Großschweidnitz

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Großschweidnitz führt kein Wappen
Großschweidnitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großschweidnitz hervorgehoben
Koordinaten: 51° 4′ N, 14° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs­gemeinschaft: Löbau
Höhe: 304 m ü. NHN
Fläche: 7,47 km2
Einwohner: 1345 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 180 Einwohner je km2
Postleitzahl: 02708
Vorwahl: 03585
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 150
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ernst-Thälmann-Str. 63
02708 Großschweidnitz
Webpräsenz: grossschweidnitz.de
Bürgermeister: Jons Anders
Lage der Gemeinde Großschweidnitz im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Oberlausitz) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Ort) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Großschweidnitz (obersorbisch Swóńca) ist eine sächsische Gemeinde im Landkreis Görlitz. Sie liegt südlich der Stadt Löbau, zu deren Verwaltungsgemeinschaft sie gehört.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Großschweidnitz
Viadukt über den Höllengrund
Panoramaansicht von Großschweidnitz von Löbau-Süd, Vordergründig Ansicht der Wohnsiedlungen von Großschweidnitz mit Blick auf das Sächsische Krankenhaus

Der als Waldhufendorf gegründete Ort Großschweidnitz zieht sich in der Talaue des Großschweidnitzer Wassers vom Höllengrund, der Einmündung der Litte bis zur Grenze Kleinschweidnitz hin. Er ist von Grünflächen sowie umfangreichem und zum Teil altem Baumbestand durchsetzt. Das sich nach Nordosten anschließende Gebiet von Kleinschweidnitz hat unregelmäßige, ungleiche und blockartige Grundstücke mit verstreut liegenden Häusern. Untypisch für die Oberlausitz gibt es im Ort kaum Umgebindehäuser, aber eine große Dorfschule, sehr viele villenähnliche Bürgerhäuser und ein schönes Eisenbahnviadukt aus der Zeit um 1900. Anziehungspunkt für Wanderer ist der „Höllengrund“, ein sagenumwobenes Felsental mit Bergbach und einem einsamen „Waldhaus“.

Großschweidnitz besteht aus den zwei Ortsteilen Großschweidnitz und Kleinschweidnitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte von Oberreit mit Großschweidnitz um 1845

Groß- und Kleinschweidnitz wurden erstmals 1306 urkundlich als zwei getrennte Dörfer erwähnt. Großschweidnitz war ursprünglich ein reines Bauerndorf, in dem im 18. und 19. Jahrhundert das Mühlenhandwerk Einzug hielt. In Groß- und Kleinschweidnitz gab es zwölf Wassermühlen und eine Windmühle, aber kaum den Erwerbszweig der Handweberei. Über drei Jahrhunderte wurde das dörfliche Leben durch zwei Rittergüter geprägt. Das Ortsbild von Großschweidnitz ist vielgestaltig und spiegelt in der Bebauung die Entwicklung des Dorfes wider.

Mit dem Bau der Duncan’s Leinenindustrie 1869/70 und Heil- und Pflegeanstalt (heute Sächsisches Krankenhaus) von 1902 bis 1904 kam es verstärkt zum Häuser- und Siedlungsbau und damit auch zum Bevölkerungszuwachs von Groß- und Kleinschweidnitz. Die Heil- und Pflegeanstalt selbst wurde im Pavillonstil auf einem etwa 30 ha großen Areal errichtet. Die aufwendig restaurierten, gelben Klinker- und andere Bauten des Krankenhauses stehen in einer weitestgehend zaunlosen Parklandschaft. Sie sind eines der größten Baudenkmäler östlich von Dresden.

Die Kirche im Sächsischen Krankenhaus Großschweidnitz

Die im Jahr 1904 fertiggestellte und in den letzten Jahren umfassend restaurierte Kirche prägt maßgeblich das Dorfbild. Die Entstehung des Bleichereibetriebes und der Anstalt veränderte die Bevölkerungsstruktur des Dorfes wesentlich. Immer mehr Industriearbeiter, Krankenhauspersonal und Gewerbetreibende wurden ansässig. 1937 erfolgte der Zusammenschluss der beiden Gemeinden Groß- und Kleinschweidnitz zur Gemeinde Großschweidnitz mit einer zentral gelegenen Gemeindeverwaltung.

Im Sächsischen Krankenhaus Großschweidnitz kam es im Zusammenhang mit der Aktion Brandt, der zweiten Phase der nationalsozialistischen „Euthanasie“ zur Tötung von über 5.000 Kranken (Dissertation Krumpolt), unter denen sich auch 192 Frauen und Männer befanden, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden waren. Auf dem Friedhof wurde ein Gedenkstein, gestaltet von dem Bildhauer D. Hermann, für Opfer errichtet. Ein Opfer der Euthanasiemorde war Marianne Schönfelder aus Dresden, die Tante des Malers Gerhard Richter.

Ortsnamenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname veränderte sich von 1306: Gunzelinus de Swoynitz, 1306: ambae (=lat. beide) Sweynicz, 1374: Große Swoynicz, 1419: Swoynitz magnum, Sweynicz, 1420: Großen Sweydnitcz, 1471: Grosse Swoynicz, 1478: Große Swenitz, 1569: Groß Schweidnicz, 1816: Groß Schwei(d)nitz[2] bis zu Großschweidnitz.

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1777: Bautzener Kreis, 1843: Landgerichtsbezirk Löbau, 1856: Gerichtsamt Löbau, 1875: Amtshauptmannschaft Löbau, 1952: Kreis Löbau, 1994: Landkreis Löbau-Zittau, 2008: Landkreis Görlitz

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[2]
1777 13 besessene Mann,
6 Gärtner, 28 Häusler,
2 Wüstungen
1834 471
1871 660
1890 665
1910 1.596
1925 1.695
1939 2.545
1946 2.577
1950 3.083
1964 3.031
1990 1.777
2000 1.514
2008 1.388
2009 1.356
2012 1.338
2013 1.340

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 gingen alle 12 Sitze des Gemeinderates an die Kandidaten der Wählervereinigung Vereine Großschweidnitz (Stimmenanteil 100 %). Die Wahlbeteiligung lag bei 48,7 Prozent.[3]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Friedhof der Euthanasie-Opfer

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großschweidnitz liegt an der Bahnstrecke Zittau–Löbau; allerdings fahren hier keine Personenzüge.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festchronik: 700 Jahre Großschweidnitz. Großschweidnitz 2006.
  • Dick de Mildt (Hrsg.): Staatsverbrechen vor Gericht, Festschrift Christiaan Frederik Rüter zum 65. Geburtstag. University Press, Amsterdam 2003.
  • Jürgen Schreiber: Ein Maler aus Deutschland: Gerhard Richter. Das Drama einer Familie. Pendo-Verlag, München 2005, ISBN 3-86612-058-3
  • Krumpolt, Holm: „Die Auswirkungen der nationalsozialistischen Psychiatriepolitik auf die sächsische Landesheilanstalt Großschweidnitz im Zeitraum 1939–1945“, Dissertation der Universität Leipzig, 1995.
  • Cornelius Gurlitt: Großschweidnitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 34. Heft: Amtshauptmannschaft Löbau. C. C. Meinhold, Dresden 1910, S. 176.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großschweidnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Großschweidnitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014