Gaëtane Thiney

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Gaëtane Thiney
Gaetane Thiney.jpg
Personalia
Geburtstag 28. Oktober 1985
Geburtsort TroyesFrankreich
Größe 170 cm
Position Angriff
Mittelfeld
Juniorinnen
Jahre Station
1992–2000 ASS Brienne-le-Château
2000/01 Olympique Saint-Memmie
Frauen
Jahre Station Spiele (Tore)1
2001–2006 Olympique Saint-Memmie 102 0(19)
2006–2008 USCCO Compiègne 039 0(25)
2008–2017 Juvisy FCF 189 (115)
2017– Paris FC
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)2
Frankreich U-19
2005–2007 Frankreich U-21 006 0(1)
2007– Frankreich 146 (57)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: Saisonende 2016/17

2 Stand: 9. April 2018

Gaëtane Thiney (* 28. Oktober 1985 in Troyes) ist eine französische Fußballspielerin. Die mittlerweile überwiegend im offensiven Mittelfeld eingesetzte Akteurin steht beim Paris FC unter Vertrag und gehört auch der französischen Nationalmannschaft an.

Vereinskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaëtane Thiney wuchs als jüngstes von drei Geschwistern auf und begann ihre sportliche Laufbahn als Kind bei der ASS Brienne-le-Château.[1] Im Jahr 2000 erhielt sie das Angebot des Fußballverbands FFF, regelmäßig im nationalen Nachwuchsleistungszentrum in Clairefontaine zu trainieren, was sie ebenso wie in den folgenden beiden Jahren ablehnte.[2] Stattdessen verpflichtete der Verein Olympique Saint-Memmie die 14-Jährige auf Empfehlung seiner Angreiferin Marinette Pichon, die ebenfalls in Brienne-le-Château gespielt hatte. In ihrer ersten Saison kam Thiney dort noch in einem Jugendteam zum Einsatz, aber ab 15 spielte sie praktisch ausschließlich in Olympiques Erstligafrauschaft. Als diese 2006 in die zweite Division abstieg, wechselte sie zur USCCO Compiègne. In Compiègne erwies sie sich zunehmend auch als beidfüßig torgefährliche und treffsichere Spielerin hinter den Sturmspitzen, und das sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liga, in die die USCCO 2007 abgestiegen war. Ihren Lebensunterhalt verdiente Gaëtane Thiney sich dort nach Abschluss eines sportwissenschaftlichen Studiums (in Frankreich als STAPS bezeichnet)[1] als Lehrerin an einer Grundschule.[3]

Seit dem Sommer 2008 trug sie den Dress des Juvisy FCF, eines der Top-Klubs Frankreichs. In der Saison 2010/11 stand sie mit den Franciliennes erstmals auch in der Champions League; dort gelangen ihr bei neun Einsätzen bis zum Viertelfinale vier Treffer. Im Mai 2012 wurde sie als beste französische Fußballerin mit einer „Trophée de l’UNFP“ der Spielergewerkschaft ausgezeichnet.[4] Im Frühjahr 2013 erreichte sie mit Juvisy das Halbfinale der UEFA Women’s Champions League; in diesem Wettbewerb hatte sie selbst zwei Treffer erzielt. Speziell in der Saison 2013/14 gelang Gaëtane Thiney auch als Torjägerin der endgültige Durchbruch an die französische Spitze, und das sowohl in der Nationalfrauschaft (15 Treffer bei 14 Einsätzen) als auch in der Liga, in der sie in 22 Spielen 25 Tore schoss und damit sogar die Nationalmittelstürmerin Marie-Laure Delie hinter sich ließ. Dementsprechend wurde Thiney 2014 erneut als beste Fußballerin Frankreichs mit einer UNFP-Trophäe ausgezeichnet und zudem von der FFF als saisonbeste Spielerin 2013/14 geehrt.[5] Thiney kommt bei eigenen Angriffen bevorzugt über die linke Seite, ist aufgrund ihrer Lauffreudigkeit darauf aber nicht fixiert und zudem eine Spielerin, die Duelle im gegnerischen Strafraum nicht scheut.
Auch wenn sie bisher mit ihren Vereinen noch keinen nationalen Titel gewonnen hat, hat sie den Avancen der finanzstarken Konkurrenten Olympique Lyon und Paris Saint-Germain widerstanden, im Sommer 2014 – zu diesem Zeitpunkt hat sie Sandrine Soubeyrand als Spielführerin ihres Klubs abgelöst – für weitere zwei Jahre[6] sowie 2016 erneut für eine Spielzeit bei Juvisy verlängert. Begründet hat Thiney dies damit,[2] dass sie ihre …

