Fliegerhorst Landsberg/Lech

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Fliegerhorst Penzing)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fliegerhorst Landsberg/Lech
Penzing Fliegerhorst Landsberg.jpg
Kenndaten
ICAO-Code ETSA
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 5 km nordöstlich von Landsberg am Lech,
1 km westlich von Penzing
Straße A96
Bahn Güterbahnhof im Fliegerhorst
Nahverkehr Buslinie 10, betrieben von der LVG
Basisdaten
Eröffnung 1935
Betreiber deutsche Luftwaffe
Beschäftigte über 2000
Start- und Landebahn
07/25 2066 m × 30 m Beton



i7

i11

i13

Der Fliegerhorst Landsberg/Lech ist ein Fliegerhorst der Bundeswehr bei Penzing. Er gehört zum Standort Landsberg am Lech. Auf diesem Fliegerhorst ist das Lufttransportgeschwader 61 (kurz: LTG 61) beheimatet. Es unterhält das Transportflugzeug Transall C-160D und den leichten Transporthubschrauber Bell UH-1D. Außerdem sind auf dem Fliegerhorst eine Außenstelle des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 1 und die Flugabwehrraketengruppe 22 stationiert. Zudem betreiben die Flugsportgruppe Landsberg e.V. und der Fliegerclub Landsberg/Penzing e.V. einen zivilen Sport- und Segelflugbetrieb.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bau und Nutzung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Ab dem Jahr 1935 wurde im Deutschen Reich offiziell wieder eine Luftwaffe aufgebaut. In ganz Deutschland wurden geeignete Plätze zur Errichtung von Flugplätzen gesucht. Penzing bot sich aufgrund der günstigen geografischen Lage, Navigations- und technischen Aspekten an. Noch im Jahr 1935 begann der Bau mit der Planierung des Bodens und im Frühjahr 1936 wurden bereits einige Gebäude errichtet. Eine erste Abteilung der Luftwaffe nahm am 10. Februar 1937 den Dienst in Penzing auf und wurde später durch weitere Soldaten ergänzt. Am 1. März 1937 begann der reguläre Betrieb.

Zu Beginn wurde dort das Kampfgeschwader 153 „Merseburg“ stationiert, das den Flugbetrieb mit dem Typ Do 23 aufnahm. Kurz vor Ausbruch des Krieges 1939 wurden die Maschinen durch He 111 ersetzt und das Geschwader in Kampfgeschwader 51 „Edelweiss“ umbenannt. Die Piloten wurden während der folgenden Jahre an allen Fronten eingesetzt. Währenddessen wurden auf dem Fliegerhorst Ausbildungen für angehende Flugzeugführer durchgeführt.

Während Josef Kammhuber Kommodore des „Edelweißgeschwaders“ war, bombardierten am 10. Mai 1940 drei He 111 des Geschwaders irrtümlich Freiburg im Breisgau. Bei dem Angriff starben 57 Menschen.

Gegen Ende des Krieges wurde der Fliegerhorst Penzing zweimal von B-17 „Flying Fortress“-Bombern der amerikanischen Luftwaffe angegriffen. Dabei wurden insgesamt drei Hangars, die Start- und Landebahn sowie die Zufahrtswege zerstört und viele der stationierten Flugzeuge beschädigt. In den letzten Kriegstagen wurden die besten deutschen Radartechniker nach Penzing gebracht.

Der Fliegerhorst wurde durch eine US-Panzerdivision am 28. April 1945 besetzt, die Alliierten bezeichneten ihn fortan als Airfield R.78.

Der Fliegerhorst als Ausbildungsstätte[Bearbeiten]

Am 17. Mai 1945 traf eine Kompanie der amerikanischen 843rd Engineer Aviation Battalion ein, um den Flugbetrieb wiederherzustellen. Dementsprechend wurde ein hohe Priorität auf die Instandsetzung der Start- und Landebahn gelegt. Nach der Reparatur wurden von einer Air Depot Group auch die anderen Gebäude wieder errichtet und im Januar 1946 konnte die Instandsetzung durch das 862nd Engineer Battalion abgeschlossen werden.

