Acquarossa

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Acquarossa
Wappen von Acquarossa
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Bleniow
Kreis: Kreis Acquarossa
BFS-Nr.: 5048i1f3f4
Postleitzahl: 6715 Dongio
6716 Acquarossa
6716 Leontica
6716 Lottigna
6722 Corzoneso
6723 Castro
6723 Marolta
6723 Prugiasco
6724 Largario
6724 Ponto Valentino
Koordinaten: 715212 / 146013Koordinaten: 46° 27′ 20″ N, 8° 56′ 18″ O; CH1903: 715212 / 146013
Höhe: 528 m ü. M.
Fläche: 61,7 km²
Einwohner: 1850 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 30 Einw. pro km²
Website: www.acquarossa.ch
Acquarossa, Blick nach Norden

Acquarossa, Blick nach Norden

Karte
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Acquarossa ist eine politische Gemeinde im Kreis Acquarossa, Bezirk Blenio, im Schweizer Kanton Tessin. In der lokalen Tradition bezieht sich der Name ausschliesslich auf die das Thermalbad unmittelbar umgebenden Gebäude am Fuss des Berges Simano. Die zur früheren Gemeinde Lottigna gehörende Gebäudegruppe Acquarossa wurde Namensgeberin der am 4. April 2004 aus der Fusion der bis dahin selbstständigen Gemeinden Castro, Corzoneso, Dongio, Largario, Leontica, Lottigna, Marolta, Ponto Valentino und Prugiasco neu entstandenen Gemeinde Acquarossa.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Acquarossa liegt im mittleren Bleniotal. Nachbargemeinden sind von Norden aus im Uhrzeigersinn Olivone, Aquila, Torre und Serravalle sowie Sobrio und Faido im Bezirk Leventina.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen Namen hat Acquarossa («rotes Wasser») nach den örtlichen salz-, eisen-, arsen- und lithiumcarbonathaltigen Quellen, die konstant eine Temperatur von 25 Grad Celsius aufweisen und mit 2500 Litern pro Minute aus dem Berghang fliessen. Dem Bade- und Trinkwasser aus der Quelle, ebenso wie dem daraus gewonnenen roten Schlamm (Fango) werden medizinische Heilkräfte zugeschrieben. Eine erste urkundliche Erwähnung der Quellen wird auf das Jahr 1100 datiert. Im 18. Jahrhundert bestand ein kleines Bad, das 1786 eingerichtet wurde. Publikationen des an der Universität Pavia lehrenden Medizinprofessors und international renommierten Dermatologen Angelo Scarenzio förderten das Interesse an dieser Heilbehandlung. Ein Absolvent seiner Fakultät wurde zum ersten ärztlichen Direktor des Thermalbads ernannt. 1882 kaufte der Regierungskommissar Domenico Andreazzi das Grundstück mit der Quelle von den Gemeinden Lottigna, Dongio, Leontica und Corzoneso. Seither befindet sich das Eigentumsrecht an den Quellen in Privatbesitz, auch wenn sich der Anwalt und Lokalpolitiker Ambrogio Bertoni aus Lottigna vergeblich für eine zeitlich befristete Konzession eingesetzt hatte. Die 1882 gegründete Betriebsgesellschaft konnte das Kurhotel Albergo delle Terme 1886 eröffnen und entwickelte Acquarossa zum touristischen Mittelpunkt des Tales. 1918 hatte das Hotel 70 Betten. Weitere Betten wurden den Gästen in umliegenden Pensionen angeboten. Ein Park, mehrere Restaurants, ein Postbüro mit Telefon und Telegraf, sowie ein Kutschendienst, bzw. ab 1911 ein Bahnanschluss der Biasca-Acquarossa-Bahn bei Camprovasco, standen zur Verfügung. Im Norden der Alpen zunächst fast unbekannt, wurde die Kuranstalt bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor allem aus dem Tessin und Italien besucht.[2] In den Kriegs- und Zwischenkriegsjahren geriet der Betrieb, wegen dem Fernbleiben der italienischen Gäste, in eine Krise. Nach Angabe der Basler Besitzerfamilie Greter, die die Anlage 1932 erwarb, beherbergte das Bad in der Folge auch zahlreiche Deutsche und Engländer. Hauptsächlich kamen die Gäste nun aber aus der Deutschschweiz. 1971 musste der Kurbetrieb wegen fehlender Mittel für die dringend erforderliche Erneuerung der Gebäude eingestellt werden. Dies weil die zuvor mitarbeitende Eigentümerfamilie diese Kosten, neben dem nun notwendig gewordenen verstärkten Personalaufwand, nicht mehr tragen konnte. Fast zeitgleich wurde 1973 auch der Bahnbetrieb eingestellt. Die Anlage ist seither verwaist und wird nur minimal in Stand gehalten. Von einem unangemeldeten Besuch wird abgeraten. Mehrere Versuche einer Neubelebung des Kurbetriebs blieben ohne Erfolg.[3][4]

