Landarenca

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Landarenca
Wappen von Landarenca
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton GraubündenKanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Moesa
Politische Gemeinde: Calancai2
Postleitzahl: 6545
frühere BFS-Nr.: 3801
Koordinaten: 728800 / 131000Koordinaten: 46° 19′ 5″ N, 9° 6′ 40″ O; CH1903: 728800 / 131000
Höhe: 1272 m ü. M.
Einwohner: 15 (2012)
Website: Landarenca
Landarenca

Landarenca

Karte
Landarenca (Schweiz)
Landarenca
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1980

Landarenca ist eine Fraktion der politischen Gemeinde Calanca im ehemaligen Kreis Calanca im Bezirk Moesa des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landarenca liegt auf einer Höhe von 1272 m ü. M. im unteren Teil des Calancatals auf einer kleinen Terrasse hoch über dem rechten Ufer des Flusses Calancasca und am Ost-Fuss des Pizzo Mottone; 22 km nördlich der Station Bellinzona der Schweizerischen Bundesbahnen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Erwähnung findet das Dorf im Jahre 1529 unter dem damaligen NamenLan Darencha. Landarenca entstand, weil die moderne Alpwirtschaft ein Gemeinwerk erforderte. Das führte dazu, dass die verstreuten Hofsiedlungen aufgegeben und gemeinsam in einem Dorf gewohnt wurde. Das Gemeinwerk in den Dörfern gilt als Wurzel basisdemokratischen Lebens. Seit dem Beitritt des Calancatales zum Schutzbündnis des Grauen Bundes von 1496 und dem Loskauf von den Grafen Gian Giacomo Trivulzio aus Mailand wurde Landarenca von der Bevölkerung autonom verwaltet, wovon der ehemalige Gemeindeversammlungsplatz vor der Kirche mit dem Steintisch zeugt.

Gemeindefusion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 fusionierte die bis dahin selbstständige Gemeinde Landarenca mit Arvigo. Vorher galt sie während längerer Zeit als kleinste Gemeinde der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: Geteilt von Gold und Rot, in Gold schwebend gleicharmiges rotes Kreuz, in Rot drei goldene Kugeln, 2, 1. Die Wappenfiguren sind die Zeichen der Kirchenpatrone: das Kreuz im oberen Teil des Wappens erinnert an den Heiligen Bernhard von Clairvaux, während die drei Kugeln im unteren Teil das Attribut des Heiligen Nikolaus sind. Die Farben des Wappens beziehen sich auf die Adelsfamilie der Sax.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1773 1850 1900 1950 1970 1990[1] 2012
Einwohner 117 71 72 37 20 14 15

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landarenca wurde vom südlichen Dorfteil her erbaut, der von den rauen Nordwinden geschützt ist. Eine Quelle war bis ins 20. Jahrhundert mit Waschbecken und Tiertränke versehen. In der Südecke steht sich auch das ehemalige Armenhaus. Die Häuser sind strahlenkranzförmig um die Kirche SS. Bernardo und Nicolao (1529 erstmals erwähnt) angeordnet. Ursprünglich wurden die Häuser aus bautechnischen und klimatischen Gründen immer dem Hang entlang gebaut.

In Landarenca gibt es noch einzelne Steindächer aus Lesesteinen, als Zeugen eines inzwischen ausgestorbenen Handwerks. Die traditionellen Holzkreuze auf dem Friedhof sollen die Gleichheit nach dem Tode symbolisieren und zugleich musste kein Marmor vom Tale hochgetragen werden. Am Bach im Norden des Dorfes stand die Mühle, wo der im Dorf angebaute Roggen gemahlen wurde.

Der kleine Schiessstand des Dorfes wurde mit einer Spende von Batista Margna, dem Schützenkönig des ersten Eidgenössischen Schützenfestes von 1849 in Aarau errichtet. 1968 gewährte Landarenca als zweite Bündner Gemeinde den Frauen das Stimmrecht.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute gibt es nur noch einen Landwirtschaftsbetrieb in Landarenca. Auch hier führt der Rückgang der Landwirtschaft dazu, dass das über Jahrhunderte kultivierte Land verloren geht und durch Hasel-, Erlenbüsche und Waldbäume überwachsen wird. Die übrigen Erwerbstätigen pendeln bis nach Bellinzona.

Verkehr und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da jedes Bündner Dorf Anspruch auf eine öffentliche Zufahrt hat, entschied sich die Bevölkerung von Landarenca für eine Seilbahn anstatt einer Strasse. Diese wurde 1962 in Betrieb genommen und 2004 in eine vollautomatische Seilbahn mit 24-Stunden-Betrieb umgebaut. Die Seilbahn hatte tiefgreifende Veränderungen zur Folge. Während man früher Kartoffeln anbaute, damit man sie nicht auf dem Rücken hochtragen musste, war es jetzt einfacher sie im Tal zu kaufen.

Dank der Seilbahn ist Landarenca wohl das einzige wirklich autofreie Schweizer Dorf. Landarenca kann von Selma zu Fuss auf einem schmalen Saumweg in 40 Minuten erreicht werden. Es ist Ausgangsort für zahlreiche Wanderungen im Calancatal und für Übergänge ins Tessiner Rivieratal.

Im Dorf gibt es ein Restaurant, und der Wirt betreibt auch die Herberge, die im ehemaligen Schul- und Gemeindehaus eingerichtet wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reto Rigassi (* 13. September 1951 in Basel) (Bürgerort Landarenca), Maler, Fotograf[2]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edoardo Agustoni: Guida all’arte della Calanca. Casagrande, Bellinzona 2005, S. 66 f.
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 518.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.
  • Cesare Santi: Landarenca. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. Dezember 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Landarenca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cesare Santi: Landarenca. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. Dezember 2016.
  2. Claudio Guarda: Reto Rigassi. In: Sikart (Stand: 2007), abgerufen 11. Januar 2016.