Jungfrau (Sternbild)

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Sternbild
Jungfrau
Virgo constellation map.png
Legende
Lateinischer Name Virgo
Lateinischer Genitiv Virginis
Kürzel Vir
Rektaszension 11372211h 37m 22s bis 15112515h 11m 25s
Deklination 1775962−22° 40′ 38″ bis 2142138+14° 21′ 38″
Fläche 1294,428 deg²
Rang 2
Voll­stän­dig sicht­bar 67,4° N bis 76,2° S
Beob­achtungs­zeit für Mittel­europa Frühjahr
Anzahl der Sterne heller als 3 mag 2
Hellster Stern (Größe) Spica (0,98)
Meteorströme
Nachbarsternbilder
(von Norden im
Uhrzeigersinn)
Quellen IAU,

Die Jungfrau (lateinisch Virgo, astronomisches Zeichen ♍) ist ein Sternbild auf der Ekliptik.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sternbild Jungfrau, wie es mit dem bloßen Auge gesehen werden kann

Die Jungfrau ist (nach der Wasserschlange) das zweitgrößte Sternbild am Himmel. Sie liegt zwischen dem Löwen (Leo) und der Waage (Libra). Die hellsten Sterne sollen eine liegende Person darstellen.

Der hellste Stern ist Spica mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,98 mag. Spica ist in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen über den hellen Arcturus im Sternbild Bärenhüter zu finden.

Durch die Jungfrau zieht sich die Ekliptik, daher wandern die Sonne, der Mond und die Planeten durch dieses Sternbild. Zur Zeit der Benennung der Sternbilder in der Antike hielt sich die Sonne so von Mitte August bis Ende September im Sternbild Jungfrau auf, was damals mit dem Tierkreiszeichen Jungfrau nahezu identisch war. Aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse hat sich der Zeitpunkt des Sonnendurchgangs gegenüber der Antike jedoch verschoben. Deswegen befindet sich die Sonne derzeit vom 16. September bis zum 31. Oktober im Sternbild Jungfrau.

Im Sternbild Jungfrau befindet sich der riesige Virgo-Galaxienhaufen, der etwa 2000 Galaxien enthält. Mehrere der Galaxien können bereits mit kleinen Teleskopen beobachtet werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wird das Sternbild in Mesopotamien; Nach dem MUL.APIN war es unter den Namen MULAB.SIN bzw. šir’u (Ackerfurche) sowie auch unter dšala šubultu Šala (Gott/Göttin die Kornähre) bekannt. Vom Umfang her entsprach es dem heutigen Sternbild Jungfrau, genauer demjenigen Teil davon, der sich südlich der Ekliptik befindet. Der heliakische Aufgang des Sternbildes, um 2700 v. Chr. Mitte August[1] und später um 1900 v. Chr. Ende August,[1] zeigte den Bauern den nahenden Arbeitsbeginn des neuen Jahreszyklus auf dem Feld an. Die Göttin Šala trägt in MULAPIN selbst den Beinamen Kornähre, da der Aufgang des Sternbildes die Endphase der Ernte (Einbringen der Ernte) symbolisierte. Explizit bezog sich die Kornähre auf den Stern Spica (lat. „Ähre“), aber weil Spica der erstaufgehende Stern der Konstellation war, wurde das Sternbild nach diesem Stern benannt. Burrows nimmt an, dass der Bedeutungswechsel von Ackerfurche zu Jungfrau über ein huuritisches Wort Sala, Jungfrau erfolgte[2], eine Deutung, die sich nicht mehr halten lässt.

Das gesamte Sternbild Jungfrau hatte um 2700 v. Chr. am 29. August[1] und um 1900 v. Chr. am 6. September[1] in Mesopotamien seinen heliakischen Aufgang. Weitere Verbindungen des Sternbildes werden zu Ištar, Isis oder Kybele hergestellt.

Bei den Griechen der Antike existierten unterschiedlichste Deutungen. So sah man in dem Sternbild Athene, Hera, Persephone, Kallisto, Dike, Astraea oder Erigone.

Die Jungfrau gehört zu den 48 Sternbildern der antiken Astronomie, die von Ptolemäus beschrieben wurden.

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tafel mit Gilgamesch-Epos.

