Lauter (Laubach)

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Lauter
Stadt Laubach
Koordinaten: 50° 34′ 14″ N, 8° 58′ 16″ O
Höhe: 203 m ü. NHN
Fläche: 6,18 km²[1]
Einwohner: 792 (Mai 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 128 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35321
Vorwahlen: 06401, 06405
Südseite der evangelischen Kirche Lauter

Lauter ist ein Straßendorf und gehört seit 1970 als Stadtteil zur Stadt Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort, durch den der gleichnamige Bach Lauter fließt, liegt im westlichsten Teil des Vorderen Vogelsberges und befindet sich somit am Rande des Gebietes Naturpark Hoher Vogelsberg, dem ersten Naturpark in Hessen und ältesten in Deutschland.

Benachbarte Gemeinden und Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung von Lauter stammt von 1293, als der Ort in einer Urkunde als Luttara bezeichnet wird,[1] was so viel bedeutet wie klarer Bach. Gemeint ist damit der Bach Lauter, an welchem sich die Menschen damals ansiedelten. Sie nutzten die Kraft des Wassers und errichteten zahlreiche Mühlen. So kam Lauter zu seinem Ortsnecknamen das Sieben-Mühlen-Dorf.

1526 wird Lauter evangelisch, da Landgraf Philipp I. von Hessen durch Luthers Auftreten für die evangelische Sache gewonnen werden konnte. Zu dieser Zeit wirkte bereits ein lutherischer Pfarrer in Grünberg, welchem lutherisch gewordene Altaristen zur Seite standen, jene versahen als Pfarrer die umliegenden Orte. Der erste Lauterer Pfarrer war Peter Stupp, er versah Lauter, das damals eine Filiale von Grünberg war, bis 1536.

1634/35 im Dreißigjährigen Krieg wurde das alte Lauter Nähe der Bing völlig zerstört, doch die Einwohner bauten es weiter nordwestlich wieder auf.
siehe auch Burgstall Lauter

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Lauter:

„Lauter (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt 14 St. von Grünberg, hat 76 Häuser und 408 Einwohner, die alle evangelisch sind. Man findet 1 Kirche, 4 Mahlmühlen, 1 Oel- und 1 Walkmühle und 1 Hof, die Bing genannt.“[3]

1904 erwarb Lauter die Förderrechte für bestes Vogelsberger Trinkwasser auf dem Gelände der Bing zur notwendigen Wasserversorgung. Bis heute ist dies Wasserschutzgebiet. Bad Nauheim und Friedberg sowie weitere 34 Gemeinden in der Wetterau/Wetteraukreis werden somit mit Wasser aus Lauter versorgt.

Im Jahr 1905 wurde das Wasserwerk fertiggestellt und die Leitungen wurden verlegt. Mit dem Bau eines Hochbehälters 1907 konnte der Ort an das Wassernetz angeschlossen werden und der sehenswerte Röhren-Brunnen im nördlichen Teil des Ortes wurde nicht länger von den Gemeindebewohnern genutzt.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Lauter am 31. Dezember 1970, durch Eingliederung, ein Teil der Stadt Laubach.[4]

Im Jahre 2000 feierte Lauter sein 700-jähriges Dorfjubiläum (eigentlich 707 Jahre) mit einem großen Fest.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Lauter lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5][6]

Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Materielles Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lauter galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.[11]

Gerichtsverfassung seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Lauter das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Lauter zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[12] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Lauter wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.[13] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 25 Hausgesesse
• 1630: 12 zweispännige, 3 einspännige Ackerleute, 7 Einläuftige
• 1791: 308 Einwohner[14]
• 1800: 314 Einwohner[15]
• 1806: 345 Einwohner, 66 Häuser[16]
• 1829: 408 Einwohner, 76 Häuser[3]
• 1867: 366 Einwohner, 80 bewohnte Gebäude[17]
• 1875: 400 Einwohner, 82 bewohnte Gebäude[18]
Lauter: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
308
1800
  
314
1803
  
345
1829
  
408
1834
  
437
1840
  
436
1846
  
460
1852
  
435
1858
  
387
1864
  
395
1871
  
412
1875
  
400
1885
  
414
1895
  
410
1905
  
412
1910
  
436
1925
  
459
1939
  
531
1946
  
804
1950
  
819
1956
  
801
1961
  
739
1967
  
745
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
792
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 408 evangelische (=100 %) Einwohner
• 1961: 595 evangelisch (= 80,51 %), 139 römisch-katholische (= 18,81 %) Einwohner[1]

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1961: Erwerbspersonen: 113 Land- und Forstwirtschaft, 201 Prod. Gewerbe, 21 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 29 Dienstleistungen und Sonstiges[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Eingemeindung 1970 waren folgende Personen des Ortes Bürgermeister:

  • Heinrich Feldmann, 1854–1868
  • Johannes Heres, 1869–1901
  • Peter Aff III, 1901–1934
  • Karl Heinrich Pitz, 1934–1939
  • Heinrich Weber II, 1939–1942
  • Heinrich Schmidt III, 1946–1952
  • Heinrich Viehl, 1952–1968
  • Irmgard Rausch, 1968–1970 Mutter von Karl-Friedrich Rausch

danach waren folgende Personen Ortsvorsteher:

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Irmgard Rausch, 1970–1972
  • Ernst Peter, 1972–1977
  • Willi Viehl, 1977–1990
  • Rainer Trüller, 1990–2006
  • Hans-Jürgen Becker, seit 2006 (Stand Dezember 2016)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1773 wurde der Grundstein für die Fachwerkkirche gelegt, 1779 wurde sie fertiggestellt. 1934 und 1977 und 2010 wurde die Kirche renoviert.
  • Des Weiteren wurde 2007 der Platz rund um den Röhren-Brunnen renoviert und neu gestaltet.
  • Schule (jetzt Kindertagesstätte)
  • Kriegerdenkmal (unterhalb der Schule)
  • Park (ehem. Friedhof)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauter wurde im Jahr 2006 beim Wettbewerb Dolles Dorf vom Hessischen Rundfunk 3. Sieger und gewann einen bronzenen Onkel Otto.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An Fasching finden in der Lautertalhalle, der Sport- und Kulturhalle in Lauter, die Große Prunksitzung am Faschingssamstag und der Kinderfasching am darauf folgenden Dienstag statt.
  • Zu den bestbesuchten Veranstaltungen in Lauter gehört das Osterfeuer mit Osternestsuche, Verlosung und großem Feuer.
  • Meist im Mai findet das Haxenessen statt, bei dem Schweinshaxen aus dem Backhaus angeboten werden.
  • Ähnlich ist es beim Schmierchel-Kuchen-Fest, das jedes Jahr im Spätsommer/Herbst stattfindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Lauter, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. Januar 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  3. a b Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 156 (Online bei google books).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 364.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  7. Die Zugehörigkeit des Amtes Grünberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 13 ff., § 26 Punkt d) III. (Online bei google books).
  9. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 8 (Online bei google books).
  10. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google Books).
  11. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.
  12. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  13. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210-16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  14. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 197 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  15. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 212 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  16. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 256 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  17. Wohnplätze 1867. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause’s Hofbuchhandlung, Darmstadt 1877, DNB 013163434, OCLC 162730484, S. 119 (Online bei google books).
  18. Wohnplätze 1875. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause’s Hofbuchhandlung, Darmstadt 1877, DNB 013163434, OCLC 162730484, S. 10 (Online bei google books).