Herbert Ehrenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Herbert Ehrenberg, 1981

Herbert Ehrenberg (* 21. Dezember 1926 in Collnischken, Kreis Goldap/Ostpreußen; † 20. Februar 2018 in Wilhelmshaven) war ein deutscher Politiker (SPD).

Er war von 1976 bis 1982 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Ehrenberg, Sohn eines Landwirts, besuchte im ostpreussischen Goldap die Oberschule für Jungen. 1943 wurde er zum Kriegsdienst einberufen. Vermutlich trat er zum 20. April 1944 der NSDAP bei.[1] Nach kurzer Kriegsgefangenschaft 1945 war er zunächst als Landarbeiter in Niedersachsen und von 1947 bis 1951 als Polizeibeamter in Bremen tätig.

Herbert Ehrenberg neben Holger Börner 1973 beim Bundeskongress der Jungsozialisten

Er holte 1952 das Abitur nach (Begabtenprüfung) und begann ein Studium der Sozialwissenschaften an der seinerzeitigen Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft im damaligen „Hochschuldorf“ in Wilhelmshaven-Rüstersiel, das er von 1953 bis 1955 in Göttingen fortsetzte. Er beendete es 1955 als Diplom-Volkswirt sowie 1958 mit einer Promotion zum Dr. rer. pol. mit der Arbeit Expansive Lohnpolitik, ein Mittel der Einkommensverteilung. Ab 1956 war er Assistent der Geschäftsführung in einem Kaufmannsbetrieb in Bremen und anschließend zunächst zweiter, zuletzt als Geschäftsführer eines mittleren Industrieunternehmens in Goslar.

1961 wurde er Dozent an der Höheren Fachschule der Arbeiterwohlfahrt für Sozialarbeit in Düsseldorf. 1963 wurde er Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung beim Hauptvorstand der IG Bau-Steine-Erden unter dem damaligen Vorsitzenden Georg Leber. Hier war er maßgeblich beteiligt an der Ausarbeitung der einkommenspolitischen Konzeption „Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“. In der Zeit der Großen Koalition (Kabinett Kiesinger) wechselte er 1968 als Unterabteilungsleiter für Strukturpolitik in das Bundesministerium für Wirtschaft. Nach dem Regierungswechsel (→ Kabinett Brandt I) wurde er 1969 Ministerialdirektor der Abteilung für Finanzen/Wirtschaft/Steuern im Bundeskanzleramt.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1949 wurde Ehrenberg bereits Mitglied der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV). Seit 1955 war er Mitglied der SPD. Siet Mitte der 1960er Jahre war er Mitglied im Ausschuss für Wirtschaftspolitik im SPD-Parteivorstand, zudem war er Mitglied im erweiterten Vorstand der Gesellschaft für Sozialen Fortschritt. 1973 wurde er Mitglied des Bezirksvorstandes. Von 1975 bis 1984 war er Mitglied im SPD-Bundesvorstand und seit 1984 Mitglied des Parteirates.

Ehrenberg gehörte zu den Mitbegründern des konservativen Seeheimer Kreises innerhalb der SPD. 1985 war er an der Schaffung der Kurt-Schumacher-Gesellschaft beteiligt.[2] 2009 vollzog Ehrenberg einen Flügelwechsel, indem er die linksorientierte Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der SPD (AGSS) mitbegründete. Als Grund dafür gab er an, dass sich die SPD-Politik nach rechts gewandelt habe und er mit seinen bisherigen Positionen daher heute vergleichsweise links stehe.[3]

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1972 bis 1990 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1974 bis 1976 war er einer der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion.

Ehrenberg war stets direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Wilhelmshaven, zuletzt erhielt er bei der Bundestagswahl 1987 48,1 % der Stimmen.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1971 bis 1972 war er Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung.

Nach der Bundestagswahl 1976 wurde er am 16. Dezember 1976 als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung in die von Bundeskanzler Helmut Schmidt geführte Bundesregierung berufen. Mit der Regierungsumbildung kurz vor dem Ende der sozialliberalen Koalition schied Ehrenberg am 29. April 1982 aus dem Kabinett aus. Die seit 1983 bestehende Kranken- und Rentenfinanzierung für selbständige Künstler und Publizisten durch die Künstlersozialabgabe geht maßgeblich auf Ehrenberg und Dieter Lattmann zurück.[4]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Expansive Lohnpolitik, ein Mittel der Einkommensverteilung. Göttingen 1958.
  • Gewerkschaftliche Einkommenspolitik in der sozialen Marktwirtschaft. In: Beiträge zur Wirtschafts- und Gesellschaftsgestaltung. Festschrift für Bruno Gleitze. Berlin 1968.
  • Vermögenspolitik für die siebziger Jahre. Stuttgart / Frankfurt am Main 1971.
  • Zwischen Marx und Markt – Konturen einer infrastrukturorientierten und verteilungswirksamen Wirtschaftspolitik. dtv, 1976, ISBN 3-423-01133-5
  • Aktive Lohnpolitik. Viktor Agartz und die gewerkschaftliche Lohnpolitik in den 1950er und 1960er Jahren. In: Reinhard Bispinck, Thorsten Schulten, Peeter Raane (Hrsg.): Wirtschaftsdemokratie und expansive Lohnpolitik. Zur Aktualität von Viktor Agartz. VSA-Verlag, Hamburg, 2008, ISBN 978-3-89965-282-6. S. 66–81.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949-2002, S. 170 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herbert Ehrenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Sevim Dağdelen, Ulla Jelpke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke. – Drucksache 17/4126 –: Umgang mit der NS-Vergangenheit. Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode, 14. Dezember 2011, Drucksache 17/8134, S. 13 (pdf; 922 kB).
  2. Hans Apel: Wir machen einen neuen Anlauf. In: Hamburger Abendblatt. 26. September 1985, archiviert vom Original am 27. Juli 2014; abgerufen am 27. Februar 2018.
  3. Lutz Kinkel, Hans Peter Schütz: SPD-Flügelkämpfe: Wie Sozis die Sozis retten wollen. In: Stern. 28. März 2009, abgerufen am 27. Februar 2018.
    Ralf Wurzbacher: „Wir sind eine programmatische Provokation“: „Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der SPD“ gegründet. Ein Gespräch mit Wolfgang Denia. In: junge Welt. 4. April 2009, abgerufen am 27. Februar 2018.
  4. Volker Thomas: Einmalig in Europa – Die Künstlersozialkasse. Goethe-Institut, September 2008, archiviert vom Original am 2. August 2012; abgerufen am 27. Februar 2018.