Oberzeiring

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Koordinaten: 47° 15′ N, 14° 29′ O

Wappen der ehemaligen Gemeinde
Blick von der Zugtalanhöhe
Oberzeiring

Oberzeiring ist eine ehemalige Marktgemeinde mit dem Ortsteil Unterzeiring im Bezirk Murtal in der Steiermark in Österreich. Die Gemeinde lag im Gerichtsbezirk Judenburg.

Oberzeiring ist vor allem durch eine geschickte Betonung seiner Geschichte um das ehemalige Silberbergwerk berühmt geworden. Im Ort wohnen etwa 500 Personen, die ehemalige Gemeinde Oberzeiring hatte 834 Einwohnern (Stand: 31. Oktober 2013).[1] Darunter befinden sich auch die Bewohner von Bergbauernhöfen, die auf bis zu 1400 m ü. A. leben.

Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform ist Oberzeiring ab 1. Jänner 2015 mit den Gemeinden Bretstein, Sankt Johann am Tauern und Sankt Oswald-Möderbrugg zusammengeschlossen.[2] Die daraus entstandene neue Gemeinde führt den Namen Pölstal. Grundlage dafür war das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz - StGsrG.[3]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Oberzeiring liegt auf 933 m ü. A. in den Wölzer Tauern in der Obersteiermark.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet umfasst folgende vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[4]):

  • Gföllgraben (61)
  • Oberzeiring (638)
  • Zeiringgraben (38)
  • Zugtal (112)

Die ehemalige Gemeinde bestand aus der Katastralgemeinde Oberzeiring.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberzeiring
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
39
 
2
-7
 
 
31
 
4
-6
 
 
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13
2
 
 
54
 
6
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40
 
2
-6
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: [5]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Oberzeiring
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,8 3,8 7,4 11,3 16,5 19,6 21,8 21,5 17,8 12,8 6,2 2,4 Ø 11,9
Min. Temperatur (°C) -7,0 -5,9 -2,5 0,6 4,7 7,8 9,7 9,6 6,5 2,2 -2,5 -5,7 Ø 1,5
Temperatur (°C) -3,5 -2,1 1,4 5,3 10,4 13,5 15,4 14,8 11,1 6,2 0,9 -2,4 Ø 6
Niederschlag (mm) 38,5 31 47,2 52,7 84,9 114 131,2 110,1 85 64 53,5 40 Σ 852,1
Sonnenstunden (h/d) 74,8 112,4 137,7 149,8 187,9 184,3 195,3 202,6 170,2 142,1 92,1 70 Ø 143,4
Regentage (d) 6,8 5,8 8,1 9,1 12 12,4 12,8 11,6 9,2 7,3 8,1 7,6 Σ 110,8
Luftfeuchtigkeit (%) 3,9 4,0 4,9 6,1 8,7 10,8 12,3 12,6 10,3 7,6 5,3 4,2 Ø 7,6
T
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u
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1,8
-7,0
3,8
-5,9
7,4
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0,6
16,5
4,7
19,6
7,8
21,8
9,7
21,5
9,6
17,8
6,5
12,8
2,2
6,2
-2,5
2,4
-5,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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e
r
s
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31
47,2
52,7
84,9
114
131,2
110,1
85
64
53,5
40
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichtliche Epochen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits weit vor der Römerzeit war Oberzeiring besiedelt. Eine alte römische Hauptstraße, die „Via Norica“ führte zumindest unmittelbar an der Siedlung in Unterzeiring vorbei. Manche Autoren bezeichneten Unterzeiring mit dem römischen Ortsnamen Viscella, was aber wohl nicht richtig ist. Eine intakte sogenannte „Römerbrücke“ aus einem Steinbogen könnte tatsächlich aus dieser Zeit stammen. Die Römerstraße war als Wirtschaftsfaktor eine wichtige Verbindung für den Handel, insbesondere auch für den Salztransport zwischen Nord- und Südalpen (also vom Murtal ins Ennstal).

Mittelalterlicher Bergbau in Oberzeiring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberzeiring wurde namentlich erstmals als mons cyrich in einem Urbar des Landesfürsten Ottokar Přemysl aus dem Zeitraum von 1265 bis 1267 erwähnt.

Bekannt wurde der Markt vor allem als mittelalterlicher Bergbauort, dessen Silberbergwerk seit dem 13. Jahrhundert ausgebeutet wurde. Seit dem 18. Jahrhundert nahm man an, dass das Bergwerk im Rahmen einer Katastrophe überflutet worden sei (als Jahreszahlen wurden 1158 oder 1365 genannt). Jüngste Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass wirtschaftliche Gründe, allen voran die Erschöpfung der Lagerstätte, zur Einstellung des Bergbaus um 1400 führten.

Neuzeitliche Versuche der Wiederbelebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele spätere Versuche, das langsam eingesickerte Grundwasser wieder abzupumpen, waren zum Scheitern verurteilt. Viele Abenteurer und Schatzsucher, unter ihnen so mächtige Personen wie Kaiser Maximilian und Erzherzogin Maria Theresia dachten, dass unter dem Wasser noch Silbervorkommen sein müssten. Maximilian I. wohnte selbst kurze Zeit im Schloss Hanfelden in Unterzeiring, musste aber sein Vorhaben ohne Erfolg aufgeben. Bis heute hält sich auch hartnäckig das in keiner Weise belegbare Gerücht, selbst das NS-Regime hätte daran gedacht, die vermeintlichen Silbervorräte von Oberzeiring zu erschließen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Eisen unter der Gewerkenfamilie Neuper und im 20. Jahrhundert Schwerspat abgebaut. In den Stollen von Oberzeiring wurde auch ein sehr schöner hellblauer Aragonit, der sog. Zeiringit gefördert. Das Vorkommen wurde jedoch vollkommen ausgebeutet. Im Gedenken an die Große Pest von 1708 bis 1714 wurde um 1760 in Oberzeiring eine Pestsäule aufgestellt.

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2017 wurde im Rahmen einer 750 Jahrfeier das Schaubergwerk Oberzeiring neu eröffnet.[6]

Sagen zum Ende des Bergwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom vermeintlichen Wassereinbruch werden mehrere Sagen erzählt, die vom Übermut und der Mordlust der reichen und betrunkenen Knappen erzählt. Sie hätten einem kleinen blonden Knaben mit einem Schwert den Kopf abgeschlagen und als Kugel beim Kegeln zu ihren silbernen Kegeln verwendet. Die Großmutter des Knaben verfluchte sie, verstreute einen Krug mit Mohn und sagte: „Soviele Mohnkörner hier liegen, solange soll es in Zeiring keinen Silbersegen mehr geben“. Am nächsten Tag, so erzählt die schaurige Geschichte, wäre Wasser in das Zeiringer Silberbergwerk eingebrochen, das 1400 Frauen zu Witwen gemacht hätte.[7]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[8]

Jahr Einwohner
1934 1.183
1939 1.138
2009 882

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute lebt der Silbermarkt Oberzeiring vom Tourismus und ist durch sein Schaubergwerk und für seinen Asthmaheilstollen bekannt.

  • Naturheilstollen für Bronchialerkrankungen (Asthmaheilstollen): Da die Luft im Stollen vollkommen staub- und schadstofffrei ist, ist der Erfolg einer 21-tägigen Kur im Stollen (täglich eine Stunde) bei Atemswegserkrankungen sehr groß. Die Lufttemperatur im Heilstollen beträgt Sommer wie Winter +8 °C.
  • Schaubergwerk: Der Beginn des Bergbaues reicht bis in das Altertum zurück. Das Silberbergwerk Oberzeiring war eines der ältesten und größten der Ostalpen, und der Ort war bis in das späte Mittelalter berühmt für sein bedeutendes Silberbergwerk.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum der Elisabethkirche in Oberzeiring
als Kugelpanorama anzeigen
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Oberzeiring
  • Pfarrkirche: Die heute gotische Pfarrkirche stammt in ihrem Kern aus der Zeit des frühen Hochmittelalters und ist dem Hl. Nikolaus geweiht.
  • Elisabethkirche: Die frühgotische Elisabethkirche, ein jüngeres Gotteshaus, wurde in der Blütezeit der mittelalterlichen Stadt erbaut und ist mit sehenswerten Fresken aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestattet.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • THEO - Theater Oberzeiring: Kulturell hat sich Oberzeiring als Zentrum für Theaterkunst etabliert. Das Theater Oberzeiring, kurz THEO, inszeniert pro Jahr etwa 6 bis 8 Stücke. In den gegenwärtigen Räumlichkeiten finden rund 200 Personen Platz. Das THEO spielt auf 2 Bühnen verteilt rund 100 Vorstellungen pro Jahr und erreicht eine Besucherzahl von 10.000. Neben den Aufführungen in Oberzeiring kommen noch rund 25 Gastspiele im In- und Ausland hinzu.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theaterfestival: Seit dem Jahr 2004 findet in regelmäßigen Abständen ein Theaterfestival statt. Zu dieser Zeit versammeln sich Kunst- und Theaterliebhaber aus ganz Europa in Oberzeiring.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mit 31. Dezember 2014 aufgelöste Gemeinderat setzte sich nach den Gemeinderatswahlen 2010 aus 6 Mandataren der ÖVP und 3 Mandataren der SPÖ zusammen.

Letzter Bürgermeister war bis 31. Dezember 2014 Alois Mayer (ÖVP).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 1. November 2006 verlieh die steirische Landesregierung der Gemeinde das Recht zum Führen eines Gemeindewappens mit folgender Beschreibung: In schwarzem Schild silbern ein nach links gerichteter, bärtiger Bergmann in langem, mittig geschürztem Bergkittel, auf das rechte Knie gestützt, einen runden gegupften Hut auf dem Kopf und mit beiden Händen ein Bergeisen gegen rechts aus dem Schildfuß wachsendes silbernes Gestein führend.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1874 Karl Kmetitsch, Bezirksrichter
  • 1874 Karl Herbst, Bezirkshauptmann von Judenburg
  • 1882 Johann Freiherr von Vernier-Rougemont, Bezirkshauptmann von Judenburg
  • 1891 Franz de Paula Neuper, Gewerke
  • 1893 Franz Seewald, Notar
  • 1901 Ludwig Köstner, Gemeinderat
  • 1907 Cäcilia Neuper, Wohltäterin
  • 1907 Roman Neuper, Gemeinderat
  • 1912 Oswald Morocutti, Bürgermeister von Oberzeiring 1901–1914
  • 1953 Josef Krainer sen. (1903–1971), Landeshauptmann
  • 1975 Friedrich Niederl (1920–2012), Landeshauptmann
  • 1980 Franz Wegart (1918–2009), Landeshauptmann-Stellvertreter

Söhne und Töchter von Oberzeiring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Steiner, Stefan Benedik Karner: Kino, Kur und Kerkersuppe. Leben unter Gegensätzen in Oberzeiring 1920–80 (= Historisches Zeiring 1). Oberzeiring 2005.
  • Walter Brunner (Hrsg.): Oberzeiring. Wechselvolle Geschichte der Bürger und Bauern eines kleinen Lebensraums. Eigenverlag Marktgemeinde Oberzeiring, 2006.
  • Walter Steiner, Daniela Karner, Stefan Benedik-Karner: Walzer, Wallfahrt, Wurlitzer. Erzählte Geschichte und Musik in Oberzeiring. Historisches Zeiring, Oberzeiring 2011, ISBN 3-9502012-0-3.
  • Hiram Kümper: Knappen, Krisen, Kapital. Der mittelalterliche Bergbau von Oberzeiring und seine überregionale Bedeutung. Hg. von Stefan Benedik-Karner und Anja Thaller (= Historisches Zeiring 3). Oberzeiring 2017. ISBN 978-3-9502012-2-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Land Steiermark: Endgültiger Bevölkerungsstand am 31.10.2013 (Excel-Datei, 85 KB; abgerufen am 2. Mai 2015)
  2. Steiermärkische Gemeindestrukturreform
  3. § 3 Abs. 8 Z 2 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. ZDB-ID 705127-x. S. 3.
  4. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  5. ZAMG Klimadaten von Österreich 1971-2000
  6. 750 Jahre Silberberg Zeiring
  7. Ferdinand Krauss: Die eherne Mark - Eine Wanderung durch das steirische Oberland, Band 2, Graz: Leykam 1892−1897, S. 422−427, hier S. 423
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871–1990. Abgerufen am 6. August 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberzeiring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien