Franz Josef Wagner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Franz Josef Wagner (* 7. August 1943 in Olmütz) ist ein deutscher Boulevard-Journalist, Kolumnist und Schriftsteller. Seit 2001 schreibt er die Kolumne Post von Wagner bei Bild.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner wurde während des Zweiten Weltkrieges in Olmütz im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren als Kind Sudetendeutscher geboren. Er wuchs als Sohn einer Handarbeitslehrerin in Regensburg auf, wo er Sänger im Chor der Domspatzen war. Sein Vater, ein Lehrer, kehrte 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Wagner besuchte eine Klosterschule, bestand jedoch die Abiturprüfung nicht und verließ die Schule ohne Abschluss.[1] Danach hatte er einige Jahre Gelegenheitsjobs in Genf und Paris, bevor er ein Volontariat bei der Nürnberger Zeitung begann.

Anfang der 1960er Jahre arbeitete Wagner als Reporter für die Bild-Redaktion in München. Dort lernte er im Schelling-Salon den späteren RAF-Terroristen Andreas Baader kennen, mit dem er sich anfreundete.[2] Ab 1966 arbeitete Wagner beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg, unter anderem als Kriegsberichterstatter und Chefreporter für Bild.

1988 wechselte Wagner zum Hubert-Burda-Verlag in München.[3] Er war ab 1989 für die Illustrierte Bunte tätig und war von 1990 bis 1992 und 1993 bis 1996 deren Chefredakteur.[4] Dort entwickelte er zusammen mit Günter Prinz auch die Zeitschriften Elle und Superillu. 1991 folgte die Boulevardzeitung Super!, deren erster Chefredakteur er wurde.[5] Sie war als für Ostdeutschland konzipierte Konkurrenz zu Bild gedacht, wurde aber nach einem Jahr wieder eingestellt. Die Schlagzeile „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen“ vom 3. Mai 1991, dem zweiten Erscheinungstag, sorgte für Aufsehen. Medien bezeichneten die Zeitung als „Revolverblatt“.[6][7]

1996 druckte die Bunte unter Wagner ein von Günter Stampf geführtes, in weiten Teilen erfundenes Interview mit Tom Cruise über dessen angebliche Zeugungsunfähigkeit.[8] Cruise verklagte Burda auf 90 Millionen Mark, ließ die Klage jedoch fallen, nachdem mehrere Manager des Verlags bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren.[9] 1997 verließ Wagner den Burda-Verlag.[10] Ein Angebot von Springer-Chef Peter Tamm, Bild-Chefredakteur zu werden, hatte er abgelehnt.[11]

Im Juli 1998 kam Wagner zurück zum Springer-Verlag und wurde Chefredakteur von B.Z. und B.Z. am Sonntag.[4][12] Im Jahr 2000 verlor er seinen Posten als Chefredakteur, nachdem er in einem Artikel über Franziska van Almsick ehrverletzende Töne angeschlagen hatte. Die Schlagzeile auf der Titelseite lautete „Franzi van Speck – als Molch holt man kein Gold“.[13][14][15][16] Seit Anfang 2001 ist Wagner Chefkolumnist beim Springer-Verlag, eine Position, die eigens für ihn geschaffen wurde.[15]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner ist verheiratet und hat eine Tochter.[17] Er lebt in Berlin-Charlottenburg.[18] Er ist römisch-katholisch.[19]

Bücher und Kolumnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Schriftsteller verfasste Wagner vier Romane und eine Autobiographie. Er schrieb als Ghostwriter seit den 1980er Jahren für Bücher von Udo Jürgens,[20] Franz Beckenbauer und Boris Becker.[21]

Von 1999 bis 2005 schrieb er die Kolumne Wagners Welt in der Welt am Sonntag. Die erste Bild-Kolumne Post von Wagner erschien am 2. Januar 2001 unter dem neuen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und war an den Bundeskanzler Gerhard Schröder gerichtet.[22] Die Kolumne, die montags bis freitags auf Seite 2 der Bild erscheint, hat jeweils einen Adressaten und endet mit den Worten „Herzlichst, Ihr F. J. Wagner“. Für die Kolumne erhielt Wagner 2002 den vom Bauer-Verlag verliehenen Journalistenpreis Goldene Feder in der Kategorie „Print“.[21] 2011 schrieb Wagner eine an Deniz Yücel gerichtete Gastkolumne in der taz.[23]