In der Mythologie von Mesopotamien wurde das Sternbild Jungfrau auch mit Inanna aus dem Gilgamesch-Epos in Verbindung gebracht. Inanna schickte den Himmelsstier auf die Erde, um Gilgamesch und Enkidu zu bestrafen. Als astronomischer Vorgang fand dieser Mythos am Himmel sein Gegenstück. Mit dem heliakischen Aufgang des Sternbildes Jungfrau ging das Sternbild Stier unter; im mythologischen Kontext folgte dem Aufstieg von Inanna das Herabkommen des Stiers auf die Erde, der die Rolle des Regenbringers und des Pflug-Ochsen übernahm.

Aus der klassischen griechischen Mythologie sind folgende Versionen überliefert:

Das Sternbild soll Persephone, die Tochter der Getreide- und Fruchtbarkeitsgöttin Demeter und von Zeus darstellen. Persephone wurde von Hades, dem Gott der Unterwelt, entführt, der sie zur Braut nahm. Zeus konnte sie vor diesem Schicksal nicht bewahren, sondern lediglich eine Vereinbarung treffen, nach der Persephone die eine Hälfte des Jahres bei ihrem Mann Hades verbringen musste, und die andere Hälfte an die Oberfläche zurückkehren durfte.

Nach einer anderen Quelle verkörpert das Sternbild die Göttin Dike, Tochter der Themis. Dike lebte zu einer Zeit auf Erden, zu der es noch keinen Krieg und Gewalt gab und die Erde dem Garten Eden glich. Als sich jedoch die Menschheit erzürnte, flüchtete sie in die Berge und schließlich an den Himmel.

Es soll sich aber auch um Astraea, die jungfräuliche Tochter der Themis und des Zeus handeln. Sie verkörperte die Gerechtigkeit. Aufgrund der Ungerechtigkeit unter den Menschen kehrte sie enttäuscht in den Himmel zurück. Neben ihr steht das Sternbild Waage, als Sinnbild der Gerechtigkeit.

In einer weiteren Version stellt das Sternbild Erigone dar, und steht in Verbindung mit den benachbarten Sternbildern Bärenhüter und Jagdhunde. Der Gott Dionysos lehrte Ikarios, den Vater der Erigone, die Kunst des Weinanbaus. Ikarios wollte seinen Wein unter die Menschen bringen und gab ihn einigen Bauern zum Kosten. Diese hatten nie zuvor Wein getrunken und töteten Ikarios, da sie dachten, dass er sie vergiften wollte. Erigone machte sich schließlich mit dem Hund Maira auf die Suche nach dem Vater. Sein Hund fand die Stelle, an der er vergraben wurde, und aus Trauer hängte sich Erigone an einem Baum auf. Der Hund starb ebenfalls aus Trauer und wurde an den Himmel versetzt. Ikarios fand als das Sternbild Bärenhüter Eingang in das Himmelsreich.

