Markus Somm

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Markus Paul Somm[1] (* 16. März 1965 in Wettingen[2]; heimatberechtigt in Erlen[3]) ist ein Schweizer Journalist, Publizist, Verleger und Historiker. Er war von 2010 bis 2018 Chefredaktor und von 2014 bis 2018 auch Verleger der Basler Zeitung (BaZ). Seit 2021 ist er Verleger der Satirezeitschrift Nebelspalter.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste berufliche Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markus Somm ist als Sohn des ehemaligen ABB-Schweiz-Chefs Edwin Somm in Baden aufgewachsen.[4] Er studierte Geschichte an den Universitäten München, Bielefeld und Zürich sowie Politikwissenschaft an der Harvard University[2] und schloss 1994 in Zürich mit dem Lizenziat ab. 2019 wurde er an der Universität Freiburg mit einer Arbeit zur BBC promoviert.[5]

Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet Somm als Journalist im Bereich Schweizer Politik, zuerst beim Aargauer Volksblatt, dann beim Tages-Anzeiger, unter anderem als Bundeshauskorrespondent, und ab 2003 bei der Weltwoche, zuletzt als stellvertretender Chefredaktor.[4][2] Er schrieb Biografien über Henri Guisan und Christoph Blocher sowie eine Monografie über die Schlacht bei Marignano.

Tätigkeit bei der Basler Zeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Tito Tettamanti und Martin Wagner die Basler Zeitung im Februar 2010 übernommen hatten, wurde Somm am 30. August 2010 zu deren Chefredaktor ernannt.[6] Im ersten Jahr seiner Tätigkeit als Chefredaktor büsste die Tageszeitung 12 Prozent, insgesamt 9340 ihrer Abonnenten, ein.[7] Die Basler Zeitung erlitt unter Somm den grössten Einbruch an Lesern in ihrer Geschichte – von 2010 bis 2018 halbierte sich die beglaubigte Auflage von 83'773 auf 41'213. Er wurde am 1. Mai 2014 zusätzlich zum Verleger der BaZ und zum Verwaltungsratsmitglied berufen. Er löste damit Filippo Leutenegger ab, der am 7. Mai 2014 sein Amt als Zürcher Stadtrat antrat.[8] Als Verleger und Chefredaktor kritisierte Somm, dass es in einigen Zeitungen Journalisten gebe, die unabhängig von den Werbekunden mit missliebiger Berichterstattung agieren. Er betonte, dass dies unter seiner Führung anders sei: Unternehmen, die in seiner Zeitung Inserate schalten, so Somm, müssen sich «nicht blöde heruntermachen lassen».[9]

Im Zusammenhang mit der Entlassung von Chefredaktor Markus Spillmann bei der Neuen Zürcher Zeitung im Dezember 2014 wurde er von deren Verwaltungsrat als Nachfolger auserkoren.[10] Somm verzichtete jedoch auf die Berufung, nachdem bereits der Vorschlag heftige Proteste ausgelöst hatte, und verblieb bei der Basler Zeitung.[11][12]

Somm verliess die BaZ 2018 nach der Übernahme der Zeitung durch den Tamedia-Konzern als Chefredaktor und Verleger auf Ende 2018.

Aktivitäten nach Abgang bei der Basler Zeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahrssemester 2018 wurde er Fellow am Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy der Harvard Kennedy School in Cambridge, USA. Seine Kolumne bei der «SonntagsZeitung» und die Gesprächssendung bei Radio 1 mit Roger Schawinski behielt er bei.

2020 wurde bekannt, dass er mit der Firma Klarsicht AG die Satirezeitschrift Nebelspalter kaufen würde.[13][14] Eine Neuausrichtung der Zeitschrift wurde März 2021 online in Zürich produziert.[15][16]

Politische Einstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Studentenzeit galt Somm als Trotzkist und war Mitglied der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA).[17] Als er als Redakteur beim Tages-Anzeiger arbeitete, wurde er als Sozialdemokrat eingestuft. Auch wenn Somm später Mitglied der FDP wurde,[18] wird ihm mittlerweile eine politische Nähe zur SVP und deren Vordenker Christoph Blocher attestiert[19], dies auch vor dem Hintergrund[20] des seit 2010 in den Medien verschiedentlich vermuteten und 2014 offengelegten finanziellen Engagements von Blocher bei der Basler Zeitung. Zudem hatte Somm zuvor für die allgemein als SVP-nah geltende Weltwoche gearbeitet und 2009 eine autorisierte Blocher-Biografie veröffentlicht. Politisch ordnet er sich "rechts der Mitte" ein.

In der Schweiz gehörte Somm zu den prominentesten Unterstützern von Donald Trump, dem US-amerikanischen Präsidenten 2017–2021. Wegen Trumps Verhalten nach seiner Abwahl und beim Sturm auf das Kapitol in Washington 2021 distanzierte sich Somm von ihm.[21]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Somm ist mit der Radiojournalistin Anita Richner verheiratet,[22] hat fünf Kinder und wohnt mit seiner Familie in Wädenswil[23][24].

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zinnsoldaten der Innenpolitik: Die Asylpraxis der Schweiz gegenüber revolutionären polnischen Flüchtlingen im 19. Jahrhundert. In: Monika Bankowski (Hrsg.): Asyl und Aufenthalt: Die Schweiz als Zuflucht und Wirkungsstätte von Slaven im 19. und 20. Jahrhundert. Helbing und Lichtenhahn, Basel 1994, ISBN 3-7190-1350-2, S. 47–68.
  • «Wir machen mit!» Schweizer Bürgertum an der Macht 1930 bis 1940. Unveröffentlichte Lizenziatsarbeit, Universität Zürich, Zürich 1994.
  • Christoph Blocher: Der konservative Revolutionär. Appenzeller Verlag, Herisau 2009, ISBN 978-3-85882-482-0.
  • General Guisan: Widerstand nach Schweizerart. Stämpfli, Bern 2010, ISBN 978-3-7272-1346-5.
  • Marignano. Die Geschichte einer Niederlage. Stämpfli, Bern 2015, ISBN 978-3-7272-1441-7.
  • Elektropolis an der Limmat: Baden und die BBC, 1870 bis 1925. Die Beschreibung einer Transformation. Stämpfli, Bern 2019, ISBN 978-3-7272-6062-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Markus Paul Somm (Memento vom 28. Februar 2014 im Internet Archive). In: infocube.ch. Abgerufen am 9. Januar 2013.
  2. a b c Lebenslauf (PDF-Datei; 113 kB), Website der Stiftung Freiheit & Verantwortung, abgerufen am 17. Oktober 2015.
  3. Basler Zeitung AG. In: Handelsregister des Kantons Basel-Stadt. Abgerufen am 30. April 2019.
  4. a b «Weltwoche»-Vize Markus Somm wird neuer BaZ-Chefredaktor. In: OnlineReports. 30. November 2010.
  5. Andreas Fahrländer: Doktorarbeit von Markus Somm: So elektrisierte die BBC die Stadt. Badener Tagblatt, 4. Dezember 2019, abgerufen am 24. März 2020
  6. Markus Somm wird neuer Chefredaktor der Basler Zeitung. In: persoenlich.com. 30. August 2010.
  7. Baz-Auflage im freien Fall. In: Werbewoche. 1. Oktober 2012, abgerufen am 23. Februar 2016.
  8. Basler Zeitung schliesst Restrukturierung erfolgreich ab. In: Website der Basler Zeitung Medien. 11. April 2014 (Medienmitteilung).
  9. Silke Fürst, Mike Meißner: Regelwerk mit Lücken an den entscheidenden Stellen. In: medienwoche.ch  . 27. April 2016, abgerufen am 28. April 2016.
  10. Markus Somm soll Chefredaktor werden – Kader droht mit Kündigung. In: Aargauer Zeitung. 14. Februar 2014.
  11. Basels Linke «entsetzt» über den neuen BaZ-Chefredaktor Markus Somm. In: Tages-Anzeiger. 30. August 2010.
  12. Der Historiker und Vollblut-Journalist. In: SonntagsZeitung 9. Oktober 2011, S. 21.
  13. https://www.persoenlich.com/medien/markus-somm-ubernimmt-den-nebelspalter
  14. https://www.srf.ch/news/schweiz/kauf-des-nebelspalters-markus-somm-satire-lebt-davon-tabus-zu-brechen
  15. Daniel Arnet: Das weltweit älteste Satiremagazin «Nebelspalter» startet neu. 16. Januar 2021, abgerufen am 25. Januar 2021.
  16. Thomas Kirchner: Schweizer Satiremagazin "Nebelspalter": Mit Witz gegen links. Abgerufen am 24. März 2021.
  17. Othmar von Matt: Eine Guerilla-Kämpferin bringt Medienchefs in Erklärungsnot. In: Der Sonntag. 23. Februar 2013 (Archiv).
  18. «Es geht Ihnen doch nicht um Transparenz, es geht Ihnen um Politik!» In: SonntagsZeitung. 9. Oktober 2011, S. 23 (Interview).
  19. Iwan Städler: Blochers Anhänger war auch schon Hausbesetzer. In: Tages-Anzeiger. 15. Dezember 2014, abgerufen am 23. Februar 2016 (Archiv).
  20. Basel: Linke Stadt Rechtes Blatt. In: Zeit Online. 3. Juli 2015, abgerufen am 28. April 2018.
  21. Fabian Renz, Philipp Loser: Das meinen Schweizer Trump-Fans. In: Tages-Anzeiger, 8. Januar 2021, S. 7 (Epaper; Tagesanzeiger.ch)
  22. Übernimmt jetzt eine Radio-Frau den «Club»? In: Schweiz am Wochenende. 30. Juli 2011, abgerufen am 15. März 2021.
  23. Peter Knechtli: Markus Somm: Zum Abschied die Psycho-Attacke. In: OnlineReports. 19. Juli 2018, abgerufen am 16. Dezember 2020.
  24. Pascal Münger: «Ich verstehe nicht, warum Wädenswil ein Bildungsstandort sein will». In: Zürichsee-Zeitung. 14. November 2020, abgerufen am 16. Dezember 2020 (Paywall).