Rezeption und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein charakteristischer Stil brachte Wagner den Spitznamen „Gossen-Goethe“ ein.[5][24][25][26] Der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher bezeichnete ihn als „Volksschriftsteller“.[19] Der Kolumnist Jan Fleischhauer bezeichnete Wagner 2020 als sein Vorbild.[27]

Das Satiremagazin Titanic bezeichnete Wagner als „Gaga-Kolumnisten“.[28] Der Stern-Chefredakteur Werner Funk bezeichnete Wagner als „Lügen-Wagner“.[10] Sein Führungsstil in der B.Z.-Redaktion wurde als chaotisch beschrieben und führte zu Kündigungen.[29] Die ihm kritisch gegenüberstehende taz schrieb zu seinem 60. Geburtstag: „Er gilt als cholerisch, viril, impulsiv, reaktionär, hysterisch, zynisch, chaotisch, mithin unerträglich.“[30] Häufige Kritik erhält Wagner im Bildblog und von dessen ehemaligem Betreiber Stefan Niggemeier.[31]

2009 wurde er wegen einer Beleidigung gegenüber Eva Herman durch zwei Instanzen zu Schadensersatz in Höhe von 10.000 Euro verurteilt. Anlässlich ihrer vielfach kritisierten Äußerungen zur Familienpolitik der Nationalsozialisten hatte er die Fernsehmoderatorin in seiner Bild-Kolumne als „dumme Kuh“ bezeichnet.[32] Im Januar 2014 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sei, Gabriele Pauli als „durchgeknallte Frau“ zu bezeichnen.[33]

Künstlerische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagners Kriminalroman Das Ding (1978) über einen Coup im Zusammenhang mit dem Austausch der 5-DM-Münzen im Jahr 1975 wurde ein Bestseller und 1979 von Uli Edel als Fernsehzweiteiler Das Ding verfilmt. 2006 wurde im NDR Fernsehen, SWR Fernsehen, auf 3sat und im Ersten eine Fernsehdokumentation mit dem Titel Ich bin Wagner – Du bist Deutschland als Zapp-Spezial ausgestrahlt.[34][35][36] 2012 adaptierte der Regisseur Patrick Wengenroth Wagners Buch Brief an Deutschland und Rainald Goetz’ Text Katarakt in einem Theaterabend am Berliner HAU 2.[37] 2019 parodierte der Autor Nils Markwardt Wagners Stil auf Twitter und in der taz in Briefen an Intellektuelle wie Hegel, Luhmann oder Kafka.[38] Der Autor Micky Beisenherz liest Wagners Kolumnen regelmäßig in seinem Podcast Apokalypse und Filterkaffee mit verstellter Stimme vor.[39]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ghostwriter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Jürgens: Smoking und Blue Jeans – Jahre eines Traumtänzers. Lübbe, Bergisch Gladbach 1984, ISBN 3-7857-0378-3
  • Franz Beckenbauer: Ich – Wie es wirklich war. C. Bertelsmann, München 1992, ISBN 3-570-02079-7
  • Boris Becker: Augenblick, verweile doch … Bertelsmann, München 2003, ISBN 3-570-00780-4

Autobiographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liebe Lehrer, liebe Eltern. In: Bild, 5. Januar 2008.
  2. Klaus Stern, Jörg Herrmann: Andreas Baader: das Leben eines Staatsfeindes. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2007, ISBN 978-3-423-24584-5, S. 50 (google.de [abgerufen am 14. August 2021]).
  3. Franz Josef Wagner, munzinger.de
  4. a b Franz Josef Wagner, kress.de
  5. a b Presse: Depp der Deppen, Burdas Revolverblatt Super ist drauf und dran, die Bild-Zeitung in Ostdeutschland zu überholen., spiegel.de, 39/1991, 23. September 1991
  6. Tod in Bernau und die „Super!“-Zeitung: Das Gespenst der Einheit, tagesspiegel.de, 3. Mai 2011
  7. „Ewig währender Zeitungskrieg“, spiegel.de, Der Spiegel 24/1991, 10. Juni 1991
  8. Peter Köpf: Die Burdas. Europa-Verlag, 2002, ISBN 978-3-203-79145-6, S. 285 (google.de [abgerufen am 14. August 2021]).
  9. Wagner, Brief an Deutschland, S. 90 ff.
  10. a b „Lügen-Wagner“ verläßt Burda. In: Die Tageszeitung: taz. 6. Oktober 1997, ISSN 0931-9085, S. 14 (taz.de [abgerufen am 14. August 2021]).
  11. Sibylle Zehle: Der geläuterte Teufel. In: Die Zeit. 24. Oktober 1997, abgerufen am 16. August 2021.
  12. Franz Josef Wagner soll Chefredakteur der BZ werden, horizont.net, 22. Juni 1998
  13. Helmut Schümann: Molch-Affäre: Folgen einer Überschrift, tagesspiegel.de, 21. September 2000
  14. Die Tiefen des Scheiterns, taz.de, 29. September 2000
  15. a b Axel Springer: „Gossen-Goethe“ wird Springer-Edelfeder, manager-magazin.de, 26. Oktober 2000
  16. FOCUS Online: Franzi-Kritiker ging baden. Abgerufen am 19. Juni 2021.
  17. Franz Josef Wagner: Was kann ich überhaupt?, faz.net, 3. Dezember 2001
  18. Dagmar von Taube: Franz Josef Wagner: Interview mit dem „Bild“-Kolumnisten über Frauen. In: DIE WELT. 31. Juli 2015 (welt.de [abgerufen am 22. August 2021]).
  19. a b «Was auf meinem Grabstein stehen soll? Lieber du wärst tot als ich». In: Basler Zeitung. ISSN 1420-3006 (bazonline.ch [abgerufen am 19. August 2021]).
  20. Max Wellinghaus: Udo Jürgens: Kleine Anekdoten aus dem Leben eines großen Musikers. Riva Verlag, 2016, ISBN 978-3-95971-121-0 (google.de [abgerufen am 18. Juni 2021]).
  21. a b Alexander Kühn: Franz Josef Wagner – Der Großstadt-Indianer. In: Stephan Alexander Weichert, Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten. Deutschlands Wortführer im Porträt. Herbert von Halem Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-938258-29-3, S. 358–365, hier S. 365 [1]
  22. "Bild": Einstand der neuen Springer-Chefs. Abgerufen am 16. August 2021.
  23. FRANZ JOSEF WAGNER: GASTKOMMENTAR VON „BILD“-KOLUMNIST FRANZ JOSEF WAGNER ZUR TAZ-SCHLAMPEN-DEBATTE: Post von Wagner an „Schlampen“-Yücel. In: Die Tageszeitung: taz. 16. Juli 2011, ISSN 0931-9085, S. 04 (taz.de [abgerufen am 19. August 2021]).
  24. Peer Schader: Bild dir deinen Reißwolf. In: Spiegel Online, 19. April 2006.
  25. Thomas Schuler: „Gossen-Goethe“ auf der Straße. In: Berliner Zeitung, 30. September 2000.
  26. Man nennt ihn „Gossen-Goethe“ In: Hamburger Abendblatt, 19. April 2006.
  27. How dare you. Vom Vorteil, eine eigene Meinung zu haben, wenn alle dasselbe denken, München, Siedler 2020, ISBN 978-3-8275-0140-0, S. 22.
  28. Arno Frank: Hurra, Berlin hat's gepackt. In: Titanic, Ausgabe Mai 2004.
  29. Dem Chefredakteur der "B. Z. ", Franz Josef Wagner, droht der Rauswurf: „Gossen-Goethe“ auf der Straße, berliner-zeitung.de, 30. September 2000
  30. Schöner scheitern mit Franz-Josef. In: Die Tageszeitung, 7. August 2003.
  31. Suchergebnisse für ‘franz josef wagner’ In: Bildblog.
  32. Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Köln, 28. Juli 2009 (Memento vom 22. November 2009 im Internet Archive), letzter Zugriff 18. März 2020
  33. Bundesverfassungsgericht: Gabriele Pauli nicht „durchgeknallt“ In: heise online, 21. Januar 2014.
  34. Peer Schader: TV-Porträt von Franz Josef Wagner: Bild dir deinen Reißwolf, spiegel.de, 19. April 2006
  35. TV-Tipp: Wagner-Porträt im NDR, kress.de, 19. April 2006
  36. Ich bin Wagner – Du bist Deutschland, 19. November 2006
  37. Kopf und Bauch der Republik. Abgerufen am 30. Juni 2019.
  38. Mit Essiggurken gegen Adorno. Abgerufen am 30. Juni 2019.
  39. 2020 in Podcasts – Was ich in einem Jahr so von der Welt gehört habe. In: Junge Medien Erfurt. 23. Dezember 2020, abgerufen am 15. Juli 2021.