Belgische Streitkräfte

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BelgienBelgien Belgische Streitkräfte
Armée belge
Belgisch leger
Coats of arms of Belgium Military Forces.svg
Führung
Oberbefehlshaber: König Philippe
Verteidigungsminister: Steven Vandeput (N-VA)
Militärischer Befehlshaber: General Marc Compernol
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 29.000 (2016)[1]
Wehrpflicht: Aufgehoben (1995)
Wehrtaugliche Bevölkerung: Männer 1.973.167 im Alter von 16 bis 49

Frauen 1.915.990 im Alter von 16 bis 49

Wehrtauglichkeitsalter: 18
Haushalt
Militärbudget: 3,908 Mrd. Euro (2016)[1]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 0,91 % (2016)[1]
Geschichte
Belgische Soldaten im Rahmen des UNOSOM-II-Einsatzes in Somalia, November 1993

Die Belgischen Streitkräfte (französisch Armée belge, niederländisch Belgisch leger) sind die Streitkräfte des Königreichs Belgien. Sie untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps (niederländisch Medische Component, französisch Composante Médicale).

Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Bis Anfang 2010 gab es auch eine gemischtsprachige Einheit, das 1°Bn Para, das im Zuge der Armeereform aufgelöst wurde. Offiziere müssen – auch in Abhängigkeit von der Dienstdauer – mindestens in der Lage sein, sich Angehörigen der jeweils anderen Sprachgruppe verständlich zu machen.

Im dreisprachigen Belgien gab es in der Armee bis 1994 auch eine deutschsprachige Einheit: Das 3. Bataillon der Ardennenjäger in Vielsalm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der belgischen Unabhängigkeit von den Niederlanden im Jahre 1830 befand sich Belgien in einer komfortablen Lage: Preußen, Frankreich und das Vereinigte Königreich hatten sich für die Unversehrtheit der Grenzen des jungen Staates verbürgt und so hatte die belgische Regierung die Möglichkeit, auf ein großes stehendes Heer zu verzichten. Stattdessen setzte Belgien zu Beginn seiner Geschichte eine Gendarmerie, die Bürgerwacht (Nld.: Burgerwacht, Fra.: Garde Civique).[2] Die Bürgerwacht war der Vorläufer des belgischen Heeres, welches heute den Namen Landkomponente trägt.

Im Jahre 1831 wurde auch die Marinekomponente gegründet, damals noch unter dem Namen Königliche Marine (Nld. Koninklijke Marine, Fra. Marine Royale).

Schon bald begann neben der Bürgerwacht jedoch auch die Rekrutierung eines regulären Landheeres unter dem System der selektiven Wehrpflicht. Die Sollstärke von 20.000 Soldaten wurde aufgrund der Tatsache, dass sich vor allem wohlhabendere Belgier der Wehrpflicht entziehen konnten, zunächst nicht erreicht.[3]

Das junge belgische Militär erhielt primär Aufgaben der Selbstverteidigung und befestigte die Grenzen zu den Niederlanden, zu Preußen und zu Frankreich. Auf eine erste Probe gestellt wurde der zumeist neutrale Staat Belgien während des Krieges zwischen seinen Nachbarn Preußen und Frankreich. 1870 wurde eine Generalmobilmachung befohlen, die fast ein Jahr lang anhielt und, obwohl sich den Offizieren strukturelle Schwächen aufzeigte, erreichte das starke Auftreten Belgiens die gewünschte Wirkung: Belgien blieb neutral und sein Territorium vom Krieg unversehrt.

Auch erwähnenswert sind die Päpstlichen Zuaven, eine 1861 ursprünglich zur Verteidigung des Kirchenstaates aufgestellte Einheit französisch-belgischer Soldaten, welche nach einer Niederlage bei der Eroberung Roms durch das Königreich Italien auf französischer Seite gegen Preußen kämpften.[4] Dieser Kampfverband war die erste größere Sammlung belgischer Truppen, die an einem europäischen Krieg teilnahm.[5]

Während der verschiedenen Einsätze der Zuaven, im Jahre 1864, unterstützte eine belgische Freiwilligeneinheit zudem die französische Intervention in Mexiko. Die etwa 2.000 belgischen Freiwilligen kämpften vergebens; Frankreich wurde besiegt und Kaiser Maximilian zugunsten einer Republik abgesetzt.[6]

Nach Preußens Sieg über Frankreich hatte Belgien nun einen neuen Nachbarn: Das Deutsche Kaiserreich.

1885 wurde die Force Publique (Nld.: Openbare Weermacht) aufgestellt, eine Gendarmerie und Kolonialarmee in Belgisch-Kongo. Zunächst war die Force Publique kaum mehr als eine Söldnerarmee, bis 1908 ein Kommando belgischer Offiziere installiert wurde. Die Force Publique, welche unter anderem im Krieg gegen Tippu-Tip kämpfte (1892–1894), wurde erst 1960 mit der Unabhängigkeit der Demokratischen Republic Kongo aufgelöst. Während dieser Zeit beging die Force Publique zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1902 erwarb Belgien in Reaktion auf den Boxeraufstand eine dauerhafte Kolonialgarnison in Tientsin, China. 1904 wurde dort eine dauerhafte Garnison der Belgischen Streitkräfte aufgestellt.[7]

Erst 1909 wurde das selektive Wehrpflichtssystem ersetzt, sehr spät im Vergleich zu vielen anderen europäischen Staaten, welche wesentlich früher auf das in mehrfachen Kriegen erfolgreiche preußische Modell der allgemeinen Wehrpflicht umgestiegen war.

Die Belgische Armee galt as überflüssig, da sich Politik wie Öffentlichkeit auf die vermeintlich unbrechbare Neutralität verließen. Militärausgaben wurden von Politikern vernachlässigt und militärische Aufrüstung als absurd abgetan.[8]

Erst nach der Agadir-Krise 1913 wurde eine massive Aufrüstung beschlossen: Die mobilisierte Maximalstärke der belgischen Armee sollte von 180.000 auf 350.000 Soldaten steigen.[9] Diese Aufrüstung war im Sommer 1914 noch nicht abgeschlossen, was dazu führte, dass die deutsche Heeresführung die belgische Armee als schwach genug ansah, binnen weniger Tage überrannt zu werden.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Belgische Neutralität war jedoch weniger sicher als angenommen: Am 4. August 1914 marschierte das Deutsche Heer, entsprechend dem Schlieffen-Plan, im neutralen Belgien ein. Deutschland ignorierte das britische Ultimatum, sich aus Belgien zurückzuziehen und verlangte von den Belgiern freien Durchgang.

König Albert, dem Willen des Volkes und der Regierung folgend, lehnte dies ab. Belgien hatte bereits am 31. Juli 1914, kurz nach Österreich-Ungarns Angriff auf Serbien, generalmobil gemacht.

Belgien hatte am Vorabend des Krieges über 19 Infanterieregimenter, 10 Kavallerieregimenter und 8 Artillerieregimenter verfügt, unterstützt von Pionieren, Militärpolizei und Paramilitärs.

Seit 1859 hatte Belgien massive Grenzfestungen gebaut, so auch by Antwerpen, Lüttich und Namur. Obgleich diese Befestigungen nach den Standards des 19. Jahrhunderts beeindruckend waren, waren sie 1914 nicht komplett fertiggestellt und zudem der Reichweite und Feuerkraft moderner Haubitzen nicht gewachsen.

117.000 Belgier sahen sich 600.000 Deutschen gegenüber, als die 1. Armee unter Alexander von Kluck, die 2. Armee unter Karl von Bülow, die 3. Armee unter Max von Hausen und schließlich sogar noch die durch Luxemburg vorstoßende 4. Armee unter Albrecht Herzog von Württemberg versuchten, Belgien zu durchschlagen, um im Süden die an der Grenze zu Deutschland stehenden französischen Truppen zu umzingeln und die französische Hauptstadt Paris einzunehmen.

Belgien stand während der ersten Kriegswochen auf verlorenem Posten: Lüttich, bereits am 4. August unter Beschuss, fiel schließlich am 16. August in deutsche Hand. Obgleich das deutsche Oberkommando die 40.000 belgischen Verteidiger zunächst sowohl zahlen- als auch qualitätstechnisch unterschätzt hatte, war die Festungsstadt, welche aufgrund der niederländischen Neutralität für Deutschland von absoluter Wichtigkeit war, nicht zu halten. Am 17. August zog sich die Regierung aus Brüssel nach Antwerpen zurück. Am 20. August fiel Brüssel ohne größere Schäden in deutsche Hand, Anfang Oktober durchbrachen Deutsche Truppen schließlich auch den Verteidigungsring um Antwerpen.

Der Krieg würde sich für die nächsten 4 Jahre auf belgischem Boden abspielen, da ein kleiner Teil des Landes im äußersten Westen erfolgreich von den Belgiern und den mit ihnen verbündeten Ententemächten verteidigt wurde. Das Britische Expeditionskorps, welches hauptsächlich die linke Flanke der Entente hielt, war besonders versessen darauf, das ursprüngliche britische Kriegsziel - die Befreiung Belgiens - durchzusetzen. Besondere Berühmtheit erlangte hierbei die Stadt Ypern, welche in vier Flandernschlachten heftigst umkämpft war und damit neben Verdun einen der berühmtesten Schauplätze der Westfront darstellt.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil der Geschichte der Belgischen Streitkräfte betrifft auch Deutschland. Belgische Soldaten in Deutschland, die Armée Belge d'Occupation, gab es bereits nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1929 im entmilitarisierten Gebiet des linksrheinischen Raumes.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Belgische Streitkräfte zur Unterstützung der britischen Besatzungsarmee im Süden der Britischen Besatzungszone stationiert. Das Hauptquartier befand sich in Köln. Mit dem Ende der Besatzung wurden sie in die militärischen Pläne der NATO eingebunden und in einem bilateralen Vertrag zwischen Deutschland und Belgien die weitere Stationierung vereinbart. 1996 wurden sie als eigenständiges Kommando aufgelöst.

Während der Kongo-Krise zwischen 1960-1965 spielten sie Belgischen Streitkräfte eine wichtige Rolle. Da die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo von Belgien sehr überraschend beschlossen wurde, vereinbarten die Regierungen Belgiens und der DR. Kongo das Militär weiterhin die Hände beider Staaten zu legen. Die Force Publique sollte nun die Armee des Kongo werden, das Offizierkorps für einige Jahre in der Hand der Belgier bleiben. Wie in der Verwaltung hatte das Belgische Militär versäumt rechtzeitig für geschultes Führungspersonal zu sorgen. Daher sollten auch weitere 10 000 reguläre belgische Soldaten in den beiden Stützpunkten Kamina und Kitona stationiert bleiben die von dem neuen Präsidenten Joseph Kasavubu oder dem neuen Ministerpräsidenten Patrice Lumumba angefordert werden konnten. Nach 5 Tagen meuterten aber die kongolesischen Soldaten der Force Publique gegen ihre belgischen Offiziere, wie auch gegen die Regierung und verübten Übergriffe an den im Land lebenden belgischen Zivilisten. Dies veranlasste den belgischen Verteidigungsminister Arthur Gilson zu dem Entschluss die Belgischen Streitkräfte ohne die Zustimmung der Regierung des Kongo ausrücken zu lassen. Zunächst billigte die Regierung des Kongo den Schritt, da sie den Schutz der belgischen Bürger nicht garantieren konnte. Allerdings begannen am 11. Juli 1960 die belgischen Streitkräfte anschließend wichtige strategische Positionen im Land zu besetzen und fingen zunehmend an wieder die Kontrolle über die ehemalige Kolonie zu übernehmen. Dies bewog den Ministerpräsidenten Lumumba zu dem folgenschweren Entschluss um Hilfe bei der UDSSR zu ersuchen, was einerseits einen Bürgerkrieg auslöste, anderseits auch die USA auf den Plan rief und in der Folgezeit ein internationaler Stellvertreterkrieg zwischen der UDSSR, den USA und Belgien ausbrach. Die Belgischen Streitkräfte unterstützten in diesem Krieg bis 1963 offen die Streitkräfte von Moïse Tschombé der in Katanga einen unabhängigen Staat ausgerufen hatte. Unter Druck der USA mussten die Belgier ihre eigenen Bestrebungen aufgeben und ließen militärisch, nicht aber politisch Tschombé fallen. Anschließend wurden 1963 die dauerhaft im Kongo stationierten belgischen Streitkräfte abgezogen. Militärisch blieb Belgien aber weiterhin präsent. Da Tschombé aus dem Exil zurück gekehrt und am 10. Juli 1964 Ministerpräsident geworden war forderte er reguläre belgische Truppen an, die ihm helfen sollten die Simba-Rebellion zu ersticken. In der Folgezeit agierte die Para-Commando-Brigade in verschiedenen Operationen im Kongo.

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die belgischen Streitkräfte haben den Auftrag, die territoriale Integrität des Staates Belgien zu schützen und im Kriegsfall die Landesverteidigung zu gewährleisten. Im Frieden leisten sie durch Ausbildung, Bereitstellung und Versorgung von Militär einen Beitrag zu Belgiens Bündnisverpflichtungen innerhalb der NATO.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 hatten die belgischen Streitkräfte eine Stärke von 35.000 Mann. Der freiwillige Wehrdienst wurde formell 1994 abgeschafft. Die Verteidigungsausgaben betrugen 2006 2,5 Milliarden Euro.

Übungsräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb Belgiens stehen die Truppenübungsplätze (Training Aera) Elsenborn, Bervelo, Lagland und Marche-En-Famenne zur Verfügung.

Teilstreitkräfte und Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Belgisches Heer

Die Landstreitkräfte sind mit 24.600 Soldaten die größte der Teilstreitkräfte. Sie erfahren derzeit eine grundlegende Neuausrüstung. In diesem Zusammenhang sollen sämtliche Kettenfahrzeuge gegen Radfahrzeuge ausgetauscht werden. Das belgische Heer verzichtet somit zukünftig vollständig auf Kampfpanzer und Panzerhaubitzen. Dieser Transformationsprozess soll 2015 abgeschlossen sein.

Organisation der belgischen Landstreitkräfte
4e Régiment de Chasseurs à Cheval

Fahrzeuge:

sowie diverse weitere Fahrzeuge für Transport-, Logistik- und Pioniereinheiten.

Handwaffen:

FN P90 5,7-mm-Maschinenpistole

Sturmgewehre

Maschinengewehr

Air Force Ensign of Belgium.svg Luftwaffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Belgische Luftstreitkräfte

Die Belgische Luftkomponente ist mit 6350 Mann die zweitgrößte Teilstreitkraft. Ihr stehen 68 F-16-Kampfflugzeuge sowie 31 Hubschrauber zur Verfügung.

Ausrüstung (2007)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle:[10] spätere Aktualisierung wie angegeben

Lockheed F-16 MLU bei der Radom Air Show 2005 in Polen

Luftwaffenstützpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belgien unterhält vier größere Militärflugplätze:

Zwei kleinere Plätze beherbergen Helikopter:

Einige Alpha Jet des 1 Wing sind permanent auf dem südwestfranzösischen Militärflugplatz Cazaux stationiert.

Naval Ensign of Belgium.svg Marine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

F930 Leopold I. (ex-HNLMS Karel Doorman)
Hauptartikel: Belgische Marine

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Defence Expenditure of NATO Countries (2009-2016). NATO, 13. März 2017, abgerufen am 23. April 2017 (PDF, englisch).
  2. Keegan, John: "World Armies", S. 55
  3. British War Office: "Handbook of the Belgian Army", S. 2-3
  4. Powell, Joseph: "Two Years in the Pontifical Zouaves"
  5. Derie, Guy: "Les Soldats de Leopold ler et Leopold II", S. 130
  6. Derie, Guy: "Les Soldats de Leopold ler et Leopold II", S. 124
  7. Derie, Guy: "Les Soldats de Leopold ler et Leopold II", S. 134
  8. Tuchman, Barbara: "The Guns of August", S. 126
  9. Pawly, R; Lierneux, P.: "The Belgian Army in World War I"
  10. World Military Aircraft Inventory, Aerospace Source Book 2007, Aviation Week & Space Technology, January 15 2007.
  • The World Defence Almanac 2006. Mönch Publishing Group, Bonn 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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