Zumtobel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zumtobel Group AG

Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000837307
Gründung 1950
Sitz Dornbirn, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung
  • Alfred Felder (CEO)
  • Bernard Motzko (COO)
  • Thomas Tschol (CFO)[1]
Mitarbeiterzahl 6000 (2019/20)
Umsatz 1,131 Mrd. Euro (2019/20)
Branche Lichttechnik
Website zumtobelgroup.com

Die Zumtobel Group ist ein österreichisches, auf Lichttechnik spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Dornbirn. Zumtobel beschäftigt sich mit Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Lichttechnik und bietet Lichtlösungen, Leuchten, Lichtmanagement und Lichtkomponenten für Anwendungen im Innen- und Außenbereich an. Das Unternehmen ist ein europäischer Marktführer im Bereich professioneller Beleuchtungs­systeme und europaweit die Nummer zwei im Bereich der Lichtkomponenten.

Der Konzern besitzt 13 Produktionsstätten in Europa, Asien, Nordamerika und Australien sowie Vertriebs- und Partnergesellschaften in über 90 Ländern.

Seit 2007 verleiht die Firmengruppe den Zumtobel Group Award (Langname Zumtobel Group Award – Innovations for Sustainability and Humanity in the Built Environment) alle zwei Jahre an Architekten und Ingenieure.[2] Der Preis war 2012 mit 140.000 Euro dotiert,[3] 2017 mit 150.000 Euro.[4]

Im Geschäftsjahr Mai 2017 bis April 2018 schrieb das Unternehmen auf Grund von Preisdruck und Währungseffekten Verluste in Höhe von 46,7 Millionen Euro und schüttete in dieser Periode keine Dividende aus. Der Umsatz ging um 8 Prozent zurück, der Umsatzanteil der Leuchtdiodensparte erhöhte sich von 73,6 auf 79,6 Prozent.[5] 2018/19 hat die Zumtobel Group den Nettoverlust von 46,7 auf 15,2 Millionen Euro stark verringert. Begründet durch die Unsicherheit um den Brexit und den Preisdruck durch intensiven Wettbewerb in der Beleuchtungsindustrie ging der Umsatz um 2,9 Prozent auf 1,162 Milliarden Euro zurück. Das Betriebsergebnis (Ebit) veränderte sich von minus 7,3 Millionen auf 2,7 Millionen Euro ins Positive. Auch die Profitabilität wurde im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis stieg um 8 Millionen auf 27,6 Millionen Euro. Die Umsatzrendite verbessert sich auf 2,4 Prozent.[6] Am 25. Juni 2020 kommunizierte die Zumtobel Group die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019/20: Das Jahresergebnis verbesserte sich um 30 Millionen Euro auf ein Plus von 14,5 Millionen Euro. Das bereinigte Gruppen-Ebit hat sich trotz eines leichten, durch die globale Covid-19-Pandemie bedingten, Umsatzrückgangs auf 53,9 Millionen Euro fast verdoppelt. Die Ebit-Marge ist von 2,4 Prozent auf 4,8 Prozent gestiegen.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Zumtobel (1907–1990) war im besetzten Nachkriegsösterreich einer von rund 300 sogenannten Sequestern, die zunächst im Auftrag der französischen Militärregierung, dann auf Basis eines Verwaltergesetzes der österreichischen Bundesregierung, ehemals deutsches Eigentum in Vorarlberg verwalteten. Dazu zählten die Michel-Werke in Bregenz und Hard sowie die Werkzeugbau Arbeitsgemeinschaft Lustenau in Lustenau und die Feinmechanische Werkstätte Josef Maurer in Wolfurt. Diese drei ehemals deutschen Betriebe gliederte er in die am 1. Januar 1950 in Dornbirn gegründete Elektrogeräte und Kunstharzpresswerk W. Zumtobel KG ein und legte damit den Grundstein der heutigen Zumtobel-Gruppe.[8][9]

