Immofinanz

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Immofinanz AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000809058
Gründung April 1990
Sitz Wien, Österreich
Leitung
  • Oliver Schumy, Vorstandsvorsitzender
  • Michael Knap, Vorsitzender des Aufsichtsrats
Mitarbeiterzahl 406 (31. Dezember 2017) [1]
Umsatz 324,4 Mio. EUR (31. Dezember 2017) [1]
Branche Immobilienwirtschaft
Website www.immofinanz.com

Die IMMOFINANZ ist ein gewerblicher Immobilienkonzern und fokussiert ihre Aktivitäten auf die Segmente Einzelhandel und Büro in derzeit sieben Kernmärkten in Europa: Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Polen. Zum Kerngeschäft zählen die Bewirtschaftung und die Entwicklung von Immobilien. Das Unternehmen besitzt zum Stichtag 31. Dezember 2017 ein Immobilienvermögen von rund EUR 4,19 Mrd., das sich auf 239 Objekte [1] verteilt. Das Unternehmen ist an den Börsen Wien (Leitindex ATX) und Warschau gelistet. 

Die Immofinanz notiert im Segment Prime Market an der Wiener Börse.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Gründung im April 1990 engagierte sich Immofinanz hauptsächlich in Österreich und Deutschland, zunehmend auch in den USA, Frankreich sowie süd- und osteuropäischen Ländern. Aus diesem Grunde entstanden die Tochterunternehmen Immowest und Immoeast, sowie Immoaustria nur für Österreich. Die Gesellschaft war eng mit der Constantia Privatbank verbunden, die das Management, die komplette Infrastruktur und alle Mitarbeiter zur Verfügung stellte.[2]

Im Juli 1991 erfolgt die Börsenzulassung an der Wiener Börse. Die Marktkapitalisierung beträgt zu diesem Zeitpunkt 62 Mio. EUR. Im Geschäftsjahr 1992/93 wird die erste Investition außerhalb von Wien vorgenommen. 1994 erfolgt die Umbenennung von C&S Immobilien Anlagen AG in Immofinanz Immobilien Anlagen AG. Das Bankhaus Schoeller & Co zieht sich aus dem Management zurück. 1996 wird die erste Kapitalerhöhung durchgeführt.[3]

1997 erwirbt die Gesellschaft den Business Park Vienna, wo der Vienna Twin Tower gebaut wird – dieser ist heute unter dem Markennamen myhive Twin Towers bekannt. 1999 beteiligt sie sich an der WIPARK Garagen AG und übernimmt ein Jahr später alle Anteile. 2001 werden der City Tower Vienna und Apartments in Houston gekauft.[4]

Das regionale Segment Immoeast wurde ab 2001 aufgebaut. Die erste Auslandsinvestition erfolgt in Ungarn.[3] Im April 2003 umfasste es 14 Immobilien.[2] Im Oktober 2003 wurde die Reviva AG mit 24 Objekten erworben. Im Dezember 2003 erfolgte der Börsengang der IMMOEAST Immobilien Anlagen AG. Dabei wurden 4,9 Mio. Aktien zu einem Preis von je 6,10 EUR angeboten. 51 % der Anteile blieben im Besitz der Immofinanz. Im Herbst 2004 wird die BUWOG mit rund 20.000 Wohnungen und eine Mehrheit an der ESG Villach erworben.[4]

Im Geschäftsjahr 2004/05 erfolgte der Markteintritt in Rumänien, Russland und der Slowakei. 2004 bzw. 2005 wird das 2001 begonnene Engagement in den USA mit Gewinn beendet.[3]

2005/06 wurde in Italien ein Portfolio mit 440 Objekten erworben, die allesamt an den italienischen Staat vermietet wurden.[5]

Im April 2007 wurde mit 12,64 EUR der Höchststand der Aktie erreicht. Ab Juni 2007 setzte ein starker Kursrückgang ein.

