GE Wind Energy

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GE Wind Energy GmbH
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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1980
Sitz Salzbergen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Guido Schumacher, Aleksandar Sekulovic, Peter Gordon Wells
Mitarbeiterzahl 1700
Branche Windenergieanlagenhersteller
Website www.gerenewableenergy.com/de

Standort in Salzbergen
GE 2.75-120 bei Sindersdorf

Die GE Wind Energy GmbH (kurz auch: GE Wind) mit Sitz im niedersächsischen Salzbergen ist neben Pensacola in den USA der wichtigste Produktionsstandort für die Windenergieaktivitäten von General Electric. Sie gehört zur Sparte GE Renewable Energy mit Sitz in Paris, die zu den weltweit größten Herstellern von Windkraftanlagen an Land gehört und seit der Übernahme der Energiesparte von Alstom auch Offshore-Anlagen anbietet. Zu den Wettbewerbern gehören Vestas, Siemens Gamesa, Enercon, Nordex, Senvion und Goldwind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Windenergieanlagenhersteller entstand aus den ehemaligen Firmen Tacke Windtechnik (Deutschland) und Zond (1980 in den USA gegründet), die im Oktober 1997 von Enron aufgekauft worden waren. Nach der Enron-Insolvenz wurde deren Windsparte im Juni 2002 von General Electric übernommen.

Heutzutage werden in der deutschen Vertretung in Salzbergen jede Woche ungefähr 30 Anlagen hergestellt. Neben dem Standort in Deutschland wird auch in weiteren Ländern, unter anderem in den USA und China produziert, und nach Irland, Korea, Großbritannien, Taiwan, Japan, Frankreich, Australien, Neuseeland, Dänemark, Italien und Mexiko verkauft.

Im Jahr 2005 erzielte der Geschäftsbereich Energy weltweit einen Umsatz von fast 16,5 Mrd. US-Dollar und errichtete insgesamt 8500 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 7600 Megawatt und beschäftigt allein in Deutschland 740 und weltweit 1700 Mitarbeiter.

Im Jahr 2008 wurde die 10.000. 1,5-MW-Anlage gebaut und errichtet. Im September 2009 wurde der Übernahmevertrag mit dem norwegischen Hersteller Scanwind unterschrieben, um GE Wind den Eintritt in den Offshore-Markt zu eröffnen. Scanwind entwickelte getriebelose Anlagen für den Offshore-Betrieb mit 3,5 MW Leistung.

2012 verdrängte GE Wind den dänischen Hersteller Vestas auf dem Weltmarkt für Onshore-Windkraftanlagen auf den zweiten Platz. Durch das zunächst erwartete Auslaufen des Production Tax Credit erlebte der US-amerikanische Windenergiemarkt einen Boom. GE Wind konnte sich auf dem Heimatmarkt durchsetzen und errichtete in jenem Jahr 96 % seiner Anlagen in den USA.[1]

Im November 2014 wurde die 25.000. Windkraftanlage, eine GE 2.75-103, im niedersächsischen Windpark Uthlede errichtet.[2] Am 2. November 2015 wurde die Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric wirksam.[3] Die Übernahme schließt den von Alstom entwickelten Anlagen-Typ Haliade für den Offshore-Einsatz ein. Die Anlagen-Serie ECO für den Onshore-Einsatz wird seit der Übernahme nicht mehr aktiv vertrieben.

Gemessen an der neu installierten Leistung von 4900 Megawatt war GE Wind im Jahr 2017 nach Vestas, Siemens Gamesa und Goldwind weltweit der viertgrößte Hersteller bei Onshore-Windkraftanlagen[4] (2016 mit 6500 MW die Nummer zwei nach Vestas[5]; 2015 mit 5900 MW die Nummer drei nach Goldwind und Vestas[6]).

Im Oktober 2016 erwarb GE den Rotorblatthersteller LM Wind Power für 1,5 Mrd. Euro. Das Unternehmen soll aber operativ eigenständig bleiben und auch weiterhin Rotorblätter für andere Windkraftanlagenhersteller liefern.[7] Zum 28. November 2017 hat GE in 36 Ländern über 35.000 Windenergieanlagen an Land mit einer Leistung von insgesamt 60 GW errichtet.[8]

Anlagentypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GE Wind Energy fertigt und errichtet Anlagen für Onshore- und Offshore-Standorte.