Produziert wurden in der Anfangszeit hauptsächlich Vorschaltgeräte für Leuchtstoffröhren. 1952 begann das Unternehmen, komplette Leuchten auf Basis von Leuchtstoffröhren herzustellen. Die 1953 am Markt eingeführte besonders schmale Balkenleuchte Profilux wurde zu einem Verkaufserfolg. Zumtobel gewann 1963 für die FER Einbauleuchte (für Hängedecken) einen ersten Designpreis.[10] 1959 reiste Walter Zumtobel erstmals in die USA und besuchte den Leuchtenhersteller Day-Brite Lighting, in St. Louis.[11]

1959 wurde ein Lichtlabor errichtet, das Lichtverteilungskurven ermittelt. Die deutsche Firma Staff, als Staff & Schwarz Leuchtenwerke (gegründet 1945) noch autonom, führte 1967 das erste Stromschienensystem Lite-Trac ein.[12][13] Das Unternehmen war von 1956 bis 1979 Lizenznehmer der Lichttechnischen Spezialfabrik Dr. Ing. Schneider & Co. Es erhielt 1976 die Staatliche Auszeichnung, die das Führen des Bundeswappens im Geschäftsverkehr erlaubt. Im selben Jahr wurde der Konzern in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

1976 wurde eine Minderheitsbeteiligung an der britischen Tridonic Ltd.[14] erworben. Die vollständige Übernahme erfolgte 1983. Durch Kaufvertrag vom 2. März 1979 ging die Fabrik der Dr.-Ing. Schneider & Co. in Usingen in das Unternehmen über und mit Vertrag vom 28. März 1979 auch der Geschäftszweck.[15]

1991 erfolgte die Unterteilung in die beiden Geschäftsfelder Leuchten (damals Zumtobel Licht) und Lichtkomponenten (damals Tridonic-Bauelemente). 1993 erwarb Zumtobel die Mehrheit der Anteile an der deutschen Staff-Gruppe in Lemgo; 1994 erfolgte die vollständige Übernahme. Im Jahr 2000 wurde mit Hilfe der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) die britische Wassall plc übernommen und die Thorn Lighting Group mit dem Leuchtengeschäft von Zumtobel fusioniert; das Komponentengeschäft von Thorn wurde in die Tridonic Division überführt.

Seit 2005 werden die LED-Aktivitäten weiterentwickelt. Die Lexedis Lighting in Jennersdorf wurde als Joint-Venture für Hochleistungs-LED-Lichtquellen von Tridonic Optoelectronic (einem Joint Venture von Tridonic und Lumitech, einem Spin-off der Technischen Universität Graz) und Toyoda Gosei gegründet. Die LEDON Lamp GmbH (Dornbirn) ist eine 100-prozentige Tochter der Zumtobel-Gruppe für LED-Applikationen.

Im Mai 2006 ging die Zumtobel Gruppe an die Wiener Börse. Im September 2006 wurde die Zumtobel-Aktie in den ATX aufgenommen. KKR verkaufte seinen nach dem Börsengang noch verbliebenen Anteil von 5,5 Prozent im Dezember 2006 außerbörslich an einen institutionellen Investor. Dabei handelte es sich offenbar um Delta Lloyd Asset Management NV. Jedenfalls teilte Zumtobel am 11. Mai 2011 in einer Pflichtmitteilung zur Aktionärsstruktur mit, dass Aviva plc nicht mehr Zumtobel-Aktionär sei, nachdem dessen Mehrheitsbeteiligung an „Delta Lloyd“ beendet worden sei. Delta Lloyd hielt zu diesem Zeitpunkt 6,778 Prozent der 43,5 Millionen Anteilscheine, „Fidelity“ wenige Tage später 9,99 Prozent.[16]

Zumtobel Group Headquarters in Dornbirn, Österreich

2009 wurden die bisherigen LED-Start-ups in einer eigenen Division zusammengefasst (Marke LEDON). LEDON wurde 2013 rückwirkend zum 1. November 2012 an den österreichischen Unternehmer Thomas Lorünser verkauft.[17] Mit Wirkung zum 24. September 2012 schied die Zumtobel-Aktie aus dem ATX aus und wurde seit diesem Zeitpunkt im Prime-Markt gehandelt.[18]

