Blenio

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Blenio. Weitere Bedeutungen siehe Bleniotal und Bezirk Blenio.
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Blenio
Wappen von Blenio
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bleniow
Kreis: Olivone
BFS-Nr.: 5049i1f3f4
Postleitzahl: 6718
Koordinaten: 715310 / 154292Koordinaten: 46° 31′ 48″ N, 8° 56′ 30″ O; CH1903: 715310 / 154292
Höhe: 902 m ü. M.
Fläche: 263,9 km²
Einwohner: 1816 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Website: www.comuneblenio.ch
Karte
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Über dieses Bild
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Val di Blenio
Kirche San Martino
Ex Gemeinde Aquila

Blenio ist der Name einer im Herbst 2006 entstandenen politischen Gemeinde im schweizerischen Kanton Tessin (Bezirk Blenio, Kreis Olivone). Sie besteht aus dem Gebiet der ehemaligen Gemeinden Aquila, Campo (Blenio), Ghirone, Olivone und Torre.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst das gesamte obere Bleniotal. Ins am Greinapass als Val Camadra beginnende, vom Brenno in nord-südlicher Richtung durchflossene Haupttal münden bei Campo das Val di Campo und im Talkessel von Olivone das Valle Santa Maria, welches den Zugang zum Lukmanierpass vermittelt.

Nachbargemeinden sind Acquarossa, Faido, und Quinto im Kanton Tessin sowie Medel (Lucmagn), Vrin, Vals und Hinterrhein im Kanton Graubünden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bleniotal wurden Gegenstände aus der neolithischen Zeit und 1852 mehr als 5000 römische Münzen mit den Bildnissen von Aurelian bis Konstantin dem Grossen gefunden. Das Tal dürfte von den Kelten und Rätern bewohnt gewesen sein. Durch Testament von 948 vermachte Bischof Atto von Vercelli die drei zu seinem Eigengut (Allod) gehörenden ambrosianischen Täler dem Mailänder Domkapitel und legte damit den Grund zu der geistlichen und weltlichen Herrschaft der Domherren über die Valle Leventina, Blenio und Riviera. Von 1440/1441 bis 1789 gehörte das Dorf Prugiasco politisch zur Leventina.[2]

Die Eidgenossen bemächtigten sich erstmals 1479, erneut 1495 und endgültig am 28. Mai 1496 das Tals; am folgenden Tag leistete die Bevölkerung den Treueid. Blenio wurde gemeinsam von Uri, Schwyz und Obwalden verwaltet; 1501 wurde von diesen der erste Vogt mit Residenz in Lottigna eingesetzt. Unter der eidgenössischen Herrschaft ernannte die Versammlung der Talschaft den Statthalter des Vogts, den Milizhauptmann, den Pannerherrn, den Schatzmeister, den Kanzler und den Rat.[2]

Die vom Tessiner Kantonsparlament am 25. Januar 2005 beschlossene Fusion der fünf obersten Gemeinden des Bezirks Blenio zur neuen Gemeinde Blenio sollte ursprünglich im Frühjahr 2006 vollzogen werden, doch eine Einsprache der Gemeinde Aquila führte zu einer Verzögerung. Nachdem das Bundesgericht am 18. April 2006 die Klage abgelehnt hatte, war der Weg zur Fusion frei, die zum 22. Oktober 2006 Rechtskraft erhielt. In Olivone, der grössten Fraktion, wurden zentrale Einrichtungen wie Gemeindekanzlei und Schule konzentriert; Standort der Bauverwaltung ist Aquila.

Kritiker bemängelten, es führe zu Missverständnissen, die neue Gemeinde mit dem Namen der Talschaft zu bezeichnen, obwohl sie nur deren obersten Abschnitt umfasst. Deshalb setzte der Gemeinderat am 22. Dezember 2006 zwei Kommissionen ein, die sich mit einer möglichen Umbenennung befassen sollten. Ende August 2007 fiel der Beschluss, den Namen Blenio beizubehalten.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehemalige Accademia dei Facchini della Val di Blenio gegründet 1560[4]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Officine Idroelettriche di Blenio (OFIBLE)[5]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blenio Turismo (Olivone)[6]
  • Museo di Blenio[7]
  • Museo storico etnografico di Blenio (Lottigna)[8]
  • Patriziato Generale di Olivone, Campo e Largario[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Santo Bentivoglio (* um 1410 in Bologna; † nach dem 1457 ebenda), mit der Talschaft belehnt von 1450 bis 1457[10]
  • Johann Baptist Hedlinger (1643–1711), Bergwerksdirektor in Blenio[11]
  • Jakob Anton Gamma (1694–1770), Landvogt von Blenio[12]
  • Carlo Andreazzi (* um 1700 in Dongio ?; † nach 1749 ebenda), Statthalter[13]
  • Vincenzo Dalberti (* 20. Februar 1763 in Mailand; † 6. April 1849 in Olivone), Priester, Politiker, Staatsrat[14].
  • Sebastiano Martinoli (1872–1938), Regierungsrat[15]
  • Carlo Poglia (* 27. September 1793 in Bordeaux; † 24. September 1877 in Olivone (heute Gemeinde Blenio)), Politiker, Staatsrat[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Celestino Trezzini: Blenio. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2: Biondetti–Brupbacher. Attinger, Neuenburg 1921, S. 271.
  • Giacomo Genora: Liber hexametrorum, ossia Dei versi eroici della Valle di Blenio. 1692.
  • Rolf Witschi: Morphologie und Hydrologie der oberen Blenio-Täler. Ins 1957.
  • Adrian Baumer: Geologie der gotthardmassivisch-penninischen Grenzregion im oberen Bleniotal, Geologie der Blenio-Kraftwerke. Kümmerly und Frey, Bern 1964.
  • Karl Meyer: Blenio und Leventina von Barbarossa bis Heinrich VII. Salvioni Editore, Bellinzona 1977.
  • Herbert Maeder: La Greina: das Hochtal zwischen Sumvitg und Blenio. Desertina, Chur 1995.
  • Giuseppe Chiesi, Ely Riva: Das Bleniertal. AAT, Tessiner Verein für Archäologie, Lugano 1998.
  • Simona Martinoli und andere: Blenio. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0.
  • Fabrizio Scanavino: Bleniotal: Greina, Rheinwaldhorn und andere magische Orte. Salvioni Editore, Bellinzona 2010.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blenio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. a b Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band I, S. 333–335 (Digitalisat; abgerufen am 27. Juni 2017).
  3. Chronik: Blenio non cambia nome (italienisch) auf vallediblenio.ch (abgerufen am 9. März 2017).
  4. Accademia dei Facchini della Val di Blenio auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  5. Officine Idroelettriche di Blenio (OFIBLE) auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  6. Blenio Turismo (Olivone) auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  7. Museo di Blenio auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  8. Museo storico etnografico di Blenio (Lottigna) auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  9. Patriziato Generale di Olivone auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  10. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band II, S. 102 (Digitalisat; abgerufen am 14. Juni 2017).
  11. Johann Baptist Hedlinger auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  12. Jakob Anton Gamma auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  13. Redaktion: Andreazzi. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  14. Fabrizio Panzera: Dalberti, Vincenzo. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  15. Sebastiano Martinoli auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)
  16. Andrea a Marca: Poglia, Carlo. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  17. Fabrizio Scanavino: Bleniotal: Greina, Rheinwaldhorn und andere magische Orte. auf portal.dnb.de (abgerufen am 18. Juni 2016.)