„Karriereentscheidungen stets danach getroffen [habe], was mich glücklich macht und bereichert. […] Juvisy ist ein Verein, dessen familiäre Werte mir am Herzen liegen.“

Ihre zugleich professionelle Einstellung zeigt sich unter anderem daran, dass sie neuerdings darauf verzichtet, in der Winterpause dem Skisport nachzugehen, obwohl ihr diese Entscheidung sehr schwer gefallen ist.[7]

Hauptberuflich arbeitet Gaëtane Thiney seit Anfang 2012 für den französischen Fußballverband FFF, bei dem sie sich vorrangig um die Entwicklung des Mädchenfußballs an den Schulen kümmert.[8] Seit Oktober 2014 kommentiert sie außerdem regelmäßig bei dem Pay-TV-Sender Canal + Spiele der Ligue 1 und der Champions League der Männer, wo ihre offenen Worte ebenso wie ihre analytischen Fähigkeiten geschätzt werden.[3] Schließlich fungierte sie 2016 bei der Männer-Europameisterschaft im eigenen Land als Botschafterin des offiziellen Turniertransportunternehmens SNCF.[2]

Als der Juvisy FCF 2017 mit dem Paris FC fusionierte, vollzog sie diesen Schritt mit und verlängerte dort ihren Vertrag bis 2019.[9]

Die Nationalspielerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thiney (Oktober 2013)

Mit der französischen U-19-Nationalmannschaft gewann Gaëtane Thiney 2003 die Europameisterschaft in Deutschland. Von 2005 bis 2007 bestritt sie sechs Spiele (ein eigener Treffer) in Frankreichs U-21-Auswahl.[10] 2005 in der Türkei und 2007 in Thailand hatte sie zudem zur französischen Studentinnenauswahl bei den jeweiligen Sommer-Universiaden gehört.[11]

Am 28. Februar 2007 debütierte sie in einem Spiel gegen China in der A-Nationalmannschaft, und auf den Tag genau fünf Jahre nach ihrem Debüt trug Gaëtane Thiney zum ersten Mal die Spielführerinnenbinde.[12] Ihr erstes großes Turnier mit der A-Elf war die EM 2009 in Finnland. Sie stand auch im französischen Aufgebot für die Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland, kam dort in allen sechs Begegnungen der Bleues zum Einsatz, erzielte dabei zwei Treffer – beide beim 4:0 gegen Kanada – und schloss das Turnier als WM-Vierte ab. Ihr zweites Tor gegen Kanada wurde anschließend für die Wahl zum Tor des Turniers nominiert.[13]

In der Saison 2011/12, die die Bleues mit 17 Siegen in 17 Begegnungen (einschließlich der Vorbereitungsspiele im Juli 2012) abschlossen, war sie die einzige Spielerin, die Trainer Bruno Bini in sämtlichen Partien in der Startformation berücksichtigte. Sie gehörte zum französischen Olympiaaufgebot 2012 und bestritt auch bei diesem Turnier alle sechs Begegnungen der Bleues. Ebenso berief Trainer Bini sie in das EM-Aufgebot 2013 und setzte sie in Schweden in sämtlichen vier Begegnungen in Frankreichs Startformation ein. Anschließend wählte die UEFA Thiney in das All-Star-Team dieses Turniers.

Gaëtane Thiney vor der Abreise der Bleues aus dem Teamquartier bei der EM 2017

Anfang März 2014 fand Thiney beim Spiel gegen Schottland anlässlich des Zypern-Cups Aufnahme in den „internationalen 100er-Klub“,[14] zwei Monate darauf auch in die weltweite Liste der Top-Torjägerinnen. Mit ihren 13 Treffern in der Qualifikation für die WM 2015 war sie zusammen mit drei anderen Spielerinnen Europas erfolgreichste Angreiferin in der Gruppenphase. Sie gehörte auch zum Kader für die Weltmeisterschaft 2015, bei der sie zwar sämtliche fünf Partien bestritt, die letzten drei allerdings nur als Einwechselspielerin, weil Bini-Nachfolger Philippe Bergeroo nach der Vorrundenniederlage gegen Kolumbien auf die Doppelspitze Le Sommer/Delie setzte. Dagegen gehörte sie im September 2015 zwar wiederum zum französischen Aufgebot, wurde von Bergeroo aber keine Minute eingesetzt; im Oktober des Jahres stand sie dann nicht einmal mehr auf der 23er-Liste für zwei Begegnungen der Bleues. Diese faktische Ausbootung, die für ein erhebliches Medienecho sorgte, begründete der Trainer zunächst lapidar mit den Worten, er sei „nicht dazu da, sich beliebt zu machen“.[15] Nachdem die Kritik an dieser Entscheidung nicht nachließ,[16] schob er als Begründung nach, dass Thiney im Verein inzwischen nicht mehr in der vordersten Spitze, sondern etwas zurückgezogen agiere, er aber Spielerinnen mit Torjägerqualitäten benötige, die er eher in den sehr jungen Frauen Léger, Gauvin, Le Bihan und Diani zu finden glaube.[17] Angesichts deren geringer Durchschlagskraft bei der 1:2-Heimniederlage gegen die Niederlande – Frankreichs Treffer erzielte eine defensive Mittelfeldakteurin – musste Bergeroo sich erneut entsprechende Fragen der Medienvertreter gefallen lassen.[18] Das Thema beschäftigte die Medien auch in der Folgezeit; ein Artikel von Anfang 2016 in France Football legt die Vermutung nahe, dass der Trainer Thiney das Auslassen einer großen Torchance in der Verlängerung des WM-Viertelfinalspiels gegen Deutschland nicht verziehen habe.[19]

Trotz einer möglichen Enttäuschung darüber, nicht einmal in dem vorläufigen 28er-Aufgebot für das olympische Turnier 2016 Berücksichtigung zu finden, erklärte die Spielerin in den sozialen Medien, sie werde ihre „Entschlossenheit, Lächeln und Form mit dem ‚Ziel Weltmeisterschaft 2019‘ bewahren“.[20] Und nachdem Bergeroo aufgrund des mangelnden Olympia-Erfolgs der Französinnen vorzeitig entlassen worden war, berief sein Nachfolger Olivier Echouafni Thiney wieder in die A-Mannschaft und setzte sie bei seinem eigenen Debütmatch im September nach 15-monatiger Unterbrechung sogleich wieder in der Startformation ein. Diese Entscheidung begründete er mit den Worten „Diese Auswahl erscheint mir naheliegend. Meine Kriterien richten sich nach den gezeigten Leistungen. Und wenn man jemanden hat, der bereits zweimal als beste Spielerin der Saison ausgezeichnet worden ist, muss sie gewiss über Qualitäten verfügen.“.[21] Folgerichtig zählte sie 2017 auch zu Frankreichs Europameisterschaftskader. Als Echouafni anschließend von seiner Funktion entbunden und durch Corinne Diacre ersetzt wurde, die einen erheblichen personellen Umbruch angekündigt hatte, fehlte Thiney in deren ersten Aufgeboten wiederum. Auf diese neuerliche Nichtberücksichtigung reagierte sie mit neun Treffern und vier Assists in acht Punktspielen, womit sie Anfang November 2017 die torgefährlichste Französin der Liga war. Nicht nur deswegen formulierte die Frauenfußballseite footofeminin.fr Mitte November 2017 in einer gründlichen Analyse des französischen Pools an Nationalspielerinnen, Thiney sei sportlich eine „legitime Wahl“ für die Trainerin.[22] Im März 2018 stand sie dann folgerichtig wieder in Diacres 23er-Kader für den SheBelieves Cup, wo sie in Frankreichs Auftaktspiel gegen England in der 61. Minuten eingewechselt wurde, nach einer Viertelstunde den Ehrentreffer der Bleues markierte und drei Tage später gegen die USA ebenso über die gesamten 90 Minuten auf dem Platz mitwirkte wie beim anschließenden 3:0-Erfolg über Deutschland. In dieser letzten Turnierpartie – dem bis dato höchsten Sieg gegen die Deutschen – war sie als Vorlagengeberin an allen drei Treffern beteiligt.[23]

In ihren bisher 146 Länderspielen erzielte Gaëtane Thiney insgesamt 57 Tore (Stand: 9. April 2018); damit ist sie international die viertbeste französische Torschützin aller Zeiten.

Palmarès[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Französische Vizemeisterin: 2010, 2012
  • Beste Spielerin der Division 1 (Trophée UNFP): 2012, 2014
  • Spielerin der Saison (Challenge FFF): 2013/14
  • Torschützenkönigin der Division 1: 2014
  • Wahl in das All-Star-Team der Europameisterschaft 2013
  • Olympiateilnehmerin: 2012
  • U-19-Europameisterin: 2003

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gaëtane Thiney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b nach Thineys Datenblatt bei edf-foot.skyrock.com
  2. a b c siehe das Interview „Gaëtane Thiney, SNCF-Botschafterin für die Euro 2016“ vom 25. Juni 2015 bei footofeminin.fr
  3. a b nach dem Artikel „Dix choses à savoir sur Gaëtane Thiney“ in France Football vom 17. Juni 2015, S. 49
  4. siehe den Artikel bei footofeminin.fr
  5. Zur UNFP-Trophäe siehe die Meldung vom 11. Mai, zur Verbandsauszeichnung den Artikel vom 21. Juni 2014, beide bei footofeminin.fr
  6. siehe den Artikel „Ich habe nicht lange gezögert“ vom 13. Mai 2014 bei footofeminin.fr
  7. nach „Eine Pause, die zeitlich passend kommt“ bei lest-eclair.fr vom 1. Januar 2017
  8. siehe den Artikel vom 31. Januar 2012 auf der Verbandsseite
  9. nach der Übersicht vom 30. August 2017 bei footofeminin.fr
  10. siehe das Datenblatt ihrer U-21-Länderspiele bei footofeminin.fr
  11. siehe den Turnierüberblick „14 Jahre lang musste darauf gewartet werden“ vom 14. Juli 2015 bei footofeminin.fr
  12. siehe den Artikel „Erste Kapitänsbinde für Gaëtane Thiney“ auf der Verbandsseite
  13. FIFA.com: Tor des Turniers
  14. siehe den Bericht über diese Begegnung bei footofeminin.fr
  15. nach dem Artikel „Die Liste für die Niederlande und Ukraine ohne Thiney“ vom 13. Oktober 2015 bei footofeminin.fr
  16. Artikel „Thiney, eine Abwesenheit, über die gesprochen wird“ vom 14. Oktober 2015 bei lequipe.fr
  17. nach „Ein sehr kompliziertes Spiel“ vom 23. Oktober 2015 bei footofeminin.fr
  18. siehe „Bergeroo: ‚Vor dem gegnerischen Tor muss man Killerinstinkt zeigen‘“ vom 25. Oktober 2015 bei footofeminin.fr
  19. Artikel „L’Olympe des filles“, France Football vom 6. Januar 2016, S. 19; vielschichtiger untersuchte William Commegrain im Artikel „Gaëtane Thiney, aus der Nationalelf ausgemustert oder verbannt?“ vom 20. Januar 2016 bei lesfeminines.fr die Gründe für Bergeroos Abwendung.
  20. Artikel „Gaëtane Thiney bekennt ihre Enttäuschung“ vom 21. Juni 2016 bei lequipe.fr; ein halbes Jahr später äußerte Thiney rückblickend, sie „hätte es vorgezogen, in Brasilien dabei zu sein“, sei aber „weder enttäuscht noch frustriert“ über ihre Nichtberücksichtigung gewesen – dieses Zitat nach „Eine Pause, die zeitlich passend kommt“ bei lest-eclair.fr vom 1. Januar 2017.
  21. aus der Presseerklärung des Trainers vom 15. September 2016 bei footofeminin.fr
  22. In Erwartung des Aufgebots: Ein Kader zwischen Kontinuität und Erneuerung“ vom 14. November 2017 bei footofeminin.fr
  23. Artikel „Historischer Erfolg gegen Deutschland“ vom 8. März 2018 bei footofeminin.fr