In den letzten Jahren hat die Zumtobel Group Großprojekte wie die Beleuchtung der BMW-Werke in Berlin und Leipzig sowie die des Airbus-Werkes in Bremen und der neuen Unternehmenszentrale des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim realisiert. Des Weiteren wurde die Erweiterung des Beijing International Airport in China sowie Teile des Burj Khalifa in Dubai, das Emirates Palace in Abu Dhabi, die Bolte Bridge in Melbourne, Australien und die Cathedrale la Seu auf Mallorca, Spanien mit innovativen Lichtlösungen ausgestattet. Auch zählen der neue Skylink-Terminal am Flughafen Wien, mit einer Auftragssumme von 10,0 Millionen Euro, die Beleuchtung von Fußballstadien wie der Allianz Arena, München oder des Tottenham Hotspur Stadium ebenso zu den Vorzeigeprojekten der Zumtobel Group wie das Guggenheim-Museum Bilbao oder die von David Chipperfield gestaltete James-Simon-Galerie in Berlin.

Tridonic-Hauptsitz in Dornbirn, Österreich

Der langjährige Geschäftsführer Jürg Zumtobel wurde im November 2017 mit dem „Ehrenpreis der Vorarlberger Wirtschaft für das unternehmerische Lebenswerk“ ausgezeichnet.[19] CEO ist seit 8. Juni 2018 Alfred Felder; Thomas Tschol übernahm zum 1. April 2018 die Funktion des CFO und Bernard Motzko ist seit 1. Februar 2018 COO.[1]

Produktionsstandort der Zumtobel Group in Niš, Serbien

Im September 2018 erweiterte die Zumtobel Group für 30,6 Millionen. Euro ihr globales Produktionsnetzwerk durch ein neues konzernweites Leuchten- und Komponentenwerk in Niš, Serbien. Der Produktionsstandort mit 40.000 Quadratmeter im Herzen des dynamischen Wachstumsmarktes Osteuropa, ermöglicht es der Zumtobel Group, flexibler auf veränderte Marktanforderungen zu reagieren und die Präsenz in diesen aufstrebenden Märkten zu stärken.[20]

Im März 2019 kündigte die Zumtobel Group an, am Heimatstandort in Dornbirn auf 4000 Quadratmetern ein neues Lichtforum eröffnen zu wollen. Dazu wird die alte Industriehalle des Unternehmens in der Höchsterstraße revitalisiert. Die Investition in den Heimatstandort wird bis zur Eröffnung im Jahr 2020 rund 8 Millionen Euro betragen. Das in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Studio des renommierten norwegischen Architekturbüros Snøhetta erarbeitete gestalterische Konzept schafft Raum für eine für den Kunden mit allen Sinnen erlebbare Lichtwelt.[21]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmensgruppe gliedert sich in zwei Geschäftsfelder: Die Zumtobel Lighting Division für das Leuchtengeschäft mit den Marken Zumtobel, Thorn und acdc sowie die Tridonic Division für das Komponentengeschäft.

Von den Aktien befinden sich 36,1 Prozent im Besitz der Familie Zumtobel. Damit ist die Familie der seit dem Börsengang etablierte stabile Kernaktionär der Zumtobel Group AG. Darüber hinaus hielten zum 30. April 2019 die institutionellen Investoren Lazard Frères Gestion SAS eine Beteiligung von über 5 Prozent sowie Wellington Management Group LLP eine Beteiligung von über 4 Prozent. Die restlichen knapp 55 Prozent sind im Streubesitz.[22]

Künstlerischer Geschäftsbericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Künstlerischer Geschäftsbericht 2018/19 gestaltet von Dietmar Eberle
Geschäftsbericht 2017/18 gestaltet von Sagmeister & Walsh

Seit 1991 lädt die Zumtobel Group international renommierte Persönlichkeiten aus den Bereichen Architektur, Grafikdesign und Kunst ein, den Geschäftsbericht des Konzerns in Auseinandersetzung mit dem Thema Licht und der Entwicklung des Unternehmens zu gestalten. Dabei wird den Künstlern größte Gestaltungsfreiheit eingeräumt, losgelöst von jeglichen Corporate Design-Richtlinien.[23] So entstehen Jahr für Jahr unkonventionelle Unikate in gedruckter Form. Neben Grafikern wie Italo Lupi, Neville Brody, Per Arnoldi und Stefan Sagmeister, mit denen die künstlerische Gestaltung begann, wurden außerdem Künstler wie Gerhard Merz, Siegrun Appelt, Olafur Eliasson, Anish Kapoor und James Turrell sowie Architekten wie Dominique Perrault, Hani Rashid / Asymptote, François Roche / Studio R&Sie(n), Sejima Kazuyo und Ryue Nishizawa / SANAA, David Chipperfield / DCA, Kjetil Thorsen / Snøhetta, Elizabeth Diller / Scofidio und Renfro und Yung Ho Chang / Atelier FCJZ mit der Gestaltung beauftragt.[24] Die aktuelle Ausgabe 2018/19 wurde vom österreichischen Architekten Dietmar Eberle / Baumschlager Eberle Architekten in Zusammenarbeit mit Sascha Lötscher von Gottschalk+Ash Int’l, Zürich gestaltet.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Zumtobel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zumtobel Group: Neuer Vorstand komplett, Thomas Tschol neuer CFO. Pressemitteilung vom 8. März 2018, abgerufen am 23. März 2018.
  2. Architekturpreise, abgerufen am 2. Oktober 2012
  3. Gesellschaftliches Engagement der Zumtobel Gruppe, abgerufen am 2. Oktober 2012
  4. Zumtobel Group Award. In: Zumtobel Group. 2019, abgerufen am 20. Juni 2019.
  5. Massive Verluste für Zumtobel Group orf.at, 28. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2018.
  6. Zumtobel legt wieder zu, abgerufen am 28. Februar 2020
  7. [1], abgerufen am 29. Juni 2020
  8. Christian Feurstein: Vom Familienunternehmen zur Unternehmensfamilie. Die Zumtobel-Konzerngruppe von 1950–2000. LIT Verlag Münster, 2009, S. 24 f.
  9. Träger des Ehrenzeichens des Landes Vorarlberg in Gold (Memento vom 13. November 2013 im Internet Archive) (PDF; 60 kB), abgerufen am 23. September 2012
  10. Geschichte – Die ersten Jahre nach der Gründung bis 1990 zumtobelgroup.com, abgerufen am 5. Oktober 2017.
  11. Anm.: Gegründet 1923 als Day-Brite Reflector Co., führte – erstmals in den USA – 1940 industriell erzeugte Leuchtstoffröhrenlampen ein. Expandiert 1946 als Day-Brite Lighting.
  12. Staff. In: designlexikon.net
  13. 60 Jahre Licht aus Lemgo – Zumtobel Standort feiert historische Meilensteine. In: zumtobelgroup.com vom 1. März 2012.
  14. Anm. Gesprochen „traidonik“
  15. Feurstein: Vom Familienunternehmen zur Unternehmensfamilie: Die Zumtobel-Konzerngruppe; S. 364 f., erneut abgerufen am 23. September 2012
  16. Aktionärsstruktur Zumtobel Group, zuletzt aktualisiert April 2016.
  17. Ledon Lamp macht sich selbständig Pressemitteilung der Zumtobel-Gruppe, 15. Februar 2013
  18. Amag ersetzt Zumtobel, Bene wechselt in Mid Market. Abgerufen am 19. Oktober 2012.
  19. 34. Vorarlberger Wirtschaftsforum will Mut für die Zukunft machen (9. November 2017)
  20. Projekt läuft nach Plan: Zumtobel Group Werk in Niš startet Serienproduktion. Pressemitteilung vom 30. Juli 2018, abgerufen am 28. Februar 2019.
  21. Neues Lichtforum für die Zumtobel Group: Langfristige Investition in den Heimatstandort Dornbirn. Pressemitteilung vom 15. März 2019, abgerufen am 28. Februar 2019.
  22. Jahresfinanzbericht_2018_19. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  23. a b Künstlerischer Geschäftsbericht 2018/19 der Zumtobel Group gestaltet vom renommierten österreichischen Architekten Dietmar Eberle. Pressemitteilung vom 25. Juli 2019, abgerufen am 28. Februar 2019.
  24. Geschäftsbericht. Abgerufen am 28. Februar 2020.

Koordinaten: 47° 24′ 27,4″ N, 9° 44′ 7,4″ O