Ermont

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Ermont
Wappen von Ermont
Ermont (Frankreich)
Ermont
Region Île-de-France
Département Val-d’Oise
Arrondissement Argenteuil
Kanton Kanton Ermont (Hauptort)
Gemeindeverband Communauté d’agglomération Val Parisis
Koordinaten 49° 0′ N, 2° 16′ OKoordinaten: 49° 0′ N, 2° 16′ O
Höhe 43–65 m
Fläche 4,16 km2
Einwohner 28.925 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 6.953 Einw./km2
Postleitzahl 95120
INSEE-Code
Website http://www.ville-ermont.fr/

Rathaus von Ermont

Ermont ist eine französische Gemeinde in der Region Île-de-France im Département Val-d’Oise. Administrativ ist die Gemeinde dem Kanton Ermont (dessen chef-lieu sie ist) und dem Arrondissement Argenteuil zugeteilt. Die Einwohner werden Ermontois genannt.

Die Stadt mit 28.925 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) liegt 17 km nordwestlich vom Stadtkern von Paris und ist von der französischen Hauptstadt über die Autoroutes A15/A115 zu erreichen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermont ist nach Franconville die zweitgrößte Stadt in der natürlichen Landschaft Vallée de Montmorency. Das Gemeindegebiet ist stark urbanisiert.

Die Stadt hat sich zu einem wichtigen Knotenpunkt im Bahnverkehr entwickelt und verfügt heute über vier Bahnhöfe. Der größte, die Gare d’Ermont-Eaubonne, liegt auf der Linie von Saint-Denis nach Pontoise und wurde 2005 komplett erneuert. Von diesem Bahnhof sind die Pariser Hauptbahnhöfe Gare du Nord, Gare de Neuilly – Porte Maillot und Gare Saint-Lazare in nur 20 bis 25 Minuten zu erreichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend war vermutlich bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Der Name der Stadt leitet sich vom gallo-römischen Eigen- oder Ortsname Ermedon ab[1]. Eine gallo-römischen Siedlung, die an der Römerstraße Chaussée Jules César[2], die von Lutetia (Paris) nach Lillebonne (bei Le Havre) führte, ist nachgewiesen. Sie wurde noch vor der eigentlichen Völkerwanderung am Ende des 3. Jahrhunderts von Germanenstämmen zerstört und im 4. Jahrhundert wieder aufgebaut. Unter den Merowingern prosperierte der Ort im 6. und 7. Jahrhundert.

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Ermedonis im Jahre 835 in einer Schrift der Abtei von Saint-Denis[3]. Ebenfalls im 9. Jahrhundert wurde auf dem Gelände der merowingischen Nekropole eine christliche Gebetsstätte errichtet. Damals hieß der Ort Ormont und zwar bis zum 13. Jahrhundert. Unter der Regentschaft von Philipp August gehörte die Pfarrei einem Weltlichen mit dem Namen Jean de Giron[3]. Der an Ermont angeschlossene Weiler Cernay, eine Kommende des Ritterorden der Malteser, entwickelte sich parallel zum Dorf. 1269 ließ sich der Templerorden in Cernay nieder[4], etwas später kam ein Ableger der königlichen Abtei Saint-Victor hinzu; es folgten die Cölestiner von Rouen und schließlich das Priorat Bois-Saint-Père. Trotzdem zählte die Dorfgemeinschaft 1471 nicht mehr als vierzig Einwohner. Wie alle Dörfer in der Vallée de Montmorency litt Ermont stark unter der Jacquerie von 1358 und unter dem Hundertjährigen Krieg.

Im 16. Jahrhundert hatte der Großprior von Frankreich (→ Geschichte des Johanniterordens) die Grundherrschaft inne. Während des Bürgerkriegs der Fronde (1648–1653) wurde Ermont zerstört. Der wichtigste Wirtschaftszweig bis ins 18. Jahrhundert war der Weinbau, der aber dann sukzessiv vom Obstbau und dem Gemüseanbau abgelöst wurde.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn hat sich das Stadtbild von Ermont sehr stark verändert. Die Urbanisierung hat sich zuerst entlang der Bahnstrecken entwickelt. Die fortschreitende Industrialisierung und das starke Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert drängte die Landwirtschaft zurück und brachte sie schließlich zum Verschwinden. Heute verfügt Ermont über die folgenden vier Bahnhöfe: Ermont-Eaubonne, Cernay, Ermont-Halte und Gros Noyer-Saint Prix.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum ein ausgerissener Weinstock auf rotem Grund, silberner Stängel und silberne Blätter, drei güldene Trauben; die Bordüre geschmückt mit neun gleichmäßig verteilten schwarzen Kokarden (tourteaux de sable); der azurblaue Schildkopf verziert mit güldenen Fleurs-de-Lys hinter einer silbernen Mitra.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1936 1946 1954 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2011
Einwohner 8.812 9.325 11.068 19.263 23.842 25.492 24.394 27.947 27.494 27.670 27.304

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Saint-Flaive
  • Die Kirche Saint-Flaive wurde in den Jahren 1886 und 1887 auf dem Gelände einer mittelalterlichen Kirche aus dem 11. Jahrhundert, die verfallen war, erbaut. Mit der zunehmenden Bevölkerung in den 1960er Jahren wurde das Gotteshaus im Jahr 1964 vergrößert: Hinzu kam auf der rechten Seite der Kirche ein moderner Anbau mit ovalem Grundriss.
  • Als Rathaus dient ein ehemaliges Schloss, welches zwischen 1868 und 1870 erbaut wurde. 1875 gehörte es Benjamin Blanchard, dem damaligen Bürgermeister der Gemeinde. 1932 wurde es von der Stadt aufgekauft und nach einer Erweiterung als Rathaus von Ermont eingeweiht.
  • Das Museum für Volkskunst (musée des arts et traditions populaires) ist in den alten städtischen Werkstätten untergebracht. Die Sammlung erläutert die Landwirtschaft und den Weinbau von früher.
  • Das Sport- und Jugendhaus le club des Espérances an der 3, avenue de l'Europe ist in zwei Gebäuden untergebracht, die vom Architekten Jean Prouvé 1966 entworfen wurden. Erbaut in den Jahren 1967 und 1968 steht es seit 2008 unter Denkmalschutz, womit auch ein Immobilienprojekt der Stadt vereitelt wurde. 2010 wurden die Baukomplex auf Geheiß des Bürgermeisters Hugues Portelli (UMP) geschlossen, da der Unterhalt zu teuer und der Aufenthalt in der Bauruine zu gefährlich sei[5].

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt – Damals (1920) …
… und heute

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Patrimoine des Communes du Val-d'Oise. Flohic Éditions, Bd. 1, Paris 1999, S. 263ff., ISBN 2-84234-056-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean Lebeuf: Histoire de la ville et de tout le diocese de Paris, Bd. 3, S. 414.
  2. Académie des inscriptions & belles-lettres: Mémoires - Deuxième série - Antiquités de la France, Bd. 1, S. 12. Imprimerie royale, Paris, 1843.
  3. a b Jacques-Antoine Dulaure: Histoire physique, civile et morale des environs de Paris, Bd. 3, S. 58. Paris, 1825.
  4. Ivy-Stevan Guiho: L'Ordre des Templiers – petite encyclopédie, S. 57. Éditions L'Harmattan, Paris, 2009.
  5. Le club des Espérances ferme à contrecœur auf Le Parisien vom 15. Juli 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ermont – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien