Landkreis Spremberg (Lausitz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den historischen Landkreis Spremberg. Für den Kreis Spremberg im Bezirk Cottbus (1952–1990) und den Landkreis Spremberg in Brandenburg (1990–1993) siehe Kreis Spremberg.
Das Kreisgebiet 1905

Der Landkreis Spremberg (Lausitz), früher Kreis Spremberg, bis ins 19. Jahrhundert auch Spremberger Kreis genannt, war ein Landkreis in Brandenburg. Er bestand in der Niederlausitz, in Preußen, in der SBZ und in der DDR bis 1952. Der Landkreis umfasste am 1. Januar 1945 die Kreisstadt Spremberg sowie 37 weitere Gemeinden.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eines der Ergebnisse des Wiener Kongresses musste das Königreich Sachsen 1815 die Niederlausitz und Teile der Oberlausitz an Preußen abtreten. Einer der fünf historischen Kreise der Niederlausitz war der Spremberger Kreis bzw. der Kreis Spremberg.[1][2] Die Niederlausitz wurde Teil des neuen Regierungsbezirks Frankfurt, in dem 1816 eine umfassende Kreisreform durchgeführt wurde. Aus dem Zusammenschluss des alten Kreises Spremberg mit der Herrschaft Hoyerswerda und preußisch gewordenenen Teilen des Bautzener Kreises wurde dabei der neue Spremberg-Hoyerswerdaer Kreis bzw. Kreis Spremberg-Hoyerswerda geschaffen. Gleichzeitig wurde mit den Kreisen Calau, Cottbus und Sagan eine Reihe von Enklaven und Exklaven ausgetauscht. Sitz des neuen Kreises wurde die Stadt Hoyerswerda.[3] Im Jahre 1816 hatte der Kreis Spremberg-Hoyerswerda 28.650 Einwohner.[4]

Bereits 1825 wurde der Kreis Spremberg-Hoyerswerda wieder aufgelöst.[5] Aus dem Südteil des Kreises, der historisch zur Oberlausitz gehörte, wurde der neue Kreis Hoyerswerda gebildet, der dem Regierungsbezirk Liegnitz in der Provinz Schlesien zugeordnet wurde. Der nun wieder ungefähr aus seinem ursprünglichen Gebiet bestehende Kreis Spremberg mit der Stadt Spremberg als Kreissitz verblieb im Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg.

Norddeutscher Bund/Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis Spremberg zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Zum 30. September 1929 fand entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Die Kreisbezeichnung wurde in den 1930er Jahren in Spremberg (Lausitz) festgesetzt.

Seit dem 1. Januar 1939 wurde der Kreis entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung als „Landkreis“ bezeichnet. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt.

Sowjetische Besatzungszone/Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Wirkung zum 1. April 1946 kamen durch Beschluss des Präsidiums der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg die Gemeinden Bahren-Zelz, Döbern, Gosda bei Döbern, Groß Kölzig, Jämlitz, Jerischke, Klein Düben, Klein Kölzig, Kromlau, Preschen, Raden, Tschernitz und Zschorno des aufgelösten Landkreises Sorau zum Landkreis Spremberg.[6][7]

Durch das Gesetz über die Änderung zur Verbesserung der Kreis- und Gemeindegrenzen vom 28. April 1950 wurden die Kreisgrenzen am 1. Juli 1950 erneut verändert, dabei erhielt der Landkreis Spremberg die Gemeinden Drieschnitz, Jocksdorf und Kahsel vom Landkreis Cottbus sowie die Gemeinde Rehnsdorf aus dem Landkreis Calau.

Die Gebietsreform in der DDR von 1952 brachte umfangreiche Gebietsänderungen:

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1840 13.773 [8]
1871 23.505 [9]
1890 27.699 [10]
1900 29.474 [10]
1910 35.470 [10]
1925 39.771 [10]
1933 42.646 [10]
1939 44.389 [10]

Kommunalverfassung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Spremberg (Lausitz) gliederte sich in eine Stadt, in Landgemeinden und – bis zu deren Auflösung im Jahre 1929 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1817–1840 August Ludwig Theodor von Oertzen († 1840)
  • 1841–1871 Julius Eduard von Poncet
  • 1871–1881 Gustav Eduard Eugen Seydel († 1881)
  • 1881–1888 Daniel Martin Immanuel Hoffmann
  • 1888–1901 Ernst Falkenthal
  • 1901–1919 Erwin Wilkins
  • 1919–1925 Wilhelm Köhne
  • 1925–1928 Walter Wüllenweber
  • 1928–1933 Rudolf Sachse
  • 1933–1934 Hansen Burscher
  • 1934–1945 Georg Jacobi

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Landkreis Spremberg gehörten 1945 die folgenden Städte und Gemeinden an:

Vor 1939 aufgelöste Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Görigk, am 1. April 1936 zu Jehserig
  • Horlitza, am 1. Oktober 1938 zu Reuthen
  • Muckrow, am 1. Oktober 1938 zu Sellessen
  • Neu Welzow, in den 1920er Jahren zu Welzow
  • Papproth, am 1. April 1936 zu Jehserig

Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1930er Jahren gab es einige Änderungen der Schreibweise wie

  • Byhlow → Bühlow
  • Jehserigk → Jehserig
  • Terppe → Terpe.

Durch die Nationalsozialisten wurden 1937 in der Lausitz mehrere Ortsnamen sorbischen Ursprungs mit neuen deutschen Namen versehen (Übersetzung oder freie Erfindung). Anders als z.B. in Sachsen wurden diese Namensänderungen hier nach 1945 nicht rückgängig gemacht. Die Gemeinde Dubraucke erhielt dabei den neuen Namen Eichwege.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844, S. 208–213.
  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 594–600.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Adolph Müller, Brandenburg 1854, Kap. 3 VI., S. 44 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  2. Carl Heinrich Ludwig Pölitz: Geschichte und Statistik des Königreiches Sachsen. Hinrichs, Leipzig 1809, Kap. Staatsverfassung, S. 257 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  3. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 12, 1816, S. 108 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  4. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Frankfurt, S. 210 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  5. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 3, 1825, S. 46 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  6. Der Kreis Sorau bei genealogy.net
  7. Verordnungsblatt der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg Nr. 14 vom 23. September 1946
  8. Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, 1844, S. 30
  9. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871
  10. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Spremberg. Abgerufen am 2. April 2016.