Landkreis Soldin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Kreisgebiet 1905

Der Landkreis Soldin, bis 1939 Kreis Soldin, bis ins 19. Jahrhundert auch Soldinscher Kreis genannt, war bis 1945 ein Landkreis in der preußischen Provinz Brandenburg. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute im Wesentlichen zum Powiat Myśliborski in der Woiwodschaft Westpommern in Polen.

Der Landkreis Soldin umfasste in den 1930er Jahren die vier Städte Berlinchen, Bernstein, Lippehne und Soldin sowie 62 weitere Gemeinden und einen Forst-Gutsbezirk.[1]

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Hohenziethen um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Rittergut Zernikow um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der nachmittelalterlichen Zeit bildete sich in der Mark Brandenburg eine Gliederung in Kreise heraus. Einer dieser historischen Kreise war der Soldinsche Kreis in der Neumark.[2]

Im Rahmen der Bildung von Provinzen und Regierungsbezirken in Preußen erfolgte 1816 im Regierungsbezirk Frankfurt eine Kreisreform, durch die der Kreis Soldin wie folgt verändert wurde:[3]

  • Aus dem Kreis Arnswalde wechselten die Stadt und das Amt Bernstein sowie die Orte Bärfelde, Krining, Niepölzig, Ruwen, Siede und Tobelhof in den Kreis Soldin.
  • Aus dem Kreis Königsberg wechselten die Orte Dölzig, Hammer, Herrendorf, Kerkow, Ringenwalde, Rosenthal, Rostin, Rufen, Schildberg, Simonsdorf, Werblitz, Woltersdorf, Wusterwitz und Zernickow in den Kreis Soldin.
  • Aus dem pommerschen Kreis Pyritz wechselten die Orte Bärfelde, Ehrenberg, Gerzlow, Hasselbusch, Liebenfelde, Mandelkow und Rehfeld in den Kreis Soldin.
  • Aus dem Kreis Soldin wechselte der Ort Groß Mellen in den pommerschen Kreis Saatzig.
  • Aus dem Kreis Soldin wechselten die Orte Mietzelburg und Naulin in den pommerschen Kreis Pyritz.

Das Landratsamt des Kreises Soldin war in der Stadt Soldin.

Norddeutscher Bund/Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Am 1. Juli 1891 wurde der Gutsbezirk Briesenhorst aus dem Kreis Soldin in den Kreis Landsberg a./Warthe umgegliedert.

Zum 30. September 1929 wurden im Kreis Soldin entsprechend der Gebietsreform im Freistaat Preußen nahezu alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kreisgebiet im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde das Kreisgebiet unter polnische Verwaltung gestellt. Das Kreisgebiet gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1840 36.700 [4]
1871 72.329 [5]
1890 48.329 [1]
1900 47.075 [1]
1910 46.256 [1]
1925 49.635 [1]
1933 50.399 [1]
1939 48.655 [1]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1806–1817 von Sack
1817–1817 Henning August von Bredow
1817–1821 Adolph Lette
1821–1837 Wilhelm Stubenrauch
1837–1838 Albert Borsche (interimistisch)
1838–1840 Hermann Ludwig von Wedel
1840–1852 Hermann Alexander von Schrabisch
1852–1853 Heinrich Finck von Finckenstein
1853–1879 Rudolph von Cranach
1879–1901 Oskar von Weiß
1901–1918 Karl Krummacher
1918–1919 Hermann von Engelbrechten-Ilow
1919–1933 Max Berndt von Saldern
1933–1939 Johannes Danzig
1939–1945 Hans Georg von Ribbeck

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landratsamt in Soldin (1912)

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kreis Soldin in der Neumark begann das Eisenbahnzeitalter mit der Stargard-Cüstriner Eisenbahn-Gesellschaft (SCE), die ihre Stammbahn über Soldin - Glasow erst 1882 eröffnet hat >116.a<. Ein Jahr später folgte als Abzweigung die „Glasow-Berlinchener Eisenbahn-Gesellschaft“ >116.a²<, die mit der (SCE) durch Betriebsführungsvereinbarungen verbunden war und nach einiger Zeit von ihr übernommen wurde. 1898 kam die Verlängerung von Berlinchen nach Arnswalde hinzu >116.a²< und 1899 die Linie Pyritz - Jädickendorf, die das Kreisgebiet nur im Nordwesten streifte >116.e<.

Im Osten des Kreises berührte ab 1902 die Kleinbahn Friedeberg-Alt Libbehne einige Gemeinden >115.k<.

Schließlich verband die Preußische Staatsbahn 1912 die Kreisstadt Soldin mit Landsberg an der Warthe >116.d<.

Die Zahlen in >< beziehen sich auf das deutsche Kursbuch 1939.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adamsdorf
  • Bärfelde
  • Batow
  • Berlinchen, Stadt
  • Bernstein, Stadt
  • Breitebruch
  • Brügge
  • Buchholz
  • Chursdorf
  • Deetz
  • Dertzow
  • Dieckow
  • Dölzig
  • Fahlenwerder
  • Gerzlow
  • Giesenbrügge
  • Glasow
  • Griesenfelde
  • Groß Ehrenberg
  • Groß Mandelkow
  • Grüneberg
  • Hammer-Langestück
  • Hasselbusch
  • Hauswerder
  • Herrendorf
  • Hohengrape
  • Hohenziethen
  • Karlshof
  • Karzig
  • Kerkow
  • Kienitz
  • Klausdorf
  • Kleefeld
  • Kraazen
  • Kremlin
  • Krining
  • Kuhdamm
  • Liebenfelde
  • Lippehne, Stadt
  • Mellentin
  • Mietzelfelde
  • Mückeburg
  • Nesselgrund
  • Neuenburg
  • Pitzerwitz
  • Rehfeld
  • Rehnitz
  • Richnow
  • Ringenwalde
  • Rosenthal
  • Rostin
  • Rufen
  • Ruwen
  • Schildberg
  • Schöneberg
  • Simonsdorf
  • Soldin, Kreisstadt
  • Staffelde
  • Tobelhof
  • Trampe
  • Werblitz
  • Woltersdorf
  • Wusterwitz
  • Wuthenow
  • Zernickow
  • Zollen

Die Gemeinde Mückeburg hieß bis 1934 Mückenburg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844, S. 176–185.
  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 426–438.
  • Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg, Hermann Cramer, Halle 1872–1889, Band 4, Reprint, (Faksimilie), ISBN 978-3-88372-003-6, Potsdam 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Soldin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Soldin. Abgerufen am 2. April 2016.
  2. Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Grenzen und Verwaltungsgliederung, S. 32 ff. (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  3. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 12, 1816, S. 103 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  4. Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, 1844, S. 30
  5. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871