Im Oktober 2007 wurde erstmals eine Dividende in Höhe von 0,33 EUR ausgeschüttet. Zum 30. Juni 2008 wurde die gesamte Immobiliensparte der Constantia Privatbank gekauft. Dabei wurden 40 % direkt und 60 % über die Tochtergesellschaft Immoeast erworben. Dadurch wurde das Management der Gesellschaft internalisiert.[5]

Ab dem Herbst 2008 mussten Restrukturierungen vorgenommen werden. Dies ging mit einem Vorstandswechsel einher. Am 21. November 2008 wird Eduard Zehetner Vorstandssprecher der Gesellschaft. Mit Wirkung zum 1. März 2009 wurde die Immoaustria an die Immoeast verkauft. Im April 2009 wurde die WIPARK Garagen AG an eine Tochter der Wiener Stadtwerke verkauft. Insgesamt mussten im Geschäftsjahr 2008/09 ca. 2.300 Mio. EUR abgeschrieben werden.[6]

Im September 2008 ging der Kursverlauf der Aktien in den freien Fall über. Im November 2008 wurde mit 0,28 EUR ein historischer Tiefststand markiert.

Am 29. April 2010 wurde die Immofinanz mit der Immoeast zur Immofinanz Group fusioniert.[7]

In einem Ranking des Forbes Magazine der weltweit größten Aktiengesellschaften aus dem Jahre 2013 liegt die Immofinanz auf Platz 1.798.[8]

Im April 2014 verselbständigte die Immofinanz ihre Wohnimmobilientochter Buwog durch Abspaltung von 51 % der Anteile und seither notiert die Buwog (ISIN AT00BUWOG001) als eigenständiges Unternehmen an den Börsen Wien, Frankfurt und Warschau. Durch diesen Spin-off erhielten die Immofinanz-Aktionäre für je zwanzig Stückaktien der Immofinanz zusätzlich eine Stückaktie der Buwog. Der bei der Immofinanz verbliebene 49%ige Anteil wurde mittelfristig wie geplant abgegeben.[9]

Im Mai 2015 wird Oliver Schumy neuer Vorstandsvorsitzender der Immofinanz. Unter ihm erfolgt die Portfoliokonzentration auf die beiden Assetklassen Büro und Einzelhandel, eine Steigerung der Auslastung sowie eine Senkung der Personal- und Finanzierungskosten. Sämtliche historische Anlegerklagen wurden außergerichtlich beigelegt.[10]

Des Weiteren konnte die Immofinanz im August 2016 den Erwerb einer Beteiligung von rund 26 % sowie von vier vinkulierten Namensaktien an der CA Immobilien Anlagen AG abschließen, nachdem sie sämtliche aufschiebende Bedingungen binnen kürzester Zeit erfüllt und die kartellrechtlichen Freigaben in sechs Ländern erhalten hat. Diese Akquisition ist die Grundlage für die geplante Verschmelzung von Immofinanz und CA Immo zu einem der größten gewerblichen Immobilienkonzerne in Kontinentaleuropa. Aufsichtsrat und Vorstand der IMMOFINANZ haben Ende Februar 2018 beschlossen, Detailgespräche für einen möglichen Zusammenschluss von CA Immo und IMMOFINANZ vorerst ausgesetzt zu lassen und auch weitere strategische Optionen zu prüfen.[11]

Am 19. Dezember 2016 haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, das russische Einzelhandelsportfolio abzugeben. Die fünf russischen Einkaufszentren mit einer vermietbaren Fläche von rund 280.000 m² sowie dazugehörige Servicegesellschaften stellten seither einen aufgegebenen Geschäftsbereich gemäß IFRS 5 dar. Mit dieser Entscheidung begegnete die Immofinanz dem Faktum, dass die Einkaufszentren in Moskau einer anderen Marktdynamik folgten als das übrige Immobilienportfolio und damit das Risikoprofil des Konzerns negativ beeinflussten. Mit dem Verkauf dieses Portfolios an die FORT Group erfolgte 2017 der Marktaustritt der Immofinanz aus Russland. Das Closing dieser Transaktion erfolgte am 6. Dezember 2017.[1]

Entwicklung des Grundkapitals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grundkapital der IMMOFINANZ AG beträgt zum 31. Dezember 2017 EUR 1.116.173.778,00 (31. Dezember 2016: EUR 975.955.651,00) und ist in 1.116.173.778 (31. Dezember 2016: 975.955.651) stimmberechtigte, nennbetragslose Stückaktien mit einem anteiligen Betrag am Grundkapital von je EUR 1,00 unterteilt. Das Grundkapital und die Aktienanzahl haben sich durch folgende Maßnahmen erhöht:

  • 1. incentiviertes Wandlungsangebot:

Im Jänner 2017 hat die Gesellschaft 63.532.467 Aktien an die Gläubiger der Wandelanleihe 2018 ausgegeben, die das Angebot zur incentivierten Wandlung angenommen haben. Dazu erfolgte eine Kapitalerhöhung aus bedingtem Kapital um EUR 63.532.467,00 zur Ausgabe von 63.532.467 Aktien.

  • Vergleich zum Umtauschverhältnis der Verschmelzung mit IMMOEAST AG:

Im Mai 2017 hat die Gesellschaft 13.037.257 Aktien als Teil der Vergleichsleistung zur Beendigung des Überprüfungsverfahrens des Umtauschverhältnisses aus der Verschmelzung mit der IMMOEAST an ehemalige IMMOEAST-Aktionäre ausgegeben. Dazu wurde eine Kapitalerhöhung zur Ausgabe zusätzlicher Aktien im Überprüfungsverfahren (§ 225j Abs. 2 AktG) aus dem genehmigten Kapital 2014 um EUR 13.037.257,00 zur Ausgabe von 13.037.257 Aktien durchgeführt.

  • 2. incentiviertes Wandlungsangebot:

Im Oktober 2017 hat die Gesellschaft 63.588.158 Aktien an die Gläubiger der Wandelanleihe 2018 ausgegeben, die das weitere Angebot zur incentivierten Wandlung angenommen haben. Dazu erfolgte eine weitere Kapitalerhöhung aus bedingtem Kapital um EUR 63.588.158,00 zur Ausgabe von 63.588.158 Aktien.

  • Weitere 60.245 Aktien wurden im Zuge laufender Wandlungen der Wandelanleihen 2017 und 2018 durch Kapitalerhöhung aus bedingtem Kapital ausgegeben.[1]

Umstrukturierungen 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Finanzkrise des Jahres 2008 hat Immofinanz im Laufe eines Jahres mehr als 95 % ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt. Im September wurde ein Liquiditätsbedarf von annähernd 500 Millionen Euro bekannt, dessen Finanzierung nicht gesichert ist.[12] Im Oktober wurde Konzernchef Karl Petrikovics durch den früheren Austrian-Airlines-Finanzchef Thomas Kleibl abgelöst.[13] Gegen den ehemaligen Vorstand Karl Petrikovics ist bei der Staatsanwaltschaft Wien ein Strafverfahren unter der Aktenkennzahl 611 St 25/08x anhängig. Am 12. April 2012 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt, der Aufsichtsratsvorsitzende Schwager zu viereinhalb Jahren. Beide Schuldsprüche sind noch nicht rechtskräftig.

Am 21. November gab das Unternehmen bekannt, dass Eduard Zehetner – der als Sanierer der RHI AG bekannt ist – mit sofortiger Wirkung neuer Finanzvorstand wird.[14] Christian Thornton scheidet einvernehmlich aus dem Vorstand beider Unternehmen aus. Die Immofinanz wurde dann bis 30. April 2015 von Eduard Zehetner gemeinsam mit Daniel Riedl, Michael Wurzinger geführt. Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats wurde Herbert Kofler berufen.[15] Seit 1. Mai 2015 ist Oliver Schumy Vorstandsvorsitzender.[16]

Die Marken der Immofinanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Immofinanz hat in den vergangenen Jahren für ihr Einzelhandelsportfolio die Eigenmarken STOP SHOP (seit 2005)[3] und VIVO! (seit 2014)[11] entwickelt. Mit myhive wurde im September 2016 eine internationale Büromarke eingeführt.

Das internationale Bürokonzept myhive umfasst Bürogebäude in Hauptstädten von Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien und der Tschechischen Republik. myhive verfügt per 31. Dezember 2017 über 20 Standorte[1] mit einer vermietbaren Fläche von insgesamt rund 460.000 m².

VIVO! ist die Immofinanz-Marke für Shopping Center. Diese sind für Städte mit einem Einzugsgebiet von mindestens 200.000 Einwohnern konzipiert. Die Einkaufszentren weisen meist eine eingeschossige Bauweise auf. Weitere Merkmale sind: eine vermietbare Fläche ab 15.000 m², viele Parkplätze sowie ein Fokus auf Einkaufserlebnis mit Freizeitcharakter. Per 31. Dezember 2017 gibt es 10 VIVO!-Standorte in vier Ländern mit einer vermietbaren Fläche von insgesamt rund 310.000 m².[1]

STOP SHOP ist die Immofinanz-Marke für Retail Parks in Zentral- und Osteuropa mit einem Einzugsgebiet von 30.000 bis 150.000 Einwohnern. STOP SHOPs bieten eine vermietbare Fläche von ca. 8.000 bis 15.000 m² je Standort, gute Verkehrsanbindung, viele Parkplätze, hohe Funktionalität mit internationalen und nationalen Einzelhändlern sowie einen hohen Wiedererkennungswert durch eine standardisierte Bauweise. Per 31. Dezember 2017 gibt es 70 STOP SHOP-Standorte in acht Ländern mit einer vermietbaren Fläche von insgesamt rund 483.000 m².[1]

BUWOG-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: BUWOG-Affäre

Die Immofinanz steht im Verdacht, sich beim Kauf der 60.000 Bundeswohnungen 2004 (siehe BUWOG-Affäre) durch eine Provision von 9,6 Millionen Euro an den PR-Berater Peter Hochegger und den Lobbyisten und Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger unrechtmäßig Informationen über das Höchstgebot der Konkurrenten verschafft zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat in der Causa bereits einige Verfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet, unter anderem gegen den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Am 21. Juli 2016 gab die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt gegen Karl-Heinz Grasser, Peter Hochegger, Walter Meischberger, Ernst Plech und zwölf weitere Personen in den Causae Buwog und Terminal Tower Anklage zu erheben. Der verursachte Gesamtschaden beläuft sich laut Anklage auf zehn Millionen Euro woraus sich ein Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Haft ergibt.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Immofinanz: Geschäftsbericht 2017. Abgerufen am 7. Juni 2018 (PDF).
  2. a b Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2002/03.
  3. a b c d Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2004/05.
  4. a b Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2003/04.
  5. a b Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2005/06.
  6. Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2008/09.
  7. Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2009/10.
  8. Elf Firmen unter den weltweit größten. In: oesterreich.orf.at. 18. April 2013, abgerufen am 18. April 2013: „Österreich ist mit elf Unternehmen in der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste des US-Magazins „Forbes“ der weltweit größten 2.000 Firmen vertreten. […] sowie die Immofinanz (Platz 1.798) […] Unter den 2.000 Firmen befinden sich ausschließlich Aktiengesellschaften, weshalb beispielsweise Red Bull nicht vorkommt. […] Zur Erstellung der Rangliste wurden folgende Kennzahlen verwendet: Umsatz, Gewinn, Vermögenswert und Marktkapitalisierung.“
  9. Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2013/14.
  10. Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2014/15.
  11. a b Immofinanz AG: Geschäftsbericht 2015/16.
  12. Die Presse, 21. August 2008.
  13. Die Presse, 7. Oktober 2008.
  14. DGAP-Adhoc: Immofinanz AG, 21. November 2008.
  15. Die Presse, 30. Oktober 2008.
  16. Die Presse, 6. Juni 2014.
  17. Korruptionsvorwürfe: Anklage gegen Grasser, Meischberger und 14 weitere Personen in Causa Buwog und Linzer Terminal Tower. derStandard.at, 21. Juli 2016, abgerufen am 21. Juli 2016.