1947 wurde die 7280th Air Base Group in Penzing als unterstellte Einheit des Fliegerhorstes Erding stationiert. 1949 erhielt der Fliegerhorst den Titel Landsberg Air Base und fungierte nun unter dem Kommando der 2nd Air Division. Am 1. Mai 1950 wurde zudem noch die 7030th Headquarters Support Group nach Landsberg verlegt.

Im Jahr 1953 begann man mit der Einrichtung der 7351st Air Base Squadron, diese übernahm die Kontrolle über den Fliegerhorst am 1. Juli. Fast zwei Jahre später, am 1. April 1955, bereitete man ein Pilotentrainingszentrum vor. Die dazu eingerichtete 7351st Flying Training Group wurde ausgebaut und schließlich am 1. Oktober in die 7351st Flying Training Wing umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt waren sieben Geschwader auf dem Fliegerhorst stationiert.

Nach dem Eintritt Westdeutschlands in die NATO 1955 begann der erneute Wiederaufbau der Luftwaffe. Man begann mit der Errichtung neuer Flugplätze und Trainingsmöglichkeiten für deutsche Piloten. Unter anderem wurde Landsberg ausgewählt, um bei der Weiterbildung der deutschen Luftwaffe mitzuwirken. Am 4. Februar 1956 fand der erste Flug eines deutschen Piloten unter der Führung amerikanischer Instruktoren statt. Viele der zu schulenden Piloten waren Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Sie hatten seit mehr als zehn Jahren kein Flugzeug mehr geflogen, zudem konnte kaum einer Erfahrungen mit den mittlerweile üblichen (Überschall-)Düsenflugzeugen vorweisen. Allerdings konnte man sich in den vorangegangenen zwei Jahren bereits teilweise mit den Jets anfreunden, da bereits Eingewöhnungsflüge auf amerikanischen Flugzeugmustern stattfanden.

Die neu errichtete Luftwaffe begann mit dem Aufbau des Pilotentrainings. Dazu wurden 40 Piper L-18A „Super Cub“ benutzt. Die erweiterte Ausbildung und die Überleitung auf Jets fand bei der amerikanischen Luftwaffe in Fürstenfeldbruck statt, dort konnten von der Luftwaffe mehrere neue Lockheed T-33A „T-Bird“-Trainingsflugzeuge verwendet werden. Die ersten zehn Strahlflugzeugführer der Luftwaffe beendeten ihre Ausbildung am 24. September 1956. Als zusätzlicher Standort für die Ausbildung wurde fortan auch die Nellis Air Force Base in Nevada verwendet.

Die Ausbildung ging bis 1958 weiter, danach wurde der Fliegerhorst an die Luftwaffe übergeben und die amerikanischen Geschwader abgezogen.

Nutzung durch die Luftwaffe[Bearbeiten]

Nach der Übergabe des Flugplatzes an die deutsche Luftwaffe wurde in Penzing zuerst die Flugzeugführerschule A mit den Flugzeugtypen Fouga Magister und North American T-6 stationiert. Später folgte das Hubschraubertransportgeschwader 64 (kurz: HTG 64) mit seinen Bell UH-1D. Im Jahr 1971 wurde das Lufttransportgeschwader 61 (LTG 61) vom Neubiberg auf den Fliegerhorst verlegt; es ist seitdem Hauptnutzer des Fliegerhorsts. Im Jahr 1989 erfolgte schließlich die Verlegung der Flugabwehrraketengruppe 22 von Burbach auf den Fliegerhorst.

Im Rahmen des Fähigkeitstransfers der Hubschrauber zwischen Luftwaffe und Heer wurden die "Hueys" Ende 2012 an das Transporthubschrauberregiment 30 (THRgt 30) abgegeben. Seitdem unterhalten die Heeresflieger einige wenige UH-1D am Standort Penzing für SAR-Aufgaben in den Alpen vor.

Zur Zeit starten neben den Maschinen des LTG 61 und des THRgt 30 auch noch regelmäßig Flüge für Übungssprünge von Soldaten der Luftlande- und Lufttransportschule der Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt.

Es ist geplant den Fliegerhorst im Rahmen der Bundeswehrreform bis 2020 zu nutzen.[2]

Geplante Auflösung des Lufttransportgeschwaders[Bearbeiten]

Im Lufttransportgeschwader 61 sollten zunächst bis zum Jahr 2010 1.640 von 2.360 Stellen abgebaut werden.[3] Mit der Indienststellung des Transportflugzeugs Airbus A400M soll es aufgelöst werden.[4][5] Der Standort soll danach anderweitig militärisch genutzt werden.

