Freihandelsabkommen der Europäischen Union

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Freihandelsabkommen der EU

Die Europäische Union hat mit folgenden Ländern Freihandelsabkommen abgeschlossen oder steht in Verhandlungen.

In Kraft getretene Freihandelsabkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staat Datum Anm. Beziehungen
AgyptenÄgypten Ägypten 2004 AA
AlbanienAlbanien Albanien 2009 SAA Beitrittskandidat
AlgerienAlgerien Algerien 2005 AA
AndorraAndorra Andorra 1991 Zollunion Andorra und die Europäische Union
Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina 2008 (interim), vollständig 2015 SAA Potentieller Beitrittskandidat
ChileChile Chile 2003
FaroerFäröer Färöer 1997 Autonome Entität von Dänemark
IslandIsland Island 1973 (EWR seit 1992) EWR Island und die Europäische Union
IsraelIsrael Israel 2000 AA
JordanienJordanien Jordanien 2002 AA
KosovoKosovo Kosovo 2016 SAA Potentieller Beitrittskandidat
LibanonLibanon Libanon 2003 AA
LiechtensteinLiechtenstein Liechtenstein 1973 EWR Liechtenstein und die Europäische Union
MazedonienMazedonien Mazedonien 2004 SAA Beitrittskandidat
MexikoMexiko Mexiko 2000 Details
MontenegroMontenegro Montenegro 2010 SAA Beitrittskandidat
MarokkoMarokko Marokko 2000 AA
NorwegenNorwegen Norwegen 1973 (EWR seit 1992) EWR Norwegen und die Europäische Union
Palastina AutonomiegebietePalästinensische Autonomiegebiete Palästinensische Autonomiegebiete 1997 AA
San MarinoSan Marino San Marino 1992 Zollunion San Marino und die Europäische Union
SerbienSerbien Serbien 2010 SAA Beitrittskandidat
SyrienSyrien Syrien 1978 Kooperationsabkommen[1]
SudafrikaSüdafrika Südafrika 2000
Korea SudSüdkorea Südkorea 2011 (vorläufig), vollständig 2015
SchweizSchweiz Schweiz 1973 EFTA Schweiz und die Europäische Union
TunesienTunesien Tunesien 1998 AA
TurkeiTürkei Türkei 1999 Zollunion Beitrittskandidat

Die EU ist seit 1995 Mitglied in der Welthandelsorganisation (WTO) und übt dort das Stimmrecht für alle ihre Mitgliedsstaaten aus. Sie ist damit auch Vertragspartner beim Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT), beim Allgemeinen Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS), und beim Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums (TRIPS)

Ausstehend und Vorläufige Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freihandelsabkommen, die zwar unterzeichnet, aber noch nicht von allen Vertragsparteien ratifiziert wurden, sind oftmals mit einer Klausel versehen, dass sie in diesem Zustand bereits „vorläufig" oder eingeschränkt zur Anwendung kommen. Ob diese Praxis juristisch korrekt ist, ist umstritten. So bezeichnet ein Gutachten des Europarechtlers Wolfgang Weiß die vorläufige Anwendung eines Abkommens „an den Parlamenten vorbei" als „verfassungsrechtlich und demokratiepolitisch unakzeptabel". Laut Verfassungsrechtler Heinz Mayer ist die Praxis aus österreichischer Sicht verfassungswidrig.[2][3]

Die Ratifikation der Freihandelsabkommen muss durch die Parlamente aller Vertragsparteien geschehen, das heißt allen zum Zeitpunkt der Unterzeichnung existierenden EU-Mitgliedsstaaten. So werden Abkommen, die vor 2013 unterzeichnet wurden, nicht vom kroatischen Parlament ratifiziert, kommen dort aber genauso zur Geltung.

Aktuell finden folgende Abkommen vorläufige Anwendung:

Staat Datum Art Ratifikationsstand
Costa RicaCosta Rica Costa Rica
El SalvadorEl Salvador El Salvador
unterzeichnet 2011[4]
vorläufige Anwendung seit Oktober 2013

[5]

AA 22/34[6]
GeorgienGeorgien Georgien unterzeichnet und vorläufige Anwendung seit 2014[7] AA 29/30[8]
HondurasHonduras Honduras
NicaraguaNicaragua Nicaragua
PanamaPanama Panama
unterzeichnet 2012
vorläufige Anwendung seit August 2013[9]
AA 22/34[6]
KolumbienKolumbien Kolumbien
PeruPeru Peru
unterzeichnet 2011[4]
vorläufige Anwendung seit August 2013[9]
- 26/30[10]
MoldawienMoldawien Moldawien unterzeichnet und vorläufige Anwendung seit 2014[11] AA 29/30[12]
UkraineUkraine Ukraine unterzeichnet März / Juni 2014[13]
vorläufige Anwendung seit 2016
AA 28/30

Ein 2009 unterzeichnetes Freihandelsabkommen mit der Elfenbeinküste wird vor der kompletten Ratifizierung keine vorläufige Anwendung finden. Seit September 2014 abgeschlossen sind die Verhandlungen für das Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) mit Kanada – ob es nach der Billigung durch das EU-Parlament vorläufig angewendet werden wird, ist Gegenstand von Debatten.

Wirtschaftspartnerschaftsabkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftspartnerschaftsabkommen werden mit den folgenden Teilen der AKP-Gruppe umgesetzt:

Staat Datum Anm. Ratifikationsstand
Karibische Gemeinschaft Karibische Gemeinschaft
Dominikanische RepublikDominikanische Republik Dominikanische Republik
unterzeichnet und vorläufige Anwendung seit 2008 - 27/43
KamerunKamerun Kamerun unterzeichnet 2009
vorläufige Anwendung seit 2014
Interimabkommen 14/29[14]
KomorenKomoren Komoren
MadagaskarMadagaskar Madagaskar
MauritiusMauritius Mauritius
SeychellenSeychellen Seychellen
SambiaSambia Sambia
SimbabweSimbabwe Simbabwe
unterzeichnet 2009
vorläufige Anwendung seit 2012
Interimabkommen 2/34[15]

In Verhandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Indien
  • ASEAN (Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam)
  • Golf-Kooperationsrat (Bahrain, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate)
  • Russland
  • Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela)
  • Japan
  • TiSA (USA, Kanada, Mexiko, Japan, Chile, Taiwan, Costa Rica, Hong Kong China, Island, Israel, Kolumbien, Koreanische Republik, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Panama, Paraguay, Peru, Schweiz und die Türkei)
  • USA: Seit 2013 verhandelt die EU mit den USA über ein Freihandelsabkommen (TTIP).

Mit Singapur hat die Europäische Union ihre Verhandlungen am 17. Dezember 2012 weitgehend abgeschlossen, es wurde jedoch noch nicht unterzeichnet.[16] Ebenso warten seit 2014 ausverhandelte Abkommen mit der Ostafrikanische Gemeinschaft Ostafrikanische Gemeinschaft, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft sowie den Staaten Botsuana, Lesotho, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Südafrika und Swasiland noch auf die Unterzeichnung.[17][18]

Gescheitert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cooperation Agreement between the European Economic Community and the Syrian Arab Republic
  2. Ceta vorläufig ohne Demokratie. In: taz.de. 28. März 2016, abgerufen am 6. April 2016.
  3. Günther Strobl: Handelspakt mit Kanada soll ohne Sanktus des Nationalrats in Kraft treten. In: derStandard.at. 6. April 2016, abgerufen am 6. April 2016.
  4. a b EU signs FTA
  5. Agreement establishing an Association between the European Union and its Member States, on the one hand, and Central America on the other
  6. a b Agreement establishing an Association between the European Union and its Member States, on the one hand, and Central America on the other. In: Agreements Database, Council of the European Union. Abgerufen am 6. April 2016.
  7. Assoziierungsabkommen EU-Georgien, EU-Parlament
  8. Association Agreement between the European Union and the European Atomic Energy Community and their Member States, of the one part, and Georgia, of the other part. In: Agreements Database, Council of the European Union. Abgerufen am 6. April 2016.
  9. a b EU FTA agreements with Colombia and Central America became effective August first
  10. Trade Agreement between the European Union and its Member States, of the one part, and Colombia and Peru, of the other part. In: Agreements Database, Council of the European Union. Abgerufen am 6. April 2016.
  11. Steckbrief Moldawien, EU-Parlament
  12. Association Agreement between the European Union and the European Atomic Energy Community and their Member States, of the one part, and the Republic of Moldova, of the other part. In: Agreements Database, Council of the European Union. Abgerufen am 6. April 2016.
  13. Politischer Teil im März 2014, wirtschaftlicher Teil Juni 2014 unterzeichnet. Quelle: Das Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine, tagesschau.de vom 22. Oktober 2015
  14. Interim agreement with a view to an Economic Partnership Agreement between the European Community and its Member States, of the one part, and the Central Africa Party, of the other part. In: Agreements Database, Council of the European Union. Abgerufen am 6. April 2016.
  15. Interim Agreement establishing a framework for an Economic Partnership Agreement between the Eastern and Southern Africa States, on the one part, and the European Community and its Member States, on the other part. Abgerufen am 6. April 2016.
  16. EU, Singapore ink free trade agreement, investvine.com (19. Dezember 2012)
  17. http://ec.europa.eu/trade/policy/countries-and-regions/regions/sadc/
  18. http://ec.europa.eu/trade/policy/countries-and-regions/regions/west-africa/