Windenergieanlagen an Land (onshore)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1-MW-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlagentyp 1.7-100 1.7-103 1.85-82.5 1.85-87
Nennleistung (kW) 1700 1700 1850 1850
Rotordurchmesser (m) 100 103 82,5 87
Nabenhöhe (m) 80 / 96 80 / 96 121,25 80
Blattlänge (m) 48,7 50,2 40,3 42

2-MW-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei GE 2.75-120 mit 139 m Nabenhöhe bei Sindersdorf
Anlagentyp 2 MW-116 2 MW-127 2.5-120 2.75-120
IEC-Windklasse IIS / IIIS IIS / IIIS IIIS IIIS
Nennleistung (kW) 2000–2700 2200–2500 2500 2750
Rotordurchmesser (m) 116 127 120 120
Nabenhöhe (m) 80–94 89 85–139 85–139
Blattlänge (m) 56,9 62,2 60 60
  • Die 2.5-120 wurde Anfang 2013 offiziell vorgestellt und verfügt wieder über einen 2,5 MW leistenden doppelt gespeisten Asynchrongenerator (im Gegensatz zu einem Permanentmagnetgenerator bei den anderen Anlagen der 2,5-MW-Plattform). Sie ist speziell für Schwachwindstandorte bis zu 7,5 m/s durchschnittlicher Windgeschwindigkeit konstruiert und soll zunächst ausschließlich im Werk in Salzbergen in Niedersachsen produziert werden.[9] Die Anlage kann zudem mit einem Batteriespeicher ausgerüstet werden. Die Speicherkapazität liegt bei rund 50 kWh, die Konverterleistung des Speichersystems liegt bei 350 kW. Damit sind laut GE verschiedene Betriebsmodi möglich, wie z. B. die Verstetigung der Produktion, die Bereitstellung von Regelenergie und Speicherung von kurzfristig nicht benötigter Energie.[10] Der Prototyp wurde im Spätsommer 2013 im bayerischen Schnaittenbach aufgestellt.[11] Die Plattform hat mehrere Leistungssteigerungen erfahren. Höhere Nabenhöhen und größere Rotordurchmesser sind für Schwachwindstandorte vorgesehen.[12]
  • Die 2 MW-127-Serie wurde im Februar 2018 vorgestellt.[13]

3-MW-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GE 3.4-137 mit 180 m Nabenhöhe im Naturstromspeicher Gaildorf
Anlagentyp 3.2-103 3.2-130 3.4-130 3.4-137 3.6-137 3.8-130
Nennleistung (kW) 3200 3200 3400 3400 3600 3800
Rotordurchmesser (m) 103 130 130 137 137 130
Nabenhöhe (m) 70–98 85–134 85–134 110–164,5 110–164,5 85-164,5
Blattlänge (m) 50,2 63,7 63,7 67,2 67,2 63,7
  • Im September 2015 stellte GE auf der HUSUM WindEnergy mit der 3.2-130 eine für Mittelwind- bis Schwachwindstandorte vorgesehene Turbine vor. Die 3.2-130 hat 12 % mehr Rotorfläche und 20 % mehr Jahresenergieertrag gegenüber der GE 2.75-120.[14]
  • Bereits im November 2015 wurden die 3.4-130 und 3.4-137 vorgestellt.[15] Gegenüber der 2.75-120 stellt GE für die 3.4-137 eine um bis zu 24 % gesteigerte Erzeugungsleistung in Aussicht.
  • Im September 2016 stellte GE die 3.6-137 und 3.8-130 als Weiterentwicklungen für den europäischen Markt vor.[16]

4-MW-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2017 stellte das Unternehmen mit der GE 4.8-158 eine neuen Windkraftanlagentyp für mittlere bis schwächere Windstandorte vor. Die Onshore-Anlage verfügt bei einem Rotordurchmesser von 158 Metern über einen Nennleistung von 4,8 MW. Die Rotorblätter sind einteilig gefertigt und bestehen zum Teil aus CFK. Die Anlage ist konventionell mit Getriebe ausgestattet, als Generator kommt ein doppelt gespeister Asynchrongenerator zum Einsatz. Es sind vier Nabenhöhen zwischen 101 und 161 Metern wählbar. Ein Prototyp soll Ende 2018 installiert werden, die Serienfertigung Ende 2019 anlaufen.[17]

Anlagentyp 4.8-158
Nennleistung (kW) 4800
Rotordurchmesser (m) 159
Nabenhöhe (m) 101–161
Blattlänge (m) 77

Windenergieanlagen auf See (offshore)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prototyp der Haliade im Windkraftanlagentestfeld Østerild
Anlagentyp Haliade 150-6MW Haliade X12 MW
Nennleistung (kW) 6000 12.000
Rotordurchmesser (m) 150 220
Blattlänge (m) 73,5 107
Rotorfläche (m²) 17860 38000
Geschwindigkeit (U/min) 4–11,5 ?

Die Haliade ist durch Übernahme der Alstom-Energiesparte Teil des GE-Angebots geworden. Die Turbine setzt auf einen getriebelosen Direktantrieb mit einem permanenterregten Synchrongenerator.[18] Fünf Anlagen wurden 2016 im ersten Offshore-Windpark der USA, Block Island, errichtet.[19][20] 66 Anlagen dieses Typs sind im deutschen Offshore-Windpark Merkur vorgesehen.

Im März 2018 stellte GE einen neuen Offshore-Anlagentyp mit der Bezeichnung Haliade X12MW vor. Diese Anlage soll bei einem Rotordurchmesser von 220 Metern über eine Nennleistung von 12 MW verfügen, die Gesamthöhe bis zur Blattspitze soll 260 Meter betragen. Auf guten Offshore-Standorten soll sie laut GE bis zu 67 Mio. kWh pro Jahr produzieren und dabei einen Kapazitätsfaktor von bis zu 63 % erreichen. Verglichen mit der Haliade mit 6 MW sollen mit der neuen Turbine in einem 100-MW-Windpark in der deutschen Nordsee etwa 26 Mio. US-Dollar eingespart werden können. Der Prototyp der Haliade X12MW soll 2019 errichtet werden, die ersten Serienanlagen sollen ab 2021 gefertigt werden.[21][22]

Frühere Anlagen (Beispiele)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GE (früher: Tacke) TW 600a
Anlagentyp Anwendung Nennleistung (kW) Rotordurchmesser (m)
Tacke TW 600a onshore 600 46
1.5s onshore 1500 70,5
1.5sl(e) onshore 1500 77
1.5xle onshore 1500 82,5
1.6-82,5 onshore 1600 82,5
1.6-87 onshore 1600 87
2 MW-107 onshore 2200–2400 107
2.5xl onshore 2500 100
3.6 Offshore offshore 3600 104
4.1-113 offshore 4100 113

Vom Anlagentyp 1.5sle wurden 16.500 Anlagen errichtet. Vom Typ 1.5xle wurden 613 Anlagen errichtet (Stand Januar 2010). Im Oktober 2012 wurde im rumänischen Windpark Fântânele-Cogealac die 1000. Anlage vom Typ 2.5xl installiert.[23] Im vietnamesischen Windpark Bạc Liêu wurden bis 2015 insgesamt 62 GE 1.6-82,5 in Betrieb genommen. Die Anlagen sind küstennah (nearshore) errichtet worden.

Sieben Anlagen des Typs 3.6 Offshore wurden 2003 im irischen Windpark Arklow Bank (Phase 1) errichtet.[24]

Die 4.1-113 ist eine Weiterentwicklung der Scanwind 3.5 MW-Plattform. Die Turbine wird durch einen permanent erregten Synchrongenerator und ohne Getriebe direkt angetrieben. Der Prototyp wurde Ende des Jahres 2011 im schwedischen Göteborg errichtet.[25] Die Serienfertigung dieses Anlagentyps wurde jedoch nicht aufgenommen.[26]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vestas and GE were neck-and-neck for lead in wind’s record year. In: Bloomberg New Energy Finance. 18. April 2013, archiviert vom Original am 26. Februar 2016; abgerufen am 16. Februar 2016.
  2. GE erreicht mit 25.000 weltweit installierten Windenergieanlagen Meilenstein nachhaltiger Energieversorgung. 19. November 2014, abgerufen am 12. August 2016.
  3. GE schließt die Akquisition von Alstom Power und Alstom Grid ab. 2. November 2015, abgerufen am 28. November 2017.
  4. Vestas Keeps Lead in Onshore Wind, Siemens Gamesa Narrows Gap. In: Bloomberg New Energy Finance. 26. Februar 2018, abgerufen am 26. Februar 2018 (englisch).
  5. Vestas wieder Windweltmeister – Nordex erobert Top-10-Position. In: IWR. 23. Februar 2017, abgerufen am 25. Februar 2017.
  6. Goldwind verdrängt Vestas als Onshore-Marktführer. In: IWR. Abgerufen am 23. Februar 2016.
  7. GE acquires LM Wind Power. In: Windpower Monthly, 12. Oktober 2016, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  8. GE Renewable Energy hits 60 GW of global onshore wind installed capacity. 28. November 2017, abgerufen am 28. November 2017 (englisch).
  9. GE's Abate talks about new low wind turbine. In: Windpower Monthly, 1. Februar 2013, abgerufen am 3. Februar 2013.
  10. GE Adds Energy Storage to Its Brilliant Wind Energy Turbine. In: http://theenergycollective.com, 7. Mai 2013, abgerufen am 20. Juli 2013.
  11. GE installs first 2.5MW 120 turbine in Germany. In: Windpower Monthly, 4. September 2013, abgerufen am 4. September 2013.
  12. GE 2.75/2.5-120. GE Renewable Energy, abgerufen am 25. März 2015.
  13. GE's Enhanced 2 MW-127 Turbine Selected for 2.9 Gigawatts of Projects in North America. GE Renewable Energy, 7. Februar 2018, abgerufen am 1. Mai 2018 (englisch).
  14. GE präsentiert leistungsstarke 3.2-130 Windenergieanlage zur HUSUM Wind. GE Renewable Energy, 15. September 2015, abgerufen am 13. Februar 2017.
  15. GE präsentiert neue 3MW-Plattform zur EWEA. GE Renewable Energy, 20. November 2015, abgerufen am 12. August 2016.
  16. GE Renewable Energy präsentiert leistungsgesteigerte Anlagen der 3MW Onshore Wind Plattform. GE Renewable Energy, 29. September 2016, abgerufen am 13. Februar 2017.
  17. GE unveils 4.8MW turbine. In: Windpower Monthly, 12. September 2017, abgerufen am 12. September 2017.
  18. Haliade 150-6MW offshore wind turbine. GE Renewable Energy, abgerufen am 1. Mai 2018.
  19. This Giant Ship With Legs Must Be The Strangest Sight On The Atlantic - GE Reports. 20. Juli 2016, abgerufen am 8. August 2016 (amerikanisches Englisch).
  20. First offshore wind turbine installed in US. In: Windpower Offshore, 4. August 2016, abgerufen am 6. August 2016.
  21. GE-Windkraftriese mit 220-Meter-Rotor. In: Erneuerbare Energien. Das Magazin, 1. März 2018, abgerufen am 1. März 2018.
  22. GE unveils 12MW offshore turbine - updated. In: Windpower Offshore, 1. März 2018, abgerufen am 1. März 2018.
  23. 1000 Windenergieanlagen der 2.5-MW-Serie von GE installiert
  24. GE 3.6s Offshore - 4C Offshore. In: www.4coffshore.com. Abgerufen am 19. Februar 2016.
  25. 4C Offshore - GE 4.1-113, abgerufen am 11. März 2015.
  26. GE 4.1 turbine to be kept in operation. In: Windpower Monthly, 4. April 2014, abgerufen am 18. April 2018.