AT&S

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Austria Technologie & Systemtechnik
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000969985
Gründung 1987
Sitz Leoben, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Andreas Gerstenmayer (Vorstandsvorsitzender)[1]
Mitarbeiter 9.778 (2016/17)
Umsatz 814,9 Mio. EUR (2016/17) [2]
Branche Elektronik
Website www.ats.net
Stand: 31. März 2017 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2017

Die Austria Technologie & Systemtechnik AG, kurz AT&S, ist ein weltweit führender[3] Leiterplattenhersteller. Kernkompetenz sind insbesondere Leiterplatten in der HDI-Microvia-Technologie. Die AT&S ist ein bedeutender Lieferant für die Mobilfunkbranche, Automobilelektronik, Industrieelektronik und Medizintechnik.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsitz des Konzerns ist Leoben in der Steiermark. AT&S unterhält in Österreich derzeit zwei Produktionsstätten für Leiterplatten (Leoben, Fehring; bis 2013 zusätzlich Klagenfurt[4][5]) und betreibt weitere Leiterplattenwerke in Indien (Nanjangud bei Mysore), China (Shanghai, sowie einem Werk für IC Substrate und mSAP in Chongqing) und Südkorea (Ansan bei Seoul)[5]. Darüber hinaus existieren weltweit zahlreiche Vertriebsniederlassungen in Deutschland, Hongkong, Indien, Japan, Taiwan und USA.

Jedes der weltweiten Werke von AT&S ist auf ein dezidiertes Technologieportfolio fokussiert: Die österreichischen Werke beliefern vor allem den europäischen aber ebenso zunehmend den amerikanischen Markt. Gesamt fokussieren sich die Werke in Österreich, Indien und Korea auf kleine und mittlere Serien für den Industrie- und den Automobilsektor. In China werden Großserien für Kunden aus dem Bereich mobile Endgeräte gefertigt.[6]

Shanghai und Leoben sind mit ihren Forschungseinheiten außerdem wesentliche Technologietreiber innerhalb der AT&S Gruppe.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987–1998[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen entstand 1987 aus drei in den 1970er-Jahren gegründeten Teilunternehmen: Einer Betriebsstätte der Körting Elektronik in Fehring (Leiterplatten für Fernseher), einem Zweigwerk von Eumig in Fohnsdorf und einer Betriebsstätte der Voest Alpine in Leoben, seit 1990 mit der E+E Leiterplattenholding als Muttergesellschaft.[7] Das Unternehmen war bis zur Privatisierung im November 1994 im Besitz der staatlichen Holding ÖIAG. Nach erfolgtem Verkauf an das Bieterkonsortium Androsch/Dörflinger/Zoidl[8] wurde es 1995 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Jahr 1998 streckte AT&S das erste mal seine Fühler international aus und kaufte das damalige indisch-kanadische Unternehmen Indal Electronics in Nanjangud im Großraum Bangalore in Indien.[7]

1999–2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AT&S Hauptgebäude

Von 1999 bis 2008 war die AT&S an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main notiert[8], ab 2003 bis 2008 war sie im TecDAX gelistet.[9]

Im Jahr 2000 fand die Eröffnung des neuen Logistik-Zentrums in Nörvenich in Deutschland statt. Es wurde ca. 2012 wieder geschlossen. Im selben Jahr war auch die schrittweise Inbetriebnahme des neugebauten Werkes Leoben-Hinterberg II. 2001 wurde das AT&S-Werk in Augsburg, welches zwei Jahre zuvor von Siemens und einem chinesischen Investor gekauft wurde, geschlossen.[7] 2002 startete die Produktion im neuen Werk in Shanghai, VR China. Gleichzeitig etablierte sich AT&S unter den Top-3-Unternehmen im Bereich HDI/Microvia weltweit.[8] Seit 2002 wurde die AT&S auch weltweiter Lieferant für Nokia und Siemens. Schwerpunkte im Jahr 2003 waren die Konzentration auf drei Geschäftsbereiche: Telekommunikation, Automobile, Industrie- und Medizintechnik und die Asien-Offensive, mit der Investition in ein indisches Werk. 2004 wurde in Shanghai der Bau des Werkes II beschlossen.