In einer Volksabstimmung am 27. November 2016 stimmte die Bevölkerung der Gemeinde Acquarossa mehrheitlich für die Einrichtung des Nationalparks Parc Adula.[5]


Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1991 2000 2010[6] 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Einwohner 1750 1789 1841 1816 1856 1862 1851 1856 1850

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weit oberhalb des Ortsteils Prugiasco steht die romanische Kirche San Carlo di Negrentino. Sie wurde im 11. Jahrhundert erbaut und im 12. Jahrhundert erweitert. Sie gilt als eines der wichtigsten historischen Bauwerke des Bleniotals. Im Innern enthält sie romanische und spätgotische Fresken. Die von 1676 stammende Glocke zersprang in den 1940er Jahren. Im Sinn der Erhaltung von Kulturgut wurde die Glocke anstelle einer Neuanschaffung instand gestellt und läutet seit dem 7. Dezember 2008 wieder, dem Tag des heiligen Ambrosius[7]
  • Im Ortsteil Acquarossa: ex Hotel Terme[7][8]
  • Im Ortsteil Aquarossa-Comprovasco: Pfarrkirche Santi Vincenzo de' Paoli, Giacomo e Bartolomeo von 1868, mit einem Kirchturm 1925[7]
  • Im Ortsteil Lottigna: Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo[7].
  • Im Ortsteil Lottigna: Museo di Blenio in der Casa dei Landfogti[9]
  • Im Ortsteil Corzoneso: Pfarrkirche Santi Nazario e Celso[7]
  • Im Ortsteil Corzoneso-Casserio: Fondazione Archivio Fotografico Roberto Donetta in der Casa Rotonda[10]
  • Im Ortsteil Dangio: Pfarrkirche Sant’Ambrogio[7]
  • Im Ortsteil Dangio-Torre: ehemalige Schokoladenfabrik Cima - Norma[11]
Das stillgelegte Kurhotel von Aquarossa ist von hohen Bäumen umgeben. Das imposante Gebäude hat zwei Seitenflügel und einen nach hinten gerückten Gebäudekorpus in der Mitte. Das Gebäude ist leicht rosa und die Fensterläden sind olivgrün. Alle Läden sind geschlossen. Der Garten und das Gebäude sind nicht heruntergekommen, aber ungepflegt.
Das 1886 eröffnete und seit 1971 stillgelegte Kurhotel von Acquarossa. Hinter dem Gebäude erfolgte die Entnahme von warmem Wasser und rotem Schlamm (Fango) für die Heilbehandlung.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Ortsteil Acquarossa-Stallaccia: Regionalspital Ospedale Regionale di Bellinzona e Valli (Sede Acquarossa)[12]
  • Oratorio dei Santi Vincenzo de' Paoli, Giacomo e Bartolomeo in Comprovasco-Acquarossa
    Im Ortsteil Acquarossa-Corzoneso Piano: Cinema Teatro Blenio, in Betrieb seit 1956, gebaut im skandinavischen Stil nach Plänen des Architekten Giampiero Mina[13]
  • Im Ortsteil Acquarossa-Comprovasco: Bezirksgericht Blenio im Palazzo del Pretorio[14]
  • Skianlagen Nara-Leontica-Cancorì (mit 5 Skiliften, 2 Sesselbahnen und 30 Pistenkilometer, die auf 875–2153 m ü. M. liegen[15])

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giovanni Genucchi (* 10. April 1904 in Brüssel; † 3. Oktober 1979 in Acquarossa; Bürgerort Castro), Bildhauer und Holzschnitzer[16]
    Der Palazzo del Pretorio in Comprovasco-Acquarossa ist Sitz der Bezirksverwaltung und des Bezirksgerichts von Blenio

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Redaktion: Acquarossa. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2016.
  • Lukas Högl: Casa dei Pagani. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2017.
  • Piero Bianconi: Acquarossa. In: Arte in Blenio. Guida della valle. S.A. Grassi & Co. Bellinzona-Lugano 1944; Idem: Acquarossa. In: Inventario delle cose d’arte e di antichità. Band I, S.A. Grassi & Co, Bellinzona 1948, S. 71–77.
  • Virgilio Gilardoni: Acquarossa. In: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 388.
  • Simona Martinoli und andere: Acquarossa. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007.
  • Celestino Trezzini: Acquarossa. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 1: A – Advokat. Attinger, Neuenburg 1921, S. 93.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Acquarossa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Der stillgelegte Bahnhof von Acquarossa, heute eine Busstation der Autolinee Bleniesi

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Dr. C. T. (sic): Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Hrsg.: Heinrich Türler et al. 1 (A-Basel). Allgemeine geschichtsforschende Gesellschaft der Schweiz, Neuchâtel 1921, S. 93.
  3. Annotazioni di una conversazione con il signor Rinaldo Greter, agosto 2002. Abgerufen im 4. Juni 2018 (it/de).
  4. Luca Solari: Blenio: una valle a confronto. Salvioni arti grafiche, Bellinzona 1998, ISBN 88-7967-023-9, S. 70–73, 177.
  5. Votazione. Volksabstimmung. Votaziun. Progetto di parco nazionale Parc Adula. Nationalparkprojekt Parc Adula. Project dil parc naziunal Parc Adula. (24.– 27.11.2016) Risultati. Resultate. Resultas. Verein Parc Adula, abgerufen im 17. Juli 2018 (italienisch/Deutsch/Rätoromanisch).
  6. Redaktion: Acquarossa. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2016.
  7. a b c d e f Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 101–102.
  8. Gebäude der Thermen (Foto)
  9. Alessandra Ferrini: Guida dei musei svizzeri. Hrsg.: Bernard A. Schüle. 9. Auflage. Friedrich Reinhardt Verlag, Basel 2002, ISBN 3-7245-1251-1, S. 406 (Nummerierung ohne Seitenzahl).
  10. La fondazione. Fondazione Archivio Fotografico Roberto Donetta, abgerufen im 4. Juni 2018 (italienisch).
  11. Daniela Pauli Falconi: Cima (Familie [Anmerkung d. Verf.]). In: Historisches Lexikon der Schweiz (Internet-Edition). Historisches Lexikon der Schweiz, Bern, abgerufen im 1. März 2018.
  12. Ospedale Regionale di Bellinzona e Valli. Sede Acquarossa in portal.dnb.de (abgerufen am: 4. Mai 2016.)
  13. Storia del cinema. Associazione Cinema Blenio, 20. Mai 2018, abgerufen im 4. Juni 2018 (italienisch).
  14. Pretura di Blenio. Repubblica e Cantone Ticino, abgerufen im 4. Juni 2018 (italienisch).
  15. Skianlagen in Nara Leontica-Cancorì
  16. Claudio Guarda: Giovanni Genucchi. In: Sikart (Stand: 2015), abgerufen 6. Februar 2016.