Missionsgeschichte

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In Ergänzung zur Kirchengeschichte oder Christentumsgeschichte befasst sich die Missionsgeschichte als Teilbereich der Missionswissenschaft besonders mit der Ausbreitung des Christentums.

Mission im römischen Reich von 30 bis 500[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urchristentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Evangelium nach Matthäus steht der oft zitierte Missionsbefehl:

Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,18-20 EU).

Jesus von Nazaret wirkte zwei bis drei Jahre im jüdischen Umfeld, vor seinen jüdischen Jüngern. Nach Jesu Tod hielt die judenchristliche Gemeinde am Gedenken seiner im „Herrenmahl“, entnommen aus dem messianischen Gedenken der Pessachhaggada, fest und erwartete sein Wiederkommen. Ein wichtiger Leiter war der „Herrenbruder Jakobus“. Damals gab es Juden nicht nur in Palästina, sondern auch in der Diaspora in Kleinasien, Griechenland und Italien, und es gab eine kurze Zeit jüdischer Proselytenwerbung. Man schätzt den Anteil der Juden an der damaligen Gesamtbevölkerung des Römischen Reiches auf 7 %.[1]

Ihre Kenntnis des Tanach, das von Christen Altes Testament genannt wurde, war beim Verständnis des christlichen Glaubens ein großer Vorteil, und so waren auch die Führer der jungen christlichen Bewegung überwiegend Juden, wie auch Paulus. Eine stärkere Loslösung vom Judentum setzte mit seiner Theologie und Mission (um 50 n. Chr.) ein – damit begann die entscheidende Phase der Verselbständigung des Christentums.[2]

Der große Jüdische Krieg gegen die Römer (66–70 n. Chr.) verstärkte eine endzeitliche Stimmung; durch die Katastrophe der Tempelzerstörung verlor auch das an jüdische Traditionen gebundene Judenchristentum an Bedeutung im Rahmen der christlichen Bewegung. Unter den Autoren der nachneutestamentlichen Texte, etwa den Kirchenvätern, gab es kaum Juden, und nur wenige konnten Hebräisch (Origenes, Hieronymus).

Heidenchristentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtig für die Ausbreitung des christlichen Glaubens war die Verwendung der griechischen Sprache, die im Römischen Reich die wichtigste Handelssprache war. Alle Bücher des Neuen Testaments sind in griechischer Sprache verfasst. Ein wichtiges Zentrum für die Ausbreitung des christlichen Glaubens auch unter Nichtjuden (oder „Heiden“) war Antiochia in Syrien. Dort wurden die Anhänger Jesu erstmals „Christen(Christianoi) (Apg 11,26 EU) genannt. Von dort starteten Barnabas und Paulus ihre erste Missionsreise. Anfangs wurden einzelne Städte erreicht, und von dort begann eine allmählich Ausbreitung auch in der ländlichen Umgebung.[3]

Die Ausbreitung des christlichen Glaubens erfolgte rasch: Um 55 n.Chr. war ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung in Ephesus Christen, so dass die unter Absatzrückgang leidenden Silberschmiede gegen Paulus protestierten (Apg 19,23-29 EU), und Paulus kontaktierte die Gemeinde in Rom, weil er ihre Unterstützung für eine Mission in Spanien wollte, denn er hatte im Oströmischen Reich kein Arbeitsfeld mehr (Röm 15,18-24 EU).[4]

Mission im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Europa des 6. bis 8. Jahrhunderts wurde die Ausbreitung des Christentums besonders durch die keltisch-irische und die angelsächsische Mission vorangetrieben. Ursprünglich eingeleitet von Gregor dem Großen waren in der Folgezeit verschiedene Einzelpersonen prägend, wie z. B. Kolumban der Jüngere, Gallus, Kilian, Willibrord und Bonifatius.

Für die Missionierung der germanischen Völker siehe: Germanenmission.

Die Missionierung Sachsens ist im Artikel Sachsenmission beschrieben.

Im Christlichen Orient waren einige katholische Orden (z. B. Zisterzienser, Benediktiner) während der Zeit der Kreuzzüge tätig. Einige Niederlassungen so wie z. B. das Kloster Balamand legen Zeugnis über die Präsenz der Zisterzienser im 12. Jahrhundert im heutigen Libanon ab.

Die katholische Mission ab 1500[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im spanischen Kolonialreich und den portugiesischen Kolonien nimmt die Missionierung der indigenen Bevölkerungen in Amerika, Asien und Afrika einen wichtigen Platz in der allgemeinen Kolonialpolitik ein. In Mexiko betätigen sich seit den frühen 1520er Jahren Missionare der Franziskaner (OFM) an der Missionierung. Später kommen auch weitere katholische Orden (Augustiner-Eremiten und Dominikaner) hinzu. Besonders bekannt wird die Mission der Jesuiten in Paraguay. Sie sind aber auch in anderen Teilen des spanischen Kolonialreichs tätig: Besonders in den heute zu Bolivien gehörigen Regionen Mojos und Chiquitos, in Chile auf der Insel Chiloé, im Amazonasgebiet (hier besonders an den Oberläufen des Amazonas), besonders aber im Nordosten von Mexiko, bei den Pima und Seri, werden jesuitische Missionarsgebiete gegründet. In der Historiographie ist umstritten, wie stark diese Gebiete vom eigentlichen Kolonialsystem unabhängig waren. Sowohl die Jesuiten als auch die anderen Orden waren in abgelegenen Gebieten tätig, welche zum Teil noch nicht von den Kolonialmächten kontrolliert wurden. So arbeiteten die Dominikaner beispielsweise am Orinoko (auch Alexander von Humboldt weist auf ihre Arbeit hin). Wie ambivalent das Verhältnis von Mission und Kolonisation zu beurteilen ist, wird an dem Beispiel von Bartolomé de Las Casas (1484–1566) deutlich. Zwar ist er ein vom spanischen Staat entsandter katholischer Missionar, entwickelt sich aber zu einem der profiliertesten Gegner der Ausbeutung der Indios.

Die Jesuiten waren auch im Kolonialreich einer anderen wichtigen katholischen Kolonialmacht, Frankreich tätig. Besonders bekannt ist ihre Arbeit unter den Irokesen und Huronen in Kanada. Zu den bekannten Märtyrern zählen Johannes de Brébeuf und sieben seiner Gefährten, deren Geschichte im Spielfilm Black Robe verarbeitet ist.

Neben den Gebieten in Amerika, waren die Missionsorden auch auf den Philippinen tätig. Besonders auf der Hauptinsel Luzon, aber auch auf Jolo, Mindanao und Zebu finden sich Jesuiten, Augustiner und Dominikaner. In anderen Teilen Asiens hatten sie weniger Erfolg.

Ein wichtiges Gebiet der katholischen Mission wurde im 19. Jahrhundert Afrika. Neben den Jesuiten betätigten sich beispielsweise die Weißen Väter, zunehmend aber auch – nach protestantischem Vorbild – katholische Laiengesellschaften an der Missionierung.

Im Christlichen Orient gab es ab dem 16. Jahrhundert eine Welle der Missionierung durch mehrere katholische Orden, die von Armenien bis Sudan (Comboni-Missionare) und vom Libanon (Jesuiten, Franziskaner) sowie Anatolien bis Iran tätig waren. Sie gründeten meist Schulen (1875 eine Universität Saint Joseph im heutigen Libanon) und Krankenhäuser. Die Missionierungen führten meist zu neuen Kirchengründungen bzw. Abspaltungen von den orthodoxen bzw. altorientalischen Kirchen: (syrisch-katholische, griechisch-katholische (Melkiten), armenisch-katholische (Mechitaristen), katholisch-koptische Kirchen, den sogenannten unierten Kirchen) oder katholischen Ostkirchen und zu Versuchen der Latinisierung z.B. bei den Maroniten.

Die protestantische Mission ab 1600[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Justinian von Welz veröffentlichte im Jahr 1664 mehrere Schriften über Bedeutung und Umsetzbarkeit der Weltmission, stieß aber unter lutherischen Theologen auf starken Widerspruch.[5] Die Evangelische Missionsbewegung beginnt 1705/06 mit der Entsendung von Bartholomäus Ziegenbalg und anderen Missionaren nach Tranquebar, Indien durch die Dänisch-Hallesche Mission. Stärker als bei der katholischen Mission war die Missionsarbeit der Protestanten auf bereits kolonialisierte Gebiete ausgerichtet. Die frühen protestantischen Kolonialmächte (England beziehungsweise Großbritannien und Niederlande) zeigten aber nicht das gleiche und privilegierte Interesse an der Evangelisierung der unterworfenen Bevölkerungen.

Ab dem 16. Jahrhundert gab es verbunden mit dem Kolonialismus der Weltmächte auch eine Verbindung zur Ausbreitung des Christentums. Missionare zogen mit Händlern und Soldaten und waren in manchen Fällen auch an der Ausbeutung, Unterwerfung, Zerstörung von Kulturen, Verletzung der Menschenrechte und Menschenwürde beteiligt.

Erst im 19. Jahrhundert wurde von britischer Seite die Missionsarbeit als ein Instrument staatlicher Kolonialpolitik begriffen. So konnten sich die zum Ende des 18. Jahrhunderts gegründeten Missionsgesellschaften, unter staatlichem Schutz betätigen. Zu diesen Gesellschaften gehörten unter anderem die Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts (SPG), die London Missionary Society, die Church Missionary Society, die Scottish Mission Society und in Deutschland die Berliner Missionsgesellschaft oder die Leipziger Missionsgesellschaft. Missionsgebiete waren besonders, der kolonialen Ausbreitung folgend, Afrika und Indien. Es wurden zwischen den einzelnen Missionsgesellschaften Verträge abgeschlossen, so dass auch deutsche Missionare in englische Protektorate oder Kolonien gehen durften. Aber auch einzelne karibische Inseln, die Philippinen durch US-amerikanische Gesellschaften und China waren Ziel der Missionierung.

Daneben gab es eine große Zahl von Missionen, die bewusst unabhängig von Staat oder nationalen Kirchen agierten, wie etwa die Basler Mission (gegründet 1815) oder die China Inland Mission von Hudson Taylor (gegründet 1865). Auch die im 19. Jh. gegründeten Missionen in Skandinavien (Dänische Missionsgesellschaft, 1821; Norwegische Missionsgesellschaft, 1842; Finnische Missionsgesellschaft, 1859) standen wie viele andere - vor allem interdenominationelle und internationale Glaubensmissionen - nicht im Verdacht, nationale Kolonialpolitik zu unterstützen.

Missionswissenschaftler – Fachgebiet Missionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neill: Geschichte der christlichen Missionen, 1990, S. 22.
  2. Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III, Knesebeck, München 1999, S. 57ff.
  3. Neill: Geschichte der christlichen Missionen, 1990, S. 24.
  4. Franz Graf-Stuhlhofer: Basis predigen. Grundlagen des christlichen Glaubens in Predigten. VTR, Nürnberg 2010, S. 64–71: Christen verbünden sich mit der Macht, dort 66.
  5. Fritz Laubach (Hg.): Justinian von Welz. Ein Österreicher als Vordenker und Pionier der Weltmission. Sämtliche Schriften (Studien zur Geschichte christlicher Bewegungen reformatorischer Tradition in Österreich; 4). Bonn 2010.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtdarstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerald H. Anderson: Biographical Dictionary of Christian Missions, Macmillan Reference, New York 1998, ISBN 978-0-0286-4604-6
  • A. Scott Moreau (Hrsg): Evangelical Dictionary of World Missions,Baker Books, Grand Rapids 2000, ISBN 978-0801020742.
  • S. Neill, N-P. Moritzen, E. Schupp (Hrsg): Lexikon zur Weltmission, Theologischer Verlag R. Brockhaus, Wuppertal 1975, ISBN 978-3797400543.

Einzelne Kirchen und Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Mission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestantische Mission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Epochen, Länder und Gesichtspunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]