Bischof Atto von Vercelli die drei zu seinem Eigengut (Allod) gehörenden ambrosianischen Täler dem Mailänder Domkapitel und legte damit den Grund zu der geistlichen und weltlichen Herrschaft der Domherren über die Valle Leventina, Blenio und Riviera. Von 1440/1441 bis 1789 gehörte das Dorf Prugiasco politisch zur Leventina.[2]

Die Eidgenossen bemächtigten sich erstmals 1479, erneut 1495 und endgültig am 28. Mai 1496 das Tals; am folgenden Tag leistete die Bevölkerung den Treueid. Blenio wurde gemeinsam von Uri, Schwyz und Obwalden verwaltet; 1501 wurde von diesen der erste Vogt mit Residenz in Lottigna eingesetzt. Unter der eidgenössischen Herrschaft ernannte die Versammlung der Talschaft den Statthalter des Vogts, den Milizhauptmann, den Pannerherrn, den Schatzmeister, den Kanzler und den Rat.[2]

Die vom Tessiner Kantonsparlament am 25. Januar 2005 beschlossene Fusion der fünf obersten Gemeinden des Bezirks Blenio zur neuen Gemeinde Blenio sollte ursprünglich im Frühjahr 2006 vollzogen werden, doch eine Einsprache der Gemeinde Aquila führte zu einer Verzögerung. Nachdem das Bundesgericht am 18. April 2006 die Klage abgelehnt hatte, war der Weg zur Fusion frei, die zum 22. Oktober 2006 Rechtskraft erhielt. In Olivone, der grössten Fraktion, wurden zentrale Einrichtungen wie Gemeindekanzlei und Schule konzentriert; Standort der Bauverwaltung ist Aquila.

Kritiker bemängelten, es führe zu Missverständnissen, die neue Gemeinde mit dem Namen der Talschaft zu bezeichnen, obwohl sie nur deren obersten Abschnitt umfasst. Deshalb setzte der Gemeinderat am 22. Dezember 2006 zwei Kommissionen ein, die sich mit einer möglichen Umbenennung befassen sollten. Ende August 2007 fiel der Beschluss, den Namen Blenio beizubehalten.[3]

Die Bevölkerung der Gemeinde Blenio stimmte in einer Volksabstimmung am 27. November 2016 mehrheitlich gegen die Einrichtung des Nationalparks Parc Adula.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 2010[5] 2015 2017
Einwohner 1697 1783 1826

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehemalige Accademia dei Facchini della Val di Blenio, gegründet 1560[6]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anselmo Lavizzari (* um 1205 in Nesso ?; † nach dem 1242 ebenda ?), Podestà von Blenio.[11]
  • Gabrio Lavizzari (* um 1265 in Nesso ?; † nach dem 1309 ebenda ?), Podestà von Blenio.[12]
  • Santo Bentivoglio (* um 1410 in Bologna; † nach dem 1457 ebenda), mit der Talschaft belehnt von 1450 bis 1457[13]
  • Johann Baptist Hedlinger (1653–1711), Künstler, Bergwerksleiter im Bleniotal und Pfalzrat des Bischofs von Chur.[14][15]
  • Jakob Anton Gamma (1694–1770), Landvogts des Blenio- (1758–1760) und des Maggiatals (1764–1766).[16][17]
  • Carlo Andreazzi (* um 1700 in Dongio ?; † nach 1749 ebenda), 1749 Statthalter des Landvogts von Blenio.[18]
  • Vincenzo Dalberti (* 20. Februar 1763 in Mailand; † 6. April 1849 in Olivone), Priester, Tessiner Grossrat und Staatsrat.[19]
  • Sebastiano Martinoli (1872–1938), Tessiner Grossrat und Staatsrat.[20][21]
  • Carlo Poglia (* 27. September 1793 in Bordeaux; † 24. September 1877 in Olivone) Politiker, Staatsrat[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blenio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. a b Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band I, S. 333–335 (Digitalisat; abgerufen am 27. Juni 2017).
  3. Chronik: Blenio non cambia nome (italienisch) auf vallediblenio.ch (abgerufen am 9. März 2017).
  4. Votazione. Volksabstimmung. Votaziun. Progealptto di parco nazionale Parc Adula. Nationarkprojekt Parc Adula. Project dil parc naziunal Parc Adula. (24.– 27.11.2016) Risultati. Resultate. Resultas. Verein Parc Adula, abgerufen am 17. Juli 2018 (italienisch/Deutsch/Rätoromanisch).
  5. Redaktion: Blenio (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 18. Mai 2017.
  6. Accademia dei Facchini della Val di Blenio auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  7. Officine Idroelettriche di Blenio (OFIBLE) auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  8. Blenio Turismo (Olivone) auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  9. Museo di Blenio auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  10. Patriziato Generale di Olivone auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  11. Paolo Ostinelli: Lavizzari. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 26. Mai 2009.
  12. Paolo Ostinelli: Lavizzari. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 26. Mai 2009.
  13. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band II, S. 102 (Digitalisat; abgerufen am 14. Juni 2017).
  14. Johann Baptist Hedlinger auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  15. Franz Auf der Maur: Hettlingen, von [Hedlinger] (SZ). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 30. August 2006.
  16. Jakob Anton Gamma auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  17. Hans Stadler: Jacob Anton Gamma. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Mai 2005.
  18. La redazione: Andreazzi. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 16. Juli 2001.
  19. Fabrizio Panzera: Vincenzo Dalberti. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 30. März 2004.
  20. Nathalie Tami: Sebastiano Martinoli. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. November 2007.
  21. Sebastiano Martinoli auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  22. Andrea a Marca: Poglia, Carlo. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 26. März 2009.