Immofinanz

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Immofinanz AG

Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000A21KS2
Gründung April 1990
Sitz Wien, Osterreich Österreich
Leitung
  • Radka Doehring, Dietmar Reindl, Stefan Schönauer[1]
  • Miroslava Greštiaková, Vorsitzende des Aufsichtsrats[1]
Mitarbeiterzahl 365 (2021)
Umsatz 375,1 Mio. EUR (2021)
Branche Immobilienwirtschaft
Website www.immofinanz.com
Stand: 31. Dezember 2021

Die Immofinanz AG ist ein Immobilienunternehmen mit Sitz in Wien, Österreich. Das Unternehmen ist auf die Segmente Büro und Einzelhandel fokussiert und in den Märkten Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Polen aktiv. Zum Stichtag 31. Dezember 2021 liegt das verwaltete Immobilienvermögen bei rund 5,2 Mrd. Euro, das sich auf 225 Objekte verteilt.[2] Das Unternehmen ist an den Börsen Wien und Warschau gelistet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1990 gründeten die Constantia Privatbank und das Bankhaus Schoeller & Co die Firma C&S Immobilien Anlagen AG, die im Jahr 1991 an die Börse gebracht wurde. Nach dem Rückzug des Bankhauses Schoeller (1994) wurde die Firma C&S Immobilien Anlagen AG in Immofinanz Immobilien Anlagen AG umbenannt.[3][4][5]

1997 erwarb die Gesellschaft den Business Park Vienna[3], wo der Vienna Twin Tower gebaut wurde. Im Jahr 2000 übernahm die Immofinanz alle Anteile an der Wipark Garagen AG und ein Jahr später (2001) wurde der City Tower Vienna und Apartments in Houston erworben.[6]

Das regionale Segment Immoeast wurde aufgebaut und in Ungarn erfolgte die erste Auslandsinvestition.[5] Im Dezember 2003 erfolgte der Börsengang der Immoeast Immobilien Anlagen AG.

Im Herbst 2004 wurde die BUWOG mit rund 20.000 Wohnungen und eine Mehrheit an der ESG Villach erworben.[7][6]

Im Geschäftsjahr 2004/05 erfolgte der Markteintritt in Rumänien, Russland und der Slowakei. Gleichzeitig wurde das 2001 begonnene Engagement in den USA beendet.[5]

2005/2006 wurde in Italien ein Portfolio mit 440 Objekten erworben, das komplett an den italienischen Staat vermietet wird.[8]

Im Juni 2008 wurde die Immobiliensparte der Constantia Privatbank gekauft. Dabei wurden 40 % direkt und 60 % über die Tochtergesellschaft Immoeast erworben. Dadurch wurde das Management der Gesellschaft internalisiert.[8]

Im Zuge der Finanzkrise des Jahres 2008 hat Immofinanz im Laufe eines Jahres mehr als 95 % ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt und es wurde ein Vorsteuerverlust von rund 2,65 Mrd. Euro verbucht.[9] Im September wurde ein Liquiditätsbedarf von annähernd 500 Millionen Euro bekannt, dessen Finanzierung nicht gesichert war.[10] Im Oktober wurde Konzernchef Karl Petrikovics durch den früheren Austrian-Airlines-Finanzchef Thomas Kleibl abgelöst.[11] Gegen den ehemaligen Vorstand Karl Petrikovics wurde bei der Staatsanwaltschaft Wien ein Strafverfahren eingeleitet. Petrikovics wurde zu sechs Jahren Haft, der Aufsichtsratsvorsitzende Schwager zu viereinhalb Jahren verurteilt. Die Urteile wurden mit Oktober 2015 rechtskräftig.[12]

Mit Wirkung zum 1. März 2009 wurde die Immoaustria an die Immoeast verkauft. Im April 2009 wurde die Wipark Garagen AG an eine Tochter der Wiener Stadtwerke verkauft.[13]

Am 29. April 2010 wurde die Immofinanz mit der Immoeast zur Immofinanz Group fusioniert.[14][15]

Laut einem Ranking des Forbes Magazine ist die Immofinanz eines von 11 österreichischen Unternehmen unter den Top 2000 (Platz 1798).[16]

Im April 2014 verselbständigte die Immofinanz ihre Wohnimmobilientochter BUWOG durch Abspaltung von 51 % der Anteile. Der deutsche Wohnkonzern Vonovia übernahm 2018 die Buwog.[17][18]

Im Mai 2015 wurde Oliver Schumy neuer Vorstandsvorsitzender der Immofinanz. Unter ihm erfolgte die Portfoliokonzentration auf die Assetklassen Büro und Einzelhandel. Sämtliche historischen Anlegerklagen wurden außergerichtlich beigelegt.[19]

Im August 2016 wurden rund 26 % der CA Immobilien Anlagen AG übernommen und sollten mit der Immofinanz zu einem der größten gewerblichen Immobilienkonzerne in Kontinentaleuropa verschmolzen werden. Die Verschmelzung wurde jedoch aufgegeben und im Juli 2018 wurde die Beteiligung zur Gänze verkauft.[20][21]

Im Dezember 2016 haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, das russische Einzelhandelsportfolio abzugeben. Mit dem Verkauf dieses Portfolios an die Fort Group erfolgte 2017 der Marktaustritt der Immofinanz aus Russland.[22]

2018 wurden rund 29 % der S Immo AG erworben.[23]

Im März 2020 schied CEO Oliver Schumy als Vorstandsmitglied aus und im April 2020 wird Ronny Pecik mit Wirkung ab 4. Mai als Vorstandsmitglied und CEO für drei Jahre bestellt.[24]

Im Juni 2020 wurde eine Kapitalerhöhung in der Höhe von rund 356 Millionen Euro durchgeführt. Während die Immofinanz die Kapitalerhöhung als Investition in die Zukunft und als eine „Stärkung der Kapitalbasis im Umfeld der Corona-Pandemie“ begründete, kritisierte der Interessensverband für Anleger (IVA) die Kapitalerhöhung als eine „nächtliche Ho-Ruck-Aktion“. Die Aktien sollen weit unter ihrem Buchwert ausgegeben worden sein und es hätten institutionelle Anleger und Immofinanz-Chef Ronny Pecik auf Kosten der Kleinanleger profitiert.[25][26]

Im Juni 2021 trat Ronny Pecik als Vorstandsvorsitzender zurück.[27]

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Myhive Park Postępu, Warschau
Vivo! Hostivař

Immofinanz betreibt folgende Markennamen:

Vivo! wird seit 2005 für Einkaufszentren in Städten mit einem Einzugsgebiet von mindestens 200.000 Einwohnern eingesetzt.[28] Am 31. Dezember 2020 gab es 10 Standorte in vier Ländern mit einer vermietbaren Fläche von insgesamt rund 314.000 m².[29]

Stop Shop wird seit 2014 für Retail Parks in Zentral- und Osteuropa mit einem Einzugsgebiet von 30.000 bis 150.000 Einwohnern eingesetzt.[5] Stop Shops bieten eine vermietbare Fläche von ca. 8.000 bis 15.000 m² je Standort. Am 31. Dezember 2020 gab es 93 Standorte in neun Ländern mit einer vermietbaren Fläche von insgesamt rund 689.000 m².[30]

Myhive wird seit 2016 für Bürogebäude in den Hauptstädten Zentral- und Osteuropas eingesetzt. Am 31. Dezember 2020 gab es über 21 Standorte mit einer vermietbaren Fläche von insgesamt rund 491.000 m².[31]

On Top Living wird seit 2022 für Wohnungen gebraucht, die oberhalb der firmeneigenen eingeschoßigen Stop Shop-Einkaufszentren entstehen sollen.[32]

BUWOG-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Immofinanz-Chef Karl Petrikovics steht im Verdacht, sich beim Kauf der 60.000 Bundeswohnungen 2004 (siehe BUWOG-Affäre) durch eine Provision von 9,6 Millionen Euro an den PR-Berater Peter Hochegger und den Lobbyisten und Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger unrechtmäßig Informationen über das Höchstgebot der Konkurrenten verschafft zu haben.[33]

Die Staatsanwaltschaft Wien hat in der Causa bereits einige Verfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet, unter anderem gegen den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Am 21. Juli 2016 gab die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt gegen Karl-Heinz Grasser, Peter Hochegger, Walter Meischberger, Ernst Plech und zwölf weitere Personen in den Causae Buwog und Terminal Tower Anklage zu erheben. Der verursachte Gesamtschaden beläuft sich laut Anklage auf zehn Millionen Euro woraus sich ein Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Haft ergibt.[34] Im Dezember 2020 wurde das Urteil gefällt: Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Auch die Mitangeklagten Walter Meischberger und Peter Hochegger wurden schuldig gesprochen. Alle Urteile sind nicht rechtskräftig, die Anwälte haben Berufung angemeldet.[35][36]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Drittes Vorstandsmitglied bei der Immofinanz. In: finanznachrichten.de. 22. April 2022, abgerufen am 7. Juli 2022.
  2. Geschäftsbericht 2021. (PDF) In: immofinanz.com. Immofinanz, 2022, abgerufen am 13. Juni 2022.
  3. a b Rainer Himmelfreundpointner/hahn: trend.at › Skandale › Immofinanz Aufstieg, Fall und Comeback des Immofinanz-Konzerns. In: trend.at. 15. Januar 2013, abgerufen am 7. Mai 2021.
  4. Geschäftsbericht 2002/03. Immofinanz AG
  5. a b c d Geschäftsbericht 2004/05. Immofinanz AG
  6. a b Geschäftsbericht 2003/04. Immofinanz AG
  7. Bundeswohnungen wurden 2004 verschleudert. In: wienerzeitung.at. 4. November 2007, abgerufen am 7. Mai 2021.
  8. a b Geschäftsbericht 2005/06. Immofinanz AG
  9. Milliardenverlust für Immofinanz. In: orf.at. 29. Dezember 2008, abgerufen am 8. Mai 2021.
  10. Die Presse, 21. August 2008.
  11. Die Presse, 7. Oktober 2008.
  12. Immofinanz-Prozess endete mit Haftstrafen. In: wienerzeitung.at. Abgerufen am 15. Juni 2020.
  13. Wiener Stadtwerke-Firmen kaufen Wipark-Garagen. In: derstandard.at. 27. März 2009, abgerufen am 8. Mai 2021.
  14. Immofinanz/Immoeast-Umtausch endgültig genehmigt. In: diepresse.com. 23. Mai 2017, abgerufen am 7. Mai 2021.
  15. Geschäftsbericht 2009/10. Immofinanz AG
  16. Elf Firmen unter den weltweit größten. In: oesterreich.orf.at. 18. April 2013, abgerufen am 18. April 2013: „Österreich ist mit elf Unternehmen in der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste des US-Magazins „Forbes“ der weltweit größten 2.000 Firmen vertreten. […] sowie die Immofinanz (Platz 1.798) […] Unter den 2.000 Firmen befinden sich ausschließlich Aktiengesellschaften, weshalb beispielsweise Red Bull nicht vorkommt. […] Zur Erstellung der Rangliste wurden folgende Kennzahlen verwendet: Umsatz, Gewinn, Vermögenswert und Marktkapitalisierung.“
  17. Roman Vilgut: Was der Buwog-Deal für Mieter bedeutet. kleinezeitung.at, 31. März 2018, abgerufen am 7. Mai 2021.
  18. Vonovia mit BUWOG Angebot erfolgreich. In: vonovia.de. Abgerufen am 15. Juni 2020.
  19. Geschäftsbericht 2014/15. Immofinanz AG
  20. Leo Himmelbauer: Immofinanz verkauft CA Immo-Anteil teuer an Starwood. In: diepresse.com. 2. Juli 2018, abgerufen am 8. Mai 2021.
  21. Martin Putschögl: Immofinanz und CA Immo: Getrennte Wege. In: derstandard.at. 4. Oktober 2019, abgerufen am 8. Mai 2021.
  22. Judith Hecht: Immofinanz hat Altlasten bereinigt. In: diepresse.com. 5. April 2018, abgerufen am 7. Mai 2021.
  23. Immofinanz kauft sich um 390 Millionen Euro bei s Immo ein. In: diepresse.com. 18. April 2018, abgerufen am 7. Mai 2021.
  24. Madlen Stottmeyer: Ronny Pecik wird neuer Immofinanz-Chef. In: diepresse.com. 23. April 2021, abgerufen am 7. Mai 2021.
  25. Kapitalerhöhung bei Immofinanz sorgt für Kritik. In: kurier.at. 9. Juli 2020, abgerufen am 11. Mai 2021.
  26. Kritisierte Immofinanz-Kapitalerhöhung: "Wollen aus der Krise wachsen". In: fondsprofessionell.at. 10. Juli 2020, abgerufen am 11. Mai 2021.
  27. Vorstandschef Pecik verlässt Immofinanz. In: ORF.at. 29. Juni 2021, abgerufen am 29. Juni 2021.
  28. Geschäftsbericht 2015/16. Immofinanz AG
  29. Quelle: Geschäftsbericht 2020, Seite 26–29 | Seite 67–69
  30. Quelle: Geschäftsbericht 2020, Seite 30–33 | Seite 67–69
  31. Quelle: Geschäftsbericht 2020, Seite 20–25 | Seite 64–65
  32. IMMOFINANZ präsentiert neue Marke On Top Living auf MIPIM 2022. In: anleihencheck.de. 16. März 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.
  33. Was Sie über den Buwog-Prozess wissen müssen. In: kurier.at. 12. Dezember 2017, abgerufen am 16. Oktober 2018.
  34. Korruptionsvorwürfe: Anklage gegen Grasser, Meischberger und 14 weitere Personen in Causa Buwog und Linzer Terminal Tower. In: derStandard.at. 21. Juli 2016, abgerufen am 21. Juli 2016.
  35. Live-Ticker: Grasser und das Urteil im Buwog-Prozess. In: profil.at. 4. Dezember 2020, abgerufen am 30. April 2021.
  36. Telekom und BUWOG. In: derStandard.at. Dezember 2020, abgerufen am 30. April 2021.