Kommissar Kluftinger

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Michael Kobr (rechts) und Volker Klüpfel bei einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse 2009
Volker Klüpfel mit Bühnenrequisit 2012

Kommissar Kluftinger ist die Hauptfigur einer Kriminalromanreihe der deutschen Schriftsteller Michael Kobr und Volker Klüpfel, auch bekannt als Allgäu-Krimis.

Bis zum sechsten Fall sind die Bücher im Münchner Piper Verlag erschienen. Im Oktober 2011 wechselte das Autorenduo – seiner Lektorin Michaela Kenklies folgend – zum Verlag Droemer Knaur.[1]

Alle Romane erschienen in gekürzter Form auch als Hörbuch, gelesen von den Autoren selbst.

Hauptfigur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titelheld A. I. Kluftinger (seine Vornamen werden in den neun bisher erschienenen Büchern nicht verraten, allerdings wird sein Spitzname "Bertele" erwähnt) wohnt in Altusried im Allgäu. Er ist Kriminalhauptkommissar bei der Polizei in Kempten (Allgäu). Kluftinger ist glücklich mit Erika verheiratet und hat mit ihr einen Sohn namens Markus, der Psychologie studiert und später als Profiler arbeiten will. Markus' Freundin Yumiko, Miki genannt, stammt aus Japan, studiert aber wie Kluftinger junior in Erlangen und spricht akzentfrei Deutsch.

Kluftinger mag keine Leichen, er leidet unter Flugangst, tut sich mit Fremdsprachen schwer, hat weder für modische Accessoires noch für technische Neuerungen etwas übrig, fährt einen uralten VW Passat Diesel und liebt deftige Speisen wie Kässpatzen. Im örtlichen Musikverein spielt er die große Trommel, weil sich sonst niemand findet, der bereit wäre, dieses Instrument zu übernehmen.

Kluftingers Intimfeind ist der Arzt Dr. Martin Langhammer, der unglücklicherweise ebenfalls in Altusried wohnt. Dessen Gattin Annegret ist süffisanterweise mit Erika, Kluftingers Frau, eng befreundet. Für die Blamagen, die ihm Langhammer regelmäßig zufügt, rächt Kluftinger sich teils nur gedanklich, teils auch mit tatsächlich durchgeführten Racheaktionen.

An Kluftingers Seite ermitteln seine Kollegen Strobl, Maier und Hefele. Maier ist, im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten, speziell medientechnisch interessiert und fällt seinen Kollegen regelmäßig auf die Nerven. Lieber arbeitet Kluftinger mit dem Erkennungsdienstler Willi Renn zusammen, auch wenn es ihm vor dessen Sammlung makabrer Erinnerungsstücke an abgeschlossene Fälle graust. Zu seinem beruflichen Umfeld gehört außerdem die Sekretärin Sandy Henske aus Dresden. Regelmäßig tritt in den Allgäu-Krimis auch Kluftingers Vorgesetzter Dietmar Lodenbacher, der durch stark niederbayerisch gefärbte Sprechweise, devote Haltung gegenüber Weisungsbefugten und selbstherrliches Auftreten vor Medienvertretern charakterisiert ist, auf; weitere Polizeibeamte, mit denen Kluftinger öfter zu tun hat, sind der Österreicher Valentin Bydlinski und die Füssener Kripobeamtin Friedel Marx.

Obwohl Kluftinger im alltäglichen Leben eher tollpatschig agiert, regelmäßig in Fettnäpfchen tritt und nicht nur von seiner Ehefrau, sondern auch von seinen betagten Eltern noch bemuttert wird, gelingt ihm dank seines scharfen Blickes, seines mitunter fotografischen Gedächtnisses und seiner Kombinationsfähigkeit doch regelmäßig die Auflösung des Falls, mit dem er sich befassen muss.

Zum Vornamen Kluftingers wird im vierten Band „Laienspiel“ ein Hinweis gegeben. Kluftinger gibt preis, dass sein zweiter Vorname übersetzt „der Feurige“ (lat. Ignatius) bedeutet. Im darauf folgenden Band „Rauhnacht“ erfährt der Leser außerdem, dass ein Name des Kommissars aus acht Buchstaben besteht. Außerdem erfährt der Leser im dritten Band „Seegrund“, dass sein vollständiger Name sich mit den Initialen A. I. K. abkürzen lässt. Ebenfalls in diesem Roman findet man an zwei Stellen Hinweise darauf, dass sein erster Vorname Alfons sein könnte, denn es wird beschrieben, wie es ihm beim Lesen zweier Briefe, die an einen Alfons gerichtet sind, schaudert. Im Roman "Grimmbart" stellt sich heraus, dass der Vorname mit "Ad" beginnt, was bei 8 Buchstaben z.B. Adolphus, Adrianos oder Adalbert sein könnte. Im aktuellen Fall "Himmelhorn" bedenkt ihn sein alter Freund Korbinian Frey mit dem Spitznamen Bertele, was auf Adalbert hindeuten könnte.

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Band 1: Milchgeld (2003)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kommissar Kluftingers Heimatort Altusried wird ein Lebensmittelchemiker des örtlichen Milchwerks ermordet. Kluftinger entdeckt mit seinen eigenwilligen Ermittlungsmethoden hinter der Allgäuer „heilen Welt“ einen nur scheinbar verjährten Verrat, kriminelle Machenschaften sowie einen handfesten Skandal.

Es geht zunächst um den Mord an dem Lebensmitteltechniker. Später finden die Polizisten eine zweite Leiche, woraufhin sie schnell zum Mörder gelangen, der den Lebensmitteltechniker sowie das zweite Opfer getötet hat.

Band 2: Erntedank (2004)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Waldstück bei Kempten (Allgäu) wird eine Leiche gefunden, auf deren Brust eine tote Krähe drapiert wurde. Kluftinger taucht während der Ermittlungen tief in die mystische Vergangenheit des Allgäus ein und trifft auf weitere rätselhafte Hinweise. Privat ist Kluftinger am Verzweifeln, da er gemeinsam mit seiner Frau wegen eines Wasserrohrbruchs beim ungeliebten Arzt Dr. Langhammer einquartiert wird.

Eine zentrale Rolle spielt die Allgäuer Sage des Ritters Kuno von Rappenscheuchen,[2] da unter anderem am Ort seiner früheren Burg die erste Leiche gefunden wurde, außerdem die Sage der zwölf Knaben,[3] nach der das zweite Opfer bestraft wurde, sowie die Sage des Dengelsteins, der im Wald zwischen Betzigau und Görisried liegt.

Band 3: Seegrund (2006)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Alatsee bei Füssen wird am Ufer ein lebloser Taucher gefunden. Kluftinger deckt dessen Verbindung zu einer Gruppe ehemaliger Soldaten auf, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mindestens zwei geheimnisvolle Kisten in dem See versenken mussten und sich damals geschworen haben, den erhofften Schatz später zu heben.

Band 4: Laienspiel (2008)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kluftingers Einsatzgebiet hat sich ein unbekannter Mann auf der Flucht vor der österreichischen Polizei erschossen. Er wurde verdächtigt, einen terroristischen Anschlag an noch unbekannter Stelle zu planen. Kluftinger muss mit den Kollegen aus Österreich und den Spezialisten des BKA zusammenarbeiten. Privat soll er mit dem Ehepaar Langhammer und seiner Frau Erika an einem Tanzkurs teilnehmen, obwohl er wegen der Generalproben für die Freilichtinszenierung von „Wilhelm Tell“ gar keine Zeit hat.[4][5] In letzter Sekunde gelingt es den Polizisten, zwei Anschläge zu verhindern, davon einen in Altusried.

Band 5: Rauhnacht (2009)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2009 erschien der fünfte Kluftinger-Band Rauhnacht. In einem eingeschneiten Luxushotel muss Kluftinger in der Tradition von Agatha Christies Hercule Poirot während der Rauhnächte einen Mordfall lösen. Unterstützung erhält er hierbei von seinem ungeliebten Nachbarn Dr. Langhammer. „Rauhnacht“ stieg mit dem Verkaufsstart in den Spiegel-Bestsellerlisten auf Platz 1 ein. Am 8. Oktober 2010 wurde das Buch im Memminger Stadttheater vom Landestheater Schwaben als Theaterstück uraufgeführt.

Band 6: Schutzpatron (2011)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Kobr liest aus Schutzpatron, 2012

Im Juni 2011 erschien der sechste Kluftinger-Fall mit dem Titel Schutzpatron.[6] Nach einer weltweiten Ausstellungsreise kehrt der wertvolle Burgschatz mit der Reliquie des Heiligen Magnus nach Altusried zurück. Kluftinger trägt für die Sicherheit der Exponate Verantwortung. Daneben ist der Mord an einer alten Frau aufzuklären, und zudem scheint sein Auto gestohlen worden zu sein, was er beschämt vor Ehefrau und Kollegen zu verbergen sucht.

Band 7: Herzblut (2013)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2013 erschien Kluftingers siebter Fall Herzblut. Darin erhält der Kommissar einen anonymen Anruf, bei dem er glaubt, Zeuge eines Mordes zu sein, und er kämpft mit beängstigenden gesundheitlichen Problemen.[7]

Band 8: Grimmbart (2014)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2014 erschien Kluftingers achter Fall Grimmbart. Die Frau des Barons im Schloss von Bad Grönenbach wird ermordet vorgefunden, und Kluftingers Sohn heiratet seine Freundin Yumiko. Für zusätzliche Aufregung sorgt, dass deren Eltern zur Hochzeit aus Japan anreisen.[8]

Band 9: Himmelhorn (2016)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende September erschien der neunte Kluftinger-Krimi. Bei einem gemeinsamen Ausflug mit Dr. Langhammer auf das Himmelhorn nahe Oberstdorf stoßen die beiden auf drei Leichen von scheinbar verunglückten Bergsteigern. Zunächst sieht alles nach einem tragischen Sportunfall aus.

Reportagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkaufszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2009 hatten die ersten vier Bücher eine Auflage von 1,3 Millionen.[10] Bis 2011 wurden die ersten fünf Bücher 2,6 Millionen mal verkauft.[11] In der Berichterstattung vor Erscheinen des 7. Kluftinger-Bandes wurden eine Gesamtverkaufszahl aller Bände von mehr als 4,5 Millionen Exemplaren genannt.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Kommissar Kluftinger hat in seinen Kniebundhosen durchaus das Zeug zum Columbo von Altusried. Und schon deshalb sollte dieser Krimi auch über die Grenzen des Allgäus hinaus bekannt werden.“

„Spannend, mit scharfem, humorvollem Blick auf die Wirklichkeit. Die beiden Allgäuer Autoren erzählen mit Witz, Intelligenz und emotionaler Kraft.“

„In einem Krimi darf aber natürlich nicht nur gelacht werden, es muss auch spannend sein und ein bisschen unheimlich. Alles das gibt es bei Klüpfel und Kobr […] Seegrund bietet alles, was die Leser an Kluftinger mögen und hat dazu noch einiges an Überraschungen und Geheimnissen parat.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film- und Theateradaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman Erntedank wurde unter der Regie von Rainer Kaufmann mit Herbert Knaup in der Hauptrolle verfilmt. Erntedank. Ein Allgäu-Krimi wurde erstmals am 26. September 2009 im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Volker Klüpfel, einer der beiden Autoren der Romanserie, trat in der Verfilmung als Gerichtsmediziner Böhm auf.[12][13] Die Schlussszene wurde nicht, entsprechend der Romanvorlage, am Dengelstein bei Kempten (Allgäu) gedreht, sondern in der Teufelsküche bei Obergünzburg. Im Film wird der Ort als Dengelfelsen bezeichnet.[14]

Im Oktober 2010 gab es einen Kluftinger-Fall als Theaterstück. Das Landestheater Schwaben in Memmingen brachte Rauhnacht auf die Bühne.[15]

2010 gab es Meldungen, dass ab 2012 die Reihe um Kommissar Kluftinger Teil des Tatorts werden solle (Milchgeld und Seegrund).[16] Diese Entscheidung wurde im Juni 2011 wieder verworfen. Die beiden Teile werden stattdessen als eigenständige Krimireihe im Ersten gezeigt.[17]

Die Verfilmung Milchgeld. Ein Kluftingerkrimi wurde am 26. April 2012 in Das Erste gesendet und erreichte in der Erstausstrahlung 4,44 Millionen Zuschauer.[18] Am 28. November 2013 wurde die dritte Verfilmung Seegrund. Ein Kluftingerkrimi in Das Erste gesendet (88:03 min, WDR).[19]

Im November 2016 wurden die Verfilmungen von Schutzpatron. Ein Kluftingerkrimi und Herzblut. Ein Kluftingerkrimi in der ARD ausgestrahlt. Die Dreharbeiten hierzu fanden von Oktober bis Dezember 2015 in Memmingen und der Umgebung statt. Die ehemalige Realschule in der Buxacher Straße diente dabei als Polizeipräsidium.[20]

Kluftinger-Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Füssen bietet alle 14 Tage eine „Kluftiführung“ zum Alatsee, der in Seegrund eine wichtige Rolle spielt, an. Ebenso gibt es in Kempten (Allgäu) und Altusried „Kluftiführungen“.[21] 2010 erschien mit dem Titel Unter Brüdern und mit der Genehmigung der Autoren Kobr und Klüpfel der erste Geocaching-Fall.[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margarete Brand: Erntedank. Kluftingers zweiter Fall. Ein Allgäu-Krimi im Unterricht. In: Deutschmagazin, 6 (2009) 1, S. 37–44, ISSN 1613-0693

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klufti ermittelt zukünftig bei Droemer Knaur
  2. Sage von Rappenscheuchen
  3. Sage der zwölf Knaben
  4. Ihr neuer Roman ‚Laienspiel‘ besticht durch die Liebe und die Genauigkeit der Beschreibung … Witzig sind auch die Dialoge … Und der Plot ist mit Intelligenz konstruiert. Lohnt sich. – Bundeszentrale für politische Bildung
  5. a b c d kommissar-kluftinger.de – (positive) Kritiken
  6. Kommissar-Kluftinger.de
  7. Kommissar Kluftinger Homepage
  8. Kommissar Kluftinger Homepage
  9. Kommissar Kluftinger Homepage
  10. Terror und Tanzstunde. In: Der Spiegel. Nr. 22, 2008, S. 168–169 (online – über die Serie).
  11. http://www.focus.de/kultur/medien/kultur-und-leben-mords-gaudi_aid_629734.html
  12. br-online.de
  13. Erntedank in der Internet Movie Database (englisch)
  14. Making-Of zu Erntedank. Ein Allgäukrimi
  15. RSA – Der Allgäusender
  16. Kluftinger, der Tatort-Kommissar?! (abgerufen am 29. Juli 2010)
  17. Kommissar Kluftinger nun doch nicht Tatort-Kommissar im Allgaeu
  18. Vom BR ins Erste: Kluftinger-Krimi holt Tagessieg, DWDL.de vom 27. April 2012
  19. [1] Seegrund. Ein Kluftingerkrimi 15. Februar 2015 ARD
  20. Bayerischer Rundfunk: In Produktion: Zwei neue Fälle für Kommissar Kluftinger | BR.de. In: www.br.de. 6. Oktober 2015, abgerufen am 22. April 2016.
  21. kommissar-kluftinger.de – Führungen
  22. Geocaching.com