Neupotz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Neupotz
Neupotz
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Neupotz hervorgehoben

Koordinaten: 49° 7′ N, 8° 19′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Germersheim
Verbandsgemeinde: Jockgrim
Höhe: 99 m ü. NHN
Fläche: 7,78 km2
Einwohner: 1921 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner je km2
Postleitzahl: 76777
Vorwahl: 07272
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 022
Adresse der Verbandsverwaltung: Untere Buchstraße 22
76751 Jockgrim
Website: www.neupotz.de
Ortsbürgermeister: Roland Bellaire (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Neupotz im Landkreis Germersheim
Wörth am RheinGermersheimZeiskamOttersheim bei LandauKnittelsheimBellheimScheibenhardtBerg (Pfalz)HagenbachNeuburg am RheinJockgrimNeupotzHatzenbühlRheinzabernSteinweilerErlenbach bei KandelKandel (Pfalz)Winden (Pfalz)VollmersweilerFreckenfeldMinfeldLeimersheimKuhardtRülzheimHördtSchwegenheimLingenfeldFreisbachWeingarten (Pfalz)Westheim (Pfalz)LustadtBaden-WürttembergFrankreichSpeyerRhein-Pfalz-KreisNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Südliche WeinstraßeLandau in der PfalzKarte
Über dieses Bild
Setzfeldsee

Neupotz ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Jockgrim an, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl die kleinste Ortsgemeinde darstellt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt etwa zwei Kilometer westlich des Rheins an einer der vielen Mäander, die bereits vor der Tulla’sche Rheinbegradigung zum Altrhein geworden waren. Teile des Richtung Rhein gelegenen Waldes sind sogenannter Auwald, der häufig unter Wasser steht. Zu Neupotz gehören die Wohnplätze Birkenhof, Burgerhof, Erlenhof, Hardtwald, Jägerhof und Schmiedhof.[2]

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gemarkung Neupotz fließen im Norden der Erlenbach und im Süden der Otterbach. Am beziehungsweise nahe dem Altrhein befinden sich mehrere Stillgewässer, unter anderem der Setzfeldsee und der Obere Flätigsee. Zudem existiert der Altrhein bei Neupotz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Pfotz wurde erstmals im Jahre 1270 urkundlich erwähnt. 1522 wurden durch den Bau eines Dammes bei Jockgrim bei Hochwasser die Gestade des alten Fischerdorfes Pfotz weggerissen. Im Jahr 1535 bauten die Einwohner von Pfotz an der westlichen Gemarkungsgrenze ein neues Dorf mit dem Namen Neupfotz. Der Name kommt vom lateinischen purteus, deutsch Pfütze, Sumpfland.

Glockensage von Potz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Das alte Dorf Potz wurde einst von den Fluten des Rheines hinweggefressen, es versank in den Wassern und ruht seitdem in der dunklen Tiefe. Wenn aber ein Fischer am Sonntagmorgen über die Stelle fährt, wo früher das Dörflein gestanden, dann sieht er in den Fluten ganz deutlich das Dorf, die Kirche, die Fischerhütten und hört die Glocken des St.-Nikolaus-Kirchleins in der Tiefe läuten.“

Hortfund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Neupotz wurden die ältesten Hufeisen in Deutschland gefunden. Sie werden auf 294 nach Christus datiert und sind neben Küchengeräten, Feilen und anderen Gerätschaften Teil der Beute aus einer römischen Villa, die insgesamt als größter Hortfund der im dritten Jahrhundert über den Rhein dringenden Germanen gilt. Die Stücke werden in der Wanderausstellung Der Barbarenschatz gezeigt. Die Ausstellung war unter anderem in Speyer, Augsburg, Luxemburg und Bonn zu Gast.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war „Neupfotz“ in den Kanton Germersheim eingegliedert und unterstand der Mairie Leimersheim. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte die Gemeinde wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Vom 1818 bis 1862 gehörte Neu-Pfotz – so die damalige Schreibweise – dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor.

Am 7. Februar 1935 wurde der Ortsname von „Neupfotz“ in „Neupotz“ geändert. Seit 1939 ist der Ort Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Neupotz 1972 in die neu geschaffene Verbandsgemeinde Jockgrim eingegliedert. Von 1975 bis 1987 die Ortsgemeindez als Standort für ein Kernkraftwerk mit zwei Blöcken zu je 1300 MW vorgesehen. Diese Pläne wurden nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 endgültig verworfen.

Ende 2006 trat ein Investor vor den Gemeinderat, der auf dem Setzfeldsee ein Schwimmendes Feriendorf mit 66 schwimmenden Häusern errichten wollte. Außerdem plante er einen öffentlichen Badestrand zu errichten und die laufenden Kosten zu tragen. Über das Thema wurde im Dorf sehr viel diskutiert, es war oft Thema in der Regionalzeitung Die Rheinpfalz und am 23. Januar 2008 Thema in der SWR-Sendung Reiss und Leute. Laut einer im Auftrag des Gemeinderates von Forsa durchgeführten repräsentativen Umfrage unter Neupotzern waren 54 Prozent der Bürger gegen das Feriendorf, nur 34 Prozent dafür. Am 12. Februar 2008 berichtete Die Rheinpfalz, dass der Investor seine Pläne für Neupotz verworfen habe.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.[3]

Jahr Einwohner
[4] 1802 515
1815 961
1835 1.164
[4] 1849 1.272
[4] 1861 1.181
[5] 1871 1.130
1905 1.216
Jahr Einwohner
1939 1.350
1950 1.311
1965 1.405
1970 1.517
1975 1.513
1980 1.558
1985 1.516
Jahr Einwohner
1990 1.558
1995 1.665
2000 1.668
2005 1.814
2010 1.849
2013 1.879
2014 1.916

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1130 Einwohnern 1127 katholisch, zwei protestantisch und eine Person evangelisch-reformierten Glaubens.[5] 2012 waren 71,8 Prozent der Einwohner katholisch und 11,4 Prozent evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[6] Die Evangelischen wurden zunächst von Bellheim aus betreut, seit den 1960er Jahren gehört Neupotz zur Kirchengemeinde von Rülzheim.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Neupotz besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl SPD CDU FWG WGG Gesamt
2019 3 7 6 - 16 Sitze
2014 2 7 3 4 16 Sitze
2009 3 6 3 4 16 Sitze
2004 2 10 4 16 Sitze

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtszeit Name Partei
1933–1945 Josef Loy
1945–1952 Ludwig Trapp
1952–1964 Georg Albert Antoni
1964–1979 Karl August Röther
1979–1994 Konrad Wünschel CDU
1994–2004 Wilhelm Hammer CDU
2004–2014 Emil Heid CDU
seit 2014 Roland Bellaire CDU

Roland Bellaire wurde bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 mit einem Stimmenanteil von 71,95 Prozent für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.[8]

Gemeindeverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt noch über eine funktionsfähige Ortsrufanlage. Über sie werden amtliche und nicht-amtliche Mitteilungen bekannt gemacht. Die Durchsagen werden meist zur Mittagszeit oder auch in den frühen Abendstunden gemacht. Die Lautsprecher erreichen weite Teile des Ortes. In den Neubaugebieten des Ortsteils Hardtwald und Teilen des Altorts, hier vor allem in der Tullastraße, sind keine Lautsprecher installiert. Im Frühjahr 2020 übertrug die katholische Kirchengemeinde während der Corona-Pandemie sogenannte "Seelenhäppchen" über die Ortsrufanlage.[9] Während der Schulschließungen wurden auch ein Programm für Kinder übertragen.[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Neupotz
Blasonierung: „In Blau eine goldene Glocke, darunter ein linksgewendeter silberner Fisch.“[11]
Wappenbegründung: Es wurde 1841 vom bayerischen König genehmigt und geht zurück auf ein Gerichtssiegel aus dem Jahr 1724.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

denkmalgeschützte katholische Kirche

Das Straßenensemble Hauptstraße und Kirchstraße sowie die Hofanlage Kirchstraße 2 sind jeweils als Denkmalzonen ausgewiesen.

Hinzu kommen insgesamt zwölf Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter das Rathaus, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einziges Naturdenkmal vor Ort sind die Neupotzer Mutterpappeln.

Gemeindebücherei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsgemeinde unterhält eine Bücherei mit über 3.000 Medieneinheiten[12], darunter Bücher, Hörbücher und Filme. Die Einrichtung ist an sechs Stunden pro Woche geöffnet. Das Angebot richtet sich überwiegend an Kinder.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feldweg auf der Gemarkung von Neupotz

Mitten durch Neupotz verläuft die Landesstraße 549. Zudem ist die Gemeinde durch die Buslinie 552, die eine Verbindung nach Rheinzabern und Landau in der Pfalz schafft, an das Nahverkehrsnetz angebunden.

Institutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Kandel.

Polder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile der Gemarkung werden vom Polder Wörth/Jockgrim genutzt, einer zwischen 2005 und 2013 erbauten Hochwasserrückhaltung am Oberrhein. Gegen den Polderbau hatte sich in den 1990er Jahren die Bürgerinitiative „Kein Polder Neupotz“ gebildet. Nach Planänderungen stimmte die Gemeinde dem Bau zu. Als „akzeptanz bildende Maßnahme“ finanzierte das Land das Haus Leben am Strom, ein Informationszentrum zu den Rheinauen und zum Hochwasserschutz in der Ortsmitte von Neupotz.[13]

Römerschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 verkehrt auf dem Setzfeldsee der Nachbau eines römischen Patrouillenbootes, die Lusoria Rhenana.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Ort befindet sich die 1984 eingeweihte und vom Pfälzerwald-Verein betriebene Willi-Schwab-Schutzhütte.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neupotz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2019, Kreise, Gemeinden, Verbandsgemeinden (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Januar 2020[Version 2021 liegt vor.]. S. 140 (PDF; 1 MB).
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Neupotz
  4. a b c Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XXVII des Anhangs
  5. a b Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65
  6. Ewois, Stand: 31. Dezember 2012
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. siehe Jockgrim, Verbandsgemeinde, dritte Ergebniszeile. Abgerufen am 25. April 2020.
  9. Roland Hund: Impulse in einer schwierigen Zeit. Abgerufen am 5. Dezember 2020.
  10. Durch die Ortsrufanlage schallen jetzt Kinderlieder und Gebete - Kreis Germersheim. Abgerufen am 5. Dezember 2020.
  11. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3
  12. Gemeindebücherei. Abgerufen am 5. Dezember 2020.
  13. Hochwasserrückhaltung Wörth/Jockgrim bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd. Stand Mai 2013 (PDF, 3,3 MB).