400

Himmelsobjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

B F Vmag Namen oder
andere Bezeichnungen
Entf.
(ly)
Spektralklasse
101α 67 0,98 Spica, Azimech, Alarph 262 B1 III/IV + B2 V
105ε 47 2,85 Vindemiatrix, Vindemiator, Almuredin, Alaraph,
Provindemiator, Protrigetrix, Protrygetor
102 G8 III
106ζ 79 3,38 Heze 73 A3 V
104δ 3,38 Minelava, Minelauva, Auva, Al Awwa ca. 200 M3 III
102β 3,59 Zavijah, Alaraph, Minelauva 36 F8 V
103γ 29 3,48 + 3,50 Porrima, Arich 39 F0 V + F0 V
400 109 3,73 109 Virginis, HR 5511 129 A0 V
112μ 107 3,87 HR 5487, Rijl al Awwa 61 F2 III
107η 15 3,89 HR 4689, Zaniah 250 A2 IV
113ν 3 4,04 HR 4517, Ny Virginis 313 M0 III
109ι 99 4,10 HR 5338, Syrma 70 F
115ο 9 4,12 Omikron Virginis 171 G8 IIIa CN-1Ba1CH1
110κ 98 4,18 Kappa Virginis 224 K2.5 III Fe-0.5
119τ 93 4,23 Tau Virginis 218 A3 V
108θ 51 4,38 Theta Virginis 415 A1 IV + Am
400 110 4,39 110 Virginis, HR 5601 183 K0.5 IIIb Fe-0.5
111λ 100 4,52 Khambalia 187 A2m
116π 8 4,65 8 Virginis 360 A5 V
122χ 26 4,66 Chi Virginis 320 A4 V
300I 74 4,68 I Virginis 430 M2 III
400 61 4,74 61 Virginis 28 G6 V
400 69 4,76 69 Virginis 258 K0 III-IV CN2Fe0.5
123ψ 40 4,77 Psi Virginis 420 M3 IIICa-1
118σ 60 4,78 Sigma Virginis 540 M1 III
121φ 105 4,81 Phi Virginis 135 G2 IV
114ξ 2 4,84 Xi Virginis 120 K2 III-IIIb CN1
117ρ 30 4,88 Rho Virginis 120 A0 V
400 78 4,92 78 Virginis 183 A1p SrCrEu
400 4,93 ET Virginis, HR 5301 540 M2 IIIa
400 89 4,96 89 Virginis 242 K0.5 III-IIIb
200cc 16 4,97 C Virginis 285 K0 IIIb Fe-1
400 70 4,97 70 Virginis 59 G4 V
400 4,99 CU Virginis 262 A0 VpSi
200mm 82 5,03 m Virginis 460 M1.5 III
400 53 5,04 53 Virginis 106 F5 III-IV
400 5,09 HR 5392 151 A5 V
120υ 5,14 Upsilon Virginis 274 G9 III
400 49 5,15 49 Virginis 306 K2 III
200pp 90 5,16 P Virginis 254 K2 III
200ee 59 5,19 e Virginis 59 G0 V
400 32 5,22 32 Virginis 244 F0 IIIm
200hh 76 5,21 h Virginis 264 K0 III
400 57 5,21 57 Virginis 127 K1 III-IV
124ω 1 5,24 Omega Virginis 480 M4 III
400 68 5,27 68 Virginis 500 M0 III
400A¹ 4 5,31 A Virginis 192 A1
400 55 5,31 55 Virginis 126 G6 V
400 5,33 HR 5013 300 K3 III
400 84 5,35 84 Virginis 217 K2 III
200bb 7 5,36 B Virginis 276 A1 V
400 63 5,36 63 Virginis 320 K III
400 87 5,41 87 Virginis 640 M2 IIIab
400 106 5,42 106 Virginis 480 K5 III
400 95 5,46 95 Virginis 179 F2 IV
200qq 21 5,48 Q Virginis 262 A0 V
400 86 5,50 86 Virginis 380 G8 III

Spica ist ein 272 Lichtjahre entferntes Mehrfachsternsystem. Der Hauptstern ist ein weiß leuchtender Riesenstern mit der 13.500-fachen Leuchtkraft unserer Sonne. Der Stern pulsiert schwach über einen Zeitraum von 0,174 Tagen und ändert dabei leicht seine Helligkeit. Im Abstand von 0,12 astronomischen Einheiten umläuft ein kleinerer Begleitstern den Hauptstern in etwa vier Tagen. Aufgrund des geringen Abstandes ist der Stern im Teleskop nicht sichtbar. Bei jedem Umlauf zieht der lichtschwächere Begleiter vor dem hellen Hauptstern vorbei, wodurch die Helligkeit leicht abfällt. Spika ist somit ein Bedeckungsveränderlicher. Der Hauptstern wird noch von mindestens zwei kleineren Begleitsternen umkreist, die ebenfalls nicht mit optischen Teleskopen beobachtet werden können.

Der zweithellste Stern ist der 102 Lichtjahre entfernte, gelblich leuchtende ε Virginis.
Sein Name, Vindemiatrix, bedeutet „Weinleserin“.

Doppelsterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

System Vmag Abstand
Gamma Virginis 3,48 / 3,50 2010: 1,4”
θ 4,4 / 8,6 7,2”
φ 5,0 / 9,2 4,7”

Gamma Virginis (γ Virginis) ist ein 39 Lichtjahre entfernter Doppelstern. Die beiden etwa gleich großen und gleich hellen Sterne umkreisen einander in rund 170 Jahren. Während eines Umlaufes verändert sich der Winkelabstand relativ stark. 1920 wurde mit 6,2 Bogensekunden der größte Abstand erreicht und die Sterne konnten mit einem kleinen Teleskop beobachtet werden. 2005 wurde der geringste Abstand erreicht und die Sterne standen nur 0,3 Bogensekunden auseinander, was ein größeres Teleskop zur Auflösung der Komponenten nötig machte.

Veränderliche Sterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stern Scheinb. Größe (m) Periode Typ
Spica 0,98 0,174 Tage / 4,014 Tage Pulsationsveränderlicher / Bedeckungsveränderlicher
R 7 bis 11 145,5 Tage Mira-Stern

R Virginis ist Veränderlicher Stern vom Typ der Mira. Seine Helligkeit ändert sich stark über einen Zeitraum von 145,5 Tagen

Messier- und NGC-Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messier (M) NGC Vmag Typ
49 8,4 elliptische Galaxie
58 9,7 Spiralgalaxie
59 9,6 elliptische Galaxie
60 8,8 elliptische Galaxie
61 9,7 Spiralgalaxie
84 9,1 elliptische Galaxie
86 8,9 elliptische Galaxie
87 8,6 elliptische Galaxie
89 9,8 elliptische Galaxie
90 9,5 Spiralgalaxie
104 8,0 Spiralgalaxie
4216 10,0 Spiralgalaxie
4388 11,0 Spiralgalaxie
4429 10,0 Spiralgalaxie
4526 9,7 Spiralgalaxie
4654 10,5 Spiralgalaxie
5634 11 Kugelsternhaufen
3C273 12,9 Quasar

Der Virgo-Galaxienhaufen ist etwa 60 Millionen Lichtjahre entfernt. Etwa 250 seiner Mitglieder können mit einem mittleren Teleskop ab 15 cm Öffnung beobachtet werden. 11 Galaxien nahm der französische Astronom Charles Messier in seinen Katalog nebliger Objekte auf.

M 49 war die erste entdeckte Galaxie des Virgohaufens. Messier fand sie im Jahre 1771. M 49 ist das hellste Objekt des Galaxienhaufens. Bereits im Prismenfernglas ist sie als nebliger Fleck zu erkennen. Es handelt sich um eine elliptische Galaxie. Dies sind riesige Systeme, die durch Verschmelzung mehrerer Galaxien entstanden sind. Elliptische Galaxien enthalten relativ wenig interstellare Materie und weisen keine Spiralstrukturen auf.

Die Spiralgalaxie M 61 gehört ebenfalls zum Virgo-Galaxienhaufen. In einem kleinen Teleskop erscheint sie als nebliges Fleckchen. In größeren Teleskopen werden Spiralstrukturen sichtbar.

Die Galaxien M 84, M 86, M 87 und M 88 gehören zur Zentralregion des Virgohaufens. Messier entdeckte alle vier Galaxien in der Nacht des 18. März 1781. M 84, M 86 und M 87 sind elliptische Galaxien, M 88 eine Spiralgalaxie.

M 84 gehört mit einer geschätzten Masse von etwa 800 Milliarden Sonnenmassen zu den massereichsten Galaxien, die wir kennen. Sie ist zudem eine starke kosmische Radioquelle.

M 87 ist ebenfalls eine starke Radioquelle, die als Virgo A bezeichnet wird. Langbelichtete Fotografien zeigen einen Materiejet, der aus dem Kern der Galaxie herausschießt.

Die 50 Millionen Lichtjahre entfernte Spiralgalaxie M 104 gehört nicht zum Virgohaufen. Wir sehen die Galaxie von der Seite. Im mittleren Teleskop wird ein dunkles Staubband sichtbar. Die Galaxie hat etwa die Form eines Hutes, was ihr den Namen “Sombrero-Galaxie” einbrachte.

Weitere Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Quasar 3C 273 ist der Kern einer aktiven Galaxie, die sich in der Entfernung von 2,5 Milliarden Lichtjahren befindet. Er ist bereits in Teleskopen ab 10 cm Öffnung als Sternchen zu erkennen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Berechnungen über das astronomische Programm Sky-Chart III
  2. Eric Burrows, Ḫurrian Sala(s), Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland 2, 1927, 318–320

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Jungfrau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Virgo (constellation) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien