Rheinzabern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Rheinzabern
Rheinzabern
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Rheinzabern hervorgehoben
Koordinaten: 49° 7′ N, 8° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Germersheim
Verbandsgemeinde: Jockgrim
Höhe: 113 m ü. NHN
Fläche: 12,76 km²
Einwohner: 4882 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 383 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76764
Vorwahl: 07272
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 024
Adresse der Verbandsverwaltung: Untere Buchstraße 22
76751 Jockgrim
Webpräsenz: www.rheinzabern.de
Ortsbürgermeister: Gerhard Beil (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Rheinzabern im Landkreis Germersheim
Wörth am Rhein Germersheim Zeiskam Ottersheim bei Landau Knittelsheim Bellheim Scheibenhardt Berg (Pfalz) Hagenbach Neuburg am Rhein Jockgrim Neupotz Hatzenbühl Rheinzabern Steinweiler Erlenbach bei Kandel Kandel (Pfalz) Winden (Pfalz) Vollmersweiler Freckenfeld Minfeld Leimersheim Kuhardt Rülzheim Hördt Schwegenheim Lingenfeld Freisbach Weingarten (Pfalz) Westheim (Pfalz) Lustadt Baden-Württemberg Frankreich Speyer Rhein-Pfalz-Kreis Neustadt an der Weinstraße Landkreis Südliche Weinstraße Landau in der PfalzKarte
Über dieses Bild

Rheinzabern (in Pfälzer Mundart Rheinzawere gesprochen) ist eine Ortsgemeinde im südpfälzischen Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Jockgrim an. Rheinzabern ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt zwischen Bienwald und der Rheinaue. Durch den Ort fließt der Erlenbach, der sich in Leimersheim mit dem Otterbach zum Michelsbach vereinigt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Rheinzabern gehören auch die Wohnplätze An der alten Neupotzer Straße, Bahnhaus an der Tongrube, Heulachhof, Rinkenhof, Römerbadschule, Wanzenheimermühle und Zirkershof.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jockgrim befindet sich ca. 2 km in südöstlicher Richtung, im Nordosten liegt Neupotz etwa 3 km entfernt. Der Ort Hatzenbühl liegt ca. 2 km im Westen, Rülzheim ist ca. 5 km entfernt in nördlicher Richtung erreichbar und Kandel liegt ca. 6 km entfernt im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Jüngere Geschichte seit 1816.
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Gemeindekirche Sankt Michael (2007)

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Tabernae (Rheinzabern)

Gegründet wurde der Ort unter dem Namen Tabernae als Raststätte an der römischen Fernstraße von Italien über Basel nach Mainz. Rheinzabern feierte im Jahr 2004 sein 1950-jähriges Jubiläum und ist damit die älteste Gemeinde in der Südpfalz. In römischer Zeit wurden hier vor allem Tonwaren hergestellt. Tabernae rhenanae galt als bedeutendste Töpfersiedlung des Römerreiches nördlich der Alpen. Besonders berühmt ist die Terra Sigillata Tonware, welche europaweit exportiert wurde. Noch heute kann man die antiken Brennöfen besichtigen. Römische Baukeramik wurde unter anderem für das Kastell Mogontiacum (Mainz) angefertigt. Interdisziplinäre Forschung ermöglichte die Lokalisierung von Ziegeln, die den Ziegelstempel der Legio XXII Primigenia tragen, für die Herstellungsprovenienz Rheinzabern.

Die zum Teil gut erhaltenen zahlreichen Fundstücke aus jener etwa 400 Jahre umfassenden römischen Herrschaftszeit sind vornehmlich im Historischen Museum der Pfalz in Speyer aufbewahrt.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Niederbrennung der römischen Siedlung durch Wandalen zu Beginn des fünften Jahrhunderts verliert sich die Geschichte Rheinzaberns, allerdings lassen verschiedene historische Zusammenhänge darauf schließen, dass hier im achten Jahrhundert ein Königshof entstanden war, in dem bereits zur Zeit der Merowinger eine Kirche bestand, die um das Jahr 746 als Schenkung des fränkischen Hausmeiers Karlmann an das Kloster Blidenfeld kam.

Im 12. Jahrhundert wurde der Ort als Zabern zum alten Erbe des Hochstifts Speyer gezählt, in dessen Besitz der Ort vermutlich durch eine Schenkung Kaiser Heinrichs IV. gekommen war. Bis zur Verlegung des Bischofssitzes nach Bruchsal im Jahr 1188 war die Burg in Zabern Sitz der Speyerer Fürstbischöfe. Im 14. Jahrhundert erhielt der Ort, zur Unterscheidung vom ursprünglich ebenfalls nur Zabern genannten Bergzabern seinen heutigen Namen Rheinzabern. 1366 wurde Rheinzabern als Stadt mit Geleit- und Zollrecht erwähnt. Hier blühten Handwerk und Handel sowie ein für das Umland bedeutendes Marktgeschehen. Rheinzabern zählte zum Oberamt Lauterburg und darin zur Amtskellerei Jockgrim.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden, rund ein Jahrhundert andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen hatte der Ort sehr zu leiden, bis 1750 waren sämtliche Stadtmauern geschleift. Gleichwohl brachten die Zerstörungen des Krieges auch eine nachfolgende Neubebauung der Stadtfläche mit sich: 1711 war die Kirche erneuert, 1718 war das Rathaus wieder errichtet, 1766 war die Kirche komplett umbaut. Das Wachstum während der Friedenszeiten im späten 18. Jahrhundert führte 1777/78 zu einer signifikanten Erweiterung der Kirche.

Im Zuge der französischen Revolution kam Rheinzabern 1789 zu Frankreich und gehörte später zum Arrondissement Weißenburg im Département Niederrhein. In den nachfolgenden Jahren hatte Rheinzabern erneut unter kriegerischen Auseinandersetzungen und Truppendurchzügen zu leiden. 1815/16 kam der Ort unter die Verwaltung der kaiserlich-österreichischen Administration in Landau, am 16. Mai 1816 dann zum Königreich Bayern.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.[4]

Jahr Einwohner
1802[5] 1.396
1815 1.822
1835 1.985
1849[5] 2.193
1861[5] 2.005
1871[6] 1.977
1905 1.839
Jahr Einwohner
1939 2.499
1950 2.706
1965 3.258
1970 3.433
1975 3.433
1980 3.407
1985 3.740
Jahr Einwohner
1990 4.102
1995 4.409
2000 4.419
2005 4.789
2010 4.914
2013 4.861

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch seine Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer blieb Rheinzabern auch zur Zeit der Reformation katholisch. Dadurch ist der Ort bis heute überwiegend katholisch geprägt. Ende 2013 waren 58,0 Prozent der Einwohner katholisch und 17,9 Prozent evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[7] Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1977 Einwohnern 1960 katholisch (99 Prozent) und 17 evangelisch (1 Prozent).[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Rheinzabern besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister Gerhard Beil als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[8]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP Gesamt
2014 6 9 3 2 20 Sitze
2009 6 8 3 3 20 Sitze
2004 5 9 3 3 20 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „In Gold ein durchbrochenes, an der oberen Spitze mit einem Kreuz besetztes schwarzes Dreieck, durch das eine rote Schnur in Windungen gezogen ist“.

Es wurde 1955 vom Mainzer Innenministerium genehmigt und geht zurück auf ein Gerichtssiegel aus dem Jahr 1755.[9]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den fünf französischen Gemeinden Chalmoux, Cronat, Mont, Saint-Aubin-sur-Loire und Vitry-sur-Loire (Communauté de communes entre Somme et Loire) im Burgund wird eine Partnerschaft gepflegt.[10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Terra Sigillata-Museum (2008)
  • Terra-Sigillata-Museum, seit 1977[11]
  • Römische Brennöfen in der Faustinastraße
  • historischer Ortskern mit stattlichen Fachwerkhäusern aus dem 18. Jahrhundert

Ein historischer Rundweg führt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Vereine und Freizeitgestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheinzabern pflegt ein reges Vereinsleben bezüglich Hobby, Sport und Entspannung:

  • Modellbahnfreunde Rheinzabern e. V.
  • Turnverein 1890 Rheinzabern
  • Pfälzerwald-Verein
  • Sportverein Olympia 1920 Rheinzabern
  • Wassersportclub Rheinzabern
  • Chorgemeinschaft Rheinzabern
  • Schützenverein St. Hubertus Rheinzabern
  • Obst- und Gartenbauverein
  • Snowboard- und Skiclub
  • Musikverein „Lyra“ Rheinzabern
  • DRK Ortsverein Rheinzabern e. V.
  • Reit- und Fahrverein e.V.
  • Gewerbekreis Rheinzabern e.V.
  • Museumsverein

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf hat ländlichen Charakter und war lange Zeit landwirtschaftlich geprägt. Heute stellt sich Rheinzabern als Wohngemeinde in der Nachbarschaft der großen Wirtschaftsräume Rhein-Neckar und Karlsruhe dar. In der Gemarkung Rheinzaberns reifen neben den üblichen Feldfrüchten auch Obst, Gemüse, Tabak und weißer Spargel. Der Ort wurde schon als pferdefreundliche Gemeinde ausgezeichnet. Rheinzabern verfügt über eine solide Infrastruktur mit vielen Handwerks- und landwirtschaftlichen Betrieben.

Das südöstlich des Ortes gelegene, seit 2008 zur Holcim-Gruppe[12] gehörende Kieswerk gewinnt, neben Grundstoffen für die Baustoffindustrie, Gold aus Sekundärablagerungen des Rheins (Rheingold). Das Werk ist der einzige offizielle Goldproduzent Deutschlands.[13]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rheinzabern gibt es die Grundschule an der Römerstraße und seit 2009 eine Integrierte Gesamtschule (IGS).[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheinzabern ist an die Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth angebunden. Seit dem 12. Dezember 2010 verkehrt auf dem Abschnitt Germersheim - Wörth am Rhein die Stadtbahn Karlsruhe. Dazu wurde die Strecke elektrifiziert. In Rheinzabern entstanden zusätzlich zum Bahnhof die zwei Haltepunkte Rheinzabern Alte Römerstraße am Baugebiet Steingebiss und Rheinzabern Rappengasse. Es gelten die Tarife des Karlsruher Verkehrsverbunds und des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Die Gemeinde ist aus östlicher Richtung über die Bundesstraße 9, Ausfahrt Neupotz erreichbar, sowie aus westlicher Richtung über die Autobahn A 65, Ausfahrt Kandel-Mitte.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort wirken oder gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1900 Jahre Rheinzabern, Festschrift zur 1900-Jahr-Feier der Gemeinde, Ludwigshafen 1954

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rheinzabern – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile S. 93 (PDF; 2,3 MB).
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Rheinzabern
  5. a b c Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz. 1863, S. XXXIII des Anhangs.
  6. a b Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden. 1873, S. 65.
  7. KommWis, Stand: 31. Dezember 2013
  8. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  9. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.
  10. rheinzabern.de
  11. terra-sigillata-museum.de
  12. Holcim Kies und Beton GmbH erwirbt neue Kieswerke und ein Trockensandwerk. Pressemitteilung Holcim-Süd. 1. April 2008, abgerufen am 23. August 2012.
  13. Christoph Seidler: Schatzsucher heben das Rheingold. Spiegel Online, 23. August 2012. abgerufen am gleichen Tage.
  14. igs.bildung-rp.de
  15. Datenseite zu Pfarrer Gillmann im Online-Nekrologium des Bistums Speyer