Landkreis Landsberg (Warthe)

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Das Kreisgebiet 1905

Der Landkreis Landsberg (Warthe), bis 1939 Kreis Landsberg (Warthe), bis ins 19. Jahrhundert auch Landsberger Kreis genannt, war ein Landkreis in der preußischen Provinz Brandenburg, der bis 1945 bestand. Heute gehört das ehemalige Kreisgebiet überwiegend zum polnischen Powiat Gorzowski in der Woiwodschaft Lebus.

Der Landkreis Landsberg (Warthe) umfasste zuletzt die Stadt Vietz sowie 94 weitere Gemeinden und zwei Forst-Gutsbezirke.[1]

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittergut Hohenwalde um 1860, Sammlung Alexander Duncker

In der nachmittelalterlichen Zeit bildete sich in der Mark Brandenburg eine Gliederung in Kreise heraus. Einer dieser historischen Kreise war der Landsberger Kreis bzw. der Kreis Landsberg, der einen der drei sogenannten Vorderkreise in der Neumark bildete.[2] Das Landratsamt war in der Stadt Landsberg a./Warthe. Im Rahmen der Bildung von Provinzen und Regierungsbezirken in Preußen erfolgte 1816 im Regierungsbezirk Frankfurt eine Kreisreform, bei der der Kreis Landsberg die Orte Blumberg, Groß und Klein Kammin, Ludwigsgrund, Tamsel, Warnick und Wilhelmsbruch an den neuen Kreis Cüstrin abtrat.[3] Zum 1. Januar 1836 wurde der Kreis Cüstrin wieder aufgelöst und die Orte, die bis 1816 zum Kreis Landsberg gehört hatten, kehrten wieder in den Kreis Landsberg zurück.[4]

Am 1. Juli 1891 wurde der Gutsbezirk Briesenhorst aus dem Kreis Soldin in den Kreis Landsberg a./Warthe eingegliedert. Am 1. April 1892 schied die Stadt Landsberg a./Warthe aus dem Kreis aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. Damit erhielt der Kreis Landsberg a./Warthe die Bezeichnung Landkreis. In den 1920er Jahren setzte sich die Bezeichnung „Landsberg (Warthe)“ durch.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Landsberg (Warthe) entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der fast alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kreisgebiet im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde das Gebiet unter polnische Verwaltung gestellt. Die einheimische Bevölkerung wurde in der Folgezeit von den örtlichen polnischen Verwaltungsbehörden vertrieben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1750 12.478 [5]
1796 34.111 [6]
1816 36.239 [7]
1840 58.448 [8]
1871 77.738 [9]
1890 61.683 [1]
1900 58.548 [1]
1910 55.613 [1]
1925 55.919 [1]
1933 55.094 [1]
1939 52.481 [1]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1722–1730 Friedrich Wilhelm von Schöning
1730–1744 George Wilhelm von Schöning
1744–1776 Hans Wotislaw von Wobeser
1776–1792 Christian Wilhelm von Beerfelde
1792–1802 Stephan Christian von Schöning
1802–1813 Christian Ludwig Adolph von Rhade
1813–1840 Wilhelm Sturm
1840–1841 Albert Borsche (1809–1879) (kommissarisch)
1841–1847 Gustav Honig
1847–1849 Wilhelm Flottmann (1812–1891)
1849–1863 Rudolf von Dewitz (1815–1863)
1863–1897 Robert Jacobs (1832–1897)
1897–1905 Arnold Wahnschaffe (1865–1941)
1905–1914 Max Hermann Clairon d'Haussonville (1869–1923)
1914–1923 Berthold Thon (vertretungsweise)
1923–1930 Hugo Swart (1885–1952)
1930–1937 Hans Faust (* 1894)
1937–1944 Friedrich Kurt von Alten (1888–1944)
1944–1945 N.N.

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Landsberg gliederte sich zunächst in die Stadt Landsberg a./Warthe, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1929 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst. Am 1. Juli 1935 erhielt die Gemeinde Vietz (Ostb.) das Stadtrecht.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landsberg an der Warthe wurde schon 1857 durch die Strecke Küstrin–Schneidemühl der staatlichen Preußischen Ostbahn, die parallel zu Warthe und Netze nach Osten führte, an das neu entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen >115.0<.

Die Stargard-Cüstriner Eisenbahn-Gesellschaft kam 1882 hinzu, berührte aber nur die Station Berneuchen im Nordwestzipfel des Kreises >116.a<.

Erst um die Jahrhundertwende wurde Landsberg zum lokalen Knotenpunkt. 1896/99 führte die Preußische Staatsbahn eine Nebenbahn nach Meseritz >116.f< und 1912 die Linien nach Soldin und Zielenzig >116.d+h<.

Wegen der Grenzziehung nach dem Jahre 1919 erbaute die Deutsche Reichsbahn 1935/36 eine Verbindung von Schwerin nach Kreuz, die den Südosten des Kreises durchzog >116.g<.

Die Zahlen in >< beziehen sich auf das Deutsche Kursbuch 1939.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Landkreis Landsberg (Warthe) gehörten 1945 die folgenden Gemeinden an:

  • Alexandersdorf
  • Alt Gennin
  • Altensorge
  • Annenaue
  • Balz
  • Bergkolonie
  • Berkenwerder
  • Berneuchen
  • Beyersdorf
  • Blockwinkel
  • Blumberg
  • Blumenthal
  • Borkow
  • Briesenhorst
  • Brückendorf
  • Bürgerbruch
  • Christophswalde
  • Cocceji-Neudorf
  • Cocceji-Neuwalde
  • Dechsel
  • Derschau
  • Diedersdorf
  • Döllensradung
  • Dühringshof
  • Egloffstein
  • Eulam
  • Fichtwerder
  • Gennin
  • Gerlachsthal
  • Giesen
  • Giesenaue
  • Gralow
  • Groß Kammin
  • Gürgenaue
  • Hagen
  • Heinersdorf
  • Himmelstädt
  • Hohenwalde
  • Hopfenbruch
  • Jahnsfelde
  • Johanneshof
  • Johanneswunsch
  • Karolinenhof
  • Kattenhorst
  • Kernein
  • Kladow
  • Landsberger Holländer
  • Liebenow
  • Lindwerder
  • Lipke
  • Lipkeschbruch
  • Loppow
  • Lorenzdorf
  • Lossow
  • Lotzen
  • Louisenaue
  • Ludwigshorst
  • Ludwigsruh
  • Marienspring
  • Marienwiese
  • Marwitz
  • Massin
  • Massow
  • Morrn
  • Neuendorf
  • Ober Alvensleben
  • Ober Gennin
  • Plonitz
  • Pollychen
  • Pollychener Holländer
  • Pyrehne
  • Ratzdorf
  • Raumerswalde
  • Rohrbruch
  • Roßwiese
  • Schönewald
  • Schützensorge
  • Seidlitz
  • Stennewitz
  • Stolberg Nm.
  • Stolzenberg
  • Tamsel
  • Tornow
  • Unter Gennin
  • Vietz (Ostb.), Stadt
  • Warnick
  • Wepritz
  • Wildenower Försterei
  • Wormsfelde
  • Woxholländer
  • Zantoch
  • Zanzhausen
  • Zanzin
  • Zechow
  • Zettritz

Zum Landkreis gehörten außerdem die gemeindefreien Gutsbezirke Forst Landsberger Heide und Forst Massiner Heide.

Vor 1945 aufgelöste Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrechtsthal, 1929 zu Lipke
  • Antoinettenlust, 1929 zu Louisenaue
  • Bayershorst, 1929 zu Ludwigshorst
  • Bergenhorst, 1929 zu Ludwigshorst
  • Bernhardinenhof, 1929 zu Lipke
  • Christiansaue, 1929 zu Lipkeschbruch
  • Esperance, 1929 zu Louisenaue
  • Friedrichsberg, 1938 zu Dühringshof
  • Friedrichsthal, 1929 zu Johanneshof
  • Groß Rehne, 1929 zu Brückendorf
  • Klein Kammin, 1929 zu Stolberg Nm
  • Kleinheide, 1929 zu Balz
  • Klementenschleuse, 1929 zu Johanneshof
  • Leopoldsfahrt, 1931 zu Derschau
  • Liebenthal, 1930 zu Blockwinkel
  • Logau, 1935 zu Woxholländer
  • Ludwigsthal, 1929 zu Ludwigshorst
  • Meyershof, 1929 zu Eulam
  • Neu Gennin, 1929 zu Gennin
  • Nieder Alvensleben, 1929 zu Massow
  • Pyrehner Holländer, 1929 zu Brückendorf
  • Rodenthal, 1931 zu Derschau
  • Scharnhorst, 1934 zu Vietz
  • Spiegel, 1929 zu Döllensradung
  • Wilhelmsbruch, 1929 zu Stolberg Nm.

Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er und 1930er Jahren wurde die Schreibweise für folgende Orte geändert:

  • Czettritz → Zettritz
  • Louisenaue → Luisenaue
  • Vietz → Vietz (Ostb.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844, S. 108–128.
  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 462–477.
  • Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg, Hermann Cramer, Halle 1872–1889, Band 4, Reprint, (Faksimilie), ISBN 978-3-88372-003-6, Potsdam 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Landsberg (Warthe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Landsberg (Warthe). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  2. Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Grenzen und Verwaltungsgliederung, S. 32 ff. (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  3. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 12, 1816, S. 105 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  4. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 49, 1835, S. 363 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  5. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3. Friedrich Maurer, Berlin 1809, Kap. Kreis Landsberg, S. 143 ff. (Digitalisat).
  6. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten. Die statistische Ansicht und Specialstatistik von Mitteleuropa. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 42 (Digitalisat).
  7. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Frankfurt, S. 210 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  8. Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, 1844, S. 30
  9. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871