Guido Wolf

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Guido Wolf (2013)

Guido Wolf (* 28. September 1961 in Weingarten, Landkreis Ravensburg) ist ein deutscher Jurist und Politiker (CDU). Er war von 2015 bis 2016 Landtagsfraktionsvorsitzender der CDU Baden-Württemberg und somit Oppositionsführer. Außerdem war er Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016. Seit Mai 2016 ist er im Kabinett Kretschmann II Minister für Justiz und Europaangelegenheiten.

Wolf gehört dem Landtag von Baden-Württemberg seit 2006 als Abgeordneter an. Außerdem war er von 2003 bis 2011 Landrat des Landkreises Tuttlingen und von 2011 bis 2015 baden-württembergischer Landtagspräsident.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolf wuchs in Weingarten auf und bestand das Abitur am Spohn-Gymnasium in Ravensburg. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft an der Universität Konstanz. Nach dem Referendariat im Landgerichtsbezirk Ravensburg, beim Landratsamt Ravensburg sowie beim Regierungspräsidium Tübingen absolvierte er an der Konstanzer Universität ein Vertiefungsstudium in „Verwaltung und Finanzen“. Das zweite juristische Staatsexamen folgte im Jahr 1988.

Nach dem Ende seiner juristischen Ausbildung arbeitete Wolf bis 1991 zunächst beim Landratsamt Tuttlingen als Dezernent für Öffentliche Sicherheit, Ordnung und Verkehr. Anschließend arbeitete er bis 1992 als persönlicher Referent und Büroleiter für den baden-württembergischen Verkehrsminister Thomas Schäuble. Danach war er zwei Jahre bis Ende 1994 als Richter am Verwaltungsgericht Sigmaringen tätig. Von Januar 1995 bis Oktober 1996 folgte eine Tätigkeit als Referatsleiter in der Grundsatzabteilung des baden-württembergischen Staatsministeriums.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister und Landrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Wirkung zum 1. November 1996 wurde Wolf in Nürtingen vom Gemeinderat zum Ersten Bürgermeister (Beigeordneter) gewählt.

Am 21. November 2002 wählte der Kreistag des Landkreises Tuttlingen Wolf zum Landrat als Nachfolger von Hans Volle. Dieses Amt trat er im Januar 2003 an. 2010 wurde er mit 44 von 46 Stimmen wiedergewählt, Wolf war einziger Kandidat. Er wollte die Amtszeit für die Weiterentwicklung der Kreiskliniken, die Sicherung des Bildungsstandorts und den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn nutzen.[1] Als Landrat setzte Wolf sich für eine teilweise privat finanzierte Reformhochschule in Tuttlingen ein, und (als dieses Vorhaben scheiterte) für die Ansiedlung einer Außenstelle der Hochschule Furtwangen in Tuttlingen zum Wintersemester 2009/2010.

Landtagsabgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Landtagswahl 2006 wurde Wolf außerdem im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen mit 46 Prozent[2] als direkt gewählter Abgeordneter in den baden-württembergischen Landtag gewählt. Er war während der 14. Wahlperiode Mitglied des Innen- sowie des Sozialausschusses. In der CDU-Landtagsfraktion war Wolf außerdem arbeitsmarktpolitischer Sprecher.

Bei der Landtagswahl 2011 konnte Wolf mit 46,3 Prozent im Vergleich zur vorangegangenen Wahl gegen den Landestrend – die CDU verlor 5,2 Prozentpunkte bzw. fast 12 Prozent – sogar leicht zulegen. Im neuen Landtag war Wolf zunächst Mitglied in folgenden Ausschüssen: Finanz- und Wirtschaftsausschuss, Innenausschuss, Vorsitzender des Finanz- und Wirtschaftsausschusses. In der CDU-Landtagsfraktion war er Mitglied der Arbeitskreise „Finanzen und Wirtschaft“ sowie „Innenpolitik“ und Sprecher für Angelegenheiten des öffentlichen Dienstes.

Am 27. Januar 2015 wurde Wolf zum Fraktionsvorsitzenden der CDU gewählt.[3]

Sein Wahlkreisbüro unterhält Wolf zusammen mit Volker Kauder, dem ehemaligen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in Räumen des Bahnhofs Tuttlingen.

Landtagspräsident[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Oktober 2011 wurde Wolf von 109 der 138 Abgeordneten zum neuen Landtagspräsidenten gewählt. Daraufhin stimmte am 10. November 2011 der Kreistag des Landkreises Tuttlingen Wolfs Antrag auf Entlassung aus dem Amt des Landrats zu.[4] Er gab sein Amt als Landtagspräsident im Januar 2015 wegen seiner Spitzenkandidatur auf.

Spitzenkandidat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolf 2015 nach seiner Wahl zum CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2016

Die CDU-Mitgliederbefragung Ende 2014 gewann Wolf mit 55,9 Prozent der Stimmen gegen Thomas Strobl. Auf dem 66. Landesparteitag der CDU Baden-Württemberg am 24. Januar 2015 in Ulm wurde er mit 93,8 Prozent der Delegiertenstimmen zum Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2016 gewählt.[5] Bei dieser verlor die CDU unter seiner Führung 12 Prozentpunkte und erhielt nur noch 27 Prozent der Wählerstimmen, das schlechteste Ergebnis der CDU in Baden-Württemberg überhaupt, und wurde hinter Bündnis 90/Die Grünen zweitstärkste Partei, was in den Medien als „desolates“ Ergebnis gewertet wurde.[6]

Justizminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 12. Mai 2016 ist Wolf Minister der Justiz und für Europa im Kabinett Kretschmann II.

Parteiämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der CDU ist Wolf Mitglied des Landesvorstandes[7] und des Kreisvorstandes Tuttlingen[8].

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Diskussion um die Bewältigung des Flüchtlingszustroms im Jahr 2015 folgt er seiner Parteikollegin Julia Klöckner und fordert ebenfalls eine Integrationspflicht für Flüchtlinge und ein Burkaverbot – für das Tragen von Burkas fordert er die Bestrafung der Ehemänner der Trägerinnen. Generell möchte er die Zuwanderung begrenzen, ohne dabei Obergrenzen zu fordern.[9] In einer gemeinsamen Erklärung forderten Julia Klöckner und Guido Wolf im Februar 2016 zudem tagesaktuelle Flüchtlingskontingente und Grenzzentren. Ohne Asylgrund oder Schutzstatus solle niemand mehr nach Deutschland einreisen dürfen.[10]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolf ist nach einer 27-jährigen kinderlosen Ehe seit 2017 von seiner Frau getrennt, aber noch nicht geschieden.[11] Er ist Katholik. Der gebürtige Weingartener ist Blutreiter und hat 36 Mal als Reiter an den Blutfreitagsfeierlichkeiten teilgenommen, 2015 als Standartenträger der Blutreitergruppe Weingarten.[12]

Sein Großvater Franz Weiß war von 1946 bis 1952 Landwirtschaftsminister von Württemberg-Hohenzollern. Wolf schreibt in seiner Freizeit Gedichte in schwäbischer Mundart, die er auch im Rahmen des Landtagswahlkampfs 2006 vorgetragen hat.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Guido Wolf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jutta Freudig (feu): Guido Wolf als Landrat bestätigt. In: Südkurier vom 22. Oktober 2010
  2. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (Memento vom 30. März 2009 im Internet Archive)
  3. Guido Wolf ist neuer Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion CDU Baden-Württemberg, 27. Januar 2015, abgerufen am 10. März 2015.
  4. Landtagspräsident Guido Wolf MdL aus seinem Amt als Landrat entlassen Landkreis Tuttlingen, 10. November 2011
  5. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart, Germany: Landesparteitag in Ulm: Wolf ist CDU-Spitzenkandidat. In: stuttgarter-nachrichten.de. (stuttgarter-nachrichten.de [abgerufen am 2. März 2017]).
  6. Porträt: Desolates Ergebnis für CDU-Hoffnungsträger Guido Wolf. DPA-Meldung. In: Süddeutsche Zeitung, 13. März 2016; Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahl am 13. März 2016. Land Baden-Württemberg. In: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, abgerufen am 14. März 2016.
  7. Homepage der CDU BW
  8. "mit beratender Stimme": Homepage.
  9. CDU will Ehemänner bestrafen Interview mit Bild, 2. November 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015.
  10. CDU-Wahlkämpfer erhöhen Druck auf Merkel Tagesschau.de, zuletzt gesehen am 21. Februar 2016.
  11. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, Germany: Guido und Barbara Wolf: Ehe-Aus nach 27 gemeinsamen Jahren. In: stuttgarter-zeitung.de. (stuttgarter-zeitung.de [abgerufen am 9. März 2017]).
  12. Weingarten: Blutritt: 2400 Reiter bitten um Segen für Haus und Hof - SÜDKURIER Online