Corinna Miazga

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Corinna Miazga, 2019

Corinna Miazga (* 17. Mai 1983 in Oldenburg) ist eine deutsche Politikerin (AfD). Sie ist Mitglied des Deutschen Bundestages und Landesvorsitzende der AfD in Bayern.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 2003 in Oldenburg begann Miazga ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Passau, das sie bislang nicht abgeschlossen hat. Sie arbeitet seit 2015 in der Automobilindustrie im Bereich Vertragsprüfung. Miazga spielte Handball sowie in der Bundesliga American Football und war als Jugendtrainerin aktiv.[2] Sie ist seit 2009 verheiratet[3] und lebt in Straubing.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corinna Miazga ist seit 2013 Mitglied der Alternative für Deutschland und wurde im selben Jahr Kreisvorsitzende im Landkreis Straubing-Bogen.

Nach eigenen Angaben unterschrieb Miazga 2015 die von Björn Höcke vorgelegte Erfurter Resolution; damals sei es ihr um Gegenpositionen („Rebellion“) zu denen von Parteigründer Bernd Lucke gegangen.[5] 2016 war Miazga an einem Entwurf für das geplante Grundsatzprogramm der AfD beteiligt. Der Programmentwurf wurde vom Bezirk Niederbayern eingebracht und forderte ein Moscheeverbot, solange „der Bau und Betrieb von Moscheen nicht nur dem gemeinsamen Gebet, sondern auch der Verbreitung der auf die Beseitigung unserer Rechtsordnung gerichteten islamischen Lehre dient“.[6] Die Passauer Neue Presse und taz werteten das Programm aus Niederbayern als erhebliche Einschränkung der Religionsfreiheit.[7][8] Miazga warb im Bundestagswahlkampf 2017 unter anderem mit dem Argument für sich, ein Asylbewerberheim in Straubing verhindert zu haben.[7]

Miazga erklärte bei ihrer Bewerbungsrede für ein Amt im Bundesvorstand der AfD anlässlich des Bundesparteitages 2017 in Hannover, dass sie das zuständige Finanzamt in Berlin aufgefordert habe, die Gemeinnützigkeit des Kampagnenvereins Campact e.V. zu überprüfen.[9] Im Jahr 2019 wurde dem Verein der Status einer gemeinnützigen Organisation aberkannt.[10]

Miazga wurde über den Landeslistenplatz 3 der AfD Bayern in den 19. Bundestag gewählt.[11] Dort ist sie Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union.

Im September 2019 bewarb Miazga sich gegen vier Konkurrenten um den Landesvorsitz der bayerischen AfD.[12] In einer Stichwahl setzte sie sich schließlich gegen Katrin Ebner-Steiner mit 305 zu 216 Stimmen durch und wurde neue Landesvorsitzende[13]. Sie gab an, sich „ganz normal mittendrin“ in der AfD zu verorten. Johann Osel (Süddeutsche Zeitung) kommentierte, sie habe sich „den Mitgliedern als Versöhnerin“ angepriesen, sei aber „inhaltlich auf Flügel-Linie“.[14] In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sah man Miazgas Wahl hingegen als „Niederlage des rechtsnationalen ‚Flügels‘“.[15] Die Tageszeitung Rheinpfalz titelte zu ihrer Wahl: „Frau der gemäßigten Töne an der Spitze“.[16]

Innerparteiliche Konflikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2013 beantragte Miazga beim Bundesschiedsgericht der AfD, den Vorstand des Landesverbands Bayern abzusetzen sowie die Finanzordnung des Landesverbands für ungültig zu erklären. Laut Miazga sei gegen Formalien verstoßen worden. Der Antrag wurde von den Schiedsgerichten der Partei abgewiesen.[17] Dessen ungeachtet schrieb Miazga im Januar 2014 eine Nachricht an Funktionäre und Mitglieder in Bayern. Weil die Finanzordnung ihrer Auffassung nach keine Gültigkeit besitze, seien nun die Kreisverbände selbst für den Einzug der Mitgliedsbeiträge zuständig. Durch den Aufruf kam es zu Lastschriftkündigungen und kostenpflichtigen Rückbuchungen.[17] Infolgedessen wurde gegen Miazga 2014 ein Parteiausschlussverfahren angestrengt. Die Zeit berichtete 2017 nach der Wahl Miazgas in den Bundestag, dass das parteiinterne Schiedsgericht zum Stand des Verfahrens schweigt.[18] Nach einem Bericht der Passauer Neuen Presse wurde es inzwischen abgeschlossen.[7]

Im Rahmen des AfD-Bundesparteitags 2017 in Hannover warf Miazga ihrem Parteikollegen Petr Bystron Sexismus vor.[19] In ihrer Bewerbungsrede zur Wahl der drei stellvertretenden Bundessprecher der Partei erklärte Miazga: „Den zweiten Grund, warum ich hier bin, habe ich meinem Parteikollegen Petr Bystron zu verdanken, der mich im Wahlkampf darauf aufmerksam machte, dass Frauen wie ich eigentlich besser an einer Stange tanzen sollten.“[20] Sowohl Miazga als auch der ebenfalls kandidierende Bystron unterlagen bei der anschließenden Abstimmung gegen Kay Gottschalk.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Corinna Miazga – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Corinna Miazga neue bayerische AfD-Chefin. Abgerufen am 14. September 2019.
  2. Wigbert Löer und Jan Rosenkranz, AfD im Bundestag: Ein deutsches Sittengemälde, 14. Oktober 2017, Stern.de
  3. Biographie - Corinna Miazga. In: Corinna Miazga. (corinna-miazga.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  4. Kandidaten-Datenbank: Corinna Miazga. Der Tagesspiegel, abgerufen am 30. September 2017.
  5. Bundestagsabgeordnete Corinna Miazga führt künftig bayerische AfD. www.welt.de, 14. September 2019
  6. Anne-Beatrice Clasmann: Alternative für Deutschland: Faktencheck zur Islamkritik. 19. April 2016 (welt.de [abgerufen am 18. April 2019]).
  7. a b c Diese AfD-Politiker aus der Region ziehen in den Bundestag ein. Passauer Neue Presse, 25. September 2017, abgerufen am 30. September 2017.
  8. AfD-Vorschlag aus Bayern: Extrem-AfDler für Moschee-Verbot. taz, 30. März 2016, abgerufen am 30. September 2017.
  9. Für Gerechtigkeit: 02.12.2017 Bundesparteitag der AfD Corinna Miazga bewirbt sich als 3. Sprecherin. 2. Dezember 2017, abgerufen am 19. März 2018.
  10. Kampagnenorganisation: Campact verliert Status der Gemeinnützigkeit., 21. Oktober 2019, Spiegel Online
  11. Vorläufig Gewählte auf Landeslisten der Parteien in Bayern. Der Bundeswahlleiter, abgerufen am 3. Oktober 2017.
  12. Corinna Miazga neue bayerische AfD-Landeschefin. BR, abgerufen am 17. September 2019.
  13. Straubinger Tagblatt: Greding/Straubing: Corinna Miazga neue bayerische AfD-Landesvorsitzende - idowa. Abgerufen am 4. Dezember 2019.
  14. Johann Osel: Sie wollen ein anderes Land. www.sueddeutsche.de, 15. September 2019
  15. Gegen Radikale durchgesetzt: Bayerns AfD wählt Bundestagsabgeordnete zur Vorsitzenden, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. September 2019.
  16. Paul Kreiner, Frau der gemäßigten Töne an der Spitze, 15. September 2019, Rheinpfalz.de (kostenpflichtig)
  17. a b Justus Bender: Jeder gegen jeden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Juli 2014, abgerufen am 30. September 2017.
  18. Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski, Tilman Steffen: AfD-Fraktion: Rechts bis extrem im Bundestag. Die Zeit, 26. September 2017, abgerufen am 30. September 2017.
  19. DIE WELT: AfD: Sexismusvorwürfe gegen bayerischen Landeschef Petr Bystron. In: DIE WELT. 3. Dezember 2017 (welt.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  20. Info Kanal: Petr Bystron sagte: Frauen wie ich sollten lieber an Stange tanzen! 11. Dezember 2017, abgerufen am 19. März 2018.