Plan International

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Programm- und Geberländer von Plan International (Stand 2006)

Plan International ist ein internationales Kinderhilfswerk. Die Kinderhilfsorganisation ist in über 70 Ländern, unabhängig von Religion und Politik, tätig (Stand März 2017).[1] Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit finanziert Plan International nachhaltige und kinderorientierte Selbsthilfeprojekte hauptsächlich über Patenschaften, zusätzlich auch über Einzelspenden. An der Planung und Realisierung der Projekte sind die Gemeinden unmittelbar beteiligt. Die Organisation ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als private und unabhängige Organisation anerkannt und ist im Beratungsausschuss von Nichtregierungsorganisationen für UNICEF.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Wurzeln von Plan liegen im spanischen Bürgerkrieg. Dort erlebte der britische Journalist John Langdon-Davis die Not und das Elend der Flüchtlings- und Waisenkinder hautnah mit. Im April 1937 gründete er in London Foster Parents Plan for Children in Spain, um nach dem Patenschaftsprinzip diesen Kindern zu helfen. Daraus entwickelte sich die internationale Kinderhilfsorganisation Plan.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg half Plan in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, der Tschechoslowakei, Polen, Griechenland und China. 1952 eröffnete Plan in München das deutsche Büro. Bis Anfang der 1960er Jahre wurden Tausende von deutschen Patenkindern betreut. 1956 beschloss das Kinderhilfswerk als Foster Parents Plan bedürftigen Mädchen und Jungen weltweit zu helfen. 1957 wurde die Arbeit in Vietnam begonnen, zwei Jahre später in Hongkong.

Bis 1973 wurden alle Aktivitäten noch über ein Büro – in New York – gesteuert. Die vielen Hilfsprogramme und die wachsende Zahl von Paten machte jedoch die Gründung von nationalen Plan-Büros notwendig. Die internationale Koordinierungsstelle von Plan International befindet sich in Woking bei London.[3]

Projektländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan unterstützt mit den Patenschaftsbeiträgen und mit Einzelspenden Kinder, ihre Familien und Gemeinden in den folgenden Projektländern:[4]

  • Lateinamerika: Bolivien, Brasilien, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Kolumbien, Nicaragua, Paraguay, Peru
  • Asien: Bangladesch, China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Myanmar, Nepal, Pakistan, Philippinen, Sri Lanka, Thailand, Timor-Leste, Vietnam
  • Westafrika: Benin, Burkina Faso, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Togo
  • Ostafrika: Ägypten, Äthiopien, Kenia, Malawi, Mosambik, Ruanda, Sambia, Simbabwe, Sudan, Südsudan, Tansania, Uganda

Nationale Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 22 nationalen Organisationen haben die Aufgabe, für die Ziele von Plan zu werben und mit den Spendeneinnahmen die Programme und Projekte zu finanzieren. Angesprochen werden Privatpersonen, Unternehmen und staatliche Institutionen. Die nationalen Organisationen haben darüber hinaus das Ziel, entwicklungspolitische Bildungsarbeit im Spenderland selbst zu praktizieren, um auf internationale Zusammenhänge, beispielsweise von Kinderarmut, und um auf die Arbeit von Plan aufmerksam zu machen.

Plan International ist mit nationalen Organisationen in folgenden Ländern vertreten (Stand Oktober 2013):

Australien, Belgien, Brasilien, China (Hongkong), Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, Südkorea und USA.[5]

Plan International Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsstelle von Plan International in Hamburg-Barmbek-Nord

Der Plan International Deutschland e. V. mit Sitz in Hamburg wurde 1989 gegründet.[6] Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat Plan das DZI Spenden-Siegel zuerkannt. Das Kinderhilfswerk ist mehrfach als transparente Spendenorganisation ausgezeichnet worden und erreichte 2012 in diesem Bereich zweimal den ersten Platz: beim Transparenzpreis der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers und in einer Analyse des Wirtschaftsmagazins Capital. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verlieh Plan International Deutschland 2011 den Walter-Scheel-Preis für besonderes Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit. Plan International Deutschland ist Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[7]

Weltweit werden 1,2 Millionen Kinderpatenschaften betreut, von denen das deutsche Plan-Büro per 30. Juni 2016 320.124 Patenschaften betreute.[8] Der Patenschaftsbeitrag beträgt 28 Euro im Monat. 2013 betrugen die Einnahmen von Plan International Deutschland 116,16 Mio. EUR (2012: 113,03 Mio. EUR).[9]

Das operative Tagesgeschäft wird von der Geschäftsführung wahrgenommen. Geschäftsführer sind Maike Röttger (Vorsitzende der Geschäftsführung), Volker Pohl und Wolfgang Porschen.[10] Plan International Deutschland hat überdies zwei Gremien – den Vorstand und das Kuratorium sowie einen Präsidialausschuss, der für eine angemessene Überwachung des Vorstandes einschließlich einer Prüfung und Kontrolle der Verwendung der Vereinsmittel sorgt. Vorstandsvorsitzender ist Werner Bauch.

Dem Vorstand gehören mit Stand Juni 2014 folgende zehn Mitglieder an: Werner Bauch (Vorsitzender), Hans Schönwälder (1. stellvertretender Vorsitzender), Axel Berger (2. stellvertretender Vorsitzender), Rainer Funke (Schatzmeister), Barbara Daliri Freyduni, Jeannette Hopfen, Rudi Klausnitzer, Jürgen Strehlau, Günther Taube und Julia Wirtz.[11]

Bundespräsident a. D. Walter Scheel war Ehrenvorsitzender des Kuratoriums. Rudolf Stilcken ist Mitgründer des deutschen Plan-Vereins und war bis März 2008 Vorsitzender des Kuratoriums. Hanns-Eberhard Schleyer ist seit April 2008 Kuratoriumsvorsitzender. Mitglieder des Kuratoriums sind: Angelika Jahr-Stilcken (stellv. Vorsitzende) sowie Antje Arold-Hahn, Christian Graf von Bassewitz, Bettina Bernadotte, Katja Dörner, Gabriele Eick, Marion Kracht, Franz-Josef Kretz, Martina Leibovici-Mühlberger, Marie-Luise Marjan, Conny Mayer-Bonde, Philip Nölling, Christian Rainer, Karin Roth, Barbara Scheel, Manuela Schwesig, Christa Stewens, Uwe Thomas, Christian Veith und Ulrich Wickert.

Prominente Persönlichkeiten aus Unterhaltung, Politik, Sport und Wirtschaft engagieren sich für Plan in Deutschland – darunter Senta Berger, Doris Dörrie, Udo Lindenberg, Anna Maria Kaufmann, Katja Riemann, Toni Garrn, Adele Neuhauser sowie Matthias Steiner, Sabine Ellerbrock, Barbara Rittner, Mario Götze und Felix Loch.

Plan International Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2006 wurde das Schweizer Büro in Zürich gegründet.[12] Es finanziert sich über Spenden sowie Projekt- und Kinderpatenschaften. Schwerpunktländer von Plan International Schweiz sind Burkina Faso, Mali, El Salvador, Haiti, Nepal und Vietnam.[13]

Strategie und Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich weltweit alle Kinder frei entfalten und entwickeln können. Es wird eine Gesellschaft angestrebt, in der die Würde und die Rechte des Menschen respektiert werden. Dazu arbeitet Plan entlang der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN).

Kindorientierte Gemeindeentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan arbeitet mit den betreuten Kindern zusammen. Dieser Ansatz der kindorientierten Gemeindeentwicklung soll Kinder, ihre Sichtweisen, ihre Bedürfnisse und Rechte ins Zentrum aller Anstrengungen stellen. Die Kinder erhalten hierbei ein Mitspracherecht und sind neben den Erwachsenen in Planung und Realisierung der Projekte einbezogen.

Als Schlüssel zur kindorientierten Gemeindeentwicklung wird die aktive und gleichberechtigte Teilnahme aller Gruppen der Gemeinschaft an ihrer Entwicklung gesehen.

Nachhaltige Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinden sollen sich in lokale, nationale und internationale Strukturen einbinden, um Einfluss auf die Gestaltung ihres Lebensumfeldes zu nehmen und so dauerhaft der Armut zu entkommen. Plan unterstützt diesen Prozess mit entwicklungsbezogener Bildung und Lobbyarbeit in den Ländern des Nordens und in den Partnerländern.

Patenschaftsprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit der Organisation basiert auf der Unterstützung und Entwicklung ganzer Gemeinden, die dann vielen Kindern zugutekommen soll. Geldbeträge werden weder an einzelne Patenkinder noch an deren Familien ausgezahlt. Die kindorientierte Gemeindeentwicklung soll durch das Konzept der Patenschaften unterstützt und gestärkt werden, da dadurch der interkulturelle Austausch mit einzelnen Kindern und Familien gefördert werden soll. Die Patenschaftsbeiträge stellen die langfristig angelegten Projekte finanziell sicher.

Darüber hinaus unterstützen zusätzliche Mittel aus einmaligen Spenden, Erbschaften und Nachlässen sowie öffentliche Mittel die Umsetzung weiterer Projekte.

Schwerpunkt Kinderrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan Deutschland setzt die internationalen strategischen Leitlinien hauptsächlich in den Bereichen der entwicklungspolitischen Bildung und des Eintretens für die Kinderrechte um. Die Kinder- und Menschenrechte sind das Fundament der kindorientierten Gemeindeentwicklung.

Um Aufmerksamkeit für die Situation der Mädchen weltweit zu wecken beziehungsweise sie zu erhöhen, rief Plan Deutschland über ein Bündnis mit Chefredakteurinnen von Frauenzeitschriften eine Mädchen-Kampagne ins Leben. Mit der Kampagne Because I am a Girl macht sich Plan in Deutschland seit 2003 für die Rechte von Mädchen weltweit stark. Die Kampagne steht unter der Schirmherrschaft von Senta Berger und wird von prominenten Plan-Patinnen unterstützt. Sie erreichte im internationalen Verbund bei der UNO die Anerkennung der Welt-Mädchentage jeweils am 11. Oktober.

Im Zusammenhang mit Kritik, nach der Plan-Patenmädchen der Gewalt der Beschneidung weiblicher Genitalien (Genitalverstümmelung) überlassen werden würden,[14][15] weist Plan International darauf hin, dass sie ebenso wie andere Organisationen in diesen Ländern eine zielorientierte „Politik der Aufklärung“ verfolgen.[16] Die Organisation stützt sich dabei auf Thesen, nach denen durch umfangreiche Aufklärung, Enttabuisierung von Themen wie Sexualität und Genitalverstümmelung, sowie eine breite gesellschaftliche Diskussion eine Veränderung des Verhaltens erreicht werden kann.[17]

Ehrenamtliches Engagement für Plan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Städten Deutschlands haben sich Menschen zu Aktionsgruppen zusammengeschlossen, um sich gemeinsam privat und ehrenamtlich für Plan International zu engagieren. Die erste Plan-Aktionsgruppe hat sich 1993 in Frankfurt gegründet, vier Jahre nach der Gründung Plan Deutschlands. Die meisten Plan-Aktionsgruppen in Deutschland setzen sich überwiegend aus Paten zusammen, doch engagieren sich auch Nicht-Paten in diesen Gruppen. Als Ziele formulieren die meisten Gruppen, Plan lokal bekannt zu machen, bestimmte Plan-Projekte ideell und finanziell zu unterstützen und Paten zu gewinnen. Diese Ziele werden durch Aktionen wie Informationsstände, Flohmarktstände, Weihnachtsmarktverkäufe oder Benefiz-Veranstaltungen verfolgt. Im Januar 2009 existierten im gesamten Bundesgebiet 142 Aktionsgruppen. Heute ist auch je Bundesland ein ehrenamtliches Aktionsgruppenmitglied in der Mitgliederversammlung von Plan Deutschland vertreten.

Weitere Unterstützung für die Arbeit von Plan kommt von Schulklassen und Schulen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://plan-international.org/where-we-work Where we work. Plan international, abgerufen am 18. März 2017 (englisch).
  2. History. plan-international.org, abgerufen am 9. Mai 2014.
  3. Contact us / Headquater. In: Plan International. (plan-international.org [abgerufen am 21. Mai 2017]).
  4. 'Weltweit aktiv'. Website Plan International Deutschland. Abgerufen am 21. Januar 2016.
  5. Nationale Büros. Website Plan International Deutschland. Abgerufen am 4. Oktober 2013.
  6. Satzung (PDF)
  7. Initiative Transparente Zivilgesellschaft, abgerufen am 17. Juli 2015.
  8. Plan Deutschland e.V.: Der aktuelle Rechenschaftsbericht | Plan International. Abgerufen am 2. April 2017.
  9. https://www.plan.de/transparenz-bei-plan/rechenschaftsbericht.html
  10. Plan Deutschland e.V.: Die Geschäftsführung | Plan International Deutschland. Abgerufen am 2. April 2017.
  11. Vorstand. plan.de, abgerufen am 6. Juni 2014.
  12. https://plan.ch/de/geschichte-kinderhilfswerk-plan-international
  13. Projekte. Plan International Schweiz. Abgerufen am 18. August 2011.
  14. Darstellung des kritisierten Problems
  15. Clemens Vergin: Angst vor der Verstümmelung des Patenkindes. In: Die Welt, 21. Dezember 2007
  16. World Vision: Mädchen umfassend in ihren Rechten stärken - Würde afrikanischer Familien achten. (PDF; 75 kB) Pressemitteilung vom 16. September 2009.
  17. Terre des femmes e. V.: Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung (FGM = Female Genital Mutilation). Studie im Auftrag des Europäischen Parlaments, Oktober 2005.