Neuendorf (Klötze)

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Neuendorf
Stadt Klötze
Wappen von Neuendorf
Koordinaten: 52° 40′ 36″ N, 11° 13′ 0″ O
Höhe: 45 m ü. NHN
Fläche: 28,05 km²[1]
Einwohner: 158 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 6 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38486
Vorwahl: 03909
Neuendorf (Sachsen-Anhalt)
Neuendorf
Neuendorf
Lage von Neuendorf in Sachsen-Anhalt

Neuendorf ist ein Ortsteil der Stadt Klötze im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuendorf, ein altmärkisches Sackgassendorf mit Kirche, liegt 7 Kilometer nördlich von Klötze. Der Nordwesten des Dorfes wird Neuendorfer Graben entwässert, im Westen fließt die Purnitz.[3]

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ortschaft Neuendorf gehören die Ortsteile Neuendorf, Hohenhenningen, Lockstedt und Siedentramm.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1394 als to nyendorpe veer houe. Albert von Alvensleben und Heinrich von Eikendorp verkauften und überließen wegen ihrer Gefangenschaft den Herzögen Bernhard und Heinrich von Braunschweig und Lüneburg einige Dörfer, darunter waren also 4 Hufen von Neuendorf,[5] es kam damit zum Teil und nur kurzzeitig an das Herzogtum Braunschweig. 1398 wurde das dorff Nyendorff so vor dem Voorde zu Siden Tramme gelegen für 40 Lötig Mark durch Gebhard von Alvensleben an Bernd und Hans von der Schulenburg verpfändet[6] aber nicht wieder eingelöst. Die Verpfändung wurde 1760 erfolglos angefochten.[1] Weitere Nennungen sind 1541 Niendorfff bei Apenborg, 1687 Niendorff[1] und 1804 Neuendorf bei Apenburg.[7]

1840 war der Ort ein Pfarrdorf mit 13 Ackerhöfen. Dort lebten 5 Halbspänner, 4 Grundsitzer, 7 Einlieger. Es gab einen Krug, eine evangelische Pfarrkirche mit einem Prediger, ein Küster- und Schulhaus mit einem Lehrer sowie 34 Wohnhäuser.[8]

Erste Erwähnung 1375[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker Peter P. Rohrlach schreibt, dass die von Wilhelm Zahn[9] hierher gestellte Eintragung im Landbuch der Mark Brandenburg Nyendorf magna,[10] Niendorf im Wendland betrifft.

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuendorf steht für ein neues Dorf.[11]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau einer Kleinbahnstrecke von Klötze nach Faulenhorst, auf der der Ökonom C. A. Damke am 24. August 1897 den ersten Zug begrüßte, war von größter wirtschaftlicher Bedeutung für den Ort. Dadurch entwickelte sich die Landwirtschaft mit dem Zuckerrübenanbau und der Molkerei entscheidend weiter.

Bei der Bodenreform wurden 1945 ermiitelt: 36 Besitzungen unter 100 Hektar mit zusammen 631 Hektar, die Kirche hatte 48 Hektar und die Gemeinde 5 Hektar. Im Jahre 1953 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Fortschritt“, ein Jahr später folgte die LPG, Typ III „Heimat“ in Neuendorf-Lockstedt.[1]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Neuendorf aus dem Landkreis Salzwedel in den Landkreis Gardelegen umgegliedert. Am gleichen Tage war die bis dahin eigenständige Gemeinde Lockstedt nach Neuendorf als Ortsteil eingegliedert. Am 25. Juli 1952 wurde Neuendorf in den Kreis Klötze umgegliedert. Mit seiner Auflösung am 1. Juli 1994 kam Neuendorf zum Altmarkkreis Salzwedel. Kurz zuvor, am 14. April 1994, war die Gemeinde Hohenhenningen mit ihrem Ortsteil Siedentramm aus dem Kreis Klötze nach Neuendorf eingemeindet worden.[12]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Neuendorf am 12. Januar 2009, dass die Gemeinde Neuendorf in die Stadt Klötze eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[13][14]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Neuendorf wurden Lockstedt, Hohenhenningen, Neuendorf und Siedentramm Ortsteile der Stadt Klötze. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Für die Ortsteile Lockstedt, Hohenhenningen, Neuendorf und Siedentramm wurde die Ortschaftsverfassung eingeführt und ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 110
1774 119
1789 102
1798 136
1801 134
1818 140
Jahr Einwohner
1840 163
1864 232
1871 220
1885 208
1892 219
1895 234
Jahr Einwohner
1900 243
1905 310
1910 319
1925 324
1939 257
1946 464
Jahr Einwohner
1964 498
1971 505
1981 443
1993 387
2006 609
2017 156
Jahr Einwohner
2018 157

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen der Kirchengemeinde Neuendorf gehörten früher zur Pfarrei Neuendorf bei Klötze[15] und gehören heute zum Pfarrbereich Klötze[16] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Neuendorf stammen aus dem Jahre 1643.[17]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1990 bis 2010 war Karl-Heinz Heptner Bürgermeister von Neuendorf. 2010 wurde Domenica Borm einstimmig vom Ortschaftsrat zum Amt der Bürgermeisterin gewählt.[18]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 13. Juni 2002 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Blau vier goldene fächerartig gestellte schwebende Ähren über einem sechsmal wellenförmig von Silber und Blau geteilten Wellenschildfuß.“

Die Farben von Neuendorf sind Gold (Gelb) - Blau.

Das Wappen symbolisiert die Heimatverbundenheit, Tradition und Zusammengehörigkeit ihrer Bürger sowie der einzelnen ehemaligen Ortsteile. Diese werden durch die vier Getreideähren versinnbildlicht, die Purnitz wird durch den Wellenschildfuß symbolisiert und das Gesamtbild des Wappens zeugt vom ländlichen Raum, in dem sich Neuendorf befindet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Neuendorf ist ein im Kern spätgotischer Feldsteinsaal mit barockem Fachwerkdachreiter über dem Westteil mit einer Fachwerkvorhalle aus dem Jahre 1677 vor dem nördlichen Schiffsportal.[1]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist von Magdeburg aus auf der Bundesstraße 71 zu erreichen.

Bis zur Stilllegung der Bahnstrecke im Jahr 1970 war Neuendorf in das einst über 100 Kilometer umfassende Eisenbahnnetz der Altmärkischen Kleinbahn eingebunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, S. 126.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1546–1550 (Open Access beim Verlag).
  2. Stadt Klötze, Einwohnermeldeamt: Einwohnerbestand am 31.12.2018. 9. Januar 2019.
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Hauptsatzung der Stadt Klötze Abgerufen am 14. April 2019.
  5. Hermann Sudendorf: Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande. Vom Jahre 1390 bis zum Jahre 1394. Hrsg.: Hannover-Döhren. Teil 7, 1871, S. 320, Nr. 333 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10985538_00452~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 5. Berlin 1845, S. 299 (Digitalisat – F.8).
  7. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Hrsg.: Berlin. Band 1, 1804, S. 382 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735_00404~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  8. J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 341 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA341~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  9. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, S. 126.
  10. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 410 (uni-potsdam.de).
  11. Franz Mertens: Heimatbuch des Kreises Gardelegen und seiner näheren Umgebung. Hrsg.: Rat des Kreises Gardelegen. Gardelegen 1956, DNB 1015184308, S. 208.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359, 362, 363.
  13. Amtsblatt des Landkreises Nr. 2/2009 Seite 36–38 (Memento vom 14. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 397 kB)
  14. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
  15. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 24 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 21. März 2019]).
  16. Pfarrbereich Klötze. Abgerufen am 5. März 2019.
  17. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 2 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 21. März 2019]).
  18. Peter Lieske: Karl-Heinz Heptner nach 19 Bürgermeisterjahren verabschiedet. Domenica Borm tritt Nachfolge an. In: Altmark Zeitung, Ausgabe Klötze. 12. Mai 2010 (az-online.de [abgerufen am 22. März 2019]).