Der Fliegerhorst[Bearbeiten]

Der Fliegerhorst wird von der deutschen Luftwaffe betrieben. Er besitzt eine Start- und Landebahn mit den Lande- und Startrichtungen 252° (westlich) und 072° (östlich). In der Landerichtung 25 ist ein Instrumentenlandesystem nach CAT I (kurz: ILS) installiert. Der Flugbetrieb wird von der örtlichen Flugverkehrskontrolle geleitet. Diese gliedert sich in Landsberg Tower und Landsberg Radar auf.

Die Start- und Landebahn[Bearbeiten]

Die Start- und Landebahn hat eine volle Länge von 2.251 Metern, wobei nur 2.066 Meter benutzbar sind. Sie besitzt mit den asphaltierten Schultern eine Breite von 60 Metern, wobei hier auch nur das mittlere betonierte Stück von 30 Meter Breite nutzbar ist. Sie hat eine maximale Neigung von 0,24 %. In der Verlängerung der Bahn befindet sich die Anflugbefeuerung, zu beiden Anflugrichtungen, welche als weißes, einseitig strahlendes Hochleistungsfeuer (kurz: AFLS) (NATO-Standard) ausgelegt ist. Zudem befinden sich zu beiden Anflugrichtungen noch sogenannte PAPI. Als Pistenrandbefeuerung befinden sich auf voller Länge der Bahn zweiseitig strahlende Hochleistungsfeuer.

Befeuerung des Fliegerhorst[Bearbeiten]

Die Nachtbeleuchtung des Fliegerhorstes gliedert sich in folgende Punkte:

  • Flugplatzleuchtfeuer: weiß/grün (Drehfeuer)
  • Rollwegbeleuchtung: blaues, rundstrahlendes Niederleistungsfeuer
  • Hindernisse: werden durch rote Beleuchtungseinrichtungen gekennzeichnet
  • Vorfelder: werden durch Hochleistungstrahler beleuchtet

Einheiten auf dem Fliegerhorst[Bearbeiten]

Auf dem Fliegerhorst sind verschiedene Einheiten der deutschen Luftwaffe stationiert:

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Flugsportgruppe Landsberg e.V. vom 09.06.2014
  2. Der Fliegerhorst in Penzing soll aber voraussichtlich noch bis 2020 in Betrieb bleiben.
  3. www.br-online.de vom 26. Januar 2008
  4. Deutscher Bundestag, Drucksache 16/6908 vom 5. November 2007.
  5. Assja Terseglav, Die Hoffnung stirbt zuletzt. LocalXXL vom 26. Januar 2008

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Akte zum 10. Mai 1940 im Stadtarchiv Freiburg: C 4/ XI/ 31/ 3, der städt. Hauptverwaltung Freiburg i. Br. Rubrik: Militärwesen, Betreff: Luftangriff am 10. Mai 1940, Heft 1 Jahr 40/43.
  • Heiko Haumann, Hans Schadek: Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau. Band 3, ISBN 3-8062-0857-3, S. 359ff.
  • Anton Hoch: Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte. 4, 1956, S. 115–144.
  • Anton Hoch: Aus Parlament und Zeitgeschichte. Nr. B XXI/56 vom 23. April 1956, S. 321–332.
  • Lokalverein Freiburg-Stühlinger (Hrsg.): Der Stühlinger: Festschrift zur 850-Jahrfeier der Stadt Freiburg im Breisgau. Freiburg 1970.
  • Lokalverein Freiburg-Stühlinger (Hrsg.): 100 Jahre Stühlinger: 1885–1985. Freiburg 1985
  • Gerd R. Ueberschär, Wolfram Wette: Bomben und Legenden. Die schrittweise Aufklärung des Luftangriffs auf Freiburg am 10. Mai 1940. Rombach, Freiburg i. Br. 1981, ISBN 3-7930-0292-6.
  • Gerd R. Ueberschär: Freiburg im Luftkrieg 1939–1945. Freiburg i. Br. 1990, ISBN 3-87640-332-4.