Franziska Schreiber

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Franziska Schreiber (* 1990 in Dresden) ist ehemaliges Vorstandsmitglied der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der Alternative für Deutschland, sowie Autorin eines Buchs über ihre ehemalige Partei.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franziska Schreiber machte 2008 Abitur und wuchs nach eigenen Angaben in einem politisch linken Elternhaus auf.[1] Nach dem abgebrochenen Studium der Rechtswissenschaften studiert sie an einer Fernuniversität Politikwissenschaften. 2013 trat sie in die Alternative für Deutschland (AfD) ein und wurde ein Jahr darauf Vorsitzende der Jungen Alternativen (JA) in Sachsen und stellvertretende Pressesprecherin. 2017 wurde sie Mitglied im Bundesvorstand. Kurz vor der Bundestagswahl im September 2017 trat sie aus der AfD aus und empfahl öffentlich die Wahl der FDP. Seit ihrer Buchveröffentlichung Inside AfD: Der Bericht einer Aussteigerin werden ihre Aussagen in Bezug auf Kontakte der AfD zu Rechtsextremisten und einzelner AfD-Politiker mit dem Präsidenten des Bundesamt für Verfassungsschutz Hans-Georg Maaßen in Medienberichten zitiert.[2][3]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schreiber bezeichnet sich selbst als libertär[4] und Minarchistin.[5] Erste Bekanntheit erlangte sie im Mai 2015 durch einen Beitrag auf Facebook, in dem sie gegen das Gesetz zur Holocaustleugnung argumentierte, da sie für grenzenlose Meinungsfreiheit wäre. In einem Interview mit der Zeit Anfang 2017 vertrat sie weiterhin die Meinung, dass man „ekelhafte Sachen“ sagen dürfen sollte. Sie ergänzte jedoch, dass das Aufheben des entsprechenden Gesetzes in einer Zeit von steigendem Antisemitismus eine „Taktlosigkeit“ gewesen wäre und dass sie ihren Beitrag – eine „blöde Sache“ – bereue.[6] Sie kritisierte Anfang 2017 zudem „Multi-Kulti-Schmalz“ in der Handlung des Kinderfilms Bibi und Tina 4.[7]

Ihr Entschluss, die AfD zu verlassen, reifte nach Angaben der Berliner Morgenpost im September 2017 mit dem Antrag auf einer „Beistandserklärung mit dem Nahost-Staat“ Israel, welcher vom AfD-Parteitag in Köln mehrheitlich abgelehnt wurde. Schreiber – die sich schon per Twitter proisraelisch äußerte und in ihrem Autorenprofil in eigentümlich frei[8] als „Anarchokapitalistin, ehrenamtliche Israellobbyistin und Transhumanistin“ bezeichnet wird – erkannte demnach eine Strategie: „Höcke, Gauland und die anderen versuchen, mit möglichst radikalen Aussagen liberale Mitglieder aus der Partei zu drängen“. Sie wüssten, „dass sie mit den Moderaten innerparteilich keine Mehrheit bekommen.“ Ferner stimmt sie mit der Position Lindners überein, die von Russland okkupierte Krim „zunächst als dauerhaftes Provisorium“ anzuerkennen sowie beschäftige sich mit „Männerrechten“, wobei sie Kritikerinnen „Penisneid“ vorwarf. Sie plädierte zudem für das Recht von Frauen, Schusswaffen zur „Selbstverteidigung“ zu tragen und nannte dies als den „letzten notwendigen Schritt zur Emanzipation“.[9][10][7]

In Bezug zur Flüchtlingskrise sagte Schreiber im August 2018 in einem Fernsehinterview in Stern-TV: Der politische Slogan einer „Grenzöffnung“ seitens Angela Merkel wäre zu ihrer Zeit innerhalb der Partei gezielt erfunden worden: „Wir haben ganz bewusst das Narrativ gesetzt, dass Merkel die Grenzen geöffnet hätte. Das ist ja nie passiert. Das haben wir uns als Funktionäre in der AfD-Jugendorganisation ausgedacht.“ und verweist in dem Zusammenhang auf die geöffneten Binnengrenzen in der EU durch das Schengener Abkommen 1995 vor Merkels Amtszeit.[11]

Inside AfD: Der Bericht einer Aussteigerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mediales Aufsehen erregte ihr Buch Inside AfD: Der Bericht einer Aussteigerin, das im August 2018 im Europa Verlag veröffentlicht wurde. Darin beschreibt sie die AfD aus Sicht eines ehemals aktiven Parteimitglieds.[12] Ein zentraler Inhalt ist dabei, dass sich die AfD seit ihrer Gründung und während Schreibers aktiver Zeit durch Marginalisierung eines von ihr so bezeichneten liberalen Flügels radikalisiert habe und nun eine rechtsradikale Partei sei. Diese Radikalisierung habe ihren Ausstieg verursacht.[13]

Inhalt (Auszüge)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutschlandfunk zitierte einige Passagen Schreibers ihrer Veröffentlichung wie etwa: „Hier stand die wahre FDP, eine, dem Staat, dem System kritisch begegnende frische Partei. Sie wollte Bürgerbeteiligung einführen, Korruption bekämpfen, sie plädierte für Volksbefragungen“ und führte fort: „Ein Aufschrei derer, die nicht einverstanden sind mit dem Geschehen der vergangenen 28 Jahre, ein Hilferuf. […] Ohne Scham, ohne Rücksicht auf politische Korrektheit stellt die AfD sich dem übermächtigen arroganten System und den von ihr kontrollierten Medien.“ Nach dem Sturz Luckes stellte sie aber fest: „Wir sehnten Shitstorms geradezu herbei […] Wer trifft den provokantesten, gerade noch verfassungskonformen Ton? Wer erntet das lauteste Empörungsgeschrei? Es ging darum, ein Thema so auf die Spitze zu treiben, dass unsere Anhänger jubelten, die Presse sich maximal echauffierten […] und die Justiz keinen Anhaltspunkt fand.“ Heute bestehe die AfD nach Angaben Schreibers „zu 15 Prozent aus Neonazis, 20 Prozent Nationalromantischen mit Kaiserreichsaffinität und 15 Prozent Mitläufern. Dem steht ein gebeuteltes, zerstrittenes liberales Lager ohne charismatische Führung gegenüber. Wer soll die Rechten aufhalten?“[14]

In Huffington Post zitierte sie weitere Passagen aus ihrem Buch wie: „Wer eine andere Meinung äußert, ist offenbar fehlinformiert. Wer innerhalb der AfD eine andere Meinung äußert, ist Karrierist oder U-Boot“ und schildert Kontakte per Facebookgruppen zu Konservativen innerhalb der Unionsparteien CDU/CSU sowie der FDP. So sagte sie, dass die AfD Sachsen „schon immer“ über gute Kontakte mit einigen Landtagsabgeordneten der CDU Sachsen verfüge. Sie wüsste, dass die ostdeutsche CDU kaum „Berührungsängste hätte“. Heute sei die „AfD keine liberale Partei mehr, als die sie 2013 gegründet wurde, auch keine konservative. Sie ist reaktionär, und ein beträchtlicher Teil der Mitglieder ist extrem nationalistisch.“ Sie sei eine „Partei der gelebten Fremdenfeindlichkeit“ und lehne das „System” ab; ihre „maßgeblichen Führungsfiguren betreiben den Umsturz“, was viele Wähler bisher nicht ernst nehmen – wie offenbar auch Mitglieder der „Systemparteien“ und der „weiter schrumpfende Minderheit der eigentlich demokratisch gesinnten AfDler.“[15]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besondere Beachtung findet dabei ihre Behauptung, dass die ehemalige Parteivorsitzende Frauke Petry von Hans-Georg Maaßen, dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, beraten worden sei.[16] Diese Behauptung untermauerte sie nach dem Dementi des Bundesamtes mit einer eidesstattlichen Erklärung.[17][18] Die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach, der Verleger Götz Kubitschek und ein ehemaliger Mitarbeiter von Marcus Pretzell erklärten, juristisch gegen bestimmte Aussagen im Buch vorzugehen.[19] Kubitschek scheiterte dabei mit einem Antrag auf eine einstweilige Verfügung vor Gericht.[20] Auch der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner widersprach einer Aussage des Buches, dass er an die AfD gespendet haben soll.[21]

Das Buch belegte in der ersten Woche nach Erscheinung in der Spiegel Sachbuchbestsellerliste Hardcover Platz 37 und stieg in der zweiten Woche auf Platz 8.[22][23] Die erste Ausgabe wurde Ende August 2018 vergriffen.[24]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schreiber wird parteiintern aber auch in Pressekommentaren zum Teil vorgeworfen, Parteiaustritt und Buchveröffentlichung aus rein taktischen und machtpolitischen bzw. karrieristischen Aspekten vorgenommen zu haben, da sie ohne Frauke Petry keine Zukunft in der Partei hätte.[17][25]

David Begrech nannte in einer Buchkritik in Der Freitag ihre Enthüllungen weder exklusiv noch unbekannt und „Erfahrungen, Enttäuschungen und Entscheidungen“ so dargestellt, „dass der Einstieg in das rechte Milieu plausibel und sinnstiftend erscheint.“ Dieser würde mit dem „Verweis auf die eigene vormalige Naivität, die Umstände und Gelegenheitsstrukturen des eigenen Handelns“ reduziert. Auch inhaltlich bliebe Schreiber ein „nicht nur emotional-persönlich begründeten Bruch mit Ideologie und Praxis des skizzierten Milieus“ schuldig wie viele vor ihr. Was „in den Medien als Enthüllung durchgeht“, sei im Kern keine. Sie schildere „die Machtkämpfe rund um den Prozess der Radikalisierung der AfD zutreffend“, aber ordnet sie „politisch unzureichend“ ein. Zu sehr stünden „bei ihr die Charaktereigenschaften führender AfD-Funktionäre im Vordergrund.“ Eine politische Auseinandersetzung könne dies „nicht ersetzen.“ Etwa zur Mitte des Buches würde zudem klar, „dass die Autorin das Wechselwirkungsverhältnis zwischen neurechten Netzwerken und der AfD weder überblickt noch politisch einordnen kann.“[26]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franziska Schreiber. Europa Verlag, abgerufen am 10. August 2018.
  2. Siehe Monitor-Beitrag unter "Monitor"-Recherche: Schulterschluss der AfD mit Rechts. In: tagesschau.de. 6. September 2018, abgerufen am 7. September 2018.
  3. "Russland.TV"-Interview: AfD-Russlandliebe mit Franziska Schreiber. In: Russland.news. 2. September 2018, abgerufen am 7. September 2018.
  4. AfD-Politikerin steigt aus und warnt: Die Partei ist verloren. In: stern.de. 18. September 2017, abgerufen am 10. August 2018.
  5. FSWriter; Profil in Twitter; abgerufen am 17. September 2018
  6. Jana Simon, Jörg Burger: Junge AfD: Neue deutsche Welle. In: ZEITmagazin 52/2016. Archiviert vom Original am 7. Januar 2017; abgerufen am 10. August 2018.
  7. a b Kölner Stadtanzeiger: Franziska Schreiber AfD-Aussteigerin warnt vor völkischem Parteiflügel. Kölner Stadt Anzeiger, 18. September 2017, abgerufen am 16. August 2018.
  8. Autorenprofil in eigentümlich frei; abgerufen am 16. September 2018
  9. Martin Niewendick: AfD-Aussteigerin: „Die Partei ist verloren“. Morgenpost, 18. September 2017, abgerufen am 16. August 2018.
  10. Lara Thiede: Das ist... die AfD-Aussteigerin, die für die FDP wirbt. Jetzt.de, 19. September 2017, abgerufen am 16. August 2018.
  11. AfD-Aussteigerin bei "Stern TV": Merkels Grenzöffnung haben wir uns ausgedacht, Focus Online vom 31. August 2018
  12. Lazar Backovic: Buchtipp: „Inside AfD“ – Einblicke einer AfD-Aussteigerin. In: Handelsblatt. 2. August 2018, abgerufen am 9. August 2018.
  13. Christina Waechter: Franziska Schreiber über ihr Buch „Inside AfD“: „Die AfD befindet sich in einem Radikalisierungsprozess“. Interview. In: jetzt. 4. August 2018;.
  14. Peter Carstens: Franziska Schreiber: "Inside AfD"; Deutschlandfunk vom 3. September 2018; abgerufen am 16. September 2018
  15. Franziska Schreiber: Die AfD ist die Partei der gelebten Fremdenfeindlichkeit; Huffington Post vom 3. August 2018; abgerufen am 17. September 2018
  16. Kordula Doerfler: Buch von AfD-Aussteigerin: Hatte Frauke Petry Kontakte zum Verfassungsschutz? In: Berliner Zeitung. 8. August 2018, abgerufen am 9. August 2018.
  17. a b Severin Weiland: Franziska Schreiber: AfD-Aussteigerin versichert - Petry hat sich mit Verfassungsschutzchef getroffen. In: Spiegel Online. 8. August 2018, abgerufen am 9. August 2018.
  18. Maria Fiedler, Frank Jansen: Vorwürfe gegen den Verfassungsschutz: AfD-Aussteigerin attackiert Geheimdienstchef Maaßen. In: Der Tagesspiegel. 8. August 2018, abgerufen am 9. August 2018.
  19. Melanie Amann: Rechtspopulisten: AfD-Enthüllungsbuch soll juristisch gestoppt werden. In: Spiegel Online. 10. August 2018, abgerufen am 10. August 2018.
  20. Margarethe Gallersdörfer: AfD-Enthüllungsbuch: Rechter Verleger Kubitschek scheitert mit seinem Antrag. In: berliner-zeitung.de. 17. August 2018, abgerufen am 7. September 2018.
  21. Spende an die AfD? Das sagt Felix Baumgartner. In: vol.at. 10. August 2018, abgerufen am 16. August 2018.
  22. AfD-Enthüllungsbuch sorgt für Aufregung. In: buchreport.de. 15. August 2018, abgerufen am 7. September 2018.
  23. -Bestseller: Hardcover. In: Spiegel Online. Abgerufen am 7. September 2018.
  24. Die Frau, die den obersten Verfassungsschützer in Bedrängnis bringt; welt.de vom 25. August 2018, abgerufen am 15. September 2018
  25. Robert D. Meyer: Franziska Schreiber: Die mit der AfD bricht. In: Neues Deutschland. 8. August 2018, abgerufen am 10. August 2018.
  26. David Begrich: Nimm und Kauf! der Freitag, 16. August 2018, abgerufen am 16. August 2018.