2005–2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 war der Start des AT&TACK-Projektes: Kundenorientierung im europäischen Markt, Konzentration auf die Bereiche Medizintechnik und Industrieelektronik. Es folgte die Spezialisierung der Werke in Fohnsdorf (starrflexible Leiterplatten) und Fehring (flexible Leiterplatten) auf europäische Nischenmärkte.[7] Willi Dörflinger wechselte vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Harald Sommerer (CEO), Steen Hansen (CFO) und Heinz Moitzi (CTO) wurden das neue Vorstandsteam. 2006 wurde das zweite Werk in Shanghai eröffnet und das Werk in Fohnsdorf wurde geschlossen und mit Leoben zusammengelegt (Bereiche HDI und SPP/Spezialprodukte-Prototypen).[10] Weiters wurde die koreanische Firma Tofic Co. Ltd., Hersteller flexibler Leiterplatte, akquiriert.[8] Im Jahr 2007 war der Ramp-up des dritten AT&S-Werkes in Shanghai. Bis 2008 notierte das Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse. Nach einer Übergangsphase mit Doppellisting in Frankfurt und Wien notiert AT&S nun ausschließlich an der Wiener Börse.[8] 2009 gab es eine neue Produktionsausrichtung. Seitdem konzentriert sich die österreichische Produktion auf hochwertige Nischen im Automotiv- und Industriesegment und das Werk in Shanghai auf das High-End Mobile Device Segment. Im Jahr 2010 erfolgte der Produktionsstart von Werk II in Indien.[8]

2011 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2011 wird an dem neuen Werk in Chongqing (China) gebaut.[8] Dieses Werk war ursprünglich als weiteres HDI-Leiterplattenwerk geplant, dieser Plan wurde jedoch Ende 2012 geändert, als man 2013 Intel als neuen Kunden gewinnen konnte.[8] Seitdem ist das Werk zur einen Hälfte als Produktionsstandort für IC Substrate für Desktops und Notebooks und zur anderen Hälfte für die nächste Technologiegeneration mSAP (substratähnliche Leiterplatten) im Kerngeschäft für mobile Endgeräte ausgelegt.[11] Im Februar 2014 wurde mit der Einbringung der ersten Maschinen begonnen.

AT&S erfüllte Anfang 2016 die Bedingungen für die Aufnahme in den ATX, welche am 21. März 2016 wirksam wurde.[12] Im September desselben Jahres musste der Platz jedoch für das Gastronomieunternehmen Do&Co wieder geräumt werden.

Der Bau des neuen Werks in Chongqing gliedert sich in zwei Aufbauphasen. Nachdem im Jahr 2016 schon mit der teilweisen Serienproduktion von IC Substraten begonnen wurde, konnte die erste Phase im Juni 2017 komplett abgeschlossen werden. Seit Juli 2017 können IC Substrate (Werk 1) für Server und Computing-Anwendungen (Desktop und Notebooks) für Halbleiterkunden und die neue Technologiegeneration mSAP (Werk 2) für mobile Endgeräte auf jeweils zwei Fertigungslinien produziert werden.[13] Dafür wurden insgesamt, nachdem sich das Unternehmen im Jahr 2015 dazu entschlossen hatte die Gesamtinvestitionen am Standort Chongqing bis 2017 von EUR 350 Millionen auf etwa EUR 480 Millionen zu erhöhen[14], rund 510 Mio. Euro investiert.[15] Aufgrund der laufenden Technologieevaluierung im Werk 1 hat AT&S beschlossen, den Ausbau im laufenden Geschäftsjahr 2017/2018 noch nicht zu beginnen. Ein weiterer Ausbauplan für das Werk 2 in Chongqing ist derzeit in Evaluierung.[13] Das Werk in Chongqing bietet noch Platz für je zwei Fertigungslinien im Werk 1 und 2.[15]

Unternehmenszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsjahr 2016/17 wurde ein Umsatz von 814,9 Millionen Euro erzielt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten (EBIT) lag bei 6,6 Millionen Euro und das Konzernergebnis bei −22,9 Millionen Euro.[16]

Das Unternehmen beschäftigt weltweit 10.075 Mitarbeiter (Stand Ultimo 30. September 2017).[17]

Kennzahlen laufendes Geschäftsjahr 2017/18[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnis nach IFRS[17] 1HJ 16/17 1HJ 17/18 Veränderung in %
Umsatzerlöse in Mio. EUR 386,5 485,7 +25,7 %
EBITDA in Mio. EUR 52,1 104,4 >100,0 %
EBITDA-Marge 13,5 % 21,5 % /
EBIT in Mio. EUR −5,8 36,9 >100 %
EBIT-Marge −1,5 % 7,6 % /
Konzernergebnis in Mio. EUR −14,8 15,4 >100 %

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Oktober 2017 erhöhte AT&S die Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2017/18. AT&S verzeichnet eine sehr hohe Kundennachfrage und eine Auslastung an der Kapazitätsgrenze für nahezu alle Werke. Der Vorstand geht für das Geschäftsjahr 2017/18 von einem Umsatzwachstum von 20 bis 25 %, einer EBITDA-Marge von 19 bis 22 % und, verglichen mit dem Vorjahr, von einer zusätzlichen Abschreibungen von rund EUR 15 Mio. aus. Der prognostizierte Umsatz für das Geschäftsjahr 2017/18 beträgt somit mindestens EUR 978 Mio. und das erwartete EBITDA mindestens EUR 186 Mio..[18]

Kennzahlen im Jahresvergleich von 2007–2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnis nach IFRS[19] GJ 07/08 GJ 08/09 GJ 09/10 GJ 10/11 GJ 11/12 GJ 12/13 GJ 13/14 GJ 14/15 GJ 15/16 GJ 16/17
Umsatzerlöse in Mio. EUR 485,7 449,9 372,2 487,9 514,2 541,7 589,9 667,0 762,9 814,9
EBITDA in Mio. EUR 79,8 52,4 34,5 95,9 103,4 102,4 127,2 167,6 167,5 130,9
EBITDA-Marge 16,4 % 11,6 % 9,3 % 19,7 % 20,1 % 18,9 % 21,6 % 25,1 % 22,0 % 16,1 %
EBIT in Mio. EUR 42,1 −1,1 −25,6 46,5 42,1 31,4 53,9 90,1 77,0 6,6
EBIT-Marge 8,7 % −0,2 % −6,9 % 9,5 % 8,2 % 5,8 % 9,1 % 13,5 % 10,1 % 0,8 %
Konzernergebnis in Mio. EUR 41,3 −5,8 −37,6 35,0 26,5 14,6 38,2 69,3 56,0 −22,9

Produkte - Business Units[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AT&S unterteilt seine Segmente in die Bereiche "Mobile Devices & Substrates", "Automotive, Industrial, Medical" und "Sonstige (inkl. Business Unit Advanced Packaging)".[19]

Das Segment "Mobile Devices & Substrates" hat einen Anteil von ca. 60 % am Umsatz und kurze Produktzyklen. Das Portfolio umfasst IC-Substrate, HDI Anylayer-Leiterplatten, HDI-Leiterplatten und Multilayer-Leiterplatten.Diese Produkte werden in Smartphones, Wearables, Tablets, Notebooks, PCs, Kameras und Spielkonsolen verbaut.[19]

Das Segment "Automotive, Industrial, Medical" hat einen Anteil von ca. 40 % am Umsatz und einen längeren Produktzyklus. Hierfür werden unter anderem HDI Microvia-Leiterplatten, Multilayer-Leiterplatten, flexible- und semiflexible Leiterplatten verbaut, welche in Assistenzsysteme für Autos oder in Steuerungslösungen für die Industrie benötigt werden.[19]

Das kleinste Segment "Sonstige (inkl. Business Unit Advanced Packaging)" beinhaltet das Embedded Component Packaging, welches zum Beispiel in SSD-Speicherkarten seine Anwendung findet.[19]

Kunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1992 war Nokia Kunde bei AT&S. Die AT&S konnte auch Motorola, Siemens[7] und Sony Ericsson[20] als Kunden gewinnen.

Der aufgrund des Niedergangs von Nokia rückläufige Umsatz wurde zuerst von RiM und nach deren rückläufigen Verkaufszahlen später von Apple übernommen.[7]

Die AT&S Werke in Shanghai und Chongqing befinden sich seit 2008[7] bzw. 2016 unter den Top 200 der weltweiten Lieferanten, die Apple beliefern.[21][22]

Im Jahr 2015 lieferte AT&S auch an Fairphone ihre Leiterplatten.[23]

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem es im Jahr 2013 zu einer Kapitalerhöhung kam, erhöhte sich die Anzahl der ausgegebenen Aktien auf 38,85 Millionen.[24] Im Zuge der Kapitalerhöhung beabsichtigte der weltgrößte Chiphersteller Intel Aktien im Wert von fünf Millionen Euro zu erwerben.[25]

Hauptaktionäre[19] Anteil
Streubesitz 65,9 %
Dörflinger Privatstiftung 17,8 %
Androsch Privatstiftung 16,3 %

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstand
  2. AT&S: AT&S Geschäftsbericht. 22. Oktober 2017; abgerufen am 22. Oktober 2017.
  3. Die Presse: Leiterplatten: AT&S verdoppelt Investitionen in China, Artikel vom 21. Oktober 2011
  4. AT&S schließt Standort Klagenfurt. In: ats.net. AT&S Leiterplatten; abgerufen am 21. April 2016.
  5. a b AT&S Worldwide. In: ats.net. AT&S Leiterplatten; abgerufen am 21. April 2016.
  6. a b AT&S: AT&S Worldwide. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  7. a b c d e f g Gerald Reischl: Die AT&S Story. Linde International, ISBN 978-3-7093-0620-8.
  8. a b c d e f g h AT&S: AT&S Geschichte. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  9. DerStandard.at: AT&S scheidet aus TecDAX aus. Abgerufen am 30. Oktober 2017.
  10. AT&S: AT&S in Leoben neu aufgestellt. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  11. AT&S: AT&S erweitert chinesischen Standort Chongqing um nächste High-Tech-Leiterplatten-Generation. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  12. AT&S: AT&S wird in den österreichischen Börsenleitindex ATX aufgenommen. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  13. a b AT&S: Ausblick und Kennzahlen. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  14. AT&S: AT&S erweitert chinesischen Standort Chongqing um nächste High-Tech-Leiterplatten-Generation. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  15. a b AT&S: Unternehmenspräsentation Oktober 2017. Abgerufen am 22. Oktober 2017 (englisch).
  16. AT&S: AT&S Geschäftsbericht. 22. Oktober 2017; abgerufen am 22. Oktober 2017.
  17. a b AT&S: Halbjahresfinanzbericht 17/18. Abgerufen am 2. November 2017.
  18. AT&S: AT&S erhöht Jahresprognose für Geschäftsjahr 2017/18. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  19. a b c d e f AT&S: Geschäftsbericht 2016/2017. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  20. AT&S: AT&S erhält Lieferanten Auszeichnung von Sony-Ericsson. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  21. Apple: Supplier List 2015. Abgerufen am 23. Oktober 2017 (englisch).
  22. Apple: Supplier List 2016. Abgerufen am 23. Oktober 2017 (englisch).
  23. Fairphone: Supplier List. Abgerufen am 23. Oktober 2017 (englisch).
  24. AT&S: Die Aktie - Basisinformationen. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  25. Die Presse: Chip-Riese Intel steigt bei AT&S ein. Abgerufen am 23